Beiträge von dagmarjung
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Viele schreiben, Deine Erwartungen sind zu hoch. Ich sage: die Anforderungen selbst sind nicht wild.
Das stimmt. Ich hätte sagen sollen: Deine Erwartungen sind langfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit erfüllbar. Das Problem ist, daß du alles und zwar sofort willst - damit sind wir wieder beim Stichwort Geduld.
Was glaube ich hier ein ganz zentrales Wort ist.
Deine Qualitäten sind, daß du Dinge aktiv in Angriff nimmst, auch bereit bist, Arbeit zu investieren, zur Hundeschule zu gehen oder einen Theoriekurs zu machen. Das ist gut, längst nicht jeder geht Hundehaltung so engagiert an!

Was dir dagegen nicht so leicht fällt, ist Geduld. Wachsen lassen, in Ruhe beobachten und dann erst deine Schlüsse ziehen. Nicht zu früh Risiken eingehen. Den Tieren wirklich Zeit lassen, ohne gleich zuviel von ihnen zu verlangen.
Da mußt du zum Wohle deiner Tiere noch an dir arbeiten.
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Ich lasse meine Hunde nicht aus den Augen also kann niemand meinen Hund hinter dem Rücken anfassen.
Ich rede nicht nur vom Freilauf - da kann der Hund ja sogar leichter ausweichen - sondern gerade auch vom angeleinten Hund.
Zwei Situationen aus meinem und Caras Leben:
-Ich stand am Fahrkartenautomaten der Bundesbahn, war voll damit beschäftigt, dem Ding durch mehrere Menüs hindurch eine Fahrkarte abzuringen, Cara kurz angeleint und leicht versetzt hinter mir, als hinter meinem Rücken jemand den Pudel angrabbelte. Und beleidigt war, als ich darauf wenig begeistert reagiert habe.
- Ich war auf der Pferderennbahn und schaute direkt an der Bande dem laufenden Rennen zu, Cara wieder kurz angeleint hinter mir. Ich fühle ein Ruckeln, drehe mich um und sehe einen jungen Mann, der ein Baby mit dem Gesicht voran direkt vor Caras Schnauze hält, so daß es mit den Händchen an Cara herumpatschen kann.
Keine Worte...

So bescheuert kann man gar nicht denken, wie manche Leute sind. Leider sind wir als Hundehalter trotzdem voll haftbar. Mit einem Hund, der nicht so grundgutmütig ist und leichter mal schnappt, egal wie berechtigt, darf man kein Risiko eingehen.
Und falls du jetzt sagst, mein Fehler, ich hab mich halt ablenken lassen - ja sicher. Man kann und will sich nicht überall und unter allen Umständen ausschließlich auf den Hund konzentrieren - deswegen hat man ihn dann ja an der Leine. Das ist trotzdem, wie beschrieben, nicht narrensicher.
Ich erwarte eigentlich schon das wenn ein Hund was lernt das er es immer abrufen kann. Ich kenne das nicht anders von eben vorherigen Hunden. Die haben das gelernt und konnten das bei jedem anwenden,
Von all meinen Hund war das bei genau einem so. Und selbst bei ihr war das nur unverbindlicher Spaß und wenn es ernst wurde war es vorbei mit dem Gehorsam bei Fremden.
Cara beherrschte auch allerhand Kommandos und machte auch bei fremden Leuten gerne mal Sitz, Pfötchen und Hopp. Aus Spaß und für Leckerchen. Das ist aber etwas ganz anderes als ein verläßlicher Gehorsam inclusive verbindlicher Rückruf auch bei Ablenkung.
Den muß man sich mit einem neuen Hund immer neu erarbeiten. Und dazu gehört es, daß der Neue eben eine Weile lang noch nicht frei laufen kann, bis der Rückruf sicher sitzt. In dieser Zeit benutzt man eben eine Schleppleine. Und bloß nicht zu früh leichtsinnig werden!
Auf der Tasso Seite werden die Hauptursachen genannt, warum Hunde entlaufen. "Schlechte Bindung zum Halter" gehört dazu, außerdem "fehlende/zu kurze Eingewöhnung und Spaziergang ohne Leine". Das gehört natürlich beides zusammen, denn ein neuer Hund hat logischerweise noch gar keine oder nur eine schwache Bindung an den neuen Halter.
Dazu kommt noch das Risiko "Schrecksituation", welches nochmal dramatischer ausfällt, wenn der Hund aufgrund mangelnder Bindung nicht beim Halter Schutz sucht oder nachhause läuft sondern in blinder Panik davonstürmt.
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Deine Erwartungen an die Hunde sind extrem hoch. Das kann kein Hund erfüllen, der neu in einen Haushalt kommt. Es sind Lebewesen mit Empfindungen wie Ängstlichkeit, Frust, Verunsicherung. Es ist völlig normal, daß ein neuer Hund erstmal nicht so funktioniert, wie man sich das vielleicht idealerweise erhofft hat. Er muß erst Vertrauen fassen und sich einleben und das dauert seine Zeit und diese Zeit kann man nicht abkürzen.
Bei einem Haushaltsgerät oder Computer kommst du vielleicht weiter mit deinen Prozentzahlen, aber bei Tieren machen sie schlicht keinerlei Sinn. Bei Tieren geht es um Beziehung. Eine Freundschaft mißt sich nicht in Prozentzahlen erfüllter Erwartungen. Eine Freundschaft lebt davon, daß nicht einer Erwartungen stellt, die der andere erfüllen muß, sondern davon, daß man darauf achtet, was der andere braucht.
Keins der Tiere hat es sich ausgesucht, bei dir zu wohnen, daher liegt es an dir, auf deine Tiere zu hören und zu erfassen, was sie von dir brauchen und nicht umgekehrt.
Lui stand nicht mit einem Koffer vor deiner Türe und ist einfach so bei dir eingezogen. Du alleine hast die Entscheidung getroffen. Nicht der "Zufall" oder deine Bekannte sind schuld, wenn es nicht so klappt wie gewünscht. Du hättest Nein sagen können.
Ich finde die Probleme von Lui echt übersichtlich und nicht mehr, als man erwarten kann, wenn man einen bis dato unbekannten Second Hand Hund kauft. Das allermeiste dürfte darauf zurückzuführen sein, daß ihm der Umzug zu schaffen macht.
er kann laut ihr frei laufen, hier absolut nicht
Ich kann nur hoffen, daß du Lui noch nicht frei laufen läßt nach den wenigen Tagen!?
Er kennt dich noch nicht und hat keinen Grund, dir zu vetrauen und auf dich zu hören. Grundkommandos wie den Rückruf mußt du bei jedem neuen Hund von Grund auf neu aufbauen, auch wenn er es beim Vorbesitzer schon konnte. Denn er konnte es eben mit dem Vorbesitzer und nicht mit dir.
Auch Texas kann nach 8 Wochen noch nicht innerlich so vollständig angekommen sein, wie du glaubst. Auch wenn er schon recht gut funktioniert und gerne lernt. Du wirst den Unterschied zum Stand von heute erst in einem halben Jahr und dann auch noch weiter nach einem Jahr und mehr sehen. Du kannst es mangels Erfahrung jetzt einfach noch nicht erfassen.
Was mich übrigens wundert ist, daß Texas als erwachsener Aussierüde noch unbefangen mit Fremdhunden spielen soll. Das wäre sowohl für die Rasse als auch für das Alter ungewöhnlich.
Bist du sicher daß er wirklich unbefangen und entspannt spielt? Nicht alles Toben und Rennen mit anderen Hunden ist wirklich Spiel. Oft sieht man auch Mobbing, Jagdliches Hetzen und gegenseitiges Einschüchtern. Kannst du all diese Verhaltensweisen sicher unterscheiden?
er kennt den Maulkorb, die Hundeschule hat aber gesagt den können wir gleich verbannen. Er geht ja nicht einfach auf Leute los.
Wie gesagt er geht niemanden einfach so an und fremde haben ohne zu fragen nicht meinen Hund anzufassen.
Wenn jemand deinen niedlichen Hund ungefragt anfaßt, zb hinter deinem Rücken und gebissen wird, dann bist du dran mit Anzeige, Wesentest, Auflagen für bissige Hunde und allem Pipapo. Egal, wie dumm sich der Mensch verhalten hat. Unterschätz das bloß nicht!
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Als Deckrüdenhalter bist du genauso in der Verantwortung wie der Halter der Hündin, daß alles glatt abläuft. Das betrifft nicht nur den Deckakt und seine Risiken, sondern auch allgemeine Grundkenntnisse von Sexualverhalten. Zucht und Genetik gehören auch dazu.
Hier gleich noch eine Info zum Thema: Läufige Hündinnen markieren wirklich alle paar Meter. Sie wollen ja die Information verteilen und mögliche Paarungspartner anlocken.
Wenn dann noch mehrere Hündinnen gleichzeitig läufig sind im Revier, dann kann das einen ein Rüden schon ganz schön beschäftigen.
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Wegziehen ist für den Hund weit weniger verständlich als wenn du ihn abdrängst, indem du dich zwischen ihn und die Schnüffelstelle schiebst und ihn direkt weiterführst. Damit nimmst du die Stelle quasi für dich in Anspruch und machst ihm deutlich, daß es nicht seins ist.
Ich würde auch nicht warten, bis er sich festgeschnüffelt hat, sondern schon den Ansatz abbrechen.
Ich bin ehrlich gesagt auch erstaunt, daß du als Besitzer eines Deckrüden dieses typische Rüdenverhalten offenbar nicht einordnen kannst. Du solltest dich dringend eingehend über das Sexualverhalten von Hunden informieren.
Rüden interessieren sich für die Urinspuren läufiger Hündinnen, die sie nicht nur mit der Nase, sondern auch mit dem Jacobsohnschen Organ aufnehmen.
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Richtig, das hatte ich vorhin noch vergessen zu fragen: wie lang ist die Leine?
An einer kurzen Leine ist der Hund so schnell am Ende der Reichweite, daß er sehr oft korrigiert werden muß und entsprechend ständig gefrustet ist. Überhaupt ist längeres Laufen an der kurzen Leine im angepassten Tempo eine Konzentrationssache, die viele jüngere Hunde überfordert.
Ein längere Leine kann da entspannend wirken. An einer längeren Leine kann der Hund auch mal kurz stehenbleiben oder ein paar Schritte vorauslaufen.
Ob eine 4 bis 6 Meter "Schlamperleine" oder eine 10 Meter Schleppleine besser sind hängt auch wieder vom Hund und den Umständen ab. Er soll ja gerade in ländlicher Umgebung nicht in Gräben und Böschungen nach Wildgerüchen suchen.
Die von mir für meinen Junghund viel genutzte "Schlamperleine" läßt sich einfacher händeln als die Schleppleine.
Die Schleppleine kommt dagegen dem eigentlichen Freilauf schon näher, muß aber sehr konzentriert geführt werden, damit der Hund nie mit Anlauf reinknallen kann, sonst können sich Hund und Mensch ernsthaft verletzen. Das bedeutet man muß ständig nachfassen oder freigeben, damit der Hund nur immer soviel Freireum hat, wie er gerade benötigt.
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Kannst du mal euren typischen Tagesablauf beschreiben?
Wohnst du alleine mit deinem Hund oder gibt es mehrere Personen im Haushalt? Falls ja, wie ist die Beziehung zwischen ihnen und deinem Hund?
Für mich klingt es aus deiner Beschreibung ja mehr nach Single mit Hund, aber dann frage ich mich, wie du bisher aufs Alleinbleiben bzw das Training dafür verzichten konntest. Klar, Homeoffice, aber man muß ja doch einkaufen gehen oder hat sonstige Termine, wo man den Hund nicht mitnehmen kann.
Ländliche Umgebung kann für jagdtriebige Hunde das genaue Gegenteil von reizarm sein.
Kennt dein Hund sowas wie Bummelspaziergänge, wo von dir kein Bespaßungsangebot kommt? Ich meine damit nicht die Runde um den Block, sondern schon einen richtigen Spaziergang.
Wenn dein Hund erst viel Action gewohnt ist und du dann von jetzt auf gleich auf ein Minimalprogramm runterfährst ist klar, daß der Hund darauf nicht mit Entspannung, sondern mit Frust reagiert.
Radfahren kann aufhetzend wirken durch die schnelle Bewegung.
Es kann aber auch zur Entspannung beitragen, weil man sich besser als zu Fuß dem natürlichen Trabtempo des Hundes anpassen kann und dadurch das konfliktbelastete Leineziehen vermeidet.
Da würde ich genau hinschauen, ob dein Hund vom Radfahren profitiert oder nicht und welches Tempo optimal ist.
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Das ist schon ein massives Programm, was Lui da leisten muß.
Ich glaube, daß du immer noch weit unterschätzt, was dieser Hund gerade zu bewältigen hat. Ja, er kennt das Leben mit einem größeren Hund, aber nicht mit deinem Hund. Der auch noch dazu ein Rüde ist und keine Hündin, also eher potentieller Konkurrent als Partner. Der versucht, ihn einzuschränken und zu kontrollieren. Ja, du maßregelst Texas, wenn er das tut, aber alleine daß du maßregeln mußt heißt ja, daß er es versucht und Lui bekommt schon den Ansatz mit, auch wenn du Texas danach abbrichst. Das heißt, Lui hat Stress dadurch.
Ja, Lui kennt Katzen, aber er kennt nicht deine Katzen, davon auch gleich noch 6.
Luis ist erst seit Donnerstag bei dir. Also noch nicht mal 4 Tage.
Er muß also sein Verhältnis zu nicht weniger als 8 fremden Individuen neu finden, und zwar in einer ebenfalls neuen, unbekannten Umgebung und dazu muß er den Verlust des bisher vertrauten Lebens verarbeiten.
Da ist es für SitzPlatzFuß noch weitaus zu früh.
Bitte übe Geduld und beschränke dich vorerst auf das Aller-Allernotwendigste. Laß alles weg, was du weglassen kannst, ohne Leib und Leben deiner Tiere zu gefährden und laß den Chi erst einmal so mitlaufen. Sitz Platz, Fuß und Pfote lernt er auch später noch.
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