Mir geht es NICHT darum, daß mir Mischlinge weniger wert wären oder sonstwas. Mir geht es darum, daß ich die geplante Produktion von Wundertüten ablehne.
Mal ein kurzes Beispiel aus meiner Erfahrung. Meine Eltern haben sich in 2003 einen kleinen Mix-Welpen aus dem Tierheim geholt. Die Mutter war mit dort und gefiel - und ja, man hatte gewissen Hoffnungen in diesen Hund, wie er sich entwickeln sollte. Aktiv, lustig, auch optisch war eine Idee im Hirn. Der Hund ist GANZ anders geworden. Kompliziert, schwer zu erziehen, unsicher, überhaupt nicht verspielt und auch optisch - naja. Ja, meine Eltern lieben diesen Hund - nichts desto trotz ist ihre Enttäuschung durchaus regelmäßig merkbar, wenn sie wieder mit ihrem Latein am Ende sind.
Mein Verstädnis von Zucht umfasst daher eine gewisse Planbarkeit der Eigenschaften der Hunde. Der eine sucht eher einen Couch-Potatoe, der nächste eine Bodenlenkrakete, der dritte einen Hund, der einfach nur gut aussieht und nett ist und immer dabei. Jeder hat seine Ansprüche an einen Hund auch eben den Lebensumständen entsprechend und daher vinde ich es wichtig, daß in gewissem Maß ein Hund "planbar" ist, wie er sich entwickeln wird.
Zucht ist Denken in Generationen. Zucht ist Ahnenforschung. Zucht ist Forschung wie sich gewisse Hunde vererben, welche Eigenschaften usw. Nicht ganz umsonst war oberstes Entscheidungskriterium für meinen Zwerg ihr Großvater. Ich habe mir ihren Vater angeschaut und siehe da, sehr viele Eigenschaften von seinem Vater waren in ihm vertreten. Diese hat er auch bereits an seine Kinder vererbt. Obendrein sollte natürlich die Mutter auch nett sein. Da es ihr erster Wurf war, war die Frage, wie sie sich vererben würde, ein wenig ein Lottospiel, aber ich habe den Eindruck, auch sie hat besonders ihre guten Eigenschaften vererbt.
Ja, es gibt auch in der Zucht Krankheiten. Durch offenen Umgang der Züchter und Verbände mit diesen Problemen gelingt es aber mehr und mehr, bestimmte Probleme auszugrenzen. Es werden (bei meiner Rasse) Gentests für bestimmt Probleme entwickelt und man kann so gezielt abgesichert nach einem Deckpartner suchen. Man forscht, vergleicht, erstellt Ergebnisseiten usw. usw. Zucht, geplante und durchdachte Zucht, ist also weitaus weniger ein Lottospiel, als du es dir vielleicht denkst. Die Genetik kann man nicht betrügen. Mendel bleibt Mendel, da kann man auch mit neuen Ideen einfach nichts daran ändern.
Vielleicht verstehst du jetzt ein wenig mehr, warum viele hier nicht durchdachte Mixvermehrung ablehnen. Nicht umsonst landen auch viele dieser exotischen Mixlinge in Tierheimen. Ich selbst hatte im Winter einen wohl Hovawart-Border Collie Mix in Pflege, der als Border COllie gekauft worden war. Die Leute hatten sich wirklich bemüht auch über den Border Collie schlau gemacht und ich bin sicher, sie wären einem BC gerecht geworden. Was sie allerdings mit einem Hovawart erwarten würde, haben sie sich natürlich nicht ausgemalt. Als der Hund dann wiederholt die Frau des Hauses rücklings an die Wand gestellt hatte, war die Sorge um die Kinder so groß, daß er verständlicherweise gehen mußte.