Beiträge von Cattledogfan

    Die medikamentöse Unterstützung von Angsthunden - wobei man noch zwischen Angst und Panik unterscheiden muss - ist in meinen Augen eine ganz heikle Sache.

    Meines Erachtens spielt es auch eine große Rolle, wie der Mensch auf seinen Hund im Angstmodus reagiert. Bei einem nur drei Tage dauernden Schützenfest würde ich den Hund nicht noch zusätzlich durch Versuche stressen, ihn entweder nach draußen locken oder im Haus beruhigen zu wollen.

    Wäre es mein Hund, müsste er das aushalten, genau, wie ich in einem alten Bauernhaus gelegentlich Mäuse im Haus oder Ratten draußen auf dem Hof aushalten muss, was mir regelmäßig hysterische Schreie entlockt.

    Ich habe gelernt, mit Mäusen und Ratten zu leben, und wenn ich im Winter Kaminholz hole, dann tue ich das tagsüber und mit mindestens einem Hund als Begleitung. Angst und Panik gehören zum Hunde- und Menschenleben dazu. Allerdings hängt das erträgliche Maß von Individuum ab.

    Zum Rausgehen würde ich diesen Hund nur nötigen, wenn ich ziemlich sicher weiß, um die Uhrzeit ist kein Krach (z. B. frühmorgens), oder dieser Ort (z. B. Wald) ist weit genug entfernt.

    Ich finde es ganz wichtig, dass ein Angsthund kleinschrittig lernt, dass es auch angstfreie Zeiten und Räume gibt, egal, wie klein diese auch sein mögen.

    Caterina

    Gibt es denn irgendwas, bei dem der Hund zwar voll konzentriert, aber nicht in diesem abgedrehten Zustand ist?

    Ich habe mit dem Schleuderball den Vorteil, dass Schwarzi zu bestimmt 80, 85 Prozent nicht wie auf Drogen ist, sondern sich einfach nur - zwar hochkonzentriert, aber nicht weggetreten - zu mir wendet. Ich mache dann eine "Ansage" (entweder verbal oder mit Handzeichen), wohin der Ball fliegt, und dann läuft er zügig einen Bogen und wartet auf den Ball, den er dann zügig bringt.

    Kritisch wird es nur, wenn mir die Gelegenheit zum Werfen fehlt, z. B bei Glatteis, weil doch mal dichter Verkehr ist oder weil die anderen Hunde dabei sind, dann ist er genau in diesem weggetretenen Zustand, den Du beschreibst, kaum noch ansprechbar, es sei denn, ich werde ziemlich laut oder wende brachiale Gewalt an, in meinem Fall-das Festhalten mit der Leine, denn ansonsten hätte er in den ersten Monaten schon vor einigen Autos geklebt.

    Die Vorbesitzer fanden das nicht weiter schlimm, weil er ohnehin die meiste Zeit im Geschirr entweder am Fahrrad oder beim Joggen zog wie ein Ochse, er wurde wegen Kleinkindabschnappen abgegeben.

    Was ich jetzt schreibe, erhebt keinen Anspruch auf irgendeine wissenschaftliche Grundlage, ist einfach nur so ein Gefühl:

    Hast Du mal probiert, mit dem Hund bei Fuß Schlangenlinien mit so großen Bögen wie möglich oder gar Kreise oder Spiralen zu laufen, z. B. um Laternenmasten, Bäume oder Autos, wenn Du bemerkst, dass er auf einen Reiz reagiert? Wenn er verfressen ist, dann mit Futter in der ausgestreckten Hand, so dass er was zum Angucken hat?

    Caterina

    Immer vorausgesetzt, der Hund hat tatäschlich Angst vor den Geräuschen, kann ich nur dringend dazu raten, diese Angst zu akzeptieren. Das fördert das Vertrauen des Hundes in Dich enorm.

    Ich würde keinen Hund absichtlich einer Geräuschkulisse aussetzen, vor der er Angst oder sogar Panik hat. Unter Angst lernt der Hund nichts.

    An Silvester oder bei Volksfesten war ich meist frühmorgens eine große Runde draußen, wenn die Krachmacher noch Pause haben. Später am Tag ging es dann nur noch in sicherer Entfernung vom eigenen Bau, d. h. mit Blick auf die Tür, wo es wieder reingeht, raus zum Pinkeln, wenn überhaupt. Ich war immer erstaunt, wie lange die Hunde dann plötzlich einhalten können.

    Es kann immer mal plötzlich irgendwo etwas knallen oder so, und ein Hund, der nicht gelernt hat, dass sein Mensch ihn diesem "Bösen" keine Sekunde länger als irgend nötig aussetzt, geht dann evtl. in Panik durch und rennt kopflos so lange, bis "das Böse" nicht mehr zu hören ist.

    Was ist, wenn der Wind den Schall dieses Schützenfestes zum Wald trägt, in dem Du spazieren gehst? Meine bisherigen Silvester- und Gewitterschisser signalisierten bei "bösen" Geräuschen deutlich, dass sie JETZT und SOFORT wieder zurück ins sichere Loch MÜSSEN, und ich habe das immer akzeptiert, d. h. angeleint und dann im Stechschritt zurück.

    Durchgegangen ist mir zum Glück keiner bisher.

    Caterina

    Willkommen im Club! Genau das tut unser Schwarzi-Border auch und hat es wohl bei den Vorbesitzern richtig ritualisiert.

    Meine nicht unbedingt nachahmenswerte Lösung war, umlenken auf einen anderen Bewegungsreiz, nämlich einen Schleuderball, quasi als legale Droge, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass man genetisch bedingtes Verhalten nicht auf Dauer unterdrücken kann, daher musste was her, was er anglotzen und jagen durfte; an Schafen war er anfangs kaum interessiert, obwohl aus hütenden Eltern, erst seit Hund Nr. 2 da ist, kam plötzlich der Kick.

    Funktioniert hervorragend, er muss nur an die Leine, wenn er Panik vor Schüssen und Gewitter hat. Selbst den Autobahnzubringer vor dem Hof kann ich problemlos bei (für hiesige Verhältnisse) dichtem Verkehr überqueren, auf den nur feldwegbreiten Landstraßen hier schiebt er sich automatisch an den Rand, wenn er lange vor mir ein Auto bemerkt, und dann muss der Ball noch nicht einmal sofort fliegen, ich kann warten, bis ich eine geeignete Stelle erreiche.

    Was natürlich den gravierenden Nachteil hat, dass der dämliche Ball immer und überall dabei sein muss, ansonsten lässt er zwar zwei, drei Autos mit Kommando Sitz, Platz oder Fuß (was gerade passt) passieren, aber dann ist es aus, Nr. 4 wird ohne Rücksicht auf Verluste verfolgt. Leine ich ihn an, springt er ohne Rücksicht auf Verluste in die Leine und erhängt sich schier.

    Aufflackernde Bremslichter oder Blinker sind der ultimative Kick, dann tue ich gut daran, den Ball sofort in die Hand zu nehmen und den Wurf damit anzukündigen, ansonsten würde er sofort durchstarten. Er ist deutlich leichter bei flüchtendem Wild zu stoppen als bei seiner Scheißautojagerei, die ihm sogar wichtiger als Küheholen ist (lebe auf einem landwirtschaftlichen Betrieb).

    Weil ich mir nicht sämtliche Jackentaschen zerreißen und einmisten lassen wollte, bin ich daher fast nur mit dem Rad unterwegs, wo der Ball griffbereit im Körbchen am Lenker liegt. Bin ich zu Fuß unterwegs und habe keine geeignete Tasche zum Einstecken des Balls, ist kein Spazierengehen möglich, er stiert nur seine Droge an. Oder lauert halt auf Autos...

    Ich habe ihn, wie gesagt, für meine Ansprüche prima unter Kontrolle, ohne mit der Brechstange einen Befehl durchsetzen zu müssen, wo ich nicht sicher sein kann, dass mein Wort genügend Gewicht gegenüber der Droge Auto hat.

    Aber ich bin natürlich co-abhängig von diesem dämlichen Ball, und ich stelle es mir schwierig vor, etwas Ähnliches in der Stadt zu zelebrieren.

    Caterina

    Michi69: Das mit dem Teetrinken ist hoffentlich als Ratschlag für die Zeit gedacht, nachdem der Hund erst mal draußen war... Die Hündin muss über 9 Stunden einhalten, nicht vergessen!

    Selbst wenn man beim Nachhausekommen erst mal kurz in die Wohnung muss, z. B. um was abzustellen oder um auf die Toilette zu gehen, würde ich diese Zeit so kurz wie möglich halten und dem Hund deutlich signalisieren, dass es jetzt SOFORT raus geht, damit er nach Möglichkeit erst gar nicht in den Angstmodus fällt: Leine hinhängen, evtl. Leckerli für unterwegs einstecken, halt irgendwas, was der Hund mit Gassi verbindet.

    Vielleicht ist es möglich, die ersten Tage so zu planen, dass Du nicht in die Wohnung musst, sondern den Hund zur Tür rufst. Kannst Du die Leine vielleicht schon mitnehmen, wenn Du zur Arbeit fährst, so dass Du sie in der Hand hast, wenn Du die Tür öffnest?

    Dann sofort Leine dran und raus, gar nicht großartig betüddeln.

    Ich weiß ja nicht, wann Du fütterst, aber ich würde nach diesem 1. Spaziergang nach der Arbeit dann zügig reingehen und dem Hund sofort Futter hinstellen, also in der Wohnung sofort etwas Angenehmes tun.

    Was mich interessieren würde: Wie est es denn am Wochenende, wenn Du den ganzen Tag da bist (sofern Du am Wochenende frei hast)? Stellt sich die Hündin dann auch so an?

    Könnte Deine Mutter evtl. am Vormittag mal mit dem Hund rausgehen? Am besten einige Tage hintereinander? Es wäre ja interessant zu sehen, ob sich dann das Verhalten ändert, wenn Du nach Hause kommst.

    Ich vermute wirklich, dass die Alleinbleibzeit auf Dauer zu lang ist. Dass es anfänglich geklappt hat, muss nichts heißen.

    Caterina

    Lebst Du alleine mit dem Hund? Und ist er tatsächlich 9 Stunden alleine? Ohne die Möglichkeit zum Lösen? Das ist schon eine Hausnummer...

    Je nachdem, was vor 5 Uhr an Programm für den Hund passiert, kann es durchaus sein, dass der Hund nicht so lange einhalten kann oder will, selbst wenn es anfänglich funktioniert hat, evtl. aus Stress.

    Ich würde rein nach dem, was Du geschrieben hast, beim Nachhausekommen die Wohnungstür aufmachen, den Hund herrufen und sofort mit ihm rausgehen und gar nicht großartig auf seinen Gemütszustand eingehen, damit er sich nach so einer langen Zeit erst mal auslüften kann, und mich erst später am Tag genauer mit ihm beschäftigen.

    Caterina

    Ich kann pawtastic nur zustimmen: 6 Monate sind für einen bereits erwachsenen Hund aus einem völlig anderen Kulturkreis keine Zeit. Bei einigen meiner bisherigen Hunde ist auch schon deutlich mehr als ein Jahr ins Land gegangen, bevor ich langsam anfing abzuleinen.

    Ich bin überhaupt kein Schleppleinenfreund, entweder Leine dran oder ab, und ich würde es auch nicht unbedingt im freien Gelände ausprobieren. Ideal finde ich ein ruhiges Wohngebiet oder ein Gewerbegebiet mit gut eingezäunten Grundstücken, so dass die rechte und linke Seite schon mal abgesichert ist. Eine gute Übungszeit ist der frühe Sonntagmorgen.

    Ich fange eigentlich immer mit relativ kurzen Sequenzen an ganz übersichtlichen Stellen an, und erst wenn dort der Rückruf klappt, erweitere ich die leinenlosen Strecken.

    Caterina

    Sallychen: Ich denke, wenn der Threadersteller die tierärztliche Aussage für der Weisheit letzten Schluss halten würde, hätte er den Thread erst gar nicht eröffnet, denn einen Hund über so lange Zeit zwangszuernähren und genau zu wissen, man muss es weiterführen, wenn man ihn noch am Leben lassen will, ist schon heftig.

    Das bedeutet nämlich, man muss seinem geliebten Tier jeden Tag Zwang antun.

    Und es geht hier um einen sehr alten Hund, der deutlich weniger ertragen kann als ein jüngerer und der so, wie ich es gelesen habe, schon einiges an Diagnostik und Behandlung hinter sich hat, ohne dass irgendwas das - so verstehe ich es - allgemeine Unwohlsein behoben hätte.

    Und ich finde auch, dass die Frage erlaubt sein muss, was man einem Hund bis zu seinem Lebensende noch zumuten darf bzw. kann, vor allem in einem Alter, in dem keine Besserung des Zustandes, sondern nur noch ein Hinauszögern zu erwarten ist.

    Dies schreibe ich nicht mit dem Hintergedanken, ein alter Hund ist den Aufwand nicht mehr wert, sondern weil man wegen ihres ohnehin fragilen Zustandes eine ganz besondere Verantwortung für Hundesenioren hat, angesichts derer es umso schwerer ist, die in den eigenen Augen "richtige" Entscheidung zu treffen.

    Caterina

    Ein Hund ist für mich auch "heruntergekommen", wenn er sich offensichtlich nicht mehr wohlfühlt in seiner gewohnten Umgebung. Jammern, in Panik wieder reinwollen, sind für mich eindeutige Anzeichen dafür, selbst wenn die Hülle noch passabel aussieht.

    Ich wollte es keinem meiner Hunde zumuten, nur noch ein müder Abklatsch seiner selbst zu sein. Und wenn man schon selber anfängt, die positiven Lebensäußerungen zu zählen, ist es meiner bescheidenen Meinung nach höchste Zeit zu handeln, entweder durch weitere medizinische Maßnahmen, die sofort Linderung verschaffen, oder durch den Schritt in den Hundehimmel.

    Wie steckt die Hündin denn die ganzen Tierarztbesuche weg? Und wie reagieren die anderen Hunde auf die Oma?

    Ich habe nämlich vor ca. 10 Jahren eine absolute Augenöffner-Erfahrung mit einem Hundepaar aus älterer Hündin und jüngerem Kastraten gemacht, als der Rüde, der der Hündin treu ergeben war, plötzlich anfing, andere Hunde von seiner Königin wegzubeißen, auch langjährige, gute Hundefreunde.

    Ich erkannte nicht, dass das "Lass sie in Ruhe, sie kann/will das nicht mehr" bedeuten sollte, weil für mich die Hündin trotz diverser Erkrankungen noch absolut fit war.

    Und irgendwann bei einer der häufiger werdenden Schmerzkrisen war der Rüde wie ausgewechselt, hing gelangweilt in der Leine, so nach dem Motto, geht's jetzt endlich weiter, los, los, schneller, und manchmal guckte er die Hündin buchstäblich nicht mehr mit dem Allerwertesten an.

    Da wusste ich, ich kann sie einschläfern lassen, falls sie die immer höher dosierten Schmerzmedikamente nicht mehr vertragen würde.

    Es dauerte allerdings noch zwei weitere Monate, bis ich es nach einem Kreislaufzusammenbruch tatsächlich tat, auch, weil sie absolut tierarztmüde war. Sie wollte schon gar nicht mehr ins Auto, weil ja die Chancen, dass es zum Tierarzt ging, schon 50 : 50 standen.

    Ich habe auf weitere Diagnostik verzichtet und sie mit der Würde einer angeschlagenen Königin gehen lassen.

    Caterina