Beiträge von Cattledogfan

    Ich denke, letztendlich ist der Hund der beste, mit dem man selber am besten "kann".

    Bei uns ist der "Hilfsarbeiter" übrigens der Border Collie, aber einzig und alleine deswegen, weil ihm zu schnell die Sicherungen durchbrennen, da er nicht, wie die anderen beiden, von Welpe an die Selbstbeherrschung an lebenden Tieren gelernt hat.

    Er macht schon gute Sachen und ist z. B. genial, wenn es darum geht, Durchgänge abzusichern. Es reicht, wenn ich mein Rad irgendwo quer stelle, dann wirft er sich hin und geht alle Tiere an, die ihm frontal entgegenkommen. Wir hatten schon öfter die Situation, dass Herrchens Vater irgendwo ein Gatter offen gelassen hatte und dann neugierige Kälber oder Färsen auf der Straße unterwegs waren. Spockie geht dann fröhlich mit Herrchen zum Einsammeln mit, während der Border und ich die Straße absichern, die Kröte kommt zu so Aktionen momentan noch nicht mit.

    Antoni: Bei dem Verladevideo schreibst Du - ich kann aus irgendeinem Grund kein Zitat einfügen -, dass Du Phelan auf Abstand zu der renitenten Färse schicken musstest. Genau da stößt unser System des "Learning by doing" an seine Grenzen, bei unseren Hunden gerät es dann erst mal zum Duell Rind-Hund, bis es uns gelingt, den jeweiligen Hund vom Tier "abzubrüllen", anders kann man es nicht nennen, und dann gehen sie ja auch brav dahin, wo sie hinsollen, die Rinder, meine ich.

    Caterina

    Das ist doch Irrsinn pur, dieses ganze sog. "Wolfsmanagement"!

    Auf der einen Seite haben wir Landeshundegesetze, wo ein Hund schon als gefährlich eingestuft wird, wenn Menschen "in gefahrdrohender Weise" angesprungen, noch nicht einmal gebissen, werden, Jäger halten einem Standpauken, wenn man seinen gut hörenden Hund ohne Leine laufen lässt, praktisch überall herrscht innerorts Leinenpflicht für Hunde, und dann lassen wir so ein großes Raubtier praktisch ungehindert gewähren und durch Siedlungen streifen und verpulvern in Zeiten knapper Kassen auch noch Geld en masse für noch dazu streng reglementierte Zaunkonstruktionen, die sich alle irgendwann als nutzlos erweisen, anstatt parallel dazu die sie sondierenden Wölfe endlich wirksam zumindest mit Gummigeschossen zu beschießen, damit diese Viecher endlich lernen, dass sie von Menschen und seinem Vieh nichts Gutes zu erwarten haben.

    Ganz abgesehen davon schrieb @Chris2406 ja schon in einem anderen Thread, dass es keinen Zaun gibt, der eine von Wölfen gehetzte Rinderherde aufhält; das ist je nach Herdengröße so, als ob da zumindest ein Kleintransporter, wenn nicht gar ein Lkw durchgeht.

    Was ist, wenn die Wölfe anfangen, sich z. B. in schneereichen Wintern mit Dauerfrost an Mülltonnen oder Kadaverabholplätzen auf landwirtschaftlichen Betrieben zu bedienen?

    In der Mediathek des BR habe ich übrigens noch ein weiteres Video mit Herdenschutzhunden gefunden, wo auch der Wesenstest (!) für ein Rudel junger Mastines Españoles auf der Koppel gezeigt wird - ist ja Vorschrift in Bayern, sie stehen ja auf der Rasseliste...

    [Wobei ich mich, ehrlich gesagt, nach der Ethik des Tuns frage, wenn wir sehenden Auges in Kauf nehmen, dass sich Caniden im Ernstfall gegenseitig zerfleischen.]

    Aber das ist offenbar unser Umgang mit "Natur", die anscheinend nur noch in Form von "Projekten", "Ablaufschemata" und dergleichen mehr eine Existenzberechtigung hat.

    M. E. kommt mit steigender Wolfspopulation noch ein ganzer Rattenschwanz an Kollateralschäden auf uns zu, z. B. arbeitsrechtlicher Art.

    Caterina

    Es macht mich extrem traurig, wie viel seit der Rückkehr der Wölfe schiefläuft. (Weide-)Tierhalter werden nicht ernstgenommen, nicht richtig unterstützt, es gibt irgendwelche verrückten Vorgaben, vieles scheitert an Bürokratie (zumindest kommt es mir so vor). Es läuft so vieles schief, dass ich total den Überblick verliere.

    Das ist es ja, was zumindest mich so wütend macht, diese Paragraphenreiterei, dass erst amtlich durch viel zu wenige Gentestmöglichkeiten festgestellt werden muss, da ist ein "Problemwolf", anstatt zeitnah, unbürokratisch und - hoffentlich - wirksam zu vergrämen. Warum fangen sich z. B. nicht mehr Wölfe, die sich in Ortschaften oder an Ortsrandlagen zeigen, Gummigeschosse oder von mir aus auch Schrotkugeln für Feder- oder sonstiges Kleinwild ein?

    Wie einige mit Fug und Recht schrieben, das ist ein großes Raubtier ohne natürliche Feinde, das noch dazu in Rudeln jagt...


    Was bei mir das Fass zum Überlaufen gebracht hat, ist Landwirtschaftsminister Albrecht, der sich im Oktober medienwirksam beim Aufstellen von 1 m (!) hohen E-Zäunen auf Eiderstedt fotografieren lassen wollte und aufgebrachten Schafhaltern - zu dem Zeitpunkt gab es über 40 Risse, von denen gut die Hälfte seit Mai, d. h. innerhalb von 5 (!) Monaten, zweifelsfrei Wölfen zugeschrieben werden konnte - u. a. entgegnete, das müsse man wegen des Schutzstatus des Wolfes "ein Stück weit hinnehmen".

    Ich frage mich, wo bleibt da der gesunde Menschenverstand.

    Wie wahrscheinlich ist es wohl, dass innerhalb von fünf Monaten knapp 20 Risse durch Hunde vorkommen?

    Caterina

    Wölfe kommen also nicht "zurück", sondern neu in einen grundlegend veränderten Lebensraum - und wir dürfen im Moment da alle an einen großen Freilandexperiment teilnehmen.

    Das trifft es genau! Im Prinzip waren alle Annahmen über das Verhalten von Wölfen in unserer Siedlungsstruktur und daraus abgeleitet die empfohlenen Schutzmaßnahmen doch nichts wie Vermutungen in den blauen Dunst hinein, an allererster Stelle das Märchen vom scheuen Wolf.

    Und wenn dann noch die Mühlen der Bürokratie anfangen zu mahlen in Form von Gentests, die Wochen dauern, während derer munter weiter Schafe o. ä. gerissen werden, oder die Anzeige gegen den Jäger, wird mir persönlich anders.

    Ich habe jetzt nicht alles nachgelesen, aber auf Eiderstedt wurde doch sicherlich Bezug genommen?

    Meiner Meinung nach gehören Wölfe genauso scharf bejagt wie Wildschweine (weil es doch immer wieder heißt, auch durch die kommen Menschen zu Tode, was ja durch Wölfe in unseren Breitengraden Gott sei Dank noch nicht passiert ist), und wenn es dann welche schaffen, Überlebensnischen zu finden, weil sie gelernt haben, Menschen aus dem Weg zu gehen, bitte sehr - aber wie man einem so großen Beutegreifer praktisch ungehindert das Angebot an Speis und Trank im 21. Jahrhundert sondieren lassen kann, ist mir ein Rätsel.

    Caterina

    Die letzten Seiten zeigen m. E. das allergrößte Dilemma, auf das niemand eine Antwort hat:

    nicht nur die Sicherheit für Nutztiere, sondern auch für den Menschen.

    Was passiert z. B. hier bei uns mit dem Waldkindergarten, wenn sich Wölfe ansiedeln? Wie viele Eltern werden ihre Kinder noch guten Gewissens einer Einrichtung überlassen, deren Credo es ist, den Kindern so viel Zeit wie möglich draußen in der Natur (d. h. im Wald) zu ermöglichen? Wer will als Erzieher/in mit einer Horde Kleinkinder im Schlepptau das Risiko auf sich nehmen, Wölfen zu begegnen? Bzw. kann der Kindergartenträger von seinen Beschäftigten verlangen, dieses Risiko einzugehen?

    Werden die Pfadfinder weiterhin im Sommer ihre Übungsstunden im Vereinshaus mitten im Wald abhalten?

    Diejenigen, die sich hier und in anderen Threads für den Wolf ausgesprochen haben und ihm "ein paar Prozent" unserer Weidetiere "gönnen", immer mit dem Verweis auf andere Länder, wo das Zusammenleben mit großen Beutegreifern angeblich funktioniert, vergessen leider, dass dort Wolf & Co. im Zweifelsfall eine Kugel (oder Speere oder was auch immer) in den Pelz bekommen (dürfen), wenn sie dem Menschen und seiner tierischen Nahrungsgrundlage zu nahe kommen - und dass anderswo die Bevölkerungsdichte und die Siedlungsstrukturen nicht mit unseren vergleichbar sind.

    In dem Thread "Warum nicht mehr Herdenschutzhunde?" verwies z. B. @rinski auf ein Beispiel von Bloch, wo in der Slowakei Wölfe in unmittelbarer Nähe zu Rindern leben, ohne diese zu reißen, was sie laut Bloch "lernen" können.

    M. E. wird aber bei uns durch diesen übertriebenen Schutzstatus von Wölfen alles dafür getan, dass dieses Lernen eben nicht stattfindet, weil ein unmittelbarer Lerneffekt in Form von Kugeln, die entweder töten oder richtig weh tun, durch den bürokratischen Aufwand ziemlich unmöglich gemacht wird.

    Caterina

    IngoK: Wir leben aber nicht in den USA, wo, das nur nebenbei bemerkt, u. a. die Waffengesetze deutlich lockerer sind.

    D. h. dort können sich Tierhalter bewaffnen, wenn sie befürchten, auf Wölfe oder was auch immer zu stoßen, wenn sie nach ihren Tieren sehen.

    Ob das so gut ist, sei dahingestellt, aber zumindest erhöht es das Sicherheitsgefühl.

    Wir hatten letzte Woche einen Ausbruch einer Rinderherde, mehrreihiger Stacheldraht einer Pachtkoppel samt 8 stabilen Eichenpfählen niedergewalzt wie mit einer Planierraupe, insgesamt 46 Tiere, darunter ein junger Deckbulle, großes Bohei, Polizei an mehreren Stellen, weil die Autobahn nicht mehr allzu weit ist (d. h. die Tiere wären zur Not abgeschossen worden), total abgehetzte Tiere mit Hund im Wald eingesammelt.

    Ich möchte den- bzw. diejenige(n) sehen, der sich dann noch hehre Gedanken zur intakten Natur macht, wenn er auf der Suche nach seiner Lebensgrundlage - und das sind Nutztiere nun mal für manche Menschen - plötzlich mitten im Wald Wölfen gegenüber steht, die gerade dabei sind, ein gerissenes Tier zu verzehren.

    Und das ist durchaus im Bereich des Möglichen.

    Es gibt nun wahrlich genug Möglichkeiten, zum Arten- und Umweltschutz beizutragen, z. B. auf Laubbläser zu verzichten, das Auto nicht auch noch zum Freizeitvergnügen zu nutzen, wenn man es schon für den Arbeitsweg braucht (ich denke da nur an die ganzen Kurzstrecken zum Einkaufen von Kleinigkeiten, zur Bushaltestelle mit den Kindern oder das "Rausfahren" mit dem Hund), das naturnahe Anlegen von Gärten, etc. pp.

    Caterina

    wenn ich an die Schottische Rinderherde meiner Schwester denke, da sind auch Kälbchen dabei, nach meiner Vermutung wäre sie nicht genügend wehrhaft gegen Wölfe. Die sind alle, auch der Bulle, ganz liebe und sehr ruhige Plüschis. Und dort gibt es Wölfe.
    Meine Schwester hat es so eingerichtet, daß sie immer in den Stall gehen können. Und sie sind dort oft. Die Wiesen liegen hinter dem Stall, das läßt sich dort so einrichten. Ob das ein Wolfsschutz ist, weiß ich nicht.

    Wenn die Rinder immer in den Stall gehen können, dann können es die Wölfe auch... Ein Stall bietet nur dann Schutz, wenn er so massiv ist, dass kein Wolf irgendwo durchschlüpfen oder sich durchgraben kann.

    Und das ist dann das Ende der Weidehaltung.

    @Chris2406: Was ich vergessen hatte: Wir wohnen im nördlichen SH; danke für Dein Angebot! Aber eine Herdenschutzhundeaufrüstung für die Galloways wird es nicht geben, weil es weniger zeitaufwändig und billiger ist, diesen Teil des Betriebes wieder aufzugeben. Das ist nur so lange interessant, solange man nicht noch Geld in die Hand nehmen oder mehr Zeit als die üblichen Routinekontrollen auf Kalbungen und Wohlergehen der Herde aufwenden muss.
    Das Projekt "Weidewald" dürfte es im Falle von Rissen schwer haben, Viehhalter zu finden, die mitmachen.

    Das Milchvieh bringt halt ganzjährig und regelmäßig Geld, wenn man die Kosten im Griff hat, Mastvieh, auch wenn es aus extensiver Haltung ist, nur einmal beim Schlachten.

    Blöde Frage, weil Du schreibst, Deine Kühe haben keine Kälber bei Fuß: Hast Du nicht mehr besamen lassen?

    Falls sich hier wirklich Wölfe etablieren, wird es wohl so aussehen, dass allenfalls die Milchkühe noch raus dürfen und fraglich ist, ob das Jungvieh überhaupt selber aufgezogen wird.

    Im nächsten Jahr Ochsen dazuzustellen - mein Freund kann z. B. zwei Limousinochsen aus der Nachbarschaft kaufen -, ist vielleicht besser als nichts.

    Caterina

    @Chris2406: Höchst interessant, was Du über das Opfern von Jungtieren schreibst, denn nach dem, was ich bei unseren regelrechte Wagenburgen bildenden Galloways gesehen habe, hätte ich genau das Gegenteil gesagt, dass sich nämlich die Alttiere schützend vor die Jungen stellen. Wenn mein Freund Ohrmarken einclippen will und Mutter und Kind schon wieder in der geschlossenen Herde mitlaufen, hat er keine Chance, an das Jungtier zu kommen, weil das nämlich schützend umringt wird - von allen.

    Und so eine geschlossene Front sprengt selbst Spock nicht, er geht dann weg.

    (Muss und soll er übrigens auch nicht.)

    Weiden oder ruhen sie im lockeren Verbund, hält ihm das Schlitzohr die Tiere auf Abstand, indem er aus dem Auto springt und sie erst mal kläffend ein Stück wegjagt, er kennt die Ohrmarkenzange schon und weiß, was er machen soll.

    Aber gleich danach, wenn sie mitkriegen, dass das Kalb schreit, weil es festgehalten und gepierct wird, formieren sie sich, und dann müssen Herrchen und Hund zusehen, dass sie wieder ins Auto zum Fahrer kommen.

    Caterina