Beiträge von Cattledogfan

    Von dem, was ich lese, finde ich, dass zwei noch unfertigen Hunden eine Menge zugemutet und viel von ihnen erwartet wird. Ich fasse mal zusammen, was mir auffiel; bitte nicht als Kritik auffassen, sondern evtl. als Denkanstoß für einen anderen Blick auf Eure Konstellation, denn ich halte Handlungsempfehlungen übers Internet für heikel:

    Die eine Hündin ist mit gerade mal 18 Monaten erst 6 Monate im neuen Zuhause, das sie so, wie ich es herauslese, hauptsächlich deswegen gefunden hat, weil sie sich von den Kindern alles gefallen lässt - bis jetzt...

    Lebt sie mit den Kindern in einem Haushalt, oder werden die ihr auch nur sporadisch vorgesetzt?

    Und nun soll sie Dich und Deine Hündin tolerieren, noch dazu, wo sie, wenn sie als Mix deutliche Staff-Eigenschaften aufweist, mit großer Wahrscheinlichkeit eher nicht geschlechtsgenossinnenverträglich sein wird, wenn sie im Kopf fertig ist.

    So, wie Du schreibst, ist Herrchen evtl. nicht so ganz in der Lage, das zu managen und den Hund, der im neuen Zuhause noch gar nicht voll angekommen ist, entsprechend vorausschauend zu führen und die überbordende Energie vernünftig zu kanalisieren.

    Deine eigene Hündin ist zwar etwas älter, aber evtl. auch noch nicht so ganz ausgereift, wird noch dazu regelmäßig fremdbetreut - von Mo. bis Fr.? -, und als Krönung noch das Dogsharing mit dem Ex.

    Mobbingverhalten wurde vom Trainer korrigiert, Du selber warst nicht dabei, und ich interpretiere Deine Beiträge so, dass Du in Zeiten von Hundeflüsterern & Co. das zu ihrem Verhalten anderen Hunden gegenüber wiedergibst, was Dir Trainer/Betreuer oder wer auch immer sagen.

    Du bist ja offensichtlich in der aktiven Tageszeit nicht da.

    Ketzerische Frage: Wie viel Zeit verbringst Du überhaupt mit Deinem Hund? Ganz sicher, dass Du ihn besser lesen kannst als Dein Freund seinen? Dass Dein .... ja, sagen wir mal: Wissen... und auch die Zeit, die Du für Deinen und den fremden Hund zur Verfügung hast, ausreicht, um für alle erträgliche Zusammentreffen zu erreichen?

    Ganz wichtig finde ich auch die Platzverhältnisse. Ich bin selber vor nunmehr 8 1/2 Jahren zu meinem Freund gezogen, obwohl ich wusste, dass sich unsere beiden Hündinnen, die sich schon einige Jahre kannten, spinnefeind waren.

    Wir konnten sie aber im Haus so trennen, dass immer mindestens eine, wenn nicht gar zwei Türen/Gitter zu waren, und jede lebte in ihrem eigenen Haustrakt. Die Zeit, die jede mit uns verbrachte, war genau geregelt, und draußen war seine Hündin immer angeleint, weil sie meine zu Kleinholz verarbeitet hätte.

    Das ging nur deswegen eineinhalb Jahre (bis zum Tod meiner Hündin) gut, weil a) viel Platz und b) viel Zeit da war, weil er als Bauer sowieso hier auf dem Hof arbeitet und seinen Hund viel bei sich haben konnte und wollte und ich ca. 80 - 90 % meiner Zeit von Zuhause aus arbeite. Meine Hündin war also Bürohund.

    Und wir waren uns beide absolut einig, welche Regeln galten.

    Ich glaube, wäre ich an Deiner Stelle, würde ich wahrscheinlich versuchen, Deinen eigenen Hund während der Besuche beim neuen Freund für die nächsten Monate beim Ex zu lassen, immer vorausgesetzt, Euer Verhältnis ist so, dass das überhaupt ginge.

    Liebe Moderatoren, könnte man nicht mal einen virtuellen Pokal für herausragende Leistungen eines Hundes verleihen?

    Denn ich finde, Phelan hat ihn mehr als verdient. Wer noch nie in der Situation war, ausgebrochene Rinder einfangen zu müssen, kann wahrscheinlich gar nicht ermessen, was da alles an kniffligen Situationen entstehen kann, denn man steht u. U. völlig ohne Zaun, Fanggitter und die üblichen Hilfsmittel da, quasi eine Operation am offenen Herzen.

    Dann einen guten, verlässlichen Hund zu haben, ist unbezahlbar.

    Caterina

    Ich denke, der große Unterschied zwischen Arbeits- und Begleithund liegt darin, dass ein Arbeitshund Gelegenheit hat, all seine Sinne und Triebe auch ohne ständige Regulierung durch den Menschen einzusetzen, und dass er weiß, dass er das darf, soll und muss und dabei eigenständig agieren muss/darf/soll.

    Als Beispiele fallen mir die Berichte von Cherubina und flying-paws ein, deren Hunde außer Sicht Schafe einsammeln. Oder mal eben einen wilden Mufflonbock mit einpferchen.

    Unser Spockie-Koolie ist z. B. trotz der Tatsache, dass er in der Zeit, in der ich nicht zuhause bin - im Mai waren es drei Wochen am Stück -, keinen klassischen Auslauf hat, lange nicht mehr so aufgedreht, wenn ich dann wieder da bin und er am Rad mitlaufen darf, seit ihn Herrchen wieder täglich mitnimmt zu seinen Viehkontrollfahrten, da Weidesaison. Allein das Aufpassen, kurz Wegjagen oder Sammeln einiger Tiere ist offensichtlich "Arbeit" genug, um ihn zufrieden zu machen.

    Und als Ergänzung zum Video die Regeln für eine Arbeitsprüfung "aus dem Leben": https://www.hangintreecowdog.net/supreme-cowdog.

    Mein Freund ist ja mittlerweile oft alleine mit all dem Vieh, sobald der Betriebshelfer Feierabend hat, da ich nur noch selten nach Hause fahren kann (morgen am Abend ist es soweit, hibbel), und er kann sich nicht mehr vorstellen, wie er ohne Hund(e) ausgekommen ist.

    Erst heute wieder hat Spockie auf Anhieb ein neugeborenes Kalb gefunden, das unter dem Draht durchgeschlüpft und in einen Gott sei Dank trocken gefallenen Graben geplumpst war.

    Noch ein PS: Ich habe mal spaßeshalber die Beschreibungen einiger anderer Hunde überflogen, und für mich klingen sie alle ähnlich: Hund ist lieb, würde nie beißen, arme Seele, etc. pp.

    Schmalz lässt grüßen.

    Ganz ehrlich, solche Beschreibungen sind im Kombination mit Leuten, die sie mangels Erfahrung nicht interpretieren können, der Stoff, aus dem Katastrophen geboren werden.

    Einen Hund dieser Organisation würde ich nur aufnehmen, wenn ich ganz genau 0,0 Erwartungen an das Tier hätte und ihm alle Zeit der Welt in Kombination mit viel Platz und Ruhe bieten könnte, um sich ganz behutsam an ein Leben in Deutschland zu gewöhnen.

    Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich absolut für Tierschutzhunde bin - aber dann doch bitte mit einer halbwegs realistischen Beschreibung, selbst wenn diese dann lautet, zu dem Hund können wir nichts oder wenig sagen bzw. bei uns zeigt er sich so und so.

    Ehrlich, spart Euch das Geld für den Kroatien-Trip, wenn Ihr ihn nur wegen des Hundes machen wollt, und bezahlt lieber eine Hundeschule, die Euch bei der Anschaffung unterstützt, denn diesen Service - Anschaffungsberatung - bieten mittlerweile einige an.

    Nicht immer ist das Tierheim eine gute Anlaufstelle, wenn z. B. hauptsächlich anfängeruntaugliche Ladenhüter mit speziellen Anforderungen einsitzen, aber evtl. findet Ihr alternativ dort jemanden, der Euch auf dem privaten Markt - ob Tierschutz, Züchter oder Privatabgaben - bei der Hundesuche unterstützt, damit Ihr einen Blick dafür bekommt, wie Hundebeschreibungen zu interpretieren sind..

    Mal völlig unabhängig von der fehlenden Hundeerfahrung würde ich persönlich schon alleine wegen der Wohnlage nicht im Traum auf die Idee kommen, mir so ein Überraschungspaket aus dem Ausland ans Bein zu binden.

    Wohnt Ihr zur Miete? Im wievielten Stock? Was ist, wenn sich der Hund erst mal nur in der Wohnung löst? Türen und Einrichtung zerstört, weil er das Leben in der Wohnung nicht kennt? Oder draußen sich an Stellen löst, wo es absolut unerwünscht ist? Keine Enge erträgt (z. B. Hausflur, Unterführungen, öffentliche Verkehrsmittel) und zuschnappt?

    Kennt er Leine, Halsband? Vertraut er Menschen soweit, dass er sich - nach Eingewöhnung selbstverständlich - auch für unangenehme Dinge wie Zecken entfernen oder Verletzungen verarzten anfassen lässt?

    Ihr geht doch sicherlich arbeiten oder zu sonstigen Aktivitäten wie Studium oder Ausbildung aus dem Haus - was ist, wenn der Hund nicht alleine bleiben kann und Rabatz macht? Keinen Bock auf andere Hunde in einer Hundepension hat?

    Also ich würde die Cattle Dogs, die man in Deutschland bekommt, nun nicht unbedingt als Hütespezialisten bezeichen, dafür hat sich die Zucht in den letzten 10, 15 Jahren zu sehr in Richtung Begleit- oder Sporthund entwickelt, so ähnlich wie beim Australian Shepherd, wo die allermeisten Züchter ja auch nicht auf Arbeitsfähigkeit selektieren, sicherlich auch, weil sie es nicht können, da sie keine Rinder haben.

    Interessant fand ich, was uns die Vorbesitzerin unseres Koolies erzählte, nämlich dass sie in New South Wales, wo sie ihre Koolies direkt von Viehfarmen gekauft hat, Cattle Dogs eigentlich eher als Wachhunde gesehen hat, weil sie vom Gebäude her nicht die Laufleistung wie Kelpies und Koolies bringen.

    Nur: Wenn ich aus einer Rasse, die genügend Durchschlagskraft für halbwilde Rinder haben soll, per Wesenstest immer stärker auf die "Netten" selektiere, geht irgendwann genau das verloren, was Viele an den Hunden so fasziniert, nämlich der kernige, ruppige Charme und die nötige Selbstbeherrschung, um ihre ursprüngliche, potenziell lebensbedrohende Arbeit zu erledigen.

    Wenn ich mir andere Rassen angucke, die ebenfalls einen gefährlichen Job haben, würde ich sagen, die Bereitschaft zum Zähneeinsetzen bleibt ziemlich lange erhalten, selbst wenn, wie flying-paws mal schrieb, manche noch nicht mal mehr an Schafen zu gebrauchen sind, weil sie schlicht nicht die Traute haben.

    Ich behaupte mal, die wenigsten, die Welpen dieser Rasse auf den Markt schmeißen, haben jemals dieses mentale Kräftemessen Hund - Rind gesehen und miterlebt, wie sich heranwachsende Hunde den Mut antrainieren, tonnenweise Rindviecher nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen.

    Oder wo ist es heutzutage noch erwünscht, dass ein Hund auf dem eigenen Grundstück richtig ernsthaft wacht? Fremde nicht nur ankündigt, sondern zur Not auch am Hereinkommen hindert?

    Zum reinen Viehbewegen von A nach B gibt es sicherlich elegantere, filigraner arbeitende Hunde - aber in Sachen Durchschlagskraft sind sie schon einmalig, wenn es darum geht, den Rindviechern beizubiegen, dass sie gefälligst zu weichen haben, wenn Hund & Herrchen kommen.

    Und wenn diese Möglichkeit zum Trainieren der mentalen Stärke fehlt, dann sucht sich das, was an Viehtreiber-Genetik noch da ist, eben andere Ventile, womit man sich in der Stadt in einer Etagenwohnung evtl. nicht gerade Freunde macht, weil man einfach viel zu dicht aufeinander hängt.

    Was ist, wenn sich der Hund den Wohnungsnachbarn auf derselben Etage als Sparringpartner - oh, Angst hat er! - aussucht? Oder irgendeinen anderen Hund aus der Nachbarschaft, der ihm den Gefallen tut, Angst vor ihm zu haben?

    Das sind Sachen, die kannst Du nicht wegsozialisieren, wegtrainieren oder was auch immer, und ich würde mich fragen, ist Dein Leben tatsächlich auf einen Hund eingerichtet, der ein gerüttelt Maß an Krawallbereitschaft mitbringen kann?

    @noda_flake: Der ACD soll von seinem ursprünglichen Verwendungszweck her wehrhaft sein, d. h. seine Zähne einsetzen, und das muss er auch, wenn er unter Rindern überleben will, und je nachdem, was von dieser Wehrhaftigkeit trotz fehlender Selektion auf Arbeitseigenschaften noch da ist, sucht sich diese Eigenschaft halt in einem stinknormalen Begleithundealltag ein anderes Ventil, und der Hund pumpt sich, wie bei Fritzi beschrieben, z. B. gegenüber Artgenossen auf.

    Dann hast Du das, was Du als "agressiven Hund" bezeichnest.

    Wenn Du einmal gesehen hast, wie sich so ein kleiner Hund breitbeinig und selbstbewusst vor tonnenweise Lebendgewicht aufbaut, sich evtl. auch noch vor Dich stellt, so nach dem Motto, wagt nicht mal, dran zu denken, MEIN Herrchen/Frauchen anzugehen, Ihr blöden Rindviecher, dann weißt Du, wozu diese "Agressivität" gut ist.

    Dagegen kann kein Hundesport anstinken.

    Unsere Kröte wird im September 3 und packt jetzt so richtig aus am Vieh, auch ohne dass der - ältere - Koolie den Vorreiter spielen muss.

    Die Frage ist halt, passt ein Hund, der so wehrhaft sein kann, nicht muss, in Dein Leben.

    Für mich ist das, was ich hier zum Leben dieses Hundes lese, nichts anderes als eine subtile Form von Gewalt, die wenige Bewegung, die fehlenden Möglichkeiten zu terriergerechtem Unfug.

    Der Hund hat doch gar keine Chance, Kontrolle über sein Triebpotenzial (oder wie immer man es nennen mag) zu lernen, wenn er es nicht irgendwo - durchaus auch mal völlig ungehemmt - einsetzen kann; die Möglichkeiten werden ihm doch offensichtlich verwehrt.

    Schau mal hier bei acdinnot.de: Fritzi - ACD in Not e. V.

    Da hast Du m. E. einen typischen ACD beschrieben, der mit seiner Lust, als Sieger vom Platz zu gehen, in viele Lebensentwürfe der schönen, neuen Hunde(sport)welt einfach nicht passt.

    Ich persönlich finde die Richtung, die die Zucht in Deutschland genommen hat, traurig, wenn man weiß, was diese wehrhaften kleinen, mutigen, schlauen, treuen und butterweich zu führenden Powerpakete bei echter Arbeit als Treibe- und Hofhund mit Wachaufgaben freudig zu leisten bereit sind, ohne dass sie sich Artgenossen und/oder Menschen als Ventil für ihre ursprünglich gewollte Wehrhaftigkeit suchen müssen.