Beiträge von Cattledogfan

    Rechtlich hat man als privater Hundehalter eine sog. Gefährdungshaftung, d. h. man haftet verschuldensunabhängig für alle Schäden, die der Hund anrichtet, es sei denn, den Geschädigten trifft eine Mitschuld, d. h. dass er erkennen konnte, dass ihm vom Hund evtl. Gefahr droht und er es trotzdem billigend in Kauf nimmt.

    Indem er z. B. nicht auf die Bitte reagiert stehenzubleiben, bis man den Hund gesichert (oder weggebracht) hat.

    Diese Gefährdungshaftung kann auch nicht durch ein Warnschild ausgehebelt werden.

    Woher ich das weiß? Weil unsere Hunde über die landwirtschaftliche Betriebshaftpflicht laufen, die Hundehaltung also gewerblich ist, und da entfällt die Gefährdungshaftung.

    Nichtsdestotrotz ist das kein Freibrief, die Hunde müssen trotzdem so gesichert sein, dass keiner an sie dran kommt.

    Der Getränke- oder Autohändler mit Wachhund(en) muss diese(n) also z. B. zu Zeiten, in denen Publikumsverkehr herrscht, so wegsperren, dass niemand gefährdet wird.

    Wer allerdings nachts einsteigt, hat Pech.

    Im beschriebenen Fall handeln die Halter über alle Maßen leichtsinnig, denn selbst wenn der Hund wegen eines Betriebes gehalten würde, hätte er so gesichert sein müssen, dass jemand mit ganz offensichtlich nicht kriminellen Neigungen nicht gefährdet wird.

    Caterina


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    @RafiLe: Niemand hier hat eine Glaskugel und kann Dich und Deine Hunde sehen, und man kann virtuell eigentlich nur Anstöße geben, um vielleicht mal über den - bisherigen - Tellerrand hinauszudenken.

    Ich zumindest habe von hier schon viele wertvolle Anregungen mitgenommen.

    Ich an Deiner Stelle würde mich z. B. fragen, ob Du Hunter und seine Bedürfnisse wirklich richtig lesen kannst, dito für Newton, und ob Hunter als Zweithund wirklich zu Deinen Lebensumständen passt, denn bei Vollzeitarbeit ist das Zeitfenster, das jetzt für zwei Hunde reichen muss, schon eng.

    Noch dazu leben sie bei Dir in reiner Wohnungshaltung, d. h. allein die räumliche Enge kann Konflikte noch zusätzlich anheizen und bietet - siehe Türdurchgänge - viel mehr Gelegenheit zum Mobben und Abdrängen.

    Ich bin nun kein Experte für diese Rassegruppe, die noch dazu in meinem Umfeld relativ selten ist, aber mein - zugegebenermaßen subjektiver - Eindruck ist, dass die Hunde schon deutlich triebiger und agiler als Labradore sind und dass die Zucht weg vom Arbeitseinsatz ihnen wesensmäßig nicht immer gut getan hat.

    Evtl. war die Entscheidung für einen 2. Rüden auch keine so glückliche... Gegengeschlechtliche Hundepaare sind meist einfacher zu halten.

    Und wenn ich die Züchterseite anklicke, sehe ich nur Schleifchenträger. Infos darüber, ob und was die Hunde arbeiten, finde ich nicht. Will sagen: Evtl. gibt es für Hunters Verhalten - mangelnde Frusttoleranz - neben dem alterstypischen Austesten gegenüber Geschlechtsgenossen auch eine genetische Komponente.

    Wenn ich an Deine Beiträge aus Newtons ersten beiden Lebensjahren zurückdenke, hast Du den Hund schon ziemlich durchreglementiert und warst ziemlich oft im kategorischen Imperativ - so und nicht anders hat der Hund zu funktionieren! - unterwegs.

    Ganz sicher, dass Du genügend Einfühlungsvermögen für einen offensichtlich ganz anderen Hundetypus hast, um hier die richtige und notwendige Reglementierung vorzunehmen?

    Ich denke da an die Kommentare u. a. von terriers4me, wo es in Deinem Ressourcenthread ("Lasst die Spiele beginnen" oder so) sinngemäß hieß, Du hast bei Newton viel geregelt, aber bei Hunter offensichtlich nicht oder das Falsche.

    Hast Du da mal drüber nachgedacht?

    Caterina

    RafiLe1985 : Wie geht es dem Hund jetzt? Ausgeheilt?

    Falls nicht, noch eine Idee:

    Ich würde auch fein zermahlenes Glas nicht ausschließen, hatte ich schon bei mehreren Hunden, so auch gerade jetzt: Nach dem Cattle Dog humpelt der Koolie…

    Das Tückische an zerdepperten Flaschen sind nämlich nicht die großen Splitter, die die üblichen Ballenschnittverletzungen verursachen, sondern das feine Glasmehl, wenn die Splitter durch darüber rollende Fahrzeuge zermahlen werden. Je nach Teilchengröße sieht man die Sch...dinger weder im Röntgen noch im Ultraschall.

    Ich habe vor einigen Jahren mal über 1.500 Euro beim Tierarzt gelassen, weil bei meiner Aussiehündin auch immer wieder ein Zeh dick wurde, bis sich schließlich ein deutlich abgegrenzter Entzündungsherd gebildet hatte, der dann operativ entfernt wurde. Und im Eiter fand sich... jawoll, ein winziges Glassplitterchen.

    Meine Tierärztin gab damals keine Medikamente, weil sie sagte, wenn nach dem ergebnislosen Röntgen eine Entzündung durch Fremdkörper - ich hatte auf die für uns damals leider nicht vermeidbaren neuralgischen Flaschenwurfstellen und das Glasmehl hingewiesen - ausgeschlossen werden soll, muss man abwarten, bis man die Entzündung aufmachen kann.

    Gute Besserung!

    Caterina

    Mal unabhängig davon finde ich die Ansprüche die ein Hund heutzutage erfüllen muss deutlich schwieriger. Die Umwelt ist weniger tolerant, die Hundedichte ist angestiegen und die Gesetze strenger. Das hat nicht mehr viel mit Hundehaltung früher zu tun.

    Wie wahr, wie wahr! Nur scheint das vielen Menschen gar nicht bewusst zu sein, was sie von so hochsozialen und eigentlich enorm bewegungsfreudigen Tieren erwarten, habe ich manchmal das Gefühl.

    Caterina

    Oha.

    Ketzerische Frage: Ganz sicher, dass das der richtige Hund für Dich und Deine Lebenssituation ist? Was sagt die vermittelnde Organisation dazu?

    Caterina

    PS an Vriff: Ich finde die Tatsache, dass es sich um einen Tierschutzhund handelt, der aus einem offensichtlich völlig anderen Umfeld kommt, von erheblicher Bedeutung, denn nach dem, was hier geschrieben wird, würde ich durchaus davon ausgehen, dass er u. U. deutlich weniger und evtl. auch unschöne Erfahrungen mit Menschen gemacht hat.

    Wiesenpippau: Nach dem, was Du an Infos aufgeschrieben hast, klingt das aber schon sehr nach Speeddating:

    - Hund - der das Leben im Haus nicht kennt - ist erst eine gute Woche bei Dir

    - stehen noch ziemlich am Anfang

    - anfangs (!) den Fehler gemacht, die Alleinseinzeit zu schnell auszudehnen

    - schon nach ein paar Tagen 15 Min. alleine gelassen

    Klar hat der Hund Stress, der ist quasi auf einem fremden Planeten gelandet, und Du wirst den Stress auch nicht vermeiden können, wenn Du ihn mit der Kamera beobachtest. Dadurch wirst Du die Eingewöhnungszeit nicht verkürzen, denn man darf nicht vergessen, dass Du den Hund genauso wenig oder gut kennst wie er Dich.

    Ketzerische Fragen: Gesetzt den Fall, Du siehst per Kamera, dass er anfängt zu pinkeln, welche Schlüsse ziehst Du daraus? Woher weißt Du, was Du tun musst, um dem Tier den Stress zu nehmen? Außer zurückkommen, meine ich.

    Ich für meinen Teil könnte einen Hund nach so kurzer Zeit noch nicht so gut lesen.

    Ganz abgesehen davon ist "Alleinebleiben" in allererster Linie ein soziales Ding, nämlich dass der Hund das Vertrauen hat, Du kommst wieder. Bzw. dass Du jetzt die Person bist, die seine grundliegenden Bedürfnisse erfüllt.

    Und das Entstehen einer vertrauensvolle Beziehung braucht einfach Zeit.

    Die von Vriff beschriebene Konstellation ist in meinen Augen eine völlig andere.

    Caterina

    Hektorine: Ich finde das eine sehr aufschlussreiche Begegnung, weil sie das Zauberwörtchen für die Lösung sehr vieler angespannter oder problematischer Situationen enthält:

    "Entschuldigung".

    Oftmals sind die Örtlichkeiten halt eng und voll, und es kann immer mal vorkommen, dass der eigene Hund anderen Menschen zu nahe kommt oder sich irgendwie aufpumpt, weil ihm etwas unheimlich ist oder man selber gepennt und einen rechtzeitigen Rückruf verpasst hat, und es gehört sich einfach, wenn man sich dafür entschuldigt, genau so, als wenn ich jemanden versehentlich anrempele.

    Der öffentliche Raum ist für alle da, und mit ein bisschen Rücksichtnahme und Freundlichkeit kommt man entspannter durch den Alltag.

    Caterina

    Einstein51: Technik ersetzt keine soziale Bindung, kein Vertrauen und keine Gewöhnung an völlig neue Lebensumstände.

    Der Hund ist laut Eingangspost noch keine zwei Wochen im neuen Zuhause und kennt, so wie ich es verstehe, nur das Leben in einer Auffangstation. Er könnte genauso gut panisch oder apathisch auf geschlossene Räume reagieren.

    Ich würde nach so kurzer Zeit nicht im Traum an "Alleinsein trainieren" denken, sondern um Regelmäßigkeit, Routine und DAS Wundermittel schlechthin bemüht sein:

    Zeit.

    Caterina

    Meiner Meinung nach ist diese ganze technische Hochrüstung nur ein Feigenblatt für mangelnde Zeit, die ich einem neuen Hund gebe, um sein neues Zuhause, seine neuen Menschen und deren Gewohnheiten kennenzulernen. Ich finde auch diese Nebelwerfertaktik mit angedeutetem Weggehen (Jacke an- und ausziehen, Schlüssel nehmen, Tür auf, Tür zu) völlig fehl am Platz, weil sie nicht dazu beiträgt, dass neue Menschen für einen Hund berechenbar und verständlich werden und er nach und nach Vertrauen entwickeln kann.

    Lass das arme Tier doch erst mal ankommen! Was ist eine Woche für einen Hund aus einer Auffangstation? Das ist doch keine Zeit!

    Ich für meinen Teil bemühe mich immer, für neue Hunde berechenbar zu sein. Wenn ich eine Tür schließe, z. B. zur Toilette, gestehe ich einem neuen Hund durchaus zu, davor zu jammern, ich rede mit ihm durch die Tür, damit er weiß, ich bin da, er darf mir auf Schritt und Tritt folgen (das halten die meisten ohnehin nicht lange durch), und wenn ich ohne ihn in den ersten Wochen oder sogar Monaten die Wohnung/das Haus verlasse, soll er es wissen; ich versuche, das zu ritualisieren, z. B. Müll rausbringen.

    Gib Dir und dem Hund Zeit, einander kennenzulernen und Vertrauen zu entwickeln, das ist viel besser.

    Caterina