naijra , ich erlaube mir mal, Deinen klugen Beitrag aus einem anderen Alleinebleib-Thread zu zitieren, weil er meine eigenen Gedanken dazu genau auf den Punkt bringt:
Aber das rein mechanische Training hat für mich tatsächlich auch etwas Sinnfreies. 100x raus und nach 2, 3 5, 10 Sekunden wieder rein - Hunde sind nicht blöd, die durchschauen diese Künstlichkeit sofort. Klar, manche scheren sich nicht drum, verbuchen das unter "bescheuerte menschliche Aktionen, die man nicht verstehen muss". Das wird dann als Trainingserfolg verbucht.
Allerdings ist sehr oft noch was schief in der Hund-Mensch-Beziehung. Das muss nicht "schlecht" sein, das kann auch eine verschobene Gewichtung sein, teils unbewusst befördert, teils wegen prioritären Baustellen mit dem Hund. Der Hund steht zu oft zu sehr im Mittelpunkt, man macht "Bindungsarbeit", der Alltag dreht sich weitgehend um den (evt.problematischen) Hund.... Da passt das Alleinbleiben nicht dazu. Im Bestreben nach einem perfekt funktionierenden, gehorsamen Hund, für den man alles regelt entsteht zu enge Bindung, die eine ausbalancierte Beziehung verhindert, tendenziell Richtung Abhängigkeit führt....
Und wie immer: bei manchen Hunden ist es easy, andere tun sich schwer. Tendenziell sind es schon eher die gut ausbalancierten Hunde mit einem gewissen Grad an innerer Ruhe und Vertrauen, die problemlos alleine bleiben. Die unsicheren, verängstigten, die sich an ihren Menschen klammern können das logischerweise nicht leisten. Und da ist ein Training an den Symptomen wirklich nicht sehr effizient.
Als persönliche Erfahrung: mit beiden meiner WSS war das formelle Training nicht erfolgreich. Beide können aber prima allein bleiben. Die Wende kam, als ich mit dem mechanischen Training aufgehört habe, und auf Normalität gesetzt habe. Ohne den Hund zu überfordern, den Entwicklungsstand muss man immer im Auge behalten, individuelle Charakteristika auch.... Aber halt mit echter Normalität meinerseits.
An den letzten, von mir fett markierten Satz möchte ich anschließen und anstelle von "Normalität" den Begriff "Authentizität" verwenden, denn ich frage mich, warum Ihr den Hund - wenn ich mich recht erinnere, ein Landei, den Ihr in die Großstadt verfrachtet habt? - gleich 5 - 10 Minuten alleine gelassen habt?
Gab es irgendeine Notwendigkeit, oder habt Ihr es nur getan, weil "man" das nach Methode X, Y oder Z halt heutzutage so macht?
Meiner Erfahrung nach klappt Hundeerziehung dann am besten, wenn man meint, was man sagt, also "authentisch" ist, sprich, ich bin davon überzeugt, dass die Bedürfnisse des Hundes so befriedigt sind, dass ich ihn jetzt alleine lassen kann, und ich muss es auch tatsächlich tun.
Z. B. um Müll runterzubringen oder Post reinzuholen, also kurze Routineabwesenheiten.
Außerdem drängt sich mir beim Lesen irgendwie der Gedanke auf, dass dem Hund der Wechsel in die Großstadt, auch rassebedingt (denn Pulis gehören ja auch zu den Treibhunden?), evtl. ziemlich viel abverlangt, er daher sowieso schlecht abschalten kann; wäre das auch eine Möglichkeit? Außerdem seid Ihr Hundeanfänger, wenn ich mich recht erinnere? D. h. dass es sein kann, dass sich Eure Unsicherheit teilweise auch auf den Hund überträgt, weil Ihr nach "Methoden" und nicht aus dem Bauch heraus vorgeht?
Daher der andere fett markierte Satz und die Vermutung, dass da irgendwo noch irgend etwas "schief" ist.
Caterina