Beiträge von Cattledogfan

    So, wie ich herausgelesen habe, krankt dieses Menschen-Hunde-Konstrukt daran, dass Snoopy2008 und ihre Tochter offensichtlich - ja, ich nenne es mal: keinen Draht zu dem Hund haben.

    Wir reden hier nicht mehr über das 1. gemeinsame Jahr, sondern der Hund hat den Großteil seines Lebens in dieser Familie gelebt, und Menschen und Hund sollten sich eigentlich so weit kennen, dass sie einschätzen können, wie der andere gerade drauf ist.

    Nicht Trainer XY muss den Hund einschätzen können, sondern die Menschen, die mit ihm auf gut 90 qm viel Zeit verbringen.

    Selbst wenn die anvisierten Maßnahmen in der Theorie gut klingen, gibt es mit Sicherheit noch mehr Stellschrauben wie die anderen beiden Hunde oder den Mann, die ebenfalls eine Rolle spielen, und außerdem muss gewährleistet sein, dass an den Schnittstellen - z. B. beim Aufziehen des Maulkorbes oder beim Separieren des Hundes von den anderen beiden und/oder den Menschen - nichts passiert.

    Ich frage mich auch, ob Snoopy2008 für den Fall, dass die Trennung und das Maulkorbtragen tatsächlich so gehandhabt werden, erkennt, ob und wie der Hund diese Maßnahmen toleriert.

    Ich denke schon, dass ich verstehe, was Du meinst.

    Für Dich läuft der Alltag größtenteils normal, es sind in Deinen Augen "nur" wenige problematische Situationen, für die Du Dir Hilfe in Form von Handlungsanleitungen und/oder Trainingstipps erhoffst.

    Aber so, wie ich das Geschriebene interpretiere, reagiert Ihr in eben diesen problematischen Situtionen - nun, hilflos ... oder planlos.

    Und genau das sollte m. E. nach 4 Jahren nicht mehr passieren. Auf Drohverhalten eines Hundes in den eigenen 4 Wänden muss m. A. n sofort eine für Hund und Situation halbwegs passende Reaktion erfolgen.

    Die ja durchaus deeskalierend sein kann, so nach dem Motto, was regst Du Dich künstlich auf, Hund - aber im Gegenzug auch eindeutig aversiv, z. B. durch sofortiges Verdrängen vom jetzigen Platz.

    Wichtig ist in meinen Augen vor allem, dass man autentisch ist und dem Hund klar und deutlich vermittelt, wie besch... man sein Verhalten gerade findet oder ihm dann, wenn Deeskalation angebracht ist, dadurch den Wind aus den Segeln nimmt (funktioniert z. B. oft, wenn Hunde gelernt haben, dass sie ihr Futter verteidigen müssen).

    Und daran hapert es m. E. bei Euch, siehe Planlosigkeit, weswegen bei mir der Eindruck von "es passt nicht" entsteht.

    Für mich ist Hundehaltung eine Freude und Bereicherung meines eigenen Lebens, und die Einschränkungen, die meine Hunde für mich im Alltag bedeuten, nehme ich größtenteils als unwichtige Nebenkriegsschauplätze hin. Auch bei uns gibt es brenzlige Situationen, in denen ich nicht immer angemessen reagiere - doch treten sie ein weiteres Mal auf, weiß ich schon besser, was zu tun ist, und beim nächsten und übernächsten Mal kann ich sie evtl. ganz entschärfen.

    Für mich stellt sich in diesem Beitrag die Frage, ob dieser Hund so, wie er ist, für Euch nicht zur Belastung geworden ist, weil die laut Deiner Aussage wenigen ekligen Situationen einen weiten Bereich Eures Alltages überschatten und Du Managementmaßnahmen wie Maulkorb und/oder Gitter bzw. Zwinger teilweise als lästig empfindest.

    [Das würde ich im übrigen auch, keine Sorge; ich wollte keinen Hund in der Bude, dem ich einen Maulkorb auf- und ab- und ab- und aufsetzen müsste. Weil es mir lästig wäre, nicht, weil ich eine solche Sicherung generell ablehne.]

    Wenn jemand einen ganz normalen Alltag nach 4 Jahren nicht ohne Trainerhilfe bewältigen bzw. managen kann, passt der Hund nicht zu diesen Menschen.

    Bzw die Lebenssituation der Menschen nicht zum Hund.

    Wenn ich das recht verstanden habe, habt Ihr noch 2 Hunde, Ihr lebt in einer nicht allzu großen Wohnung - mit oder ohne Garten? -, und normalerweise muss man für seinen Lebensunterhalt auch arbeiten.

    Zudem liegen die Nerven nach den jüngsten Ereignissen blank.

    Daher frage ich mich, ob überhaupt Kapazitäten (emotional, zeitlich, fachlich) da sind, um weiter zu arbeiten, zu trainieren oder was auch immer.

    Für mich liest sich das Ganze einfach nur noch verkrampt und festgefahren.

    Ich finde Deine Überlegungen absolut sinnvoll, denn nicht immer ist das medizinische Optimum auch das Beste für die Lebensqualität des Hundes, der ja bereits Probleme mit dem Bewegungsapparat und wahrscheinlich schon dadurch Schmerzen hat.

    Theoretisch klingt das gut mit höchstwahrscheinlichem Tumor-Frühstadium und valider Behandlungsoption Amputation und Chemo - aber das hieße auch, wie Du m. E. völlig zu Recht einwendest, dass man die Versorgung und Betreuung nach der OP sowie die Einschränkungen im Alltag stemmen können muss.

    Und der Tag hat nun mal nur 24 Stunden.

    Wie geht es Dir inzwischen? Bist Du etwas zur Ruhe gekommen und hast einen Plan, wie es weitergehen soll?

    Und wie fühlst Du Dich dem Hund gegenüber? Hast Du es tatsächlich geschafft, der Hündin inzwischen einen Maulkorb aufzuziehen?

    Ich finde die Vorschläge, die gemacht wurden, teilweise etwas weltfremd, denn die Mutter hat höchstwahrscheinlich die Hunde kaum jemals selber an der Leine vom Grundstück geführt, ist ihnen vom Rücken her nicht gewachsen, und die Hunde kennen höchstwahrscheinlich kaum Außenreize, d. h. sie würden abgehen wie Schmidts Katze, wenn man sie z. B. auf einen Hundeplatz stellen würde (und dann müsste man irgend jemand dort auch erst mal regelmäßig hinfahren), dasselbe, wenn sie plötzlich mit einer ihnen fremden Person spazieren gehen sollten, der womöglich die Erfahrung im Handling von so reizarm gehaltenen Hunden fehlt.

    Und obendrein ist das Geld knapp.

    Am machbarsten erscheint mir, das nächste Tierheim bzw. einen Tierschutzverein mit ins Boot holen, wo die Chancen relativ hoch sind, dass sich jemand mit ähnlichen Problematiken auskennt und schwierigen Hunden durch Technik gewachsen ist, und die Situation ungeschönt zu schildern und völlig ergebnisoffen zu diskutieren, was eventuelle Freiwillige bereit wären, zum Wohle der Hunde zu leisten.

    Zum Beispiel, sie erst einmal für regelmäßige Spaziergänge abzuholen und zu sondieren, inwieweit sie vermittelbar wären bzw. die Situation im jetzigen Zuhause so verbessert werden kann, dass ein erträglicher Zustand erreicht wird.

    Wenn man sie in einen Tierheimzwinger stecken würde, könnte es nämlich durchaus sein, dass der Rüde erst recht in Zwangshandlungen verfällt, und wahrscheinlich würden sie dort für den Rest ihres Lebens bleiben, denn wer bindet sich freiwillig ältere, untrainierte, große Hunde ans Bein mit ungeklärtem Gesundheitsstatus und wahrscheinlich kaum Erziehung?

    Der Weg von Therapie hoffentlich zurück ins Leben, retour in einen normalen Alltag, eine normale Beziehung kann sehr beschwerlich sein

    Diesen klugen Satz möchte ich noch einmal hervorheben, denn Krebs und die Behandlung dagegen ist eine Gleichung mit vielen Unbekannten, die einem viel und auf bisher völlig unbekannte Art und Weise Kraft abverlangt.

    [Ich musste übrigens schmunzeln bei dem Satz mit der Zahnpastatube - bei mir war's allerdings so, dass die blöden Griffel nicht so wollten wie ich und ich schlicht nicht in der Lage war, die Tube aufzuschrauben, weil die Finger, und zwar alle, sich mal wieder abgemeldet hatten.

    Oder Chemotag, d. h. Taxi kommt um 7, beim Duschen plötzlich Nasenbluten, Klopapier in den Rüssel gestopft, doch kaum angezogen, blutete es weiter, d. h. noch mal umziehen, weil Sweatshirt vollgeblutet, 3 Hunde stehen hinter einem, wollen raus - und dann mal wieder Finger-Sendepause, als ich den Reißverschluss vom Anorak zumachen wollte. Das Ende vom Lied: Bei Minusgraden mit wehenden Frackschößen und schneidigem Gegenwind auf dem E-Mobil noch schnell eine Minirunde.]

    Ich würde mir während der Akutbehandlung, auf die im Normalfall auch eine Reha folgt, als Hundeneuling auf gar keinen Fall einen Hund anschaffen, denn der kostet zusätzlich Kraft und Hirnschmalz.

    Weiterhin sollte man bedenken, dass auch Spätfolgen auftreten können bzw. die Nebenwirkungen Zeit zum Abklingen brauchen. Bei mir waren es eineinhalb Jahre, bis ich sagen konnte, jetzt sind meine Hände wieder fast so zu gebrauchen wie vorher. Die Zehen sind allerdings taub geblieben, so dass ich auf unebenem Boden unsicher laufe.

    Ich habe innerhalb von 2 Jahren die Krebserkrankung meiner kleinen Schwester und meine eigene miterlebt, beide Male mit unterschiedlicher Chemo, bei mir zusätzlich mit 2 großen OPs, allerdings mit wesentlich kürzerer Chemo.

    Wir haben 3 Hunde, die für mich unter dem Strich eindeutig eine Hilfe und Bereicherung waren.

    Aaaber: Die Hunde sind leichtführig und "funktionieren" im Alltag relativ problemlos, und ich bin mit ihrem Erziehungsstand sehr zufrieden.

    Ich hätte allerdings trotz meiner großen Hundeleidenschaft und auch nach über 30 Jahren eigenverantwortlicher Hundehaltung in dieser Zeit ums Verrecken keinen neuen Hund haben wollen.

    Weil mir dazu einfach die Kraft gefehlt hätte, denn niemand kann Dir im Falle einer Chemo vorhersagen, an welchen Nebenwirkungen Du leiden wirst, vor allem nicht, in welcher Stärke sie auftreten werden.

    Bei mir war es v. a. Polyneuropathie in Händen und Füßen, d. h. plötzlich und völlig unvorhersehbar war immer mal wieder das Gefühl ab Mitte Handfläche oder Fußmitte weg, und die Leine der Hündin (die einzige, die nicht durchgehend frei läuft) rutschte durch - oder ich lag schlicht auf der Fresse ...

    Auch meine Schwester ist einige Male ziemlich übel gestürzt, weil die Rückmeldung der Füße plötzlich ausfiel.

    Wer das nicht am eigenen Leib erlebt hat, kann sich nicht vorstellen, wie belastend diese Nebenwirkungen sind.

    Und wenn man keinen Garten hat, dass man den Hund einfach rausschmeißt, wenn man morgens nicht aus dem Bett kommt bzw. es vor lauter anstehenden Terminen - Blutabnahme, Wundkontrolle, etc. pp. - nicht mehr zum regulären Gassigang schafft, ist das Fatigue-Syndrom nicht lustig.

    So sehr ich die Hunde liebe, ich hätte sie nicht zu Dritt in einer Wohnung haben mögen, weil

    [Dennoch sei der Vollständigkeit halber erwähnt: Insgesamt habe ich meine Behandlung deutlich besser weggesteckt als gedacht, und es war weniger schlimm als angenommen. Es war einfach anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Übelkeit war bei mir z. B. nie ein Thema, bei meiner Schwester schon, weil bei ihr dasselbe Antiemetikum nicht so gut anschlug wie bei mir. Und ich hatte das Riesenglück, wunderbare Ärzte, v. a. die Operateure, und Schwestern zu haben. An Schwester B. aus der onkologischen Tagesklinik, die für alle Nebenwirkungen Rat wusste, denke ich heute noch voller Dankbarkeit zurück, und auch heute noch beginne ich meinen Tag gerne mit einem Glas Buttermilch JJ]

    Will sagen: Wenn Du - was ich Dir nicht wünsche - eine "klassische" Krebsbehandlung mit OP, Bestrahlung und/oder Infusionschemo durchlaufen musst, geht es Dir mit jeder Behandlung schlechter, und das muss man auch mental wegstecken können.

    Nicht unterschätzen würde ich auch den Aufwand für die Zusammenführung von Hund und Katzen.

    Alles Gute und Liebe für Dich; ich wünsche Dir ähnlich gute Behandler, wie ich sie hatte, die Dir mit der richtigen Mischung aus Empathie und Professionalität Mut, Kraft und Zuversicht geben.

    Folgendes ist bitte nur als Denkanstoß, keinesfalls als unumstößliche Wahrheit oder Kritik zu verstehen.

    Kann es sein, dass der Hund in einer für ihn ungeeigneten Umgebung und unter für ihn ungeeigneten Verhältnissen lebt?

    Weil Du ihn nicht gut genug lesen kannst und seine Bedürfnisse - z. B. nach Distanz zu anderen Hunden/Menschen/etc. oder nach einem eigenen Territorium - nicht erfüllt werden (können)? Weil er z. B. mit in ein Büro oder in eine ungeeignete Fremdbetreuung muss?

    Ich erlebe es immer wieder, dass Menschen sich einen unkomplizierten Fast-immer-dabei-Begleiter wünschen, sich aus diversen Gründen entweder den falschen Hund aussuchen oder sich der Hund anders als geplant entwickelt (auch Rassewelpen haben nicht immer ihre Rassebeschreibung gelesen) und dass dann die Suche nach "der" Methode bzw. "dem" Trainer beginnt, die bzw. der dafür sorgt, dass der Hund quasi passend gemacht wird.

    Das glückt aber nicht immer, und daher finde ich es völlig legitim, den Gedanken an eine Abgabe zu haben.

    Denn die wenigsten Menschen haben die Möglichkeit, in so einer Situation den Großteil ihrer Erwartungen über Bord zu werfen und sich zu sagen, ok, Hund, Du bist zwar nicht so, wie ich es erwartet hatte, aber das macht nichts, dann erwarte ich eben ab heute nichts mehr von Dir.

    Ich füttere Dich, ich gehe mit Dir raus (sofern gefahrlos möglich), und ansonsten reicht es mir, wenn Du einfach nur da bist. Ich tue Dir nichts, tu Du mir auch nichts.

    Was Besseres als mich und mein Zuhause bekommst Du im Moment nicht, Hund, also arrangiere Dich damit. Wenn Du mehr von mir willst, benimm Dich entsprechend, dann kümmere ich mich mehr um Dich, ansonsten verzieh Dich bis zur nächsten Fütterung oder Gassirunde.

    Ich rufe mal Karpatenköter, die auch schon einmal mit viel Herzeleid einen Tierschutzhund weitergegeben hat, mit dem sie nicht zurechtkam und von dem sie immer mal wieder schreibt, dass diese Abgabe für den Hund eine großartige Chance war, ein Leben zu führen, das ihm genehmer war als bei ihr.

    Deine Hündin kam, so rate ich jetzt einfach mal, wahrscheinlich als relativ junger Hund zu Dir und lebt jetzt schon seit 5 Jahren bei Dir, ist also bereits im mittleren Alter.

    Dazu diverse Baustellen ... auf so einen Hund hat die Welt mit Sicherheit nicht gewartet ...

    Daher würde ich unabhängig davon, ob ich den Hund tatsächlich abgeben werde, schon mal anfangen, nach möglichen Vermittlungshilfen oder Interessenten zu suchen, denn die Menschen, die einen auffälligen Hund kurzfristig aufnehmen können, sind sehr, sehr rar gesät.