Ich laufe ja mit mehreren Hunden und muss schon sagen, dass die Ansprüche an meine Aufmerksamkeit im Freilauf schon sehr unterschiedlich sind.
Kito:
Obwohl bei Menschen sehr ängstlich brauche ich mich bei ihm im Freilauf kaum zu kümmern. Er jagt 0,0 und hat immer ein halbes Auge bei mir. Selbst wenn er richtig spielt und über die Wiesen fetzt merkt er als erstes, wenn sich der ganze Trupp weit entfernt hat und kommt von sich aus zurück, sagt kurz Hallo und spielt dann weiter. Nur wenn wir auf Menschen treffen muss ich aufpassen, dass er diesen nicht von hinten schnüffelnd nachläuft. Von vorne würde er sich das nicht trauen, aber von hinten kontrolliert er gerne und das mag ja nicht jeder...
Winnie:
Ich nenne sie oft den "Vergesse-Hund", weil sie auf dem Spaziergang immer irgendwo hinter mir vor sich hin schnüffelt und trödelt. Wenn ich irgendwo ankomme, wo die hunde an die Leine kommen, ist sie aber immer zur Stelle. Ich vergesse sie natürlich nicht völlig, man hört meist ihr Klippern der Hundemarke und wenn das nicht so ist, schaue ich mich schon mal um.
Sie hat jagdliches Interesse, kommt aber mit ihren kurzen Beinen und in ihrem gesetzten Alter nicht schnell hinterher und läuft darum nie weiter als 100 Meter hinter einer möglichen Beute her und auch das passiert äußerst selten.
Manchmal läuft sie kläffend auf fremde Hunde zu. Da muss ich also dann schon aufpassen und sie rechtzeitig ranrufen.
Smilla:
Bei ihr muss ich schon aufpassen. Sie ist viel auf den Wiesen unterwegs und sucht nach Mäusen, wobei sie schon einen sehr großen Radius hat. Sie wird immer mal rangerufen, weil mir die Entfernung zu groß wird. Sie stöbert auch schonmal im Wald, was sie natürlich nicht darf und ich muss sie darum öfter mal zurück auf den Weg zitieren. Hat sie etwas jagdbares entdeckt muss ich schnell reagieren, dann ist sie auch abrufbar - allerdings ist sie mir zugegebenermaßen schon das ein oder andere Mal entwischt. In letzter Zeit aber fast gar nicht mehr (das letzte Mal war ich in ein Gespräch vertieft
). Als kleine Beruhigung: Sie wiegt gerade mal 6 kg und war immer nach 1-2 Minuten wieder da. Rehe hetzen ist natürlich auch nicht der Hit und birgt für Wild und Hund Gefahren, aber zumindest hat sie nicht wirklich eine Chance gegen die großen Tiere.
Sie läuft zu 95 % frei und wenn ich sie im Auge behalte ist sie auch sehr zuverlässig, aber nur vor sich hin schlendern ist nicht anzuraten.
India:
Ja sie jagt, wenn sie die Gelegenheit bekommt. Sie steht eigentlich sehr gut im Gehorsam, aber wenn wirklich irgendwo ein Reh steht, hilft das nur noch, wenn sie in unmittelbarer Nähe oder das Reh sehr weit weg ist. Sie darf frei laufen, wenn wir über Wiesen und Felder gehen, kommt aber am Waldrand oder in wildreichem Gebiet an die Leine. Auch sie ist mir schon einmal entwischt - aus Fehlern lernt man - und war nach wenigen Minuten wieder da. Ihr Jagdtrieb ist allerdings deutlicher ausgeprägt als der von Smilla, sie hat mit ihren 20 kg ganz andere Vorraussetzungen und (nicht unwichtig) sie ist nicht mein Hund. Bei ihr bin ich also wirklich vorsichtig geworden.
Tessa:
Gehorsamkeit mangelhaft, jagdlich hoch ambitioniert - Galgo eben. Sie bleibt an der Leine. Für Freilauf und richtig Rennen suchen wir regelmäßig umzäunte Grundstücke auf, alles andere ist mir zu gefährlich.
Es gab eine Zeit, da durfte sie auf zwei großen Wiesen am Ortsrand frei laufen und sich mit den anderen austoben. Wir hatten das Ritual, dass ich sie losgemacht habe, sie ist einige Runden mit den anderen gesprintet und wenn die Zunge lang und der Hund kaputt war, wurde sie rangerufen, durfte noch ein paar Leckerlis suchen und kam wieder an die Leine. Das ging 3/4 Jahr gut und dann liefen am Horizont zwei Rehe. Alle Hunde blieben da, aber Tessa war 45 Minuten weg.
Diese Situation brauche ich wirklich kein zweites Mal!