Dass es immer ein paar Idioten gibt, die es übertreiben, dass sage ich ja nicht. Aber das ist überall so. Und ich kenne im Agility keinen Leistungshund, der da nicht alle paar Wochen durchgecheckt wird bei Physio und Co und auch seiner Belastung entsprechend betreut wird. Man kann also echt nicht sagen, dass man sich da keine Gedanken macht. Dass Agility LEISTUNGSSPORT ist und körperlich sehr belastend ist, ist so. Genau deshalb ist Agility eben auch die denkbar schlechteste "Hausfrauenfunsportart".
Hey Bonadea, du bist für mich hier im Forum DIE Agilityexpertin und ich traue dir in Bezug auf Ausbildung und Hintergrundwissen eine Menge zu. Ich finde es nur einfach schade, dass du so schnell in so eine Verteidigungshaltung gehst und dass du alles, was gegen den Sport vorgebracht wird als persönliche Beleidigung aufzufassen scheinst.
Ich freue mich immer, wenn du schreibst und lese gerne von dem, was alles möglich ist.
Du bewegst dich in Kreisen, wo scheinbar recht professionel trainiert wird. Ich selbst verkörpere da genau das andere Ende der Skala. Ich wohne sehr ländlich, die Vereine sind sehr spärlich gesäht. Bisher habe ich in zwei Vereinen Training mitgemacht. Von Aufwärmen, Sprungtechnik oder ähnlichem war dort nie die Rede. Physio für den Hund ohne das er lahmgeht? Hier bestimmt nicht!
Wenn ich meinen eigenen Verein anschaue ist es genau das, was für dich das denkbar schlechteste ist: ein Hausfrauenfunsportverein. Ich weiß das und habe mich darauf eingestellt. Viel mache ich mit Smilla ohnehin nicht und sie ist auch kein Kamikazeherz und als Midihund gesundheitlich nicht so gefährdet.
Was ich auf Turnieren hier in der Gegend erlebe ist genau das gleiche Bild. Unser Verein schwimmt bei den Platzierungen im oberen Mittelfeld. Immer wieder gibt es mal Starter, wo ich sage, dass die wissen was sie tun, dann gibt es aber auch Sprücheklopfer, die ihren schnellen Hund völlig verheizen und mit schlechter Führtechnik regelmäßig die Parcoure abräumen. Ich sehe hier öfter mal nen Border, der sich vor jedem zweiten Hinderniss einmal bellend im Kreis dreht und ich kann mich noch lebhaft an das nervigste Turnier aller Zeiten erinnern, bei dem ich nicht weit von einem Beagle mein Zelt aufgeschlagen hatte, der ohne Unterbrechung alle 5-10 Sekunden einen lauten Bellheuler losließ.
Wenn wir jetzt unter diesen Hausfrauen jemanden haben, der echt Spaß daran hat, sich Zuhause einen Parcour aufbaut und seinen Hund täglich da durchjagd, ist das sicherlich eine ungünstige Kombination - und ja: diese engagierten, aber uninformierten Leute gibt es hier nicht so wenig.
Kurz: Richtig gemacht ist Agility ein toller Sport, aber es gibt eben unheimlich viel schlechte Sportpraxis.
Und trotzdem glaube ich, dass die allermeisten Hunde auf den Turnieren hier in der Gegend KEINEN bleibenden Schaden nehmen.
Was den psychischen Stress angeht habe ich selbst die Auffassung, dass das gut verkraftet werden kann, wenn es kein Dauerzustand ist und Stress (am liebsten natürlich positiver) auch ein Hundeleben abwechslungsreich macht.