Ich lese jetzt 31 Seiten lang mit und überlege schon von Beginn an, ob ich mich auch zu Wort melde. Jetzt tue ich es einfach, obwohl es eigentlich nur das wiederspiegelt, was von vielen Seiten schon zusammengetragen wurde.
Ob der Border ein Anfängerhund ist hängt meiner Meinung nach...
...vom individuellen Tier und seinem Charakter/ seinem persönlichen Temperament ab.
...vom Hundehalter, seinen Ansprüchen, seiner Motivation und seinen Fähigkeiten ab mit diesem Hund richtig umzugehen.
...von der Wahrnehmung des Hundehalters und seines Umfeldes ab. Nicht jedes Borderleben wird mit den Augen eines Hundepsychologen beurteilt und ich kenne nicht wenig Borderhalter, die mit ihrem Hund völlig glücklich sind, auch wenn ich mir ein gutes Leben für den Hund anders vorstellen würde.
Bis hierhin war es kurz und knapp, jetzt kommt mein Roman:
Meine persönlichen Erfahrungen basieren auf drei Border Collies, die mich bisher begleitet haben.
Alles begann mit
Senta. Sie kam als Welpe in unsere Familie als ich 13 Jahre alt war und ich habe sie fast als meinen eigenen Hund wahrgenommen, auch wenn natürlich meine Eltern viel übernommen haben. Spaziergänge und Erziehung waren eigentlich meine Sache, eine Hundeschule haben wir nie besucht und ich bin mit ihr durch dick und dünn gegangen. Für mich war sie mein Traumhund, auch wenn ich rückwirend sehe, dass vieles falsch lief.
- in ihrer Jugend jagte sie Autos, Züge und Wild - wurde dann umgelenkt auf eine starke Fixierung auf Ball, Frisbee etc.
- enormes Junkieverhalten. Ein Spaziergang bestand irgendwann nur noch aus der Suche nach etwas Werfbarem (wenn kein Spielzeug dabei war), alle 20Meter hat sie sich an den Wegrand geworfen und gewartet. Selbst Zuhause brachte sie ständig Fussel oder Papierschnippsel, die sie einem auf die Couch legte und sie fixierte bis man sie wegschnippste.
- Leinenaggression
- jagen von spielenden Kindern, Abschnappen von streichelnden Kindern
- starkes ressourcenverteidigendes Verhalten, mit starkem Konflikt. Gebissen hat sie uns dabei nie, aber es sah furchteinflößend aus.
- extremes Hochdrehen bei Haustürklingeln.
- stereotypes Schwimmen - sie schlug dabei mit den Vorderfüßen aufs Wasser und schnappte nach den Wassertropfen - mit enormer Ausdauer.
... ich könnte so noch weiter machen.
Habe ich erwähnt, dass sie mein Traumhund war? Niemand hätte mir früher erklären können, dass es der falsche Hund für mich war. Im Restaurant hat man sie nicht bemerkt, die Kommandos und Tricks die sie konnte haben alle bewundert und ich konnte alles mit ihr machen. Heute sehe ich das wie gesagt anders.
Dann kam nach meinem Abitur ein Jahr in einer Schäferei. Ich sah Border bei der Arbeit, bekam selbst einen Arbeitshund (Border Racki) und mit ihm einen ganz neuen Blick auf die Rasse.
Racki habe ich nach Ablauf des Jahres mitgenommen. Er war damals 7 Jahre alt und seine Zukunft in der Schäferei war - nach Kündigung des Schäfers - ungewiss. Der Hund war Eigentum eines Vereins und niemand fühlte sich wirklich zuständig.
Racki war eindeutig anfängertauglich! Seine Hütebegeisterung hielt sich in Grenzen. Er konnte seinen Job, hat aber irgendwo was spannend gerochen, waren die Schafe unwichtig. Er war entspannt, hat mir etwas geholfen Senta an andere Hunde heranzuführen. Er war überall dabei (Auto, Zug, Bus, Uni, Einkauf, Urlaub...) mit allem verträglich und gehorchte jedem Menschen aufs Wort. Meine Mitbewohner sind mit ihm joggen gegangen und meine Eltern haben auf ihn aufgepasst, wenn ich mal alleine im Urlaub war. Überall lief er ohne Leine.
Sein einziges Problem war seine Gewitter- und Sylvesterangst und er ist Zeit seines Lebens nicht mit Laminatboden klargekommen (lebte die ersten 6 Jahre auch nur draußen). Auch er hat Bälle apportiert, aber wenn keiner da war,dann war das völlig OK. Gehütet hat er bei mir nur noch die Hühner.
Als Racki mit 17 Jahren starb, habe ich mir geschworen, dass ich irgendwann wieder einen Border haben werde - allerdings nur mit den passenden Schafen. Auch wenn Racki da nicht typisch war, so hat mich genau diese Zusammenarbeit mit dem Hund total fasziniert und ich habe gesehen, wie die Hunde darin aufgehen.
Die Schafe kamen 1 Jahr nach Rackis Tod. Dann zogen die zwei Mischlinge Smilla und Kito bei mir ein - die Borderzeit war noch nicht reif. Weitere 4 Jahre hat es gedauert bis in diesem Jahr Sumi einzog.
Sumi, Showlinie mit einigen gut hütetenden nahen Verwandten kam im Mai zu mir und ist mein kleines schwarz-weißes Traum-Monster. Ich bin gespannt wie sie sich entwickelt. Gerne möchte ich sie als Rettungshund führen, die Anfänge sind gelegt. Wie sie sich an den Schafen macht werde ich nächstes Jahr sehen. Interesse ist auf jeden Fall da! Alles kann, nichts muss.
Natürlich gehe ich jetzt ganz anders an die Erziehung heran, als im zarten Alter von 13 Jahren. Für mich erfüllt sie im Moment alle meine Erwartungen und ist ganz Border Collie und Junghund, ohne überdreht oder obsessiv zu sein.
So und jetzt weiß ich, warum ich bisher nicht geschrieben habe:
Es ist eigentlich viel zu lang und bringt wahrlich nicht viel neues ans Licht. 