Gestern war ich wieder da und bekam schon am Tag davor erzählt, dass er draußen vom Futterbeutel nichts mehr wissen will. Selbst auf der Terasse, wo er oft angebunden ist, wenn die Besitzerin im Garten werkelt, hat ihn der Beutel nicht interessiert, sagte die Besitzerin. Ich bat darum den Hund vor meinem Besuch nicht zu füttern - schließlich wollte ich ja auch mit dem Clickern anfangen und der Gute ist durch Futter sowieso nicht so leicht zu motivieren. Wenn er satt ist schon gar nicht.
Es lief dann viel besser als befürchtet. Nach einer kurzen Gassirunde um seine Erwartungshaltung etwas runterzuschrauben (sie empfängt mich immer mit Hund auf der Straße, weil er sonst an der Tür randaliert und dann denkt er natürlich es geht spazieren), haben wir mit dem Clicker in der Wohnung begonnen. Hund fand meine mitgebrachten Leckerli super und Frauchen schien das Prinzip des Clickerns logisch zu sein. Die weitere Konditionierung und erste Übungen mit Clickerbelohnung liegen nun bei ihr, werden aber erstmal nur in der Wohnung gemacht.
Dann gings an den Futterbeutel und der Setter war hochmotiviert. Sein Warteplatz ist drinnen immer vor der Terassentür, das haben wir natürlich genutzt. Die lange Leine wurde draußen festgemacht und die erste Minisuche ging von seinem Warteplatz wie gewohnt nach drinnen (so weit die Leine reichte). Und dann musste er jeweils innen auf seinem Platz warten und der Beutel wurde draußen versteckt. Er war mit Feuereifer dabei (wobei er tatsächlich auch aus dem Beutel nicht wirklich gierig frisst).
Dann haben wir den Hund noch auf die Autorückbank gesetzt und uns nach vorne. Losgefahren sind wir nicht. Er ist im Auto sehr schnell sehr hochgedreht, hat jedoch nur wenige Minuten gebraucht um im stehenden Auto auch wieder runterzufahren - Autositzen ist nun Hausaufgabe.
Das Bewegungspensum war auch Thema - die Besitzerin hat sich die Hüfte verdreht, drum war es nicht wirklich mehr als sonst. Ich habe aber nocheinmal darauf gedrungen. Ein Zuggeschirr wird bestellt.
Heute habe ich ihn dann noch mit auf eine große Runde genommen. Mit meinen drei Hunden hatte er überhaupt kein Problem und den größten Teil der 3-stündigen Runde habe ich als sehr unproblematisch empfunden, d.h. für mich am anderen Ende der Leine gut handlebar. Die 15-Meter-Schleppleine hat er gut ausgenutzt, hat auch mal wilde Runden auf ner Wiese gedreht, ist locker an einem bellenden Hund hinterm Gartenzaun vorbei... Ein gewisser Stresslevel war jedoch nicht zu übersehen. Er hat sehr viel markiert (Urin und Kot), durchgehend gehechelt und hat keine Leckerlis angenommen. Nach etwa 2 Stunden hatte ich den Eindruck als würde es etwas besser.
Die kurzen Stücke an kurzer Leine durch Orte hielten sich im Rahmen.
Eine Explosion gabs dann kurz vor der Ankunft zu Hause, als das Postauto vor uns in einer Einfahrt fuhr. Der bis dahin völlig stille Hund sprang in die Leine und bellte wie ein Irrer. Die Postbotin hat Angst vor Hunden und hat nur schnell ihre Briefe eingeworfen um dann schnell weiterzufahren. Settertier war dann so in Rage, dass er beim direkt danach einbiegenden Lieferwagen im gleichen Stil weitermachte (wirklich nicht ganz lustig bei der Größe des Hundes). Der Wagen hielt und der Fahrer stieg, begleitet vonlautem Settergebell, aus und schaute mich recht freundlich an. Ich habe ihn nach einer Frage, ob er Angst vor Hunden hat, gebeten näher zu kommen und siehe da: Settertier verstummte, schnüffelte an seiner Hose, ließ sich streicheln und alles war gut.