Beiträge von physioclaudi

    Um mal das Beispiel als Vergleich heran zu ziehen. :hust: . Ich bin 67 geboren, meine Eltern haben mich antiautoritär (versucht) zu erziehen. Also meist positiv. Nicht nur, meine Mutter hat auch gerne mal gemeckert, aber geschlagen wurde nicht. Mit zwei Ausnahmen. Mit zehn ungefähr habe ich meine Mutter so dermaßen gereizt, dass sie mit einem Geschirrhandtuch hinter mir her ist und mir das um die Ohren gehauen hat und als ich 18 war habe ich eine so unglaubliche Scheiße gebaut, dass mein Vater mich quasi durchs Bad geprügelt hat. Er hat mich dabei kaum wirklich erwischt, er selber war am Heulen und diese beiden Erlebnisse waren für mich schon sehr einprägsam. Eben weil ich sowas nicht kannte. Meine Eltern waren in dem Moment einfach authentisch in ihrer Hilflosigkeit, denn von nichts anderem zeugten diese Schläge. Beides hat nachhaltig auf mich gewirkt. Und zwar, weil ich meine Eltern in solchem Zustand nicht sehen wollte.
    Klar, ich bin kein Hund. Möglicherweise geringfügig intelligenter |) . Aber auch beim Hund kommt Authentizität an. Was nicht heißt, dass ich meine zart besaiteten Hütis mit Geschirrhandtüchern traktiere, sondern dass es letztens vorkam, dass Emil gefühlte 12 Std gebellt hat, ich einen anstrengenden Tag hatte, das Gefühl nichts klappt heute mit dem Köter und ihn dann angeherrscht habe, er soll die Schnauze halten. Die ganze Familie, inklusive Emil, hat mich angesehen wie vom Donner gerührt und....Emil war ruhig. Habe ihn für den Moment aus seinem Ding geholt. Dennoch habe ich mich ziemlich schlecht gefühlt. Ist nicht meine Art der Korrektur.

    Bislang hier in Dänemark noch nichts zu hören von Geballere. Das war meine Hoffnung. Und klein Chica liegt seelig auf der Couch und pennt. Zuhause wäre sie jetzt seit gestern schon ein Nervenbündel.
    Gerade beim Gassi rannte in etwa 50m Entfernung vor uns Damwild über die Strasse. Vier echt große Tiere. Emil der Held hat sie beim ersten Mal gar nicht gesehen, aber Chica. Rehe hetzen ist das einzige, was sie an jagdlichen Dingen interessiert (naja und Eichhörnchen). Ich hatte sie an der Flexi und habe sie kurz genommen. Emil hat zwar die Tiere nicht gesehen, aber Chicas Aufregung. Also wieder Modell Lenkdrachen. Und dann...kamen zwei der Tiere zurück über den Weg, das hat dann auch Emil gesehen. Nun da ist mit "Schau" und klick nix mehr, da kann man nur noch managen.

    Jetzt brauche ich mal Eure Einschätzung. Habe ja schon berichtet, dass Emil bei meinem Mann weniger bellt. Beim Gassi, wenn also andere dabei sind ist es so, ich habe ihn an der leine, er rennt, bellt, hütet. Ich nehme ihn kurz und er guckt mich an und bellt. Also er meckert mir quasi ins Gesicht. Ich gebe die Leine meinem Mann, der Anfang ist der selbe, also er rennt, bellt hütet und wenn mein Mann ihn dann kurz nimmt guckt Emil ihn nicht an, sondern beruhigt sich. Heisst nicht, dass er nicht wieder anfängt, wenn Männe ihn länger läßt. Aber dieses hochgucken und direkt anbellen macht er nur bei mir :motzen: :hilfe: .
    Gehen wir alleine Gassi ist das in seinem Sinne und er bellt meist gar nicht.

    mit den offenen Kotbeuteln ist ne gute Idee.

    Ich habe es aufgegeben beim Emil nach "Gründen" für den Irrsinn zu suchen. Er IST einfach irre. Klar gibt es begünstigende Faktoren wie Wind, fremde Umgebung und Leute, die unerlaubt mit zum Gassi kommen. Dennoch ist er grundsätzlich ein Hund, der im Nullkommanix auf 180 ist und da nur schwer wieder runter zu pflücken ist. Wäre es "nur" die Aufregung würde ich da in Ruhe noch 3 Jahre dran rumerziehen (oder auch ein Leben lang), fänd ich garnicht sooo furchtbar. Denn dieses extrem aufmerksame beschert mir andersherum auch einen Hund, der unheimlich gerne mit mir arbeitet, neue Sachen lernt und sich auch daran freut. Wenn nur diese Kläfferei nicht wäre, die zermürbt mich teilweise schon ganz schön. Was Emil SOFORT bemerkt und mit noch größerer Aufregung quittiert.

    Andererseits hatte ich auch noch nie so einen extrem liebevollen Hund. Diese Art seine lange Schnauze in meine Hand zu schieben und mit geschlossenen Augen einfach so sitzen zu bleiben, oder morgens in mein Bett zu springen und sich in meinen Arm zu legen, den Kopf in meiner Halsbeuge, das hat schon was von Lassie. Und so einen Hund hatte ich auch noch nie. Alle meine Hunde sind anhänglich und liebevoll gewesen, aber Emil toppt das alles.

    @physioclaudi du bist stark, du schaffst das zu überstehen! Irgendwann zieht dafür ein gaaanz ruhiger Hund ein. Das istdann der Ausgleich fürs gesammelte Karma :bussi:

    Also ein ganz stiller Hund darf gerne einziehen. Ein ganz ruhiger Hund, alla Schlaftablette ist ja auch nicht, was ich will. Pfeffer im Hintern muss schon sein. Wäre nur schön der Pepp wäre etwas besser lenkbar, obwohl wir da schon große Fortschritte gemacht haben. Denke das ist hin zu kriegen. Den Erregungslevel möchte ich noch besser kontrollieren können und natürlich den verbalen output xD , der ja mit dem Erregungslevel zu tun hat.
    Heute morgen ganz toll. Hier in DK wo wir sind gibt es keine Gehwege, aber auch keinen nennenswerten Verkehr. Eigentlich. Zu Silvester zieht es aber anscheinend den ein oder anderen Dänen in sein Strandhaus und es fuhren einige Autos an uns vorbei, als wir morgens Richtung Strand gegangen sind. Ich nun also mit zwei Flexis, beide natürlich gestoppt und kurz, soweit alles händelbar. Emil verlangt aber meine volle Aufmerksamkeit an der Straße, wenn er aufgeregt ist versucht er gerne mal Autos zu jagen, das muss ich frühzeitig umlenken. Klappt sonst auch gut.
    Nunja, vorhin also an der Strasse muss erst Chica k..., ich nun also beide Flexis in eine Hand, dann Kacktüte einhändig aus der Jacke gezottelt und bei Sturm einhändig geöffnet und gefüllt. Nicht ganz einfach und natürlich kam ein Auto und Emil wollte sich hinterher stürzen. Konnte die Aktion gerade so im Keim ersticken, Aufregungslevel war aber schon um einiges gestiegen. Zwanzig Meter weiter musste Emil, das ganze Spiel von vorne. Danach zog er wie ein Ochse bis zum Strand, wo die Möwen niedrig über dem Wasser im Sturm tanzten, was ihn seine letzten Löffelchen kostete. So segelte auch der Emil als schreiender Lenkdrache im stürmischen Wind. Wir brauchten bestimmt zehn Minuten um den Herrn vom Glimmersee auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen und hatten dann ein schönes, wehendes Gassi. Nachher gibt es dann wieder Diskussionen, wenn ich es wage jemand anderes mit zu nehmen zum Gassi. Bell, hüt, bell, hüt...freu mich jetzt schon. :hust:

    Na n klitzekleinen Unterschied zwischen stubsen und schlagen gibt es ... das eine tut nicht weh, das andere schon ... nur mal so viel dazu ...

    Ich denke die Emotion dahinter ist entscheidender, als die Intensität (bis zu einem gewissen Grade natürlich). Gerade wieder gehabt, Emil packt hier im Urlaub vor lauter Stress gerne mal alte Baustellen aus. Es kommt ein Auto, hier gibt es keine Gehwege. Lasse beide Hunde sitzen, sehe wie Emils Körperspannung steigt und weiß ganz genau, dass er volle lotte ins Geschirr hechtet, wenn das Auto uns passiert. Ich habe das zuhause im Alltag ganz gut im Griff, ein "Schau" reicht, dann ist das in Aussicht stehende leckerchen interessanter. Sage also "Schau", keine Reaktion, Hund starrt dem Auto entgegen. Entweder ich lasse es jetzt laufen und er hat Erfolg, oder ich rüttel ihn wach. Wachrütteln heißt, stupse ihm mit dem Finger in die Schulter, eben wie ein Antippen, wenn man jemand auf einem lauten Konzert ansprechen will, er löst seinen Blick vom Auto, guckt mich an und ich markere den Blick.
    Ist das jetzt schon ein Schlag und übergriffig?

    @Bella1234
    Das hab ich auch immer gesagt xD :lachtot:
    Kläffen ist für mich immer noch das absolute Nogo und ich hasse es abgrundtief, aber jetzt wo ich versuche intensiv daran zu arbeiten, blende ich es mehr und mehr einfach aus und versuche es mit Humor zu nehmen.
    Ein bisschen wie Finyas Jagdspinnereien...da hat es auch nichts gebracht, sich darüber aufzuregen. Es ist ein Teil von ihnen und dagegen anzukämpfen, ändert das Problem ja nun mal nicht.

    Hui ich bin ja richtig weise heute Nacht xD

    Und da melde ich mich auch wieder mit Frodos Bruder im Geiste.

    Jetzt im Urlaub ist es ganz besonders schön, der Emil in ziemlichem Stress gewesen die ersten zwei Tage und das Gebell, was zuhause wenigstens übergangsweise mal in Gefiepe, oder andere merkwürdige verbale Äußerungen verändert wird war hier einfach nur schrill und ohrenbetäubend. Nur wenn es zum Gassi geht, sonst ist er ruhig. Er war da aber so laut und schrill, hätte ihn mit Findling am Bein in die Nordsee schmeißen können |) .
    Mit mir alleine morgens beim Gassi alles chic und entspannt, kommt jemand mit flippt er aus. Für mindestens eine halbe Std wird versuchsweise immer wieder gekläfft, gehütet, versucht Möwen zu jagen. Dann kommt er irgendwann runter. Alles was neu ist stresst ihn unwahrscheinlich. Und wenn ich dann meine eigenen Löffel in die Nordsee schmeiße, ach ne, ist ja ein Fjord, überträgt sich das ja wieder auf den Irren, denn er spürt wirklich jede Emotion meinerseits. Das macht es nicht besser.

    Ich muss auch noch mehr an mir arbeiten. Darf mich von Emils Stress nicht selber so stressen lassen, das potenziert das Problem nur.

    meine Hündin heult auch bei Sirenen. Allen Sirenen. Ich finde das sehr schön. Sie sitzt da wie ein kleiner Wolf, Schnauze gen Himmel und heult in verschiedenen Lautstärken und Tonarten, eine echte kleine Sängerin xD .
    Und dann kam Emil...regt sich furchtbar auf und rennt rum, wenn Chica heult und, da sie ja seine Muse ist, stimmt er irgendwann ein...äh ein Chorknabe im Stimmbruch ist nichts dagegen. Er fängt ganz hoch an, dann bricht ihm die Stimme, dann regt er sich auf, ein Beller, setzt wieder hoch an...dummerweise hört dann aber die Hündin auch nicht mehr auf, weil er hat ja eingestimmt. Das ganze wird immer lauter und immer aufgeregter und dann wird es Zeit das zu beenden.
    Bei Chica finde ich es aber nach wie vor sehr harmonisch. Emil ist unfähig |)

    Ich denke auch bei Stubsern (nenne es mal deeskalierend so xD ) ist das Timing extrem wichtig. Das ist so ziemlich das einzige, was ich bei Cesar Milan beeindruckend fand, wie er über so einen Stups den Hund aus seinem Verhalten geholt hat. Will jetzt bitte keine CM Diskussion vom Zaun brechen, fiel mir nur gerade ein.

    Ich bin da leider nicht geeignet für, mein Timing ist dafür zu schlecht.
    Einschränkung ist aber auch körperlich und das nutze ich schon beim Emil. Wenn er drüber ist, weil wir mit der Sheltiegruppe unterwegs sind und alles hütet und rumbellt, dann hocke ich mich hin und halte ihn so lange fest, bis er runter fährt. Tiefes Durchschnaufen und dann geht es eine Weile. Endgültig beenden tut es die Aufregung nicht.

    Bei anderer Aufregung, wie vor dem Gassi geht das nicht wirklich. Ich schränke ihn schon ein, aber verbal. Er bellt, ich stelle alle Aktivitäten ein und verlange, dass er sitzt. Wenn er sitzt und da weiter bellt, verlange ich Ruhe. Irgendwann ist er ruhig, gähnt und dann mache ich weiter mit Jacke anziehen, etc- Nach kürzester Zeit geht der Wahnsinn wieder los. Ich höre wieder mit allem auf und wiederhole das Ganze.
    Es scheint nicht wirklich zum Erfolg zu führen, aber was besseres habe ich momentan nicht im Angebot und es hat das Ganze zumindest verbessert, wenn auch nicht beendet.

    Emil ist nicht nur sehr laut :ugly: , sondern auch sehr dünnhäutig. Stress meinerseits führt zu Megastress seinerseits. Und so muss ich wahnsinnig aufpassen, dass wir uns nicht endlos hochschaukeln, denn die Bellerei zerrt an meinen Nerven.