Es kann durchaus berücksichtigt werden, welche Motivation bei Beiß-Vorfällen zugrundeliegt. Als Hundehalter kann man auch gegen eine Einschätzung Einspruch erheben und gegebenenfalls einen unabhängigen Gutachter mit einer Einschätzung des eigenen Hundes beauftragen.
In der Hundeliteratur gibt es durchgängig Skalen, bei denen der Einsatz der Zähne bei Hunden unterschieden wird.
Es wird auch unterschieden, IN welchen Situationen und in welchem Maße der Hund die Zähne einsetzt.
Das habe ich im Alltag tatsächlich noch nie erlebt.
Bei uns auf dem Ordnungsamt sitzen Leute, da bin ich froh, wenn die einen Hund von einer Katze unterscheiden können. Im Grunde genommen sind das einfach nur "Beamte", die sich an Vorschriften und Listen halten. Da bei der Stadt jeder nur eine Ausbildung durchläuft, kann ich mir nicht vorstellen, dass es da besonders geschultes Personal gibt, das bei Beißvorfällen die Motivation einschätzt - zumal das ja ziemlich heikel ist, denn meist war ja außer dem HH und dem Geschädigten keiner dabei. Evtl. noch Zeugen, aber in einer solchen Situation (wie bei allen Unfällen) verändert sich die Wahrnehmung.
Und bevor da Fehler passieren, indem die falsche Skala angelegt wird, wird eben sehr strikt reglementiert. Ich finde das auch durchaus richtig so.
Es mag für das weitere Training wichtig sein, dass ein Sachverständiger die Motivation beurteilt, aber für den Hund im Alltag hat es keine Bedeutung. Denn ein als gefährlich eingestufter Hund hat bereits gebissen (oder anderweitig Menschen verletzt/bedroht).
Es ist ja nicht auszuschließen, dass solch eine Situation erneut eintritt und es noch übler endet. Und da ist die Motivation herzlich egal. Offensichtlich gibt es Situationen, mit denen Hund und HH nicht zurecht kommen und da muss die Allgemeinheit geschützt werden. Ob der Hund da aus "Spaß", "Schutztrieb" oder "Langeweile" beißt, interessiert mich echt nicht, wenn meinem Kind die halbe Nase fehlt.