Hallo,
Als ich deine Beiträge gelesen habe, war das als würdest du unsere Ronja beschreiben. Besonders deine wenigen Sätze über Diegos Lernverhalten, haben mich an unsere Kroete erinnert.
Ronja kam letztes Jahr im Juni zu uns, sie wurde an der Autobahn ausgesetzt, der ehemalige Besitzer konnte nicht ermittelt werden und nach ihr gesucht wurde auch nicht. Sie war nicht stubenrein, konnte schlecht allein bleiben (das könnte sie wahrscheinlich ohne Ersthund bis heute nicht) und war ca. 5kg zu dünn. Geschätztes Alter 6 bis 8 Monate.
Am Anfang dachten wir nur, der Hund wäre ein bisschen dumm (sollte man wahrscheinlich so nicht sagen) und haben sie liebevoll Dumpfbacke genannt. Dass sie ernsthaft Probleme beim Lernverhalten hat, wurde uns erst nach und nach klar. Zusätzlich reagiert sie übertrieben auf äußere Reize. Ist der Reiz allerdings zu groß ist es als ob der ganze Hund in den Automatikbetrieb schaltet. Z.B. war am Anfang Gassi gehen sehr komisch, weil sie vor lauter "Alles Neu, alles anders" so überfordert war, dass sie wie bereits geschrieben quasi abgeschaltet hat. Ich hab damals mal probiert ein Wienerle vor ihrer Nase zu schwenken, sie hat nicht reagiert.
Ist der Reiz noch im Bereich, wo er registriert werden kann, dreht sie dagegen auf und ist auch nicht ansprechbar, nur sehr viel lauter.
Wenn man ihr etwas Neues beibringen will, muss das so geschehen, dass sie nichts ausprobieren muss, man muss ihr in Minischritten quasi zeigen was man will. Sie kann z.B. bis heute nicht apportieren, führt aber voll Freude alles aus, was man ihr beibringen kann, indem man sie mit einem Keks führt (Slalom durch die Beine, Rolle etc.), hat sie kapiert was man will, gehts auch ohne Keks.
Wir können bis heute nur vermuten, dass sie wohl in sehr reizarmer Umgebung aufgewachsen ist und das dementsprechende neurologische Schäden hinterlassen hat. Du könntest hier im Forum mal 'Deprivation' oder 'depriviert' suchen. Die User 'Kareki' und 'Mäusezahn' haben das in einigen Threads genauer beschrieben als ich das kann (leider sind diese Threads nicht immer harmoniegesteuert, versuch deine Nerven zu schonen und lies vllt. nur häppchenweise). Ich selber nutze den Begriff depriviert bezogen auf meinen Hund nur ungern, einfach weil er für mich immer mit Hunden assoziiert war, die in ihrem Leben kein Tageslicht gesehen haben etc. Ich sage im Normalfall, das sie reizarm aufgewachsen ist und schlecht sozialisiert wurde.
Was deinen Thread angeht: ich und mein Mann standen einige Male kurz davor den Hund zurück zu bringen. Davon abgehalten hat uns in der Anfangszeit nur, dass ein Hund wie sie im Tierheim beste Chancen hat ein Wanderpokal zu werden und australische Tierheime einschläfern, wenn der Hund keine Chance auf Vermittlung hat oder zu oft zurück kommt. Wir haben lange gebraucht, um die Specialfeatures von ihr zu erkennen, zu akzeptieren und zu lernen, was sich wie ändern lässt und was wir akzeptieren müssen. Dann ist voriges Jahr im Nov. die Großmutter meines Mannes verstorben. Wir lebten noch am anderen Ende der Welt und mein Mann war dementsprechend traurig, auch weil er nicht zur Beerdigung konnte. Unsere Ersthündin findet große Gefühle von jeher doof und war einige Tage sehr viel im Garten und im Schlafzimmerkörbchen. Ronja dagegen ist meinem Mann drei Tage lang nicht von der Seite gewichen, einschließlich vor der Toilette auf ihn warten. Ihr großes Herz ist ihr bestes Specialfeature und war der Anlass, dass wir das erste mal dachten, dass sie wirklich zu uns gehört.
Ich wünsche euch ganz viel Geduld und Kraft für euren Diego!