Was ist dein Hund denn für eine Rasse?
Vielen Hunden macht es Spaß hinter etwas her zu jagen. Ich bin in dem Thema auch nicht so drin. Es hat wohl etwas damit zu tun, dass Jagen eigentlich harte Arbeit ist, auch mal zu Verletzungen führt und längst nicht immer die ersehnte Beute als Belohnung bedeutet. So ist eine angeborene "Lust" am Jagen (Ausschüttung bestimmter Hormone, "Glückshormone", Adrenalin, was auch immer...) für das Überleben eines Raubtiers sehr wertvoll.
Der Hund muss sich nicht mehr vom jagen ernähren (in aller Regel), aber der Mensch hat bei vielen Rassen das Zeigen bestimmter Jagdsequenzen gefördert (wie z.B. auch bei Hütehunden: die Jagdsequenzen bis auf packen und töten), und zum anderen wird da sicherlich bei vielen Hunden auch ohne gezielte Zucht einfach noch der entsprechende Hormon-Cocktail beim Hetzen ausgeschüttet. Und ja, das passiert so auch beim Bällchen holen. Was nicht heißt, dass jeder Hund mit Jagdtrieb Bälle toll findet (siehe meine Hündin) oder jeder Hund, der Bälle mag, auch Wild hinterher geht (siehe mein Rüde). Viele Hunde sind vorgesprägt, auf welche "Beute" sie reagieren oder was sie an Jagdsequenzen zeigen (wollen)
Ausgehend von einem Hund ohne extremen Jagdtrieb: Wenn du nun weißt, dein Hund reagiert zur Zeit nur auf Bewegungsreize, kannst du da ja gezielt ansetzen. Also z.B. ihn die Erfahrung machen lassen, mit durchstarten hat er nie Erfolg. Dazu ein Alternativverhalten etablieren, also etwas, dass er beim Anblick von Wild zeigen soll und das bestmöglich belohnt wird. Ob du strafen möchtest, wenn er versucht durchzustarten?! Dazu kannst du allgemein Impulskontrolle trainieren. Der Ball ist durchaus geeignet dafür. Du wirfst, dein Hund bleibt aber bei dir, bis er eine Freigabe zum holen bekommt. Du wirfst, er darf hinterher, lässt sich aber jederzeit aus dem hinterher rennen abrufen und kommt ohne den Ball zurück zu dir. Ist auch wunderbar mit einer Reizangel zu üben. Würde das zur Zeit bei dir funktionieren?
Auch im Alltag: Hundefreund taucht auf, er muss auf deine Freigabe warten. Kofferraumklappe geht auf, Hundi wartet brav. Du stellst Futter auf den Boden, Hund wartet auf Freigabe. Es kommt Besuch, Hund überlässt dir die erste Begrüßung. Etc. Was deinem Hund halt wichtig ist. Je mehr du an solchen Alltagssituationen kontrollieren kannst, umso besser mag es auch bei Wild klappen. Halt üben, nicht dem ersten Impuls nachzugeben.
Was alternative Auslastung angeht: Sich mit dem Hund viel beschäftigen, Übungen, Spiele einbauen auf Spaziergängen, ist sicher nie verkehrt. Je wichtiger eine Beschäftigung deinem Hund ist, umso besser kannst du deinem Hund innerhalb der Beschäftigung zeigen, dass Zusammenarbeit sich lohnt. Wie auch schon bei Bällen und Reizangel gesagt: zum Erfolg kommt der Hund nur, wenn er auf dich achtet und mit dir arbeitet. Ich würde allerdings sicherlich nicht rein über die Hetzspiel-Schiene gehen, sondern schauen, ob ich den Hund für Nasenarbeit oder Dummy-Arbeit begeistern kann. Da hast du ganz viele Möglichkeiten der Beschäftigung und der Hund ist ausgelastet.