Beiträge von Lucy_Lou

    Blöder Titel, mir ist nichts besseres eingefallen.

    Es geht um Grisu (Aussie, 2 Jahre alt): er hat sich vor gut 1,5 Wochen den Zeh-Ballen aufgeschnitten und in Folge dessen ein recht striktes Ruheprogramm. Im Haus bekam er eine knappe Woche lang einen festen Platz zugewiesen (kannte er vorher nicht). Spaziergänge waren eingeschränkt (so langsam wird es wieder), wenig Bespaßung, fast nur an der Leine.

    Ich muss dazu sagen, ich bin eigentlich ein Mensch, der seinen Hunden sehr viel Aufmerksamkeit schenkt, auf "Kontaktanfragen"/Blicke reagiere ich fast immer, und sei es nur ein freundliches "Jetzt nicht". Bewegungseinschränkung kennt Grisu auch kaum. Das heißt nicht, dass die Hunde nicht erzogen sind und machen was sie wollen.

    Nun läuft er seit ein paar Tagen wieder länger mit spazieren und muss auch in der Wohnung nicht mehr strikt auf seinem Platz liegen. Und die Verhaltensänderung ist recht auffällig: in der Wohnung ist Grisu mir bisher meist hinterher getapert. Kein wirklicher Schattenhund, aber meist dort zu finden, wo ich bin. Nun sucht er selbsttätig die meiste Zeit seine Decke im Esszimmer auf und wenn er wirklich müde ist, geht er ins Schlafzimmer. Beim Spaziergang bleibt er deutlich dichter bei mir, läuft öfter mal hinter mir (das habe ich nie verlangt), wirkt irgendwie "ruhiger", an mir orientierter.

    Ich weiß ehrlich nicht so ganz, was ich davon halten soll. Ich war eigentlich auch vorher schon recht zufrieden mit seinem Verhalten, es ist nicht so, dass ich mir diese Änderungen gewünscht hätte. Dennoch: habe ich ihn bisher zu viel bespaßt? Hatte er zu wenig Grenzen? Was würde er wohl wählen (an meinem Verhalten), wenn er könnte?

    Meine Tierärztin erzählt mir jedes mal, wenn ich mit Grisu da bin, dass Aussies doch so speziell sind und ich bloß aufpassen soll, wenn wir mal zu einem anderen TA müssen... Bei meinem Aussie bin ich da noch nicht mal so sicher, aber meine TA meint: bloß niemals einen Aussie bei der Behandlung zu irgendetwas zwingen oder gar "Gewalt" anwenden. Da erreicht man nichts mit, außer dass er Tierärzte für den Rest seines Lebens furchtbar findet...

    edit: im Prinzip gilt das natürlich auch für andere Rassen. Sie meint, der Aussie ist sehr sensibel, lässt sich ausgesprochen ungern in eine Position zwingen oder von Fremden festhalten und merkt sich solche Vorkomnisse fürs Leben

    Es geht im weitesten Sinne um Grundgehorsams-Kommandos, also nicht um Tricks/Auslastung. Welche Kommandos nutzt ihr regelmäßig? Auf welche Kommandos könntet ihr nicht verzichten? Welche Kommandos sind eher überflüssig?

    Was ich fast täglich nutze ist Platz. Um dem jeweiligen Hund zu sagen, es passiert gerade nichts, schalte ab, das betrifft dich nicht, warte ruhig. In der Wohnung kaum, aber draußen, je nachdem, was im Umfeld passiert oder wenn ich nur mit einem Hund üben möchte und der andere soll ruhig warten.

    Ein Abrufkommando nutze ich fast nie.

    Sitz nutze ich fast nie.

    Warte/weiter nutze ich fast täglich auf Spaziergängen.

    Fuß oder ein anderes Kommando für das neben mir bleiben nutze ich fast nie

    Ein Abbruchkommando (Nein, Na, Grrr!) nutze ich situationsabhängig, aber nicht täglich.

    Im Prinzip würde ich mit Platz + Na!/Fein hinkommen. Wie sieht das bei euch aus?

    Wie sehr setzt ihr auf "automatisches Verhalten"? Also Rückzug, wenn es klingelt, zum Besitzer orientieren, wenn Wild auftaucht, an den Rand setzen, wenn Jogger kommen, nicht an der Leine ziehen, auch ohne Kommando, erst aus dem Kofferraum springen/an den Futternapf gehen gehen/die Straße betreten auf Kommando?

    Darf dein Hund denn Kontakt an der Leine haben? In dem Fall ist das Verhalten deines Hundes absolut nachvollziehbar: er sieht einen Hund, zerrt hin, hat Erfolg damit... Es kann sich auch enormer Frust aufbauen, wenn dein Hund dann mal nicht zu einem anderen Hund hin darf. Das kann unter Umständen sogar zur Leinenaggression werden...

    Du könntest Kontakt nur noch nach Erlaubnis zulassen. Immer, beim Treffen von Hundefreunden, beim erreichen der Hundewiese und in allen sonstigen Begegnungssituationen, muss dein Hund erst Sitz machen, dich anschauen, erst auf das Ok hin, darf er los.
    Wie viele Hunde triffst du denn so auf einem Spaziergang? Mit wie vielen davon darf er Kontakt haben?

    Zitat

    hehe, da scheinst du ein ähnlich hartnäckiges exemplar zu haben wie ich, er steht teilweise im 20 sekunden takt wieder auf, und das auch gerne mal ne stunde am stück :hilfe:

    Und ihr lasst das so durchgehen? Ich fühle mich wirklich als Wattebauschwerfer, aber wenn ich ein Kommando gebe, erwarte ich, dass das ausgeführt wird. Und wenn der Hund weiß, was ich will, geh ich da in so einem simplen Fall auch nicht mehr über locken und Engelsgeduld...

    Darf der Hund Jagdtrieb haben? Darf/soll der Hund Wach-/Schutztrieb haben? Darf er bellfreudig sein? Soll er eher gelassen oder eher "hibbelig" sein? Was hast du dir an Beschäftigung so vorgestellt? Soll der Hund eine eher niedrige Reizschwelle haben oder nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen sein?

    Da sich Grisu den Ballen tief eingeschnitten hat, musste er das von jetzt auf gleich lernen. Ich hatte da nicht die Zeit, es nur über Leckerli zu machen. Hinführen, Platz sagen, loben. Dann im Auge behalten und jeden Ansatz von aufstehen mit strengem Nein, Platz korrigieren. Am ersten Tag ist er dennoch 2 x aufgestanden. Beim ersten mal habe ich ihn umgehend und nicht sonderlich sanft wieder auf seine Decke geführt, beim 2. mal habe ich ihn mit dem Körper abgeblockt, da ist er dann schon von selbst zurück auf die Decke. Mittlerweile darf er wieder rum laufen. Interessanterweise liegt er dennoch mehr auf seiner Decke (ohne meine Aufforderung), als er das vor der Zwangsruhe getan hat :???:

    Zitat

    Da unsere Maua das letzte mal in der Huschu extrem überdreht war, und das auch manchmal zu Hause ist, trotz genug Auslastung,

    Gerade bei einem jungen Aussie würde ich bei Überdrehtheit immer auf zu viel "Action"/Auslastung tippen, nicht auf zu wenig.

    Ich persönlich finde die Futterumstellung nicht zu früh, bin da aber kein Experte...

    Klasse wäre es natürlich, wenn ihr mit dem Retriever Dummy-Arbeit machen würdet. Dann ist der Hund durchaus nach einer halben Stunde platt. An der Leine immer die gleiche Runde zockeln, das sieht dann mit dem Auslauf eher dürftig aus. Ich denke, falls deine Frau auch Spaß am Hund hat und ihr die Zeit mit dem Hund wirklich aktiv gestaltet (Suchspiele, Dummy, abwechslungreiche Strecken, Spielmöglichkeiten mit anderen Hunden, mal am Fahrrad mit laufen etc.) kann das einem Golden Retriever wohl reichen.
    Darf man fragen, warum du "nur" eine halbe Stunde am Stück mit dem Hund gehen möchtest? Ist kein Vorwurf, nur Interesse. Da ist man ja kaum im Park/Wald angekommen...
    Deine Frau, möchte sie den Hund auch? Geht sie nicht gerne spazieren?

    Ob euer Hund den Garten nutzt, kann man schwer voraus sagen. Meine Hündin möchte nicht in unseren Garten, wenn niemand bei ihr ist. Mein Rüde liegt dagegen gerne mal eine halbe Stunde alleine draußen und beobachtet die Welt. Bewegen tut er sich im Garten ohne menschliche Animation aber auch nicht.

    Ja, Unterschiede sind da sicherlich.

    Grisu hat kaum Jagdtrieb, zwar Wachtrieb/Schutztrieb, aber nur bei besonderen Vorkomnissen, sonst ist er sehr menschenfreundlich. Kinder liebt er, das kenne ich von einigen Aussies ganz anders. Er neigt überhaupt nicht zum überdrehen, arbeitet sehr konzentriert, ist kein Stück hibbelig. Wobei das von seinen Eltern her abzusehen war und ich von Anfang an gegen gearbeitet habe. Aber auf Unsicherheiten/Stimmungen reagiert er extrem sensibel, ist sehr reaktionsschnell und beobachtet seine Umwelt sehr genau. Ich habe mir viel Mühe gegeben, ihn viel kennen lernen zu lassen und kann ihn heute problemlos in die Innenstadt, in überfüllte Bahnen und auch in ganz neue Situationen mitnehmen. Aber ich denke, bei Grisu war das "Training" im Junghundealter dazu wirklich nötig.
    Er ist unheimlich aufmerksam, arbeitet toll mit, ist begeisterungsfähig und auch in Stress-Situationen gut ansprechbar. Aber er reagiert auf jede kleine Unsicherheit meinerseits. Nicht im Sinne von Ausnutzen, sondern: Oh, die Aufgabe übernimmt gerade niemand kompetent, dann tu ich das mal...
    Ich persönlich bin z.B. überhaupt kein Terrier-Typ, käme wohl auch mit sehr eigenständigen Rassen nicht klar, wie Herdenschutzhunden oder Windhunden. Ich mag sensible Hunde, die dennoch mitdenken und sich einbringen. Ich für mich kann mir sehr gut immer wieder einen Aussie vorstellen.

    Ein Aussie kann sicherlich ein toller Ersthund sein, falls man der richtige Mensch dafür ist.