Beiträge von Lucy_Lou

    Die Grundfrage ist auch für mich: warum findet dein Hund dich nicht interessant oder: warum ignoriert er Kommandos? Das kann man als logische Folge voneinander sehen, muss man aber nicht.

    Ich selbst mache aus völlig anderen Gründen ein „Ignorier- und Einschränk-Training“. Das muss man aber wirklich wollen und sinnvoll finden. Ich selbst tu mich sehr schwer damit, obwohl ich Erfolge sehe. Im Endeffekt läuft es darauf hinaus, dass man sich seinem Hund nicht mehr „anbiedert“, ihm mehr Vorgaben macht, agiert, statt zu reagieren. Ich denke allerdings, das setzt in deinem Fall voraus, dass dein Hund prinzipiell Interesse an gemeinsamen Aktivitäten mit dir hat, er nur zur Zeit alles in den Allerwertesten geschoben bekommt. Sonst ist es mehr Einschränkung und Kontrolle, als dass dein Hund wirklich versucht, sich für dich interessant zu machen und sich anzubieten und nachzufragen. Ich kann gerne versuchen, dazu mehr zu schreiben, aber jemand mit mehr Erfahrung (auch mit anderen Hunden, als ich sie habe) ist da sicher der bessere Ansprechpartner.

    In deinem Fall denke ich, der Hund muss vor allem lernen, dass es sich richtig lohnt, auf dich zu achten. Es mag auch an meinen Hunden liegen, aber was bei mir sehr viel gebracht hat (denke ich) sind gemeinsame Spiele. Ich habe von Welpe an sehr viel an Balgspielen, Denkspielen, Suchspielen, Geschicklichkeitsspielen… gemacht und die Hunde haben gelernt, es macht Spaß mit Frauchen. Aber was noch wichtiger ist: Das Spiel verstehen und Spaß haben kann man nur, wenn man auf Frauchen achtet. Sie haben also gelernt, mich lesen zu können. Meine Zeichen, meine Blicke, meine Körpersprache (auch wenn es völlig unhündisch war), sie haben den Anreiz gehabt und es hat sich gelohnt für sie. Also schließe ich mich in dem Punkt meinen Vorrednern an: du musst heraus finden, was dem Hund Spaß macht an gemeinsamen Aktivitäten. Du findest z.B. in vielen Büchern zu dem Thema (Bücherei?!) Anregungen, auch z.B: bei spaß-mit-hund.de und auch User (auch ich gerne) können Tipps geben, was man so alles probieren kann.

    Abgesehen davon: Wenn dein Hund viel vom Husky hat, liegt ihm vielleicht Zugsport? Da könnte er auch seine Energie loswerden. Ich habe auch irgendwo mal den Tipp gelesen, dem Hund eine Gepäcktasche umzuschnallen, um ihm mehr Ruhe, Körpergefühl, Auslastung zu geben. Longieren kann vielleicht helfen, die Grundaufmerksamkeit deinen Kommandos gegenüber zu erhöhen.

    Zur Schleppleine: natürlich ist das Endziel der Freilauf, aber erstmal ist die SL Absicherung. Du kannst dir sicher sein, deine Kommandos durchsetzen zu können, also kannst du ruhiger und souveräner agieren. Das kommt auch beim Hund an. Diese Ruhe und Selbstverständlichkeit musst du dir dann im Freilauf hinterher bewahren.
    Jedes Aufregen, wütend werden, bringen deinen Hund nur weiter von dir weg. Dann will er sich weder an dir orientieren, noch in deine Nähe kommen.
    Kommandos befolgt ein Hund, weil er an dich glaubt, weil du es ihm auf „Hundeart“ eindeutig vermitteln kannst, weil es eine Belohnung gibt oder weil er weiß, es gibt sonst Ärger. Letzteres scheint dein Hund von dir von deinem Beschriebenen her beim besten Willen nicht zu glauben. Eine Belohnung wirkt nur so lange, wie es nichts verlockenderes gibt… Bewegungseinschränkung kann ein Hund durchaus verstehen. Ein Abbruchkommando ebenso. Die Frage ist, welcher Weg liegt dir mehr? Deutliche Führung und Ansagen oder Umlenken, den Hund für gemeinsame Aktivitäten begeistern? Es hängt sicher auch sehr vom Hund ab, was letztlich wie viel Wirkung zeigt.


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    Also,wenn Balu an der Leine zieht,auch an der normalen, und ich wechsle schnell die Richtung dann muss ich ihn oft richtig hinterherziehen weil er nicht sofort ebenfalls die Richtung wechselt. Wie soll das dann an der Schleppleine sein? Ich muss ihn dann immer noch extra rufen.

    Was du probieren kannst: etwa 1,5 Meter bevor die Leine zu Ende ist, sagst du „Stopp“ oder Warte oder was auch immer und bleibst stehen. Reagiert dein Hund nicht (1,5 Meter sollten dafür reichen), rennt er halt in die Leine. Du bleibst einfach nur weiter stehen. Dreht dein Hund sich dann fragend zu dir um, geht es weiter. Das Stopp/Warte kannst du dann genauso im Freilauf verwenden.

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    Ja,wenn ich ruf ihn gibts Leckerlie. An der SL arbeite ich halt viel mit Leckerlie. Problem ist nur : Er guckt mittlerweile nur noch nach dem 2. oder 3. mal rufen an, und wenn er was ganz wichtiges sieht dann muss ich ihn holen oder ihn antippen um seine Aufmerksamkeit zu bekommen.

    Ich würde einmal rufen und dann sehr deutlich werden. Z.B. böse auf ihn zu und durch ihn durch stapfen oder an der Leine zubbeln, dass ich seine Aufmerksamkeit habe. Aber da greift wieder, was ich anfangs schrieb: ich geh da halt von meinen Hunden aus und die reagieren auf kleine Einwirkungen. Ein 2. oder 3. mal rufen würde ich mit Sicherheit nicht abwarten, wenn ich weiß, der Hund überhört mich bewusst.

    Leckerlie fürs kommen und schauen sind vermutlich zu wenig. Zumal der Hund weiß, komm ich jetzt nicht, komm ich halt beim nächsten mal und dann gibt es auch wieder Futter…

    Du könntest z.B. probieren, jeden Blick seinerseits zu belohnen. Er schaut, es fliegt Futter, er darf es suchen. Er bewegt sich auf dich zu: Spiel und Freude.

    Ich finde auch das Leinenspiel von Aura nicht schlecht. Ich persönlich würde nun kein Viereck laufen, aber stur meinen Weg mit vielen Richtungswechseln. Das kann eine Grundaufmerksamkeit schaffen, aber von (in den Augen des Hundes!) sinnvoller Beschäftigung befreit dich das aber sicher nicht.

    Ich hatte Grisu ja auch eine Zeit an der Schleppleine. Mein Ziel war, dass er sie möglichst nicht wahrnimmt. Allerdings hatte er auch natürlicherweise einen Radius innerhalb der Schleppleine, das macht es sicher einfacher. Wie groß ist denn der Radius deines Hundes in relativ ablenkungsfreier Umgebung, wenn er darf, wie er will?

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    Ich kann ihn zu Hause nicht ignoriern.Denn dann würde es draußen noch schlimmer sein. Er dreht total auf sobald er draußen ist (und das hat nichts mit Unterforderung zu tun) und will dann einfach nur noch rennen.

    Kannst du ihm Zuhause einen Platz zuweisen und er bleibt da zuverlässig?

    Am Anfang des Spaziergangs gäbe es z.B. folgende zwei Möglichkeiten: 1. du sorgst für Ruhe, 2. du powerst aus.

    1. bedeutet, du gestaltest schon das anleinen, aus der Tür gehen ruhig (klappt das bei euch?). Dann geht der Hund eine Zeit lang hinter (!) dir, bis du den Eindruck hast, er ist ansprechbar und ruhig. Dann macht ihr Übungen und Spiele, bei denen du ihm Mittelpunkt stehst, dann ist wieder mit Ansage Ruhe. Z.B. Abliegen, ordentlich an kurzer Leine gehen, hinter dir laufen.
    2. bedeutet, du spielst direkt am Anfang mit ihm, nimmst vielleicht ein Fahrrad mit, lässt ihn erstmal rennen oder probierst die Packtaschen, das direkt am Haus oder in der Nähe.

    Ich persönlich würde im Zweifelsfall Ersteres vorziehen. Aber je nach Hund und Mensch, kann 2. vielleicht zu weniger Frust führen.

    Ich habe ein super duper-Leckerle genommen und gewartet, nicht geholfen. Meine Hündin probiert aber grundsätzlich, bis sie irgendwie am Futter angelangt ist und mein Rüde sieht dann, wie sie es gemacht hat und ahmt nach (falls er nicht alleine drauf kommt).
    Du kannst das "Hütchen" anfangs auch nur halb drauf legen, so dass sie es nur berühren muss, um ans Futter zu kommen. Das steigert vielleicht die Motivation bei ihr, wenn sie mal Erfolg hatte :smile:

    Ich finde es auch einfacher, wenn ich Sitz machen lassen darf. Mittlerweile sehe ich es als gute Übung, wenn der andere Hund Sitz macht. Das gibt mir die Möglichkeit, mich dem anderen Hund in meinem Tempo zu nähern, fixieren meine, kann ich korrigieren oder einen neuen Anlauf nehmen. So lange, bis meine bereit sind, ordentlich dran vorbei zu gehen. Mich hat das am Anfang echt Überwindung gekostet, da ich dachte, was mag der andere Hundebesitzer nur von mir denken? Der will ja auch nur, dass ich schnell vorbei bin... Aber wenn man das einmal durch hat, wird es einfacher :D . Wenn der eigene Hund aber völlig ausrastet und überhaupt nicht mehr ansprechbar ist, ist das vielleicht nicht der richtige Weg...?!

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    ist schon passiert bis auf daas innere gefrorene das war ihm nichts

    Da kommt die Erinnerung wieder: Lucy hat mal eine ganze Lasagne verputzt, frisch aus dem Ofen. Da hab ich auch nur noch gestaunt, dass sie sich nicht alles verbrannt hat dabei...

    ...ihr vergessen würdest beim verlassen der Wohnung die Wohnungstür zuzumachen und euer Hund hätte die Möglichkeit nach draußen zu gehen (nicht in den Garten, sondern in die "reale Welt")

    Ist uns mal passiert (unser Grundstück ist nicht eingezäunt). Ich bin vor zum Auto, mein Mann musste noch was holen. Aus irgendeinem Grund waren wir beide überzeugt, der jeweils andere hätte beim rausgehen die Terassentüre zugemacht... Als wir vom einkaufen wiederkamen, begrüßten uns die Hunde fröhlich in unserer Einfahrt...

    ...euer Hund frei läuft und plötzlich aus einem Nebenweg heraus einige Kinder lachend auf die Wiese rennen.

    Grisu würde sich klein machen, wie wild wedeln und versuchen entweder Mundwinkel auszuschlecken oder zum spielen auffordern. Aber ich bin ja auch noch da und rufe ihn rechtzeitig ab ;)
    Lucy würde die Kinder ignorieren

    ...ihr eine Pizza oder Kuchen unbeaufsichtigt auf dem Tisch stehen lassen würdet?

    Wenn ich Zuhause bin (egal wo, auch im Keller): nichts. Wenn ich das Haus verlasse, hatte ich mal einen Kuchen oder eine Pizza...


    ...ihr euch mit eurem Partner streitet?

    beide nichts


    Was macht euer Hund nachdem ihr einen Zecken entfernt habt...?

    dran schnüffeln. Lucy würde sie auch fressen.


    Ja, wie reagieren eure Hunde auf behinderte oder körperlich beeinträchtigte Menschen (Rollstuhlfahrer z.B.)

    Nicht anders, als auf andere Menschen. Wobei meine Erfahrungen da begrenzt sind. Spastische Menschen z.B., da weiß ich es nicht

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    Ich rufe sie nur wensie zu mir her schaut aber dann dreht sie sich weg und ignoriert mich.

    Macht sie das genao so? Du rufst und dann dreht sie den Kopf weg und macht nichts? Oder macht sie stattdessen was anderes (wegrennen, Stock schnappen...)

    Wie rufst du ab? Du rufst und stehst dann da, gerade, frontal zum Hund?
    Was du probieren kannst, ist rufen, und dich dann zügig in die andere Richtung bewegen.

    Was genau mag sie denn am Stock-Spielen oder überhaupt beim spielen? Möchte sie fangen spielen mit dir oder mag sie das hinterher hetzen oder das Tragen des Stockes oder mag sie Zerrspiele?

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    Ich will eigendlich mal so such übungen mit ir machen

    Dann mach das =) . Entweder Fleischwurst oder besser ein Spielzeug (Stöcke können gefährlich werden: spitze Splitter können verschluckt werden und den Darm durchbohren, Stöcke kann der Hund sich auch beim jagen/rennen in den Rachen rammen...)
    Sag deinem Hund freudig und aufgeregt (Schauspielkunst ist gefragt): "Ja, wo ist denn das...?? Such..." und such dabei selbst aufgeregt mit. Am Anfang nicht schwierig und ihr könnt es ruhig zusammen finden. Mit dem Spielzeug spielt ihr dann zusammen als Belohnung. Wenn dein Hund das Grundprinzip verstanden hat, kannst du dann viele Variationen einbauen und es schwieriger gestalten.
    Gibt natürlich noch viele andere Möglichkeiten, das aufzubauen, aber vielleicht weckt diese Variante das Interesse deines Hundes.

    Sie kennt euch doch bislang kann, woher soll sie wissen, dass sie euch wirklich vertrauen kann? Vielleicht hatte sie Schmerzen, vielleicht hat sie aber auch beim Vorbesitzer schlechte Erfahrungen in der Richtung gemacht?
    Schimpfen macht es mit Sicherheit nicht besser.

    Dann melde ich mich hier auch noch mal. Kurz nach dem Eingangspost von mir bekam ich unabhängig davon den Ratschlag, bei Lucy etwas mehr auf Führung, mich rar machen, Einschränkung zu setzen. Weniger mich manipulieren lassen (Lucy weiß schon, wie sie Leckerchen „verdienen“ kann), vor allem mehr Sicherheit, Souveränität, „ich habe alles im Griff und weiß immer, was zu tun ist“ ausstrahlen. Lucy soll dahin kommen, meinen Entscheidungen und meiner Führung mehr zu vertrauen. (Ich weiß nicht, ob Derjenige, der mir hilft, hier genannt werden möchte?).

    Lucy ist eigentlich ein recht leichtführiger Hund, ohne größere Baustellen. Nur wenn sie wirklich unsicher wird, vertraut sie meiner Führung nicht. Ich weiß, dass die Fehler bei mir liegen, nun versuche ich also, dies zu ändern.
    Es fällt mir nicht immer leicht. Vieles hat sich so eingeschliffen bei mir über die Jahre, ich merke immer wieder, wie ich in vertraute Verhaltensmuster zurück falle, auch wenn ich es nicht will. Es fällt mir wirklich schwer, meine Hunde auch mal zu „übersehen“, auch wenn mein Verstand mir sagt, es tut ihnen gut, nicht mit Aufmerksamkeit überhäuft zu werden. Ich muss mich da jetzt langsam rantasten.
    Ich merke auf jeden Fall, dass ich mich selbst genauer beobachte und auch, was mein Verhalten bei meinen Hunden bewirkt. Oder umgekehrt: das Verhalten meiner Hunde bei mir. Bei Lucy war es bislang tatsächlich häufig so, dass sie agiert hat und ich reagiert. Bei Grisu weniger, da ist er nicht so der Typ für, denke ich.
    An einigen Stellen fühle ich mich mittlerweile gut und sehe, es funktioniert, an anderen bin ich immer noch etwas unsicher, wie ich es angehen soll und was die Folgen sind. Vieles, woran ich geglaubt habe und womit ich ja auch nicht schlecht gefahren bin, wird gerade etwas auf den Kopf gestellt… Ich merke, meine Hunde sprechen darauf an, aber ich selber werde da noch eine Weile dran zu knabbern haben.

    Im Moment ist unser Plan: vorerst keinerlei Futterbelohnung mehr, mehr Ignoranz, mehr Bewegungseinschränkung.

    Heute unser erstes größeres Erfolgserlebnis: wir waren spazieren, in einem eigentlich völlig einsamen Waldstück. Wenn wir dort einem Hund begegnen, ist Lucy meist schon auf Entfernung angespannt, das überträgt sich dann auf Grisu. Heute gab es kein Ablenken von mir, kein auf verschiedene Seiten sortieren oder sonstiges in der Richtung. Die Hunde bekamen das Kommando an einer Seite neben mir zu bleiben. Als wir nahe am anderen Hund waren, strebten sie leicht nach vorne, leichtes fixieren. Ich habe „Na!“ gesagt und mich halb vor die Hunde gedreht. Danach konnten wir ruhig vorbei gehen… Das macht Mut :D

    Grisu hat sich auch vor 2 Wochen den Zeh-Ballen aufgeschnitten, ziemlich tief :/ . Die erste Woche ist es immer mal wieder aufgegangen, trotz fast völliger "Ruhigstellung"... Er musste in der Wohnung auf seinem Platz bleiben, ob er wollte oder nicht. Draußen gab es nur kurze Pinkelrunden an der Leine, kein rennen, kein springen, kein toben...
    Meine TA meinte, möglichst luftig, möglichst trocken. Wir haben ein Jod-Spray bekommen, das trocknet schnell. Von Salbe hat zumindest meine TA eher abgeraten. Drinnen hat er nur die ersten Tage einen Verband getragen, als es noch doller geblutet hat. Danach nur noch einen normalen Socken, so dass halt nix an Dreck dran kommt, aber eben so luftig wie möglich. Draußen trägt er immer noch einen Hundeschuh. Aber so langsam scheinen wir es hinter uns zu haben :smile: