Katzen sind zwar hier nicht das Thema, aber in der Tat ein Riesenproblem, das gar nicht überbewertet werden kann. In Ortsnähe überschreitet die Dichte der Freigängerkatzen die natürliche Dichte entsprechender Kleinraubtiere oft um das fünfhundertfache oder mehr.
Das hat natürlich dramatische Auswirkungen auf die lokale Kleinwirbeltierfauna.
Man stelle sich mal vor, in der Serengeti würden künstlich die Löwen um das fünfhundertfache vermehrt.
Auch in Deutschland haben Freigängerkatzen nachweislich etliche lokale Populationen von Reptilien und Fledermäusen auf dem Gewissen. Auch in meinem Garten ist bisher jede zugewanderte Zauneidechse und jeder Frosch, der sein Heim am Gartenteich suchte trotz geeigneter Habitatstrukturen wieder verschwunden. Zu 100% als Beute von Katzen. Zu anderen Tierklassen fehlen vor allem Untersuchungen. Das heisst nicht, dass sie nicht betroffen sind.
In Neuseeland ist aus eben diesem Grund der Freigang von Katzen streng verboten.
Und siehe da, es funktioniert.
Ebenso bei meinem amerikanischen Kollegen, die ihre Katzen im Haus halten müssen, da sie sonst rasch zu Kojotenfutter werden.
Katzen sind eine signifikante Bedrohung für die heimiche Kleinwirbeltierwelt. Das ist ein Fakt. Hinzu kommt der Effekt, dass sie meist Toxoplasma Dauerausscheider sind und in letzter Zeit mehren sich die Hinweise darauf, dass Toxoplasmose Infektionen beim Menschen eben doch Langzeitfolgen - vor allem psychische und kognitive - haben. Und die meisten Toxoplasma Infektionenhaben Ihre Quelle in freigängerkatzen. Kinder sidn besonders exponiert, da die Katzenausscheidungsdichte in Sandkästen besonders hoch ist.
Aber Katzen haben in der Politik eine Lobby. Der Freilauf erweckt den Eindruck besonders artgerechter Tierhaltung und ist zudem noch für den Halter sehr bequem. Deshalb ist das Katzenproblem trotz seines Ausmaßes immer noch kein Thema in der Politik und bei Tierschützern. Leider!
Hunde an der Leine sind unter Kontrolle. Das ist gut so und sollte so bleiben. Aber auch an der Leine sollten sie zur Brut - und Setzzeit auf den Wegen bleiben. Die Leine nützt wenig, wenn der Halter mit ins Feld rennt. Der sollte auch draussen bleiben. Der Schaden wird ja nicht allein druch das Erbeuten von Wildtieren angerichtet. Der netto größte Schaden wird allein durch die Störungen bewirkt. Dazu reicht schon, dass der Hund nahe kommt, ohne die potentielle Beute zu bemerken und ohne, dass diese flieht. Schon solche Erlebnisse treiben den Stresslevel der betroffenen Fluchtiere -messbar- ein Höhen, die ihre Nahrungsaufnahme und ihr Verhalten beeinträchtigen. Häufige Störungen verhindern nur allzu rasch eine ausreichende Futterversorgung von Jungtieren oder stressen die Elterntiere so sehr, dass sie ihren Nachwuchs verlassen. Den toten Vogel im Fang sieht man. Diese Effekte dagegen nicht und die Tiere leiden unbemerkt darunter. Der Impakt ist dennoch signifikant und in Gegenden häufiger Störungen auch schon mal dramatisch. Nicht nur die Hunde sollten daher auf den Wegen bleiben. Wir auch!
Eine Aktion gegen Leinenpflicht zur Brut- und Setzzeit, die mit einem Flyer wirbt, auf dem ein Hund durch eine Wiese mit hochstehender Vegetation rennt, disqualifiziert sich allein durch dieses Bild bereits, dessen Inhalt für Unwissenheit und Ignoranz steht.
Viele Grüße
Ingo