Der Halter macht den Hund. Ja und nein.
Ja: Die eigene Erwartungshaltung macht viel aus, wie sehr man sich streßt und wieviel Druck man (bewußt oder unbewußt) auf sich und besonders auch auf den Hund ausübt.
Ebenso die Rassewahl, habe ich eine Rasse gewählt die gut in mein Leben passt? Dann ist meist schon viel weniger Druck da. Habe ich eine Rasse die so garnicht zu mir und meinem Leben passt? Dann wirds mehr Probleme geben.
Beispiel: Taro ist mein fünfter eigener Hund, davor zig Hunde als Gassigänger. Probleme mit Taro? Keine. Durch meine Erfahrung nehme ich ihn wie er ist, das hilft enorm. Aber viel wichtiger ist eben das die Rasse einfach zu mir und meinem Leben passt!
Seine rassetypischen Eigenheiten (zurückhaltend bei Fremden, sehr vokal sein, im generellen ein sehr weicher Hund, etc) passen super zu mir. Meine Entspanntheit und seine Weichheit ist ideal, meine Gelassenheit in Sachen Hund macht seine Zurückhaltung zu garkeinem Problem, hier im Haus soll gemeldet werden sodas seine Kläffigkeit ebenso überhaupt kein Problem darstellt.
Eine Bekannte hat nen Tierschutzmix, optisch sehr Terrier und auch innerlich sehr Terrier. Sie ist eine leicht zu beindruckende Person, weich, absolut liebenswert aber niemand der sehr konsequent sein kann.
Sie meinte letztens das es ja kein Wunder sei das Taro so einfach sei, ich hätte ja schon viel mit Hunden zu tun gehabt und darum ist es so easy, während er ihr zweiter Hund überhaupt ist und der erste war schon ein Senior als sie ihn bekommen hat.
Nope. Das liegt einfach daran das sie absolut nicht zu einem Terrier passt. Der Senior davor war ein Spanielmix, ein total gelassener alter Mann der einfach alles schon gesehen hatte in seinen 10 Jahren und der nichts anderes wollte als nette Spaziergänge, Zuwendung und ein weiches Körbchen. Der Terriermix ist mit seinen 4 Jahren in Saft und Kraft, laut Tierheim ist er durch 3 Hände gegangen bevor er überhaupt im TH landete und hat dementsprechend Ballast noch zusätzlich.
Käme ich mit dem Terrier klar? Sicher. Meine Erfahrung hilft, aber eben auch das ich Terrier "kann", ich mag die und ihre Art.
Viel wichtiger aber wäre das ich ein ganz anderes Umfeld bieten kann als sie.
Das ist ebenso ein "Ja, der Halter macht den Hund", denn das Umfeld in das der Hund kommt wird ja vom Halter bestimmt.
Sie lebt mitten in der Großstadt, eine kleine 2 Zimmerwohnung und sie lässt den Hund eben wachen, ist aber total gestreßt von jedem Laut den er macht weil die Nachbarn ja was sagen könnten. Der Stress treibt den Terrier natürlich nur noch mehr zum Flippen.
Zum Park muss sie erstmal ne halbe Stunde durch dichtes Stadtgebiet voller Menschen und Hunde. Auch hier lässt sie den Terrier einfach machen, keine Anleitung, keine Führung, der tut was er will und sie hängt an der Leine.
Die meisten ihrer Probleme sind also hausgemacht von ihr selbst.
Nein: Man bekommt ja kein unbeschriebenes Blatt. Genetik, Epigenetik, die ersten Wochen prägen enorm.
Jeder Hund ist ein Individuum und hat einen eigenen Kopf.
Die Auswahl der Rasse fällt aber ja doch wieder unter "Ja", denn die Entscheidung für die Rasse liegt ja beim Halter.
Man macht aus nem Mal keinen Sheltie, das ist schlicht völlig unmöglich. Aber die Entscheidung für den Mali oder den Sheltie (oder was auch immer) liegt ja einzig und allein beim Halter.
Es ist halt vielschichtig.
Was will ich vom Hund? Was ist ein absolutes Muss, was nicht?
Suche ich dementsprechend schon aus habe ich das Zusammenleben schon direkt einfacher gemacht.
Der Rest liegt halt schon sehr viel an mir, soweit es eben der Hund an sich zulässt.