Wenn Jin als ungestümer Junghund dachte, es sei witzig, Katzen in der Wohnung hinterher zu rennen (in unserem Fall immer Katzen von Freundinnen, weil ich keine eigenen hab), dann gab es natürlich einen Anschiss. Ich seh nicht, wo ich meinen Hund da für "sein Wesen" strafe. Nur, weil mein Hund ein Hetzjäger ist, braucht er das nicht an Katzen auszuleben. Das gleiche gilt für die Hühner meines Onkels.
Natürlich gab es parallel auch immer die Bestärkung des gewünschten Verhaltens und mein Hund darf andernorts hetzen - aber eben keine Lebewesen, weil das nunmal in Deutschland schlicht und ergreifend verboten ist.
Ich hätt natürlich auch Problemvermeidung betreiben und den Hund immer anleinen oder gar im Auto lassen können - dann wäre ich heute noch bei dem Punkt. Aber ich bin im Gegenteil an dem Punkt, dass ich Jin problemlos in Katzenhaushalte mitnehmen kann und, dass ich Jin ohne sie permanent im Auge haben zu müssen, zwischen den Hühnern meines Onkels frei laufen kann (letzteres ist gerade im Sommer unheimlich entspannt, weil wir da öfters im Garten zusammen Kuchen essen).
Ganz klar war Jin nie so vehement dabei, wie der gezeigte Hund, es war noch kein ausgereiftes Jagdverhalten - weil ich eben mit Jin schon recht jung an dem Problemchen trainiert habe (und sie außerdem aus ihrem Züchterhaushalt mit einem Grundrespekt vor Katzen ausgestattet ist - eine auf sie zu gehende Katze löst bei Jin schon immer und auch heute noch Meideverhalten aus) und - im Wissen um das Potential, welches mein Hund schon allein rassebedingt hat - mir von Anfang an bewusst war, dass mein Hund gegenüber Katzen, Hühnern etc. sehr wahrscheinlich mit Jagdverhalten reagieren wird.
Freilich find ich das gezeigte Training auch suboptimal. Besser wäre es doch gewesen, dem Hund einen Abbruch aufzutrainieren oder zumindest parallel (also vor jeder Dusche) ein Abbruchwort zu sagen. Und eben dann noch dem Hund zu zeigen, wie er sich verhalten soll/für gutes Verhalten belohnen (wobei ich mir vorstellen könnte, dass man hier die Halter sehr engmaschig betreuen müsste, damit sie nicht versehentlich Fixieren ("er schaut ja nur") verstärken).
Und natürlich brauchen beide Tierarten (während) des Trainings genug Zeit ohneeinander, damit sie wirklich entspannen können.