Beiträge von terriers4me

    Hallo Claricia,

    nochmal: Ich find dein Engagement wirklich toll, und insofern möchte ich - auch deinen Freunden - nochmal etwas anschaulicher erzählen, weshalb bei Jack Russell und Kind oft so ein schlimmes Ende vorprogrammiert ist.
    Das liegt nämlich weder daran, daß der Hund böse oder das Kind doof ist - das sind oft schiere, unvermeidliche Mißverständnisse durch diese "Vorwärtsverteidigung", die ein Terrier über viele, viele Generationen hinweg angezüchtet bekommen hat. Schnapp es dir, bevor es dich schnappt - diese Reaktion war und ist bei seinem Jagdberuf erwünscht und kommt in kritischen Momenten immer wieder durch, und für einen körperlich so kleinen Hund kommen kritische Momente eben viel eher als für einen Neufundländer. Etwa dann, wenn ihn ein Kind in eine Ecke drückt, penetrant verfolgt, sonstwie hart bedrängt oder einfach sehr erschreckt.

    Ein Beispiel: Ich bin vor vier Wochen mit meiner Russell-Hündin, die für ihre Rasse sehr sanft ist und mir auch bei unangenehmen Sachen sehr vertraut, eine bröselige Betontreppe hochgestiegen, Hund an langer Leine ein Stück vor mir. Plötzlich brach ein Stück Stufe weg, ich kam ins Rutschen, fiel polternd in Richtung des Hundes - und der erschrockene Terrier fuhr blitzschnell herum und sprang mit einem entsetzten Aufknurren nicht etwa weg, sondern direkt auf mich zu.

    Ging dann alles gut: ich konnte mich halbwegs abfangen, der Hund sah in Sekundenbruchteilen, daß da eben doch kein Beutegreifer unverhofft von hinten kam - und dann saßen wir beide auf dieser blöden Treppe und mußten uns erstmal gegenseitig über diesen Riesenschrecken wegtrösten. Zum Vergleich: Ich bin mal über eine Baumwurzel gestolpert und dem großen Schäferhundboxer, den ich an der Leine hatte, wirklich hart ins Kreuz gefallen. Dieser Hund machte nur einen Satz zur Seite und kam dann mit einem "Was war DAS-denn?"-Ausdruck interessiert schnüffeln. Mehr nicht.

    Ein Terrier kann wirklich sehr schnell und sehr heftig reagieren, und damit ist ein Kind ohne dauernde Aufsicht schlicht überfordert. Den eigenen Hund plötzlich praktisch im Gesicht zu haben, wenn man doch "nur" an dem süßen Tier herumgezerrt hat wie an einem Spielzeug, ist ein Erlebnis, das ein Kind wirklich total schocken kann, von eventuellen Verletzungen ganz zu schweigen. Wird der Hund dann auch noch hart gestraft, fühlt er sich in Gegenwart des Kindes bald noch bedrohter, wehrt sich also immer schneller - und schon ist der Teufelskreis da.

    Insofern, falls es überhaupt ein Hund sein muß, dann bloß kein Terrier-Typ - und vielleicht ist eine Katze tatsächlich die bessere Wahl? Der gesteht man im Notfall zumindest das Recht auf Fauchen, Kratzen und Flüchten zu - den wehrhafteren kleinen Hund bringt dieselbe Reaktion schnell ins Tierheim und das Kind schlimmstenfalls ins Krankenhaus...

    Wenn das Kind sich nicht einmal einen Hund wünscht, also dem Welpen gegenüber vermutlich zwischen unsicher und aggressiv schwanken wird, wird das bitter, bitter nach hinten losgehen.

    Endstadium sind dann ziemlich sicher ein entweder angstaggressiver oder neurotisch ängstlicher Hund (weil für Knurren etc. bestraft - möglichst noch vom Kind), und dazu ein Kind, das entweder die Erfahrung macht, in Selbstverteidigung böse gebissen zu werden und Angst vor Hunden zu bekommen, oder die, ein kleines Tier grenzenlos einschüchtern, tyrannisieren und als Spielzeug gebrauchen und wegwerfen zu können.

    Würde ich beides für pädagogisch nicht so wertvoll halten - und mit einem Terrier liefe es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf die erste Varainte hinaus: bedrängter Hund verteidigt sich blitzschnell und hart vorwärts, wie es einem solchen Jagdhund nun mal angeboren ist, Kind nimmt Schaden, Hund wird entsorgt. Der Tierschutz ist voll mit Terriern, die allesamt auf diese Weise das Kinder-Beißen gelernt haben...

    Meine zweijährige Hündin hat nach der Kastration auch angefangen zu tröpfeln, zwar nur gelegentlich kleine Mengen im Schlaf, aber es war ihr unangenehm genug. Akute Blasenprobleme wurden ausgeschlossen, und seitdem bekommt sie täglich einen halben Teelöffel feingemahlene Kürbiskerne übers Futter. Dieses Granulat aus dem Reformhaus, einfach nochmal im Mixer pulverisiert.

    Von da an war sie wieder so komplett dicht, so daß ich's neulich mal probehalber abgesetzt habe - und eine Woche später fing das Tröpfeln im Schlaf wieder an. Seit sie die Kerne wieder bekommt, ist Ruhe. Hilft also offenbar gut bei leichten Fällen, vielleicht mögt ihr es auch mal ausprobieren?

    Ich kann dir wirklich von hier aus nur tausend Dank für deinen Einsatz aussprechen - damit hast du dem Kind vermutlich einen Biß und einem weiteren Jack Russell die Totalneurose oder das Tierheim erspart! Ein Jagdhund mit Vorwärtsverteidigung und ein ADS-Kind sind wirklich ein höllische Kombination, ein Glück, daß das vom Tisch ist!! Vergiß aber bitte nicht, vorsichtshalber nochmal zu betonen, daß JRS in allen Haarlängen, ganz besonders in kurz, haaren wie verrückt, und daß die Kurzhaarigen aller Rassen da generell sehr fies sein können. Geschorener Pudel ist deutlich pflegeleichter.

    Ich denke, unter diesen Umständen wäre ein Hund überhaupt nur ratsam, wenn er (was ja ohnehin selbstverständlich ist) die Aufgabe der Erwachsenen wäre, und die bereit wären, in das Zusammenleben von Hund und Kind sehr, sehr viel Erziehungsarbeit zu stecken. Außerdem wär's vermutlich günstiger, ein etwas größeres (nicht riesiges!), körperlich und nervlich besonders standfestes Tier zu wählen. Kleine Hunde fühlen sich generell von einem ungestümen Kind schneller körperlich bedroht und reagieren entsprechen, ein Größerer kann vieles noch eher an sich ablaufen lassen.

    Mir fällt dabei immer der unglaulich schöne Königspudel ein, der hier drei lebhafte Kinder souverän und gelassen begleitet. Als Familienhund perfekt, aber leider wildert der draußen wie Sau - ich weiß nicht, ob z.B. die mittleren Pudel auch so dazu neigen?

    Für mich wäre die Frage aller Fragen allerdings erstmal: WÜNSCHT sich das Kind überhaupt einen Hund - oder soll es den aus pädagogischen Gründen sozusagen vorgesetzt kriegen?

    "....allerdings bin ich auch nicht zimperlich, wenn ich einem angreifer klar mache, dass ich sein vorhaben nicht schätze."

    Wunderbar ausgedrückt Marion... so ähnlich halten wir's hier auch. Allerdings mit dem großen Glück, daß hier bisher (toitoitoi!) weniger die bösartige als die ungezügelt rüpelige Sorte anzutreffen ist. Also halb so wild - aber manchmal schon nervig und eben für einen kleinen Hund auch gefährlich.

    Gestern z.B. hatten wir einen halbwüchsigen Sennenhund, neu im Revier, der plötzlich anfing, kläffend und in dieser Hütehunde-Zwickmanier auf meinen schon auf dem Rücken liegenden Achtkilohund zu hopsen und immer fester zuzukneifen. War aus seiner Sicht sicher nur ein nettes Spiel, Frauchen fand's auch cool, aber Terrier und ich weniger. Den Klops mußte ich dann auch nicht nur am Geschirr abpflücken, sondern, weil das nicht reichte, auch noch mit recht nachdrücklichem Körpereinsatz zu seiner reglosen Besitzerin bugsieren. Eigentlich ätzend, aber über sowas reg ich mich längst nicht mehr auf - immerhin läßt sich mit den Hunden direkt meist besser reden als mit einigen Besitzern...

    Für meinen extrem lauffreudigen jungen Hund wäre es schlicht die Hölle, wenn sie nicht regelmäßig wirklich Gas geben und ungehindert ihr eigenes Tempo rennen dürfte. Wohlgemerkt: Es geht da nicht um Jagen, sondern um das Laufen um den Laufens willen, den Zwischenspurt aus Freude an der eigenen Kraft. Sowas ersetzen weder der Garten noch die Zehnmeterleine, die sie jetzt während der Brutzeit trägt. Der Unterschied ist deutlich zu sehen - schon daran, daß sie an jeder Leine Paß geht, also sichtbar verspannt ist.

    Glücklicherweise gibt es hier ein geeignetes Gelände zum Rennen, sonst hätte ich mir einen so temperamentvollen Hund auch nicht wieder angeschafft. Genereller, überall durchgesetzter Leinenzwang wäre so ziemlich der einzige Grund, der mich dazu bewegen könnte, mich von meinem Hund zu trennen - das wäre für dieses Tier schlicht massive Quälerei. Aber erstmal würden wir's gemeinsam mit einer Hardcore-Gesetzesbrecher-Laufbahn versuchen!

    PS: Der Hund ist übrigens innerorts und da, wo eine Straße auch nur in der Nähe ist, rund ums Jahr IMMER angeleint, bei jedem Schritt aus der Pforte, auch wenn andere HH mich da für albern halten - zur eigenen Sicherheit.

    Das Futter ist nicht das Problem - daß man das mit ein bißchen Kreativität und Selbstkochen notfalls immer zusammenbekommt, weiß ich seit allerknappsten Studentenzeiten mit Hund. Aber daß einen eventuelle dicke Tierarzt-Brocken heillos überfordern und zur Verzweiflung bringen können, kann ich mir seitdem auch bestens vorstellen - da wäre ich alleine auch total aufgeschmissen gewesen, und der Hund vermutlich gleich mit.

    Was ich mich frage: Was ändert denn eine Abgabe in so einem Fall, oder vielmehr: wohin mit so einem Hund? Ich kann mir nicht vorstellen ,daß im Zeitalter billiger Massenwelpen nette neue Besitzer Schlange stehen, um ein älteres Secondhandtier mit hohen Tierarztkosten obendrauf zu übernehmen....?

    Retriever, Labrador & Golden, seit Jahren, ersterer möglichst in chocolate, dazu RRs und als Kleinhund Westie. Russells sind inzwischen gottseidank eher durch.

    Aktuell kommen gerade Merle-Aussies (das Merle schein ein Muß zu sein!) und blaue Weimaraner bei den Großen sehr heftig, in der Mitte boomen Beagles, bei den Kleinen massenhaft Französische Bulldoggen, Möpse & weiße Bichons. Und natürlich alles, was der Auslandstierschutz, bevorzugt Spanien und Rumänien, hergibt - je unpassender zur Lebenssituation, desto besser...

    Ich will dir keine Angst machen, aber wenn der Ausfluß weniger wird, kann das durchaus ein schlechtes Zeichen sein. Das, was nicht abfließt, kann sich innen stauen - mit den bekannten bösen Folgen.

    Wenn's meine Hündin wäre, würde ich sie baldmöglichst operieren lassen, wei lmir das Risiko rundum zu groß wäre. Wir haben letztes Jahr versucht, meine junge Hündin mit AB zu behandeln, die sich nach der ersten Läufigkeit gleich eine Gebärmutterentzündung eingefangen hat, also noch keine geschlossene Pyometra, aber den ganzen Ärger im deutlichen Anfangsstadium. Schien auch erst gut zu gehen, Flüssigkeit ging zurück, bis nix Ungewöhnliches mehr auf dem US zu sehen war, Ausfluß hörte auf & nach 10 Tagen AB schien alles ausgestanden.

    Tja - und vier Wochen später finden die Rüden plötzlich wieder an, verrückt zu spielen, auf dem US zeigte sich eine neue, diesmal große Flüssigkeitsansammlung in der geschlossenen Gebärmutter - und das war dann das Ende vom Lied: mit zehn Monaten wurde sie kastriert.

    Warum ich das hier erzähle: Weil du der Hündin, bis auf gelegentlichen Ausfluß, der nach der Antibiose aufhörte, äußerlich NICHTS angemerkt hättest, weder Schlappheit noch verändertes Freß- oder Trinkverhalten, und selbst die Blutwerte waren im normalen Rahmen. Ohne US - und ohne aufmerksame Rüden! - hätte das äußerlich fitte Tier die Probleme also unbemerkt bis zum kritischen Punkt weiterschleppen können. Insofern würde ich auf das scheinbare Wohlbefinden erstmal gar nichts mehr geben und wirklich sehr vorsichtig sein.

    Auf jeden Fall alles Gute für euch!