Beiträge von terriers4me

    "Hund knurrt, was macht ihr?"

    In unseren Fall: Hund trösten

    Wir sind hintereinander eine alte Steintreppe hochgegangen, Hund an Fünfmeterleine vor mir, als plötzlich ein Stück aus einer Stufe brach, ich mit einem Krach vorwärts fiel - und der entsetzte Hund mit einem wirklich bedrohlichen Aufknurren nicht weg (ging ja nicht) sondern direkt auf mich zusprang, in dieser Terrier-Vorwärtsverteidigung, bloß noch Zähne. In diesem ekligen Zeitraffer-Fallmoment war ich mir sicher, daß ich die gleich auch noch im Gesicht haben würde.

    Ging dann alles gut: der Hund erkannte, daß kein monströser Beutegreifer ihn attackierte, brach den Angriff ab und sprang blitzartig zur Seite, und ich konnte mich noch halbwegs mit den Händen auffangen. Und dann saßen wir ewig auf dieser ***Treppe und mußten uns ausgiebig gegenseitig trösten, bevor wir halbwegs geordnet weitergehen konnten.

    Das war mit Abstand das bedrohlichste Knurren, das mir je einer meiner Hunde geboten hat (und auch noch der weichste von allen) - aber ihn für so eine Schreckreaktion noch zu strafen, wäre dann wirklich Wahnsinn gewesen.

    Knurren als erschrockene Abwehr, wenn ich z.B. gegen den Hund stolpere, wie es die TS schildert, finde ich total angemessen - was soll der Hund denn sonst tun, stumm saftig zulangen?

    Richtig ANknurren, also sozusagen bewußt bedrohen, würde ich mich von meinen Hunden allerdings auch nicht lassen. Das schlösse auch das Ressorcenverteidigen ein, da ist ein unwilliges In den Bart-Brummen noch ok, wenn ich den Knochen wegnehme, aber eine aggressive Drohung in meine Richtung ließe ich mir ganz sicher nicht gefallen. Da hat der Hund schließlich von Anfang an auf die freundliche Tour gelernt, daß Sachen-Rausgeben lohnend und einfach selbstverständlich ist - wenn er da plötzlich die Konfrontation suchen würde, würde ich das nicht ignorieren.

    ABER: Ich spreche hier nur von netten, "normalen", kooperativen Hunden, die bei mir groß geworden sind, die ich ebensogut kenne wie sie mich, und von denen mich komischerweise noch nie einer ernsthaft angedroht hat, obwohl ich schon einiges mit ihnen anstellen mußte. Bei einem erwachsenen, fremden Hund mit unbekannter Vorgeschichte wäre ich sicher sehr viel vorsichtiger und würde ein "Bis hierher und nicht weiter!" des Hundes erstmal grundsätzlich respektieren, bis ich ihn besser beurteilen kann.

    Unabhängig vom Ausgang dieser Sache würde ich den Hund auf keinen Fall mehr zu mir nehmen, weil ich das Verhalten der Besitzer unmöglich finde- ich würde Schaden, den mein Hund anrichtet, ersetzen und fertig.

    Schuhe hätte ich allerdings auch nicht in der Reichweite von Hundebesuch gelassen - unter Streß (also z.B. nachts in fremder Umgebung) neigen nun mal auch guterzogene Hunde dazu, den auf eine Weise abzureagieren, die sie vielleicht zuhause nicht zeigen.

    Wenn der Hund aber schon zuhause knabbert, dann ist eigentlich völlig klar, daß er das allein anderswo erst recht tun wird. Also siehe oben: unmöglich von der Besitzerin, dich da nicht vorzuwarnen.

    Das ist genau das, was ich an dieser ganzen Problematik nicht verstehe: Mit dem Hund ist vielleicht ein "Klotz am Bein" weg - aber doch nicht die Lebensaufgaben als solche? Verantwortung und Frust bleiben einem doch eh rundum nicht erspart - insofern kann ich mir auch nicht vorstellen, daß mit dem Hund die "Überforderung" gehen würde.

    Aber es stimmt schon: Wenn das Tier nun mal weg soll, dann besser so schnell wie möglich. Die Chancen sind jetzt schon nicht mehr allzu rosig, und sie werden nun mal mit jedem Jahr schlechter.

    Ich kann dir da nur mit einer Zufallsbeobachtung weiterhelfen: die beiden Bauernhof-Doggen meiner Freunde, die Frischfutter und regelmäßig Frischfleisch bekamen, waren generell tatsächlich die am wenigsten sabbernden Doggen, die ich je erlebt habe (außer natürlich, wenn das Kalbsviertel gerade serviert wurde!) - aber ob's da wirklich einen Zusammenhang gab?

    Glaube ich auch. Ich kann mich von "früher" an eine Menge Hunde erkennen, die mies aussahen und auch früh starben - das war eben Schicksal, dann kam der nächste, und gut war's. Und ich erinnere mich aus Landurlauben in den Siebzigern auch noch bestens an Tierärzte, die sich schlicht geweigert haben, Hunde überhaupt zu behandeln, weil sie sowas als Zeitverschwendung an nicht ernstzunehmendem Viehzeug ansahen. Und in unserem wohlhabenden 10.000 Einwohner-Städtchen vor den Toren der Großstadt gab's 1980 schlicht noch keine Tierarztpraxis. Heute gibt es sechs.

    Diese ganzen Möglichkeiten, einen noch so kranken Hund endlos als Patienten am Leben zu halten, oder, z.B. mit einer teuren Gaumensegel-OP erst lebensfähig zu machen, sind ja wirklich neueren Datums - und mit Sicherheit eine florierende Wachstumsbranche.

    Hündinnnen tendieren tatsächlich dazu, sich sehr viel bitterer zu beißen als Rüden. Die können auch nach einer wüsten Klopperei durchaus mal wieder ein Bier zusammen trinken, die Damen sehen das meist sehr viel enger. Insofern ist da wirklich Vorsicht geboten.

    Aber ihr wißt doch weder, wie das Ganze angefangen hat, noch, wie ernst es wirklich war. Insofern würde ich das unter "Tiergefahr" und "Shit happens" abbuchen, es über die Versicherung regeln und den zwischenmenschlichen Ball tunlichst flach halten. Da ist die Gefahr wirklich sehr groß, daß eure Auseinandersetzung schneller eskaliert als die der Hündinnen.

    Ich war mal allein mit drei Hunden ziemlich weit draußen im Wald, als plötzlich ein Kerl hinter uns herging, aber nicht etwa auf dem Weg, sondern immer von Baum zu Baum - also wirklich sehr seltsam. Der DSH/Boxer-Rüde hat sofort "Frau & Tochter" eingesammelt, zu mir gescheucht und uns dann regelrecht von diesem Kerl "weggehütet", hat also die Hündinnen an meinen Beinen gehalten, uns ständig eng umkreist und dabei immer wieder steifbeinig und mit gesträubter Bürste zu dem Mann gedroht, nur ganz leise und böse knurrend, was die Sache noch unheimlicher machte - so hatte ich den Hund noch nie erlebt. Das war sowas von gruselig, daß ich den Spaziergang abgebrochen habe und lange nicht mehr in dieses Waldstück gehen mochte.

    Weise Worte, Chris, wie immer - da ist eigentlich nicht mehr hinzuzufügen bis auf das eine: Was du jetzt durchmachst ist knallhart, nennt sich Erwachsenwerden und bleibt leider niemandem erspart. Vielleicht hilft es dir, das Ganze mal andersrum anzusehen? Nämlich nicht, wie belastend der Hund ist, was er dich an Freiheit kostet, sondern was er dir gibt? Wie sehr er hilft mit vielem besser fertigzuwerden, was dich drückt, weil du einfach mal zum Abschalten gezwungen bist?

    Ich hab meine Hündin damals freiwillig und gegen gutgemeinten Rat zum Studium mit in die Großstadt genommen, und es war schlicht toll. Die organisatorischen Probleme waren dann gar nicht schlimm ,sowohl meine Hauswirtin als auch ein WG-Mitbewohner hätten sich um den Hund gerissen - da läßt sich oft mehr machen, als man vorher denkt. Und mir hat es unglaublich gut getan, mich organisieren und einmal am Tag richtig bewegen zu MÜSSEN, das hätte ich ohne Hund niemals getan. Das lief übrigens so, daß ich einfach etwas eher aufgestanden und auf dem Weg zur Uni und auch zurück ein paar S-Bahn-Stationen mit Hund gelaufen bin. Wo wir dann ein- oder ausgestiegen sind, ging nach Tagesform. Und Extra-Bespaßungen oder gezieltes "Auslasten" gab es schlicht nicht, und der Hund hätte mich dafür vermutlich auch für verrückt gehalten. Ihr Job war, mitzukommen, und ansonsten pennte sie total entspannt unterm Schreibtisch.

    Man kann sich in der Praxis wirklich vieles einfacher organisieren, als es aussieht wenn's einem noch bevorsteht. Denk einfach nochmal nach, Verantwortung wirst du ohnehin ein Leben lang übernehmen müssen. Die wäre mit dem Hund also nicht weg - dafür aber vielleicht etwas sehr Wertvolles?