Beiträge von terriers4me

    "Aber evtl. ist Spat sein kleinstes Problem, das Tierchen tönt eher nach einer mittelgrossen Baustelle"

    Das liest sich leider wirklich so, und ein bißchen frag ich mich auch, ob da wohl jemand ein Pferd "gerettet" hat, ohne an den Folgeaufwand zu denken? Wie gesagt, wenn einer so jung beim Schlachter landet, liegt der Verdacht auf dicke gesundheitliche Probleme (als Wurzel problematischen verhaltens)ja leider nahe.

    Der Spat-Wallach, den ich da mitgeritten habe, ist über die ganze entzündliche Phase - also über Jahre! - regelmäßig tierärztlich behandelt worden und hat fast sein ganzes Leben lang einen Spezialbeschlag getragen. Das hat seine Besitzerin über die Jahre hinweg ein kleines Vermögen gekostet.

    meike,

    das macht die Sache ja so tückisch: ein Spat-Pferd muß nicht durchgängig lahmen, es kann nach einer Phase den "Einlaufens" sogar fast normal gehen. Ich habe längere Zeit einen alten Wallach ausgeritten, der soweit "ausbehandelt" war, aber, wie alle Spatpferde, unbedingt gleichmäßige, leichte Bewegung haben sollte. Der brauchte eine lange, vorsichtige Einlaufphase (da bin ich dann eben nebenhergegangen), und dann ging er klar.

    Auffällige Lahmheiten hast du in der akuten Phase, aber es kann eben auch "nur" so aussehen, wie hier von einer Uni beschrieben:

    "Die typischen Symptome von Spat sind das Einlaufen des Pferdes im Laufe der Bewegung, die wetterbedingte Abhängigkeit des Grades der Lahmheit, verstärkter Abrieb der Zehe durch bevorzugten Auffußens mit der Hufspitze, um den Schwingbogen des Fußes wegen des Beugeschmerzes im Sprunggelenk zu verkürzen und abzuflachen, verstärktes Entlasten oder Unterstellen des betreffenden Beines im Stand, bislang nicht vorhandene Schwierigkeiten beim Hufegeben, in der starken Versammlung, beim Bergab- und Bergaufreiten, bei engen Wendungen, beim Abspringen und im Trab (z.B. Galopprolle), Umfangsvermehrungen. Die ersten Symptome können auch nur als Verpannung des Rückens auftreten, ohne daß Bewegungsstörungen der Hinterhand zu beobachten sind."

    Wobei das mit der Verspannung des Rückens auch interessant ist: Schriebst du nicht, daß er sich nicht satteln lassen mag?

    Wenn er Spat hat muß das übrigens, sachgemäß behandelt, nicht das ganz große Drama werden. Wird er über die akuten Phasen tierärztlich behandelt und ansonsten Rücksicht genommen, eben z.B. damit, daß er die Beine zu Hufeauskratzen nicht mehr so hochheben muß, kann er, sobald die Verknöcherungen abgeschlossen sind, damit ganz gut leben.

    Der Wallach von oben hatte so zwischen acht und zwölf Jahren immer wieder akute Probleme und brauchte lange Pausen. Dann ließ das nach, er konnte er langsam wieder aufgebaut werden und ging, mit aller Rücksicht, bis Mitte zwanzig gern unter dem Sattel spazieren. Gestorben ist er übrigens mit sechsunddreißig - nicht an Beinproblemen.

    http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za433/arthros3.html

    Ich drücke euch auch nochmal die Daumen, daß die Besitzerin sich entschließt, das Pferd gründlich untersuchen zu lassen - ganz besonders, wenn es ein Schlachtpferd war, bei dem vielleicht nicht einmal eine Ankaufsuntersuchung gemacht wurde.

    Gerade so junge Tiere landen ja sehr oft wegen gesundheitlicher Probleme beim Schlachter, und vielleicht gibt es da Informationen, die der jetzigen Besitzerin vorenthalten worden sind - Informationen, die ihr aber unbedingt haben solltet, bevor ihr ihn ernsthaft unter den Sattel nehmt?

    Wenn er beim Hinterhand-Aufheben so zuckt und zieht, als hätte er keine Kontrolle übers Bein, könnte er eventuell auch gerade einen "Hahnentritt" entwickeln:

    http://www.peter-hug.ch/lexikon/Hahnentritt

    Sowas passiert oft, wenn das Pferd beginnenden Spat in einem Gelenk hat - wobei wir dann wieder beim Thema Schmerz wären. Für den ja auch die Tatsache spräche, daß er zunächst so ängstlich reagiert, wenn du nach dem Bein greifst, sich aber irgendwann entspannt: dann nämlich, wenn der akute Beugeschmerz vom Aufheben nachgelassen hat?

    Die Futtermengen, die ein Junghund in diesem Entwicklungsstadium bekommt, auf einmal zu geben, könnte für den Magen ein bißchen viel werden - ich würde auf jeden Fall versuchen, sie weiter aufzuteilen. Ich hab in dem Alter sogar noch dreimal gefüttert, weil das Hündchen so mordsmäßig fraß.

    sheltie,

    du solltest die Flocken auf jeden Fall trocken abwiegen, kurz aufkochen oder mit heißem Wasser überbrühen und ausquellen lassen, zumal, wenn die Hunde sie bisher nicht gewohnt sind. Die haben eine enorme Quellfähigkeit - was passiert, wenn du sozusagen nach Augenmaß fütterst und die Flocken erst im Hund so richtig aufgehen, hast du ja gesehen.

    Man wundert sich echt, mit wie wenig man da auskommt. Für meinen kleinen Hund sind das zum Beispiel zwei knappe Eßlöffel, also 60 Gramm - aber gequollen füllen die dann eine ganze Tasse. Von viel mehr bekommt sie übrigens auch breiigen Kot, da muß man sich wirklich individuell rantasten, einfach mit wenig anfangen.

    Daß diese Trennung irgendeinen Sinn hat, kann ich dir aus der Praxis auch nicht bestätigen, im Gegenteil: Mein jetziger Hund bekommt von reinen Fleisch- oder Fleisch/Gemüse-Mahlzeiten ganz gern mal Blähungen. Ist auch nur ein kleiner Anteil gequollener Getreideflocken dabei, ist sofort Ruhe - die verträgt also gemischtes Futter eindeutig besser.

    da wäre noch was: Daß das Pferd die Hinterhufe nicht gibt, weil es ein Kastrations-Trauma hat, halte ich, mit Verlaub, für absoluten Humbug oder eine bequeme Ausrede.

    Ich hab im 40 Jahren mit Pferden genau einen Wallach getroffen, der wirklich eins hatte, und der war als erwachsener Hengst auf Island mit Methoden kastriert worden, die du hier und heute garantiert nicht antreffen wirst. Die Hufe hat der übrigens problemlos gegeben, geäußert hat er's damit, daß er versucht hat, Männer mit Lederschürze schlichtweg umzubringen, was beim Schmied immer für reichlich Unterhaltung sorgte.

    Das Verhalten, was du da beschreibst, sieht man dagegen sehr oft, und es hat ebenso oft dieselben Ursachen.

    Sehr häufig ist es Schmerz: Das Pferd hat irgendwo am Bewegungsapparat (Hufe, Beine, vor allem Gelenke, Wirbelsäule) ein Problem, das ihm das Stehen auf drei Beinen unangenehm macht. Besonders häufig, wenn es älter und/oder bis schlecht geritten ist, dann haben Rücken und Gelenke oft schon ihren Knacks weg. Leider kann Pferd dann ja nicht winseln wie ein Hund, also verweigert es die schmerzende Bewegung. Wäre es also meiner, wäre morgen der Tierarzt da, um das zunächst mal gründlich abzuklären. Tut ihm was weh, kann man's dem Pferd viel leichter machen, z.B. indem man ihm beibringt, den Huf zum Auskratzen einfach nur auf die Spitze zu stellen.

    Zweite sehr häufige Ursache: ängstliches Frauchen. Das Pferd, dem das Hufegeben vielleicht schon (siehe oben!) unangenehm ist, hat gelernt, daß es mit ein bißchen Wegreißen, Zappeln und Tänzeln prima drumrumkommen kann. Das klassische selbstbelohnende Verhalten, das sich über die Jahre schnell zu einer Macke verfestigt. Und Frauchen schiebt sowas dann auf ein Kastrationstrauma und ist insgeheim froh, daß sie eine Ausrede hat, sich da mit dem Pferd nicht auseinandersetzen zu müssen....