Beiträge von terriers4me

    Vielleicht hilft euch das ein bißchen weiter? Da kannst du dir in Ruhe, ohne die Gefahr von Eigenversuchen, ansehen ,wie zwei Deppen, ein dem Hund noch kaum bekannter Führer & ein aufdringlicher Fremder, einen vergleichbaren Hund in eine Zwangslage bringen - und wie er "plötzlich" reagiert:

    http://www.youtube.com/watch?v=PHLnjiISsOo

    Da kannst du dir ganz genau ansehen, was für deutliche Signale seines Unwohlseins der Hund vor der Attacke gibt, und daß er erst aggressiv reagiert, als ihm all das nichts nutzt. Vielleicht hilft dir das, deinen Neuzugang ein bißchen besser zu "lesen", bevor es zu spät ist?

    Sauerkraut "wickelt" die Fremdkörper sozusagen ein und geleitet sie auch halbwegs sicher durch den Darm, weil der Hund es nicht richtig verdaut - damit kann man dann manchmal um eine OP rumkommen. Im Fall dieses Junghundes hatte der Tierarzt nach dem Röntgen eine Frist gesetzt: entweder er frißt genug von dem Zeug, daß Montagfrüh zumindest nichts akut Bedrohliches mehr auf dem Röntgenbild ist und die Fremdkörper rauskommen, oder die OP ist unumgänglich.

    Dummerweise fand der Hund das Zeugs auch mit Dosenfutter sehr unlecker, also haben wir Bällchen aus Sauerkraut, Katzendosenfutter, frischem Kartoffelbrei & ein bißchen Leinöl gemacht und, als er auch das nicht mehr mochte, zu zweit zwangsweise gefüttert: Maul auf, Bällchen über den Schluckreflex schieben, Maul zu, Hals streicheln...und so weiter. Gottseidank war der Patient supergutmütig und ließ diese seltsamen Prozeduren relativ gefaßt über sich ergehen - abgesehen davon, daß er sich mal im falschen Moment schüttelte. War trotzdem eine ziemliche Sauerei, und und noch schlimmer die Angst, daß wir zuviel des Guten tun, daß der Hund erbrechen und sich den Hals verletzten könnte.

    Das Fiese war nämlich: Es waren nicht nur die Quietschen, die gefährlich waren. Das abgeschluckte Plastik war unter der Magensäure auch noch hart & scharfkantig geworden. Ich weiß nicht, ob das Material immer noch dasselbe ist (das war vor fast 20 Jahren), aber mir ist bis heute NICHTS von diesem Spielzeug an den Hund gekommen - vor sowas habe ich seitdem echt Angst.

    Ganz ehrlich gesagt: bei mir dürfte sie sogar eher Holz als diese Quietschdinger allein behalten - die finde ICH brandgefährlich.

    Ich werde das Wochenende nie vergessen, das wir damit verbracht haben, dem jungen Leonberger-Mix meiner Freundin panisch Unmengen von Sauerkraut in den Hals zu stopfen, weil er andernfalls am Montagmorgen aufgemacht worden wäre. Der kräftige Jungspund hatte es in einer ganz kurzen Langeweile-Zeit geschafft, sein komplettes Arsenal an den Dingern zu zerlegen und zwei Quietschen & jede Menge Plastik zu schlucken. Ein klassicher Fall von "Das hat er ja noch nie gemacht", und letztlich so knapp an der OP vorbei, daß mir diese Quietschdinger bis heute total suspekt sind.

    Ich will dir ja keinesfalls die Hoffnung nehmen, aber meine Kaminholzkauerin hat nichts anders angenommen, keine Art von Kauspielzeug, Kaubares zum Auffressen fand sie eh eklig - es mußte die Scheite sein, die sie mit ziemlichem Kraftaufwand vom Stapel zerrte und auf den Wohnzimmerteppich schleppte, um sie zu entrinden und, was aber nur bei Birkenholz ging, möglichst in Atome zu zerlegen (nicht zu fressen). Sie tat das allerdings nicht beim Alleinsein, sondern am liebsten, wenn sie abends gemütlich bei mir saß - das waren offenbar ihre Feierabend-Chips.

    Ich hab sie dann ein bißchen damit ausgetrickst, daß ich Birke total außerhalb ihrer Reichweite und an die Stelle auf dem Kaminholz-Stapel, von dem sie sich regelmäßig bedient hat, größere Rindenstücke gelegt habe. Die splittern nämlich beim Kauen nicht, sondern bröseln nur, ähnlich wie Sicherheitsglas. Immer noch nicht das, was man am liebsten vollgesabbert auf dem Wohnzimmerteppich hat, aber damit konnte ich gut leben, weil der junge Hund, trotz freien Zugangs zum ganzen Haus, sonst absolut nichts kaputtgemacht hat. Wenn mal irgendwie Spannung aufkam, die sie "wegkauen" wollte, lief sie auch sofort zum Holzstapel, das war schon ganz praktisch.

    Und als sie erwachsen war, war die Sache buchstäblich gegessen. Von da an schlief sie abends lieber, als sich mit dem Kaminholz abzukaspern - sie werden also doch vernünftig. Ich drück dir also zumindest schon mal die Daumen ,daß sich die Knabberei bei euch auch ein bißchen "verwächst".

    Garten einzäunen ist auf jeden Fall eine supersinnvolle Investition, auch wenn's mühsam ist: da könnt ihr dann wunderbar ein bißchen "draußen" trainieren, ohne daß gleich die volle Reizdosis auf sie einstürzt. Du kannst auch mal sowas wie Abliegen, Sitzmachen auf Distanz oder anderes "spielen" und mußt dir keine Sorgen machen, daß sie dir dabei wegläuft - sowas nimmt auch viel Druck aus dem Zusammenleben.

    Und, nicht zuletzt: Diese von null auf hundert-Kandidaten (davon hab ich hier gerade die zweite) leben in einem gut umzäunten Revier sehr, sehr viel sicherer!

    Ich denke, du siehst das richtig: sie KANN sich einfach noch nicht konzentrieren, weil da so vieles zusammenkommt: Sie ist noch sehr jung, einer kleinen Grundschülerin vergleichbar, und entdeckt die für sie neue Welt auch ganz neu. Sie ist sicher ein sehr reaktiver Hund, der auf jeden Reiz anspringt. So sollen Jagdhunde nun mal sein - einer der Gründe, aus denen so viele so schlecht mit dem "Zivilleben" klarkommen. Zusätzlich hat sie wg. Alter und Veranlagung sicher ein sehr hohes Bewegungsbedürfnis, das sie an der Leine und unter ständiger Einwirkung auch nicht ausleben kann - was so einen Hund natürlich nochmal viel zappeliger und unkonzentrierter macht. Sie steht einfach enorm unter Dampf, schaltet irgendwann überfordert ab, wenn du etwas von ihr willst, und einen Teil dieses "alles zuviel"-Stresses reagiert sie mit dieser Stöckchenkauerei ab.

    Hat meine junge Terrierhündin genauso gemacht und tut es heute noch. Ich habe es ihr übrigens nicht verboten, weil ich sie nicht permanent maßregeln und gängeln wollte und auch gesehen habe, daß sie ihr "Kaugummi" oft einfach brauchte. Wir hatten/haben da nur zwei Grundregeln: 1. muß sie sich das Stöchchen in jeder Lebenslage abnehmen lassen (damit ich allzu Splittriges entsorgen kann) und 2. kein Stöckesammeln an der Leine.

    Das hat auch gut funktioniert, und der Drang zum Holz-Kaugummi ist mit dem Erwachsenwerden immer weniger geworden. Heute, mit zweidreiviertel, schnappt sie sich Stöcke fast nur noch dann, wenn sie andere Hunde zu Rennspielen auffordern möchte - und da lasse ich sie machen.

    Generell hat sie immer besonders heftig gekaut, wenn sie entweder körperlich unter Dampf stand, weil sie noch nicht ausreichend gerannt war, oder weil sie nach einer aufregenden Situation, etwa Toben oder Begegnung mit was ganz Neuem, überdreht war. Das war wirklich haargenau so, wie ein Mensch Kaugummi kaut: um Streß loszuwerden, den er anders gerade nicht abbauen kann.

    Auf sowas würde ich bei deiner Hündin auch tippen, und wenn sie meine wäre, würde ich ihr zu allem anderen einen sicheren (umzäunten?) Ort suchen, wo sie mal richtig nach Belieben flitzen, "Hundekind sein" und sich ganz auf ihren eigenen Spaß konzentrieren kann - das nimmt oft schon viel überschüssigen Dampf, und der Hund kann sich insgesamt viel besser auf die Dinge konzentrieren, die du von ihm möchtest. Kinder in dem Alter kriegen ja auch Schulpausen zum Toben, weil sie sonst zu zappelig werden - und bei lebhaften jungen Hunde funktioniert das oft sehr ähnlich.

    schara,

    ich lasse sie, wenn das Gelände sicher ist, auch weiter wegrennen. Sie gehört zu den Hunden, die einfach mal Gas geben MÜSSEN. Aber wir haben wirklich von Welpenbeinen an Zurückrufen geübt, ständig, aus jeder Distanz und Situation, und tun das heute noch.

    Dabei hab ich einmal das Glück, daß sie so enorm eifrig bei der Sache ist (es geht ja SCHNELL!) und meist rangerast kommt wie die Feuerwehr, weil's ja TOLL ist und sogar was geben könnte. Zum anderen hat sie aber durchaus auch ein paar unangenehme Erfahrungen machen müssen, so a la anfliegende Lederleine im Moment des Durchstartens. Sie gehört da, wieder zum Glück, zu den weichen Hunden, die du mit einem guten Timing nachhaltig beeindrucken kannst, merkt sich sowas sehr, und insofern kommen wir wirklich gut klar, solange sie weiß, ich meine es ernst und bin "da."

    Der Unterschied ist kraß: Ich hab es schon geschafft, sie angesichts von vier uns fast umrennenden Rehen frei absitzen zu lassen, weil ich wirklich "bei ihr" war. Andererseits hat sie es schon geschafft, mir in der Nanosekunde zu entwischen, in der ich unaufmerksam war, um eine Bekannte zu begrüßen, die vorbeiritt. Die bleib dann stehen - und ich konnte gerade noch über den Pferdehals hinweg meinen Terrier mit dreifacher Lichtgeschwindigkeit weit weg übers Feld rasen sehen, auf einen Punkt zu, den der Hund in weiter Entfernung gesehen hatte, wir nicht: ein Reh. Das muß sie die ganze Zeit schon im Visier gehabt haben, war aber unter meiner Kontrolle eben nicht losgerannt - genau bis zu dem Moment, in dem ich ihr mit Unaufmerksamkeit die Gelegenheit geboten habe.

    Nichts passiert, aber abzurufen war da nix mehr. Seitdem leine ich sie sogar an, wenn ich draußen mal ganz kurz einen Anruf annehmen muß - und an längere Telefonate habe ich mit diesem Hund, ehrlich gesagt, noch nie gedacht. Vielleicht in fünf Jahren....LOL

    "Ist eigentlich nicht anders als eine Unterhaltung "in echt" und das geht ja auch problemlos"

    Nö, bei uns nicht - wenn ich da nicht aufpasse, macht sich mein Terrier-Teenie ebenfalls sofort selbständig. Was nicht heißt, daß sie abhaut oder sowas, aber all die Dinge, die sie "auf Standleitung" wohlweislich vermeidet, etwa kleinere Spielkameraden mal so richtig jagen oder eine Gartenzaun-Lücke auf katzenträchtige Grundstücke suchen, probiert sie dann sofort wieder aus.

    Deswegen bin ich auch immer die, die beim Rudel-Ratschen abseits geht & ihren Hund möglichst nicht aus den Augen läßt. Ich bin mir völlig sicher, beim Telefonieren würde sie haargenau so reagieren: Chefin abgelenkt, Terrier frei für die schönen Dinge des Jägerlebens...

    Allerdings ist sie da wirklich, wirklich kraß - aber ich wollte ja einen Terrier!