Beiträge von terriers4me

    Egal, was dir erzählt worden ist: Dein Welpe braucht nicht nur keinen Käfig (daran kannst du den Hund notfalls später immer noch in Ruhe gewöhnen), das Einsperren ist auch noch total kontraproduktiv: Du bringst ihr damit nämlich gerade zwangsweise bei, auf ihren eigenen Platz zu machen - also genau das Gegenteil von dem, was sie lernen soll.

    Stubenreinheit ist ja eigentlich ganz einfach, weil jeder Welpe mit dem Drang geboren wird, seinen "Wohnraum" nicht zu beschmutzen, den saubergehaltenen Radius ständig erweitern lernt und, wenn du das ermöglichst, bald auch zwischen "drinnen" und "draußen" unterscheiden kann. Das ist dann schon alles - Unfälle passieren den Zwergen natürlich, aber sobald der Unterschied zwischen Wohn- und Toilettenzone sitzt, hast du gewonnen.

    Wenn du einen Welpen nun länger fest einsperrst, unterbrichst du diesen Lernprozeß. Das Hündchen hat ja noch sehr wenig Blasen- und Darmkontrolle, muß also - zwangsweise - sehr schnell in seine Box machen. Es lernt dabei ganz fix zweierlei: 1. Es ist offenbar normal, sein eigenes Lager zu beschmutzen, und 2. das weiche Zeugs darin ist ein viel angenehmerer Untergrund zum Pinkeln als was Kaltes, Hartes draußen. Das zweite hat deine Kleine ja offenbar schon kapiert - du beschreibst es ja sehr schön.

    Sperr sie also keinesfalls mehr ein, einmal, weil Streß (den sie dabei ja hat), sehr auf Darm und Blase geht, zum anderen, weil sie wirklich schon auf einem unerwünschten Weg zu sein scheint. Überspitzt gesagt: besser, sie geht wenigstens ein paar Schritte von ihrem Lager weg, als immer wieder zwangsweise dahin machen zu müssen, wo sie schläft und Unsauberkeit auf diese Weise erst richtig zu lernen.

    Wenn's ein kleiner Welpe wäre, würde ich dir raten, sie erstmal mit ins Bett zu nehmen, da schlafen sie nämlich meist durch, und du bist sofort wach, wenn sie sich rührt. Bei einem größeren ist die Methode mit Körbchen/Pappkarton am Bett und deiner von oben reingehängten Hand aber auch prima - da hat das Hundebaby den Körperkontakt, den es im Moment noch dringend braucht, und du ersparst dir auch gleich Nächte auf dem Fußboden.

    Draußen wirst du jetzt einfach mehr Ruhe und Geduld aufbringen müssen. Ein Welpe kann sich nur lösen, wo er sich total sicher fühlt, und die große weite Welt ist für die Kleinen oft so aufregend ,daß sie ihre Geschäft schlicht "vergessen" und in der sicheren Wohnung nachholen müssen. Geht einfach immer an den gleichen, ganz ruhigen Platz und trödelt da ganz ruhig und langweilig rum, bis die Kleine sich entspannt und du sie loben kannst.

    Was Action angeht: da zeigt dir der Welpe das richtige Maß ganz gut. Geht die Lütte hinterher entspannt in die nächste Runde Schlaf, war's genau richtig, ist sie zu aufgedreht oder so total erschöpft wie gestern ,war's zuviel.

    Sowas merkst du genau, sobald ihr euch in ein paar Tagen besser kennt - Hauptsache, du bringst jetzt erstmal Ruhe in die ganze Sache und streßt weder dich noch den Zwerg mit zu hohen Erwartungen. Mach dich einfach locker und freu dich an deinem Hündchen: Es ist ein bezaubernder Welpe, keine Atomphysik, und ihr kriegt das alles schon hin - Zeit habt ihr ja genug vor euch!

    Du kannst am besten beurteilen, wie gut die beiden auskommen. Mit einem Rüden generell muß sie erstmal überhaupt keine Probleme haben, der ist ja keine gleichgeschlechtliche Rivalin, sondern ein Partner. Rüden lassen dieses Hormongezicke meist einfach an sich ablaufen, ohne sich viel draus zu machen. Kann gut sein, daß sie ihn total unter den Pantoffel kriegt, aber wirklich aggressive, böse Konflikte sind in einer solchen Konstellation viel seltener.

    "Artfremdes Verhalten" verlangen wir ja rund um die Uhr von unseren Hunden, und speziell dieses halte ich einfach für überlebenswichtig. Mich hat da aber auch ein Schock-Erlebnis tief geprägt, ich kopier die Story einfach nochmal aus einem anderen Thread:

    Ich behellige meine Welpen konsequent mit Abgeben, weil mich wenig so entsetzt und beeindruckt hat wie der entsetzliche Tod einer Dackelhündin, die der Familie meiner Schulfreundin gehörte. Der konnte man nichts wegnehmen, weil sie dann allen Ernstes biß. Die Eltern hielten solchen neumodischen Unsinn auch für unnötig. Hunde beißen, wenn man ihnen ans Fressen geht, das ist der Lauf der Welt - fertig.

    Dann kam der Tag, an dem im Fressen mehrere gekochte Hühnerknochen waren (gab's regelmäßig - in den Siebzigern sah man das noch nicht so eng). War also nix Geklautes, sondern völlig legales Futter wie schon -zigmal vorher. Doch diesmal verschluckte sich die Hündin ganz furchtbar an einem Knochen, der wohl so groß war daß er ihr erst noch irgendwie aus dem Fang hing, also leicht zu entfernen gewesen wäre - WENN sie jemanden auch nur in die Nähe gelassen hätte.

    Tat sie aber nicht. Sie reagierte wie üblich: knurrte und biß trotz des Fremdkörpers um sich wie verrückt, sobald sich jemand näherte und schluckte das Ding dabei nur noch böser ein. Da floß dann auch schon Blut, auf beiden Seiten. Bevor der Vater meiner Freundin Lederhandschuhe, eine Wolldecke oder sonstwas geholt hatte, hatte sie sich schon unerwischbar unter ein riesiges Wohnzimmer-Vertiko geflüchtet, so schwer, daß es kaum zu bewegen war. Die verzweifelte Familie durfte dann ihrem Hund beim qualvollen Krepieren zuhören. Als sie Nachbarshilfe geholt und das Trumm von der Wand gewuchtet hatten, lag die junge Dackelin tot in einer Blutlache - entweder erstickt oder an den Halsverletzungen verblutet.

    Ich weiß noch genau, wie schrecklich meine Klassenkameradin geweint hat, als sie uns am nächsten Morgen die Story erzählt hat, und ich weiß, daß der nächste Dackel dieser Familie von Tag 1 an das Abgeben lernte. So, wie alle meine Hunde bis heute auch - es müssen ja nicht immer nur die eigenen Fehler sein, aus denen man lernt...

    Ich denke, "deep down inside" kennst du die Lösung schon: ein neues Zuhause für die Jüngere.

    Zwei Hündinnen, die sich wirklich nicht ausstehen können oder von denen eine die andere so deutlich aus dem Revier haben will, sind die gefährlichste Hunde-Konstellation, die du überhaupt im Haus haben kannst: Kaum Chancen auf Versöhnung, dafür aber einer "guten" Chance auf einen tödlichen Ausgang.

    Es ist leider einfach Hündinnen-Biologie, daß sie ihr Revier notfalls gnadenlos von weiblichen Rivalen räumen, und dazu paßt bei eurer Junghündin ja auch der Zeitpunkt: Sie war zum ersten Mal läufig und ist jetzt scheinträchtig, heißt: Sie ist erwachsen, will das Territorium für sich allein - das macht sie ja gerade sehr deutlich.

    Wenn du die beiden nicht rund um die Uhr getrennt halten kannst (und selbst das ist noch Streß), hilft da leider wirklich nur eine Abgabe.

    "Manchmal habe ich das Gefühl, wenn ich die Kennelmaße sehe, jo... die Maße hatte mein Kaninchenkäfig auch - also hatte Aladin ne Luxusbude."

    So isses. Legehennen dürftest du (umgerechnet) auf so enger Fläche nicht halten, und die Hersteller wissen schon, warum sie sowas vorsichtshalber als TRANSPORTboxen anbieten.

    Verglichen mit dem, was vielen Hunden inzwischen an Wohnungs-Käfighaltung zugemutet wird, hatte ein Kettenhund anno dunnemals wirklich schon die ganz große Freiheit.

    Bei uns gehört "alles jederzeit wegnehmen lassen" genauso zu den Basics wie Bürsten, Halsbandanlegen oder Pfotenabtrocknen. Das diskutiere ich von Welpenpfoten an nicht, es ist selbstverständlich und wir machen kein Theater drum. Ich laufe ganz sicher nicht Gefahr, daß mir der Hund an irgendwas verreckt, was er sonstwo aufgelesen hat.

    Dem kleinen Knurr-Mops hätte ich mit einem mahnenden "Spinnst du?", aber ohne Aufregung den Knochen schlichtweg abgenommen, ohne mich weiter um einen Zwergenaufstand zu kümmern - SOFORT gefolgt vom Riesenlob für seine Kooperation und Knochen-Rückgabe samt tollem Extra-Leckerbissen obendrauf. Fertig.

    Wie gesagt, sich alles jederzeit abnehmen zu lassen, hat bisher für jeden meiner Hunde zu den Selbstverständlichkeiten gehört. Dafür mache ich von dieser Möglichkeit nur Gebrauch, wenn's sein muß und nicht als Machtspielchen, oft kriegt Hund das Ding sogar samt Draufgabe zurück - und alles ist total undramatisch.

    In den Rassen ist überhaupt nichts "vorprogrammiert" (mein Terriernachwuchs hat sich in keiner Weise so benommen), und mit der Mutter hat das auch eher weniger zu tun (die Mutter meiner Hündin jagt Wildschweine, deswegen muß sie das noch lange nicht tun)

    Es ist viel einfacher: Dein Junghund (natürlich längst kein Welpe mehr) ist zum einen von eurem Programm überdreht bis zum Geht-Nicht-Mehr und zum anderen absolut nicht erzogen. Sie weiß einfach nicht, ws sie soll und was nicht.

    Keine gute Kombination, wie du gerade erlebst - der pubertierende Hund, der nichts möchte als deine Führung, dreht schon total am Rad. Das wird mehr werden, nicht weniger. Ob du laut oder leise irgendwas dazu sagst, ändert leider gar nichts: dein Hund versteht den SINN deiner Worte nicht.

    Du könntest doch auch nicht nach einer chinesischen Gebrauchsanleitung Klavierspielen lernen - aber das ist die Situation, in der die Kleine gerade steckt: von ihr werden in einer fremden Sprache Dinge verlangt, die sie noch nie gelernt hat.

    Wenn dir noch so abslout das Basiswissen fehlt, (was ja keine Schande ist ,wenn du's ändern willst!), bleibt dir einfach nichts weiter übrig, als samt Hund zu jemandem zu gehen ,der euch die Grundlagen für ein gutes Zusammenleben beibringt, sprich: Schule oder Trainer. Auch wenn du dafür erstmal knackig sparen mußt - mit Internet-Tips wird das eher nicht getan sein.

    Koch dir eine Tee, atme tief durch und stell dir ganz nüchtern, ohne Psychodrama, Selbstmitleid und Endlostränen die eine, entscheidende Frage: Willst du einen Hund oder nicht? Bis du nur momentan überrrumpelt, weil sich der Welpe wie ein Welpe benimmt - oder hast du tatsächlich, wie du es zweimal schreibst, überhaupt keine Freude an dem kleinen Tier?

    Ist das Lebewesen Hund, das nun mal nicht als Schmusetier, Kumpel, "Fellnase" oder Lifestyle-Accessoire mit An- und Abschaltknopf geboren wurde, in Wirklichkeit überhaupt nicht das, was du wolltest? Mach dir nichts vor: Welpen mit ihrer Baby-Kondition sind vergleichsweise einfach, richtig fordernd wird das erst noch, wenn der Kleine kräftiger und selbstbewußter wird.

    Das ist alles kein Problem, nur eins muß wirklich immer dasein: diese Freude. Wenn du, bei allem Streß, nicht grundsätzlich lächeln kannst, wenn du den Kleinen ansiehst, wenn du dich nicht ganz simpel freust, ihn in deinem Leben zu haben, hat das alles wenig Zweck.

    Das zuzugeben, ist keine Schande, wenn du schnell die Konsequenzen ziehst und dem Welpen einen besseren Neustart ermöglichst. Damit, ihn unter Psychodramen, Seelenmatsch und "hab ich mir nicht so vorgestellt" widerwillig weiterzuschleppen, bis du den geplatzten Traum nur noch um jeden Preis loswerden willst, ist weder dem Hund noch dir gedient.

    Also: komm zur Ruhe, denk an den Hund, nicht an deine verletzten Gefühle, triff eine Entscheidung, steh dann wirklich dazu - und dafür alles Gute!