Beiträge von terriers4me

    Nicht nur in den USA, wo manche Bundesstaaten schließlich eher aus Notwehr Kastrations-Gesetze eingeführt haben, um nicht mehr massenhaft unerwünschen Nachwuchs töten zu müssen - das ist da teilweise ähnlich kraß wie hier mit Katzen.

    Hier am Ort, wo so ein Notstand in keiner Weise gegeben ist, haben wir auch einen TA, der Welpenbesitzer schon bei der Erstimpfung massiv zur Kastration drängt - und der ist sicher nicht der einzige...

    Manchmal muß man gemeinerweise sogar. Meine Hündin war mit 10 Monaten dran, weil die Gebärmutterentzündung nach der ersten Läufigkeit trotz langer Behandlung immer wieder aufflammte, und es schließlich gefährlich wurde. Ich denke auch, daß diese viel zu frühe Kastration ihr infantiles Gepinkel verlängert hat - gemacht hat sie's aber auch vor der OP, was ja eigentlich auch schon viel zu lange war.

    Ich fürchte auch, mit der ganzen Aktion vorher steigerst du ihre Aufregung nur noch weiter, und was sie dann abliefert ist eine Mischung aus großer Freude (Streß!) und dem Unterwürfigkeitspinkeln ("Bitte friß mich nicht, Fremder!") eines unsicheren jungen Hundes. Für letzteres spricht sehr, daß sie genau dann loslegt, wenn sie angefaßt wird. Also in dem Moment, in dem die "Gefahr" akut und ihr die Situation unheimlich wird, beugt sie mit dieser totalen Unterwürfigkeitsgeste sozusagen jedem Ärger vor. Daß wir Menschen sowas anders verstehen als ein Artgenosse, weiß ein Hund ja blöderweise nicht.

    Kommt mir enorm bekannt vor: meine sensible Terrierhündin hat in den Alter dasselbe getan und pinkelt sogar heute, mit zweidreiviertel, noch in einer einzigen Situation: wenn fremde, große Männer sich über sie beugen, um sie zu streicheln. Da benutzt sie das Pinkeln ganz klar, um den gefährlichen Riesen zu zeigen ,daß sie "welpenhaft" klein und harmlos ist.

    Bei uns hat sie übrigens nie gepinkelt, egal, wie lange wir weg waren. Es waren/sind immer diese "Vorstellungssituationen", genau wie bei deinem Hund: Aufregung, Freude und Fremde.

    Geholfen hat uns da am besten, jede überflüssige Spannung rauszunehmen. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, wer denn nun Besuch zuerst begrüßen "darf" und erst recht keine solchen Rituale eingeführt. Das hätte die Aufregung und Erwartung ja immer nur weiter aufgebaut. Bei uns gibt's zwei Möglichkeiten: entweder es kommt jemand wie der Paketbote, der sie nichts angeht, dann sitzt sie inzwischen auf der Treppe frei ab, darf also dabeisein, hat aber mit der Situation sonst nichts zu tun. Dann pinkelt sie natürlich nicht.

    Kriegen wir gemeinsam Besuch, begrüßen wir den auch gemeinsam, in den frühen Pinkelphasen möglichst schon an der Gartenpforte. Ich bitte die Besucher, den Hund dabei nicht zu bedrängen, also einfach den kurzen Moment abzuwarten, bis sie von selbst kommt und aktiv um Zuwendung bittet. Dann sitzen wir meist alle schon, die erste Aufregung ist vorbei, und alles geht pinkelfrei. Das klappte immer besser, und heute zeigt das Sensibelchen diese Unterwürfigkeits-Geste nur noch dann, wenn es sich "überfallen" fühlt, und das kann man vermeiden.

    Wir sind also sozusagen den umgekehrten Weg gegangen: So wenig spezieller Aufstand wie möglich, und erst recht kein Wegsperr-Ritual zum gezielten Spannungsaufbau, wenn es klingelt. Hund ist ganz selbstverständlich dabei, aber nicht der Mittelpunkt, fühlt sich also nicht bedrängt und muß nicht so beschwichtigen. Pinkelte sie doch mal, wurde es eben weggewischt, und fertig. Vorher spazierengehen, daß die Blase leer ist, ist sicher generell nützlich, aber es wird das Pinkeln an sich nicht verhindern: das macht sie ja in dem Moment absichtlich, wird also notfalls auch noch den letzten Reservetropfen rausdrücken.

    So hat meine Hündin diese generelle Begrüßungs-Pinkelei mit dem Älterwerden so gut wie ganz abgelegt, auch wenn es bei dem Sensibelchen ungewöhnlich lange gedauert hat - normalerweise endet sowas ja schon mit dem Welpenalter. Jetzt benutzt sie sowas nur noch in (aus ihrer Sicht!)Extremsituationen: eben dieser große Unbekannte, der sie anfassen will. Da geht sie nach wie vor auf Nummer Sicher, und damit kann ich gut leben - ich denke, wenn sie noch etwas älter und sicherer ist, wird auch das aufhören.

    Mein Fazit aus den Pinkel-Jahren wäre also: je weniger Theater man um die ganze Besuchs-Sache macht, desto weniger pinkelt der Hund.

    Frank hat da, glaube ich, den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich gehöre eigentlich nicht zu denen, die meinen, daß ein Hund jederzeit das Recht hat, seinen Besitzer per Knurren in die Schranken zu weisen - aber in diesem Fall klingt das so sehr nach Notwehr, daß ich auf den Hund hören und ihm jede Zwangsbestreichlung ersparen würde.

    Denk dran: Russells sind sehr extreme Hunde, offenbar auch in diesem Punkt. Ich kriege das hier gerade ganz eindruckvoll vorgeführt: Meine vorherige Hündin war eine derartige Schmuserin, daß es mir selbst oft schlicht zuviel war. Die hättest du zehn Stunden kopfabwärts hängend begrabbeln können, und sie wäre immer noch hingerissen gewesen - von Menschen befingert zu werden, war für sie einfach nur großartig.

    Und ihre Nachfolgerin - sogar relativ eng verwandt - ist das exakte Gegenteil: Sie möchte NUR angefaßt werden, wenn es ihr selber paßt. Sie macht alles begeistert mit, genau wie dein Hund auch - aber in diesem Punkt hat sie ganz eigene Vorstellungen. Die lauten so etwa: Kontaktliegen gern, Dauer-Anfassen verboten.
    War für mich eine ungeheure Umstellung, weil ich mich in zehn Jahren daran gewöhnt hatte, den Hund, der sich zu mir legt, automatisch zu streicheln. Aber mein Welpe vergrößerte dann SOFORT die Distanz oder entzog sich ganz - eine unmißverständliche Absage.

    Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Hund bei dauernder Zwangsbeglückung, vor allem noch mit Festhalten, nicht auch irgendwann geknurrt hätte. Sie ist nun mal nicht der Dauer-Kuscheltyp, und ich respektiere das und bringe sie nicht in so eine Zwangslage. Was umgekehrt den Hund dazu bewogen hat, in entspannten Situationen sehr wohl selbst um Streicheleinheiten zu bitten, und so läuft längst alles ausgeglichen.

    Langer Rede kurzer Sinn: An deiner Stelle würde ich mir klarmachen, daß dein Rüde schon bewundernswert viel mit dir und für dich tut - er "hat" dich also genug. Wenn er zu all dem nicht auch noch ein Superschmuser ist, respektier das einfach. DU bist hier derjenige, der mehr will, als er geben kann, da hat Frank ganz recht.

    Beförder ihn zwar von Plätzen weg, die er verteidigt (das geht zu weit!) aber laß ihm ansonsten mal ganz konsequent die Ruhe nach dem anstrengenen Programm und die Distanz, die er sich dann offenbar wünscht. Verschone ihm mal eine Zeit total mit jedem Geschmuse, und ich wette mit dir, dann wird er irgendwann zu dir kommen, wenn es ihm selbst paßt - und zwar ohne dich anzuknurren.

    Bei so einem Typ Hund wär es auch noch eine Option, einen Hufschmied zu fragen. Das ist nicht so abwegig, wie es klingt - die kommen enorm viel rum, und als Reitbegleitung wäre ein RS ja nicht das Schlechteste, falls sich jemand die Ausbildungs-Mühe machen möchte.

    "Wenn mit dem Welpen gesundheitlich alles OK ist, dann einfach selber die Erwartungen zurückschrauben und entspannen! Je ruhiger und souveräner man selber mit der Situation umgeht, desto besser ist es auch für den Hund."

    Das ist, glaube ich, der Supertip schlechthin - daß er nachts durchhält, könnte ja darauf hindeuten, daß er tagsüber einfach zu hochgedreht ist. Und noch was: Wenn der Welpe so extrem ist, daß ihr ihn aus Sicherheitsgründen räumlich beschränken müßt, dann nehmt gleich einen größeren Welpenauslauf, keine Box - dadrin hat er dann noch die Chance, wenigstens minimal vom Platz zu gehen, wenn er muß (der berühmte Unterschied!), und ihr macht euch nicht alle Stubenreinheits-Übungen kaputt.
    Und vor allem kann er sich da noch ein bißchen bewegen, seine Umwelt übersehen und so weiter "am Leben teilnehmen". Er kriegt also nicht noch mehr Streß, weil er plötzlich abgeschnitten in einem dunklen, engen Käfig sitzt. Da beißt sich nämlich auch der berühmte Hund in den Schwanz: In der Zeit, die ihr brauchen würdet, ihn wirklich streßfrei an solches Eingesperrtsein zu gewöhnen, kriegt ihr ihn auch so erzogen.

    Zum anderen: Wenn, dann nehmt ein stabiles, schweres Metallgitter - ja nicht so ein Nylonzeug wie in dem Link. Ein aufgeregter, hochgeputschter Welpe reagiert sich durch Reinbeißen und Knabbern ab (Kauen beruhigt!), und ein kleiner Terrier hat gut Kieferkraft und Ausdauer. Er wird dir das Nylon-Ding also fix zerfetzen, ist in großer Gefahr, sich zu verhängen, und wenn er auch noch was schluckt, kannst du gleich den Tierarzt mitbuchen.

    Sowas haut da schon eher hin, da ist um den eigentlich Schlafplatz noch genug Raum. Obwohl: der friedlich pennende Welpe hat's auf dem Luftweg verlassen, sobald die Tür zu war - war sie offen, blieb sie entspannt drin.

    Externer Inhalt img5.fotos-hochladen.net
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.

    "Dann hat man einen Hund der in die Box pinkelt und in die Wohnung sowieso und ist bei Null."

    Das fürchte ich auch, nicht aus Ideologie, sondern aus Erfahrung - und meine Erfahrung nach achtmal Hundeaufziehen ist die, daß das A und O bei der Sache ist, daß der Welpe sich möglichst früh möglichst weit von seinem Lager entfernen kann, wenn er muß. Dann hat er die grundsätzliche Unterscheidung zwischen "Wohn" - und "Klobereich" drin, und die Grundlage ist da. Mein jetziger Terrier war mit neun Wochen so gut wie stubenrein, die beiden eigenen Würfe ähnlich - von Unfällen natürlich abgesehen.

    WIE schwer das aber wird, wenn der Welpe nicht rechtzeitig unterscheiden lernt, davon kann ich auch ein Liedchen singen (und die TS daher durchaus verstehen!): meine Airedalehündin kam erst mit fünf Monaten und war zwar stubenrein, hatte aber, wg. Elferwurf plus Krankheit des Züchters, gelernt, daß der Garten das Klo der Wahl ist. Also im Grunde dasselbe Problem, nur sollte sie jetzt eben "gartenrein" werden, obwohl sie das Gegenteil gelernt hatte.

    Mit diesem Hund hab ich dann geschlagene sechs Wochen sozusagen im Wald leben müssen, bis der Groschen fiel - ewig früh vor der Arbeit, zwischendurch, ewig spät hinterher. Das war trotz schönen Wetters die anstrengendste "Sauberkeitserziehung", die ich je mit einem Hund hinter mich bringen mußte. Bei einem Elfwochenwelpen ist das sicher leichter - der kann noch nicht so lange dichthalten, wie meine Hündin das tat.

    Und geklappt hat das erst, nachdem der junge Hund wieder diesen entscheidenden Unterschied verstanden hatte, dieses "ich soll aus dem Zuhause gehen, wenn ich muß" - und wie ein Hund diesen Unterschied eingesperrt austüfteln soll, verstehe ich absolut nicht.

    Wenn's bei diesem Einsperren nur darum geht, daß der Welpe sich "meldet" - das tut er frei genauso, wenn du genau hinsiehst. Kann er das wg. mangelnder Blasenkontrolle körperlich einfach noch nicht, wird er auch sofort in die Box pinkeln. Was er daraus dann schlimmstenfalls lernt: siehe oben.

    Wenn's ein Rassehund ist, müßt ihr erstmal den Züchter kontaktieren - oft steht im Kaufvertrag eine entsprechende Klausel, und der Züchter hat Vorkaufsrecht.

    Dann, zusätzlich zu den hier beschriebenen Wegen: Tierärzte sind auch hilfreich, die wissen oft, wo gerade ein guter Platz frei wäre oder wo ein bestimmter Hund hinpassen würde.

    Pack den Welpen NUR NICHT am Nacken oder geh sonstwie aggressiv auf ihn los - was du damit kriegst, ist ein Hund, der bald schon pinkelt, sobald du nur in seine Richtung siehst.

    Jack Russells sind nicht nur supersensibel und oft erst spät stubenrein. Sie gehören auch zu den Hunden, denen Angst und Streß besonders schnell auf Blase und Darm schlagen. Angstpinkeln ist für einen Welpen der intensivste Weg, dich um Gnade zu bitten, den er kennt. Je mehr ihr dem Zweikilo-Winzling also Angst macht (stell dir mal vor, auf dich ginge plötzlich ein -zigmal so schwerer Riese los, ohne daß du verstehst ,warum!), desto schneller pinkelt er, und desto schwerer wird das Ganze.

    Ihn in eine Box zu sperren, kannst du auch vergessen. Du hast euer Problem ja schon sehr schön erkannt: der Kleine hat beim Vorbesitzer nicht lernen dürfen, zwischen "drinnen" und "draußen" zu unterscheiden. Stattdessen hat er gelernt, ständig überall hinzumachen. Sperrst du ihn jetzt noch in eine Box, lernt er, wenn du Pech hast, außerdem noch dazu, daß er sogar auf seinen Platz machen muß, weil er davon ja nicht weggehen kann, wenn er muß. Das ist ja nun nicht gerade das, was du erreichen möchtest?

    Geht erstmal schnell mit ihm zum Tierarzt und klärt, ob er gesund ist. Was du da beschreibst, klingt, als könnte er ein fettes Blasenproblem haben - auch dafür sind Russells berüchtigt anfällig.

    Und dann wird euch nichts bleiben, als mit ganz, ganz viel Geduld und Ruhe gutzumachen, was der Vorbesitzer schon verbockt hat: So viel, so lange und so entspannt mit ihm rauszugehen, bis er verstanden hat, was ihr von ihm wollt. Das könnte jetzt ein gutes Stück länger dauern, als bei einem Welpen, der von Anfang an rausgehen konnte, aber natürlich ist es machbar.

    Bloß eben nicht mit Streß. Je mehr Druck ihr euch und dem Hündchen macht, desto mehr wird es auch hinmachen - so reagieren die Zwerge nun mal. Wenn ihr jetzt schon daran denkt, den Hund wegzugeben, wäre das sicher eine ernsthafte Überlegung wert. Das hier ist nämlich erst der ziemlich normale Anfang des Weges mit einem Hund - die dickeren Brocken kommen erst noch. Wenn euch das jetzt schon ernsthaft zuviel ist, solltet ihr dem armen Kerl vielleicht lieber eine bessere Chance verschaffen, solange er noch "süüüüß" ist und auf einen Hund verzichten.