Beiträge von terriers4me

    "...den Hund an jedem Angstobjekt an kurzer Leine vorbeizuzerren, in der Hoffnung, er wendet sich dem Menschen dann zu."

    Das wär aber doch für den Menschen viel zu gefährlich und zu nervig. Das Schöne am Roundpen ist doch gerade, daß du da als Trainer jederzeit in den Sack hauen, dich in Sicherheit bringen und dein Versuchsobjekt alleinlassen kannst, wenn dir die Lage zu brenzlig wird - statt das Tier wirklich mit allen Konsequenzen durch die Situation begleiten zu müssen, die du kreirst.....*ironie off*

    Meine ebenfalls: wie der Hund eigentlich an den Ort der Wunderheilung gelangt? Kannst du ihn nämlich soweit erreichen, daß du ihn dahinführen kannst, kannst du auch geduldig und seriös mit ihm arbeiten - was soll's also?

    Außer natürlich, einen selbstbedienenden Markt zu kreiren: Meine Freundin lebt seit Jahren davon, all die hirnlos durchs Roundpen gescheuchten Pferde unbedarfter Besitzerinnen endlich seriös auszubilden - nur, daß das ohne diesen Umweg deutlich einfacher wäre!

    "in der praxis ist das sehr, sehr häufig."

    Unfaßbar, ehrlich - ich hab ja auch Spaß an ein hündischer Frechheit & mein Terrier ist absolut nicht perfekt - aber das, was du da beschreibst, könnte ich in meiner Umgebung schlicht nicht ertragen, ohne selber hohlzudrehen. Da würd ich meinen Hund schon aus reinem Selbstschutz zivilisierte Umgangsformen beibringen.

    Dann ist natürlich auch klar, woher der Markt für all diese Ruckzucklösungen kommt....

    Das sind aber doch alles Regeln, die einem schon der gesunde Hunde-Menschenverstand vorgibt - wenn sowas inzwischen als "dog whispering" gilt, sagt das schon enorm viel darüber, wie sehr genau dieser Verstand den Bach runtergeht.

    Genau das ist aber in der Praxis auch auffallend: Ich lasse zum Beispiel jeden Hund nach dem Ableinen noch einen Moment still absitzen, bevor er auf Handzeichen losrasen darf. Hab ich mir beim Mehrhundeausführen aus ganz praktischen Gründen angewöhnt (du möchtest einfach nicht, daß einer wild losstürzt, während du mit der Hand am Halsband des zweiten/dritten bist) und beibehalten, weil auch einen Einzelhund ein Moment der Konzentration vor der großen Freiheit die Manieren deutlich versbessert.

    Wir machen's automatisch, finden das normal, und früher fanden's die Mithundehalter auch. Aber in den letzten Jahren werde ich plötzlich dauernd gefragt, ob sowas nicht "Kontrollzwang" sei, Hundetrainerin XYZ fände das nämlich.

    Und meine Bekannte, die ihre beiden gut erzogenen, freundlichen Rüden bei Hundebegegnungen erstmal ins Fuß nimmt, statt Labbi plus großem schwarzen Schäferhund mit Karacho auf andere zustürmen zu lassen, ist inzwischen beim eher unbedarften Hundebesitzerinnen-Publikum in den Ruf gekommen, gefährliche Hunde zu führen, weil sie die so "zwanghaft kontrolliert". Das wäre vor zehn Jahren auch noch undenkbar gewesen.
    Lehrt inzwischen aber dieselbe Trainerin - und muß ich erwähnen, daß die Hunde ihrer Klientinnen nicht gerade durch gutes Benehmen Menschen gegenüber oder zivilisiertes Sozialverhalten auffallen?

    Dafür ist die Dame aber gerade bei Hunde-Anfängern ganz groß in, weil "total gewaltfrei", und ich schätze mal, die Resultate ihres Trainings werden in den Augen ihrer Besitzer irgendwann geradezu nach einem Cesar Millan-Typ schreien, der, no matter how, endlich Grenzen setzt - ein schönes Beispiel für das gezielte Schaffen von Nachfrage....

    Nachdem Roundpen-Scheuchen bei Pferden so viele Gurus "gemacht" hat, wundert mich eigentlich nur, daß bei Hunden nicht eher jemand auf die Idee gekommen ist.....

    Was mich jetzt praktisch interessieren würde: wie gelangt der mißhandelte, "schwer traumatisierte" Hund, der so absolut niemanden in seine Nähe läßt, eigentlich nach mehreren Wochen Zwinger ins Round Pen, um da "laufen gelassen" zu werden? Gittergang mit Scheuchern wie in der Raubtiermanege? Blasrohr & Betäubungspfeil? Oder wie?

    Wenn der Hund so gut bei/mit seinen neuen Besitzern lebt und ihr euch alle versteht, spricht absolut nichts dagegen, daß du ihn nimmst. Hunde sind pragmatische Opportunisten und beladen so eine Situation nicht mit Gegrübel wie wir. Die fühlen sich einfach mit "ihren" Menschen wohl, sowohl den "alten" als auch den "neuen" und wechseln problemlos hin und her.

    Weiß ich deshalb, weil ich gleichzeitig mit meiner ersten Hündin auch auch noch Freunde bekommen habe, die damals die Mutter und den "Vater" dieses Welpen besaßen. Wir sind dann zwei Jahre lang täglich mit allen Hunden zusammen unterwegs gewesen, mußten meine Freunde arbeiten, waren alle drei Hunde bei uns, war's andersrum, war meine Hündin bei ihnen.

    Meine Hündin ist also, genaugenommen, die ersten zwei Jahre weder von ihrer Hundefamilie noch von ihren Züchtern jemals wirklich getrennt worden und hatte dennoch nie irgendwelche "Identitätskonflikte": Sie liebte es, in ihrem alten Zuhause zu sein, wußte aber trotzdem immer genau, wohin sie gehörte.

    Dann zogen Freunde und Hunde weg, und wir haben oft Haus & Rudel eingehütet, wenn sie hundelos verreisen wollten. Ebenfalls völlig reibungslos: Sobald ich kam, waren alle drei "meine" Hunde, sobald die Besitzer zurückkamen, schloß sich jeder Hund sofort wieder "seinem" Menschen an. Ohne Probleme.

    Bei der Situation, die du da beschreibst, hätte ich null Bedenken, Milo die Pension zu ersparen - es sei denn, IHR könnt euch hinterher nur schwer trennen.

    Ich fürchte, würde mein Hund würde durchaus ein gewisses Einspar-Potential bieten. In knappen (Studenten-)zeiten besaß meine Hündin genau ein Lederhalsband, ein Ledergeschirr, ein Kettenhalsband zum Baden, eine Lederleine und ein von meinen Eltern abgestaubtes, wunderschönes Shetlandwoll-Plaid zum Draufliegen. Dazu je ein Billig-Plastikschüsselchen für Futter & Wasser. Zuhause hatte sie natürlich noch ein schönes Körbchen, das war's dann auch schon, und komischerweise haben wir auch nie was vermißt.

    Wenn ich mich da heute so umsehe - der Hund wurde über die Jahre immer kleiner, die Ausstattung dafür immer umfangreicher....