Beiträge von terriers4me

    Das wären die Vorgaben:

    FCI-Standard Nr. 339 „PARSON RUSSELL TERRIER“


    [b]VERWENDUNG: Derber, widerstandsfähiger Arbeitsterrier, besonders für die Arbeit unter der Erde geeignet.

    ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD: Arbeitsfreudig, lebhaft, wendig; für Schnelligkeit und Ausdauer gebaut. Vermittelt einen allgemeinen Eindruck von Harmonie und Beweglichkeit.


    VERHALTEN/CHARAKTER (WESEN): Im wesentlichen ein Gebrauchsterrier, mit der Fähigkeit und dem zur Arbeit im Bau und in der Jagdmeute geeigneten Körperbau. Unerschrocken und freundlich

    Ich würde sagen die meisten Terrier haben diese Vorgabe noch sehr gut gelesen - wenn's auch mit dem "unerschrocken" gelegentlich ebenso hapert wie mit dem "derbe" und viele dieser Hunde ausgesprochene Sensibelchen sind. Probleme gibt's in diesem Fall regelmäßig, weil die meisten MENSCHEN sich das Zuchtziel entweder überhaupt nicht ansehen oder nicht ernst nehmen - und sich dann sehr wundern, wenn ihr Hund sich tatsächlich standardgerecht verhält, nämlich "arbeitsfreudig"

    Mein persönlicher Knigge lautet:

    Meine Hündin kommt 1.) an die Leine, 2.) an die Leine und 3.) an die Leine - egal, wann und wo.

    Hab ich auf die learning by doing-tour kapiert: Nachdem mir die normalerweise gehorsamste aller Hündinnen im reifen Alter von acht Jahren nachts um eins (!) an einem total leeren Waldrand (!!) wie ein Pfeil abgehauen ist, sobald die Leine ab war. Wir waren übrigens da, damit sie endlich mal leinenlos ihre Geschäfte erledigen konnte, und ich hatte mir einen Wecker auf eine Zeit gestellt, in der keine Rüden unterwegs waren.

    Meine Hündin lief dann über einen guten Kilometer durch den Wald und überwand einen Bach und einen hohen Zaun auf dem Weg zum Rüden ihrer Wahl, von dem SIE offenbar genau wußte, daß er im Garten schlief. Ich hatte das nicht gewußt.

    Über die zwei Stunden hinweg, die ich sie dann im Dunkeln gesucht habe, hatte ich genug Zeit, über die wahre Bedeutung des Wortes "läufig" nachzudenken...

    "...den Hund an jedem Angstobjekt an kurzer Leine vorbeizuzerren, in der Hoffnung, er wendet sich dem Menschen dann zu."

    Das wär aber doch für den Menschen viel zu gefährlich und zu nervig. Das Schöne am Roundpen ist doch gerade, daß du da als Trainer jederzeit in den Sack hauen, dich in Sicherheit bringen und dein Versuchsobjekt alleinlassen kannst, wenn dir die Lage zu brenzlig wird - statt das Tier wirklich mit allen Konsequenzen durch die Situation begleiten zu müssen, die du kreirst.....*ironie off*

    Meine ebenfalls: wie der Hund eigentlich an den Ort der Wunderheilung gelangt? Kannst du ihn nämlich soweit erreichen, daß du ihn dahinführen kannst, kannst du auch geduldig und seriös mit ihm arbeiten - was soll's also?

    Außer natürlich, einen selbstbedienenden Markt zu kreiren: Meine Freundin lebt seit Jahren davon, all die hirnlos durchs Roundpen gescheuchten Pferde unbedarfter Besitzerinnen endlich seriös auszubilden - nur, daß das ohne diesen Umweg deutlich einfacher wäre!

    "in der praxis ist das sehr, sehr häufig."

    Unfaßbar, ehrlich - ich hab ja auch Spaß an ein hündischer Frechheit & mein Terrier ist absolut nicht perfekt - aber das, was du da beschreibst, könnte ich in meiner Umgebung schlicht nicht ertragen, ohne selber hohlzudrehen. Da würd ich meinen Hund schon aus reinem Selbstschutz zivilisierte Umgangsformen beibringen.

    Dann ist natürlich auch klar, woher der Markt für all diese Ruckzucklösungen kommt....

    Das sind aber doch alles Regeln, die einem schon der gesunde Hunde-Menschenverstand vorgibt - wenn sowas inzwischen als "dog whispering" gilt, sagt das schon enorm viel darüber, wie sehr genau dieser Verstand den Bach runtergeht.

    Genau das ist aber in der Praxis auch auffallend: Ich lasse zum Beispiel jeden Hund nach dem Ableinen noch einen Moment still absitzen, bevor er auf Handzeichen losrasen darf. Hab ich mir beim Mehrhundeausführen aus ganz praktischen Gründen angewöhnt (du möchtest einfach nicht, daß einer wild losstürzt, während du mit der Hand am Halsband des zweiten/dritten bist) und beibehalten, weil auch einen Einzelhund ein Moment der Konzentration vor der großen Freiheit die Manieren deutlich versbessert.

    Wir machen's automatisch, finden das normal, und früher fanden's die Mithundehalter auch. Aber in den letzten Jahren werde ich plötzlich dauernd gefragt, ob sowas nicht "Kontrollzwang" sei, Hundetrainerin XYZ fände das nämlich.

    Und meine Bekannte, die ihre beiden gut erzogenen, freundlichen Rüden bei Hundebegegnungen erstmal ins Fuß nimmt, statt Labbi plus großem schwarzen Schäferhund mit Karacho auf andere zustürmen zu lassen, ist inzwischen beim eher unbedarften Hundebesitzerinnen-Publikum in den Ruf gekommen, gefährliche Hunde zu führen, weil sie die so "zwanghaft kontrolliert". Das wäre vor zehn Jahren auch noch undenkbar gewesen.
    Lehrt inzwischen aber dieselbe Trainerin - und muß ich erwähnen, daß die Hunde ihrer Klientinnen nicht gerade durch gutes Benehmen Menschen gegenüber oder zivilisiertes Sozialverhalten auffallen?

    Dafür ist die Dame aber gerade bei Hunde-Anfängern ganz groß in, weil "total gewaltfrei", und ich schätze mal, die Resultate ihres Trainings werden in den Augen ihrer Besitzer irgendwann geradezu nach einem Cesar Millan-Typ schreien, der, no matter how, endlich Grenzen setzt - ein schönes Beispiel für das gezielte Schaffen von Nachfrage....

    Nachdem Roundpen-Scheuchen bei Pferden so viele Gurus "gemacht" hat, wundert mich eigentlich nur, daß bei Hunden nicht eher jemand auf die Idee gekommen ist.....

    Was mich jetzt praktisch interessieren würde: wie gelangt der mißhandelte, "schwer traumatisierte" Hund, der so absolut niemanden in seine Nähe läßt, eigentlich nach mehreren Wochen Zwinger ins Round Pen, um da "laufen gelassen" zu werden? Gittergang mit Scheuchern wie in der Raubtiermanege? Blasrohr & Betäubungspfeil? Oder wie?

    Wenn der Hund so gut bei/mit seinen neuen Besitzern lebt und ihr euch alle versteht, spricht absolut nichts dagegen, daß du ihn nimmst. Hunde sind pragmatische Opportunisten und beladen so eine Situation nicht mit Gegrübel wie wir. Die fühlen sich einfach mit "ihren" Menschen wohl, sowohl den "alten" als auch den "neuen" und wechseln problemlos hin und her.

    Weiß ich deshalb, weil ich gleichzeitig mit meiner ersten Hündin auch auch noch Freunde bekommen habe, die damals die Mutter und den "Vater" dieses Welpen besaßen. Wir sind dann zwei Jahre lang täglich mit allen Hunden zusammen unterwegs gewesen, mußten meine Freunde arbeiten, waren alle drei Hunde bei uns, war's andersrum, war meine Hündin bei ihnen.

    Meine Hündin ist also, genaugenommen, die ersten zwei Jahre weder von ihrer Hundefamilie noch von ihren Züchtern jemals wirklich getrennt worden und hatte dennoch nie irgendwelche "Identitätskonflikte": Sie liebte es, in ihrem alten Zuhause zu sein, wußte aber trotzdem immer genau, wohin sie gehörte.

    Dann zogen Freunde und Hunde weg, und wir haben oft Haus & Rudel eingehütet, wenn sie hundelos verreisen wollten. Ebenfalls völlig reibungslos: Sobald ich kam, waren alle drei "meine" Hunde, sobald die Besitzer zurückkamen, schloß sich jeder Hund sofort wieder "seinem" Menschen an. Ohne Probleme.

    Bei der Situation, die du da beschreibst, hätte ich null Bedenken, Milo die Pension zu ersparen - es sei denn, IHR könnt euch hinterher nur schwer trennen.