Beiträge von terriers4me

    "Schlechtes Gewissen" ist doch auch absolut unproduktiv - übrigens ein Grund, aus dem ich diese ruhigen Hundebilder viel eindrucksvoller finde als diverse TS-Grusel-Schocker: Sie zielen nicht so offensichtlich darauf ab.

    Aber sich einfach mal wieder ins Gedächtnis zu rufen, daß die Statistik Gesichter hat, schadet sicher nichts. Seit ich bei Ferienjobs über Jahre hinweg auch mit Schweinen zu tun hatte und gelernt habe, daß sie ebenso individuelle Gesichter haben können und vermutlich cleverer sind als mein Hund, ess ich zwar immer noch welche - aber eben nicht mehr aus Massentierhaltung und daher nur noch selten.

    Da man nun mal irgendwo anfangen muß, wenn man überhaupt irgend etwas ändern möchte, könnte ich mir gut vorstellen, daß diese stillen Hundebilder tatsächlich wirksamer sind als irgendwelche krassen Bluttrief-Kampagnen. Aufmerksamkeit haben sie ja offenbar wirklich bekommen - sonst würden wir sie hier kaum zu sehen kriegen.

    Was allerdings die langfristige Wirkung angeht: Die Älteren unter uns erinneren sich vielleicht noch an Heiko Gebhards "Du armer Hund" und diese große Stern-Serie dazu? Da gab's 1977 schon Porträts armer Massenzucht-Welpen zu sehen, bevor sie krankheitshalber eingeschläfert werden mußten, mit dem entsprechenden Empörungs-Aufschrei. Das Kaufverhalten hat's aber so gut wie nicht beeinflußt.

    "weiß doch jeder, wie die Tiere aussehen

    also meinetwegen macht es
    hindert mich nicht dran, sie zu essen"

    manuu,

    danke für diesen Beitrag - das bringt's doch auf den Punkt, ohne, daß wir seitenlage Kulturkreis-Debatten führen müßten: "Mach's doch - ich weiß eh, wie diese Viecher aussehen. So what?" - dürfte nämlich HAARGENAU die Reaktion des Durchschnitts-Taiwanesen auf diese Hundefotos sein.

    Der Unterschied läge also nur darin, welche Spezies wir kollektiv idealisieren.

    "aber wie Welpen das unter sich regeln, ist euch bekannt, oder? Die quieken auf, wenns zu dolle wird und das Spiel wird beendet."

    Wie ein älterer Hund das regelt, ist dir auch bekannt, oder? Der warnt den nervigen Welpen, und falls das nicht sofort nützt, beendet er nichts, sondern wird KURZ unmißverständlich deutlich. Danach geht's oft weiter - aber höflicher.

    Übrigens ist das Spiel auch bei Welpen mitnichten automatisch "beendet", wenn einer quiekt - es kann genausogut in eine handfeste Prügelei übergehen, weil der Gezwickte richtig wütend wird und seinerseits zufaßt. Dann wird aus Spaß ganz schnell Ernst - also etwas, das der Normalwelpe lieber gleich zu vermeiden versucht.

    Welpen habe also zum einen keine eingebaut Automatik, auf die du nur zurückzugreifen brauchst. Sie lernen, und das ständig. Zum anderen kommen sie, wenn sie umziehen, eben nicht zu gleichartigen Welpen-Kumpanen sondern - hoffentlich - zu einer menschlichen Respektsperson, die sie nicht regelmäßig bis zum Quieken traktieren sollen.

    Ich würde weder Auszeiten geben noch Heilsalbe kaufen. Bei mir gäb's stattdessen ein umgehendes Feedback: Ich würde den Welpen SOFORT nach einem ernsthaften Kneifer kurz(!!!) und energisch maßregeln. Wenn er mir schüttelnd an der Hose oder am Pulloverärmel hängt, ist das eine Sache, aber meine Haut ist KEIN Kauspielzeug, folglich gibt's da zero tolerance.

    Das ist nicht mal viel verlangt, denn ein normaler Welpe weiß im Prinzip längst Bescheid. Er fällt ja nicht vom Mars, sondern hat solche Unterschiede schon vor dem Absetzen gelernt: erwachsenen Hunden kann man zwar beim Spielen wunderbar am Fell zergeln, aber man kneift sie eben nicht hart ins Ohr - das gäbe umgehend Ärger.
    Genau darauf bauen wir auf: Toben ist völlig okay, ernsthaftes Zufassen an Stellen, wo's wehtut, gibt SOFORT Ärger.

    Wenn eine verbale Unwillenskundgebung (kein Gebrüll, einfach ein sehr energisches "Nein!") mit einem Wegschieben nicht reicht, würde ich auch nicht davor zurückschrecken, den Zwerg kurz festzuhalten, die Ermahnung zu wiederholen und zu warten, bis er Ruhe gibt.

    Wenn die kleine Schnappschildkröte sich kurz "ergeben", also verstanden hat, daß dieser Übergriff eben nicht in Ordnung war, spiele ich aber sofort weiter. Welpe soll ja keinen Spielabbruch lernen, sondern gerade gesittetes Verhalten WÄHREND eines heißen Spiels. Das lernen sie so schnell, daß bald ein gequietschtes "Au!" genügt, und der Schnapper nimmt prompt einen Gang raus. Daß ein ausgesperrter Hund hinter der Tür oder in der Box dagegen über sein Verhalten nachdenkt und die richtigen Schlüsse zieht, halte ich für ein Gerücht.

    Deutliches Feedback plus sofortiger Chance zum Bessermachen hat bisher immer gut geklappt: Ich hab vom keinem Welpenspiel je blutige Kratzer gehabt, und auch die wilde kleine Terrier-Schnappschildkröte hatte den Unterschied zwischen Menschenhaut, Hosenbein und Kauseil sofort raus.

    Und zwar sehr genau: meine Gartenschuhe mußten nach der Welpenzeit zum Schuster, weil sie ständig begeistert ihre scharfen Milchzähnchen reinschlug. Ging ich aber barfuß, wäre sie nicht mal auf die Idee gekommen, zuzufassen - dann war's notfalls das Hosenbein...

    Wenn dein Hund plötzlich apportiert, müßte CM eigentlich begeistert sein: "Give 'em a job" gehört zu seinen Hauptmaximen, er spielt in nahezu jeder Folge mit seinem Rudel Bällchen. (Ja - angeregt duch diesen Therad hab ich mir via Internet endlich auch mal die volle Dröhnung gegeben.), und die hühnerfressende Marley-Nachfolgerin kriegt eine Profi-Retirever-Ausbildung.

    Dreh- und Angelpunkt wäre dabei, daß der Hund es nach deinen "leader"-Vorgaben macht, also nicht etwa nach deiner Hand hackt, wenn er abliefern soll oder dir permanent "Mehr!!"-sabbernd und jiffend am Bein hängt.

    Dafür gäb's Ärger statt Apport, und der Ball wird erst geschleuidert, wenn der Hund ruhig darauf wartet. Aber sowas fällt, genau wie viele von CMs Standardregeln, für mich so sehr unter "gesunden Basis-Hundeverstand", daß ich überhaupt nicht fassen kann, daß man für solche Selbstverständlichkeiten als Guru gefeiert wird.

    Womit wir wieder da wären ,wo wir vor ein paar Seiten schon mal waren: Bei der wachsenden Kundendoofheit, die nach solchen Idolen offenbar regelrecht schreit.