Beiträge von terriers4me

    Da ist eine Bulldogge wenigstens noch vergleichweise geradlinig - eine Terrier kriegst du mit ständigem Kasernenhofton zusätzlich noch zum zitternden, neurotischen Angstpinkler, der schon bei einem Blick in seine Richtung zusammenklappt und irgendwann um sein Leben schnappt. Bloß: Gehorchen wird er meist trotzdem nicht....

    Vielleicht eher wie der ideale Angestellte?
    Wir lachen immer darüber, wenn der Schäfer meiner Freunde "Generalbevollmächtigter" genannt wird, aber da ist was dran: Ist Herrchen da, sagt ihm, was Sache ist, und die Familie gibt ihm Rückhalt, ist er wirklich der imponierende König der Löwen, ein absolut souveräner "Mitboß" - sind seine Leute aber weg, ist er plötzlich ein armer kleiner Riesenhase, der ganz dringend auf den Arm muß....

    Sowohl als auch - es gibt Rassen, die darauf gezogen sind, menschlicher Führungen sehr entgegenzukommen, etwa Hütehunde.
    Und es gibt Rassen, die nicht nur auf maximale Selbständigkeit bei der Arbeit selektiert wurden, sondern auch noch darauf, jeden Fehler des Gegners blitzschnell, konsequent und hartnäckig zu nutzen - und das dann noch mehr oder weniger aggressiv.
    Da wären Dackel und Terrier das Paradebeispiel: Die haben es ja ursprünglich nicht mit einem fluffigen Kuschelhäschen zu tun, sondern mit einem gleichstarken, sprichwörtlich schlauen und sogar noch fast gleichartigen Gegner: mit einem Fuchs. Oder, schlimmer noch, mit einem Dachs. Wer mit sowas in einer engen, dunklen Röhre klarkommt, neigt einfach dazu, nicht so schnell nachzugeben wie ein kooperativer Collie.

    Aber auch innerhalb eines Hundetyps sind die Individuen noch total unterschiedlich: Wenn ich meiner ersten Russellhündin auch nur einen Bruchteil des Drucks zugemutet hätte, den meine jetzige regelrecht einfordert, wäre das total schief gegangen. Ebenso, wie es (noch) schief geht, der Jungerwachsenen so viel laisser faire zu gewähren wie ihrer Vorgängerin. In einigen Bereichen klappt es aber schon recht gut, während ich bei anderen wirklich streng sein muß - also sind die Dinge eigentlich ständig im Fluß.

    Ganz egal, ob man das nun Alpha, Rudelchef oder Rangordnung nennt oder lieber als "Team" vermenschlicht, damit's nicht so nach der Knute klingt: Hier ändert das nichts an der Tatsache, daß ich die bin, die den Rahmen setzt, in dem sich mein Hund bewegt - und daß ich es an den individuellen Hund anpasse, wie weit oder eng ich diesen Rahmen stecke.

    Bis jetzt hatte ich einen Hund, der von sich aus so anpassungswillig war, daß man da garnichts "stecken" mußte und zwei, deren Situationsintelligenz so hoch war, daß oft ein Blickwechsel reichte. Mit denen hätte ich mich sicher jederzeit als "Team" vorstellen und stolz darauf schwören können ,daß ich mit dem ganzen Alphagedöns nichts am Hut habe.

    ABER: es gibt nun mal Hunde, die ganz anders drauf sind, und so einen habe ich jetzt: Wenn ich Fräulein Terrier nicht in einem für sie spürbaren Rahmen von Regeln halte, wenn die Anweisungen nicht ganz klar von mir kommen und notfalls auch durchgesetzt werden, läuft sie nicht nur völlig aus dem Ruder, sondern wird auch deutlich unsicher, weil ihr die Führung fehlt. Ob man das nun Alpha nennt, oder wie auch immer man diese Position umschreibt - ich muß sie hier sehr viel demonstrativer ausfüllen als bei den meisten anderen Hunden, wenn das Zusammenleben nicht den Bach runtergehen soll.

    Insofern ist auch das mal wieder individuell verschieden: mal siehst du den Rahmen, mal siehst du ihn eben nicht, weil die Dinge so selbstverständlich laufen - aber daran, daß du ihn setzen und damit eine Hierarchie aufrechterhalten mußt, führt nun mal kein Weg vorbei.

    Beim Schnappen würde sie bei mir umgehend vom Schoß fliegen, mit einer deutlichen Ansage dazu - da wär es mir in dem Moment auch egal, ob das Unsicherheit oder Frechheit ist: sowas ist einfach ein no-go, und darüber würde ich mit dem Zwerg auch nicht "diskutieren".

    Allerdings würde ich nach der akuten Situation schon drauf achten, ob sie "nur" unverschämt oder eben doch sehr unsicher ist - dummerweise neigen Terrier ja dazu, gerade aus Schiß nach vorne zu gehen. Kann ich mir aber beim Auf dem Schoß-Sitzen eher nicht vorstellen, insofern würde ich da sehr strikt reagieren: Wer sich nicht benimmt, ist unten.

    Und ansonsten kann ich dir nur zustimmen: Kontakt reichlich - aber dabei lernt der Hund dann gleich meine Regeln. Finde ich so übrigens wesentlich einfacher und streßfreier als über Wegschick-Umwege: ich will ja gerade, daß der Kleine erstmal so viel Alltag wie möglich mitbekommt, um dabei zu lernen.

    Eins würde ich allerdings anders machen: Ich würde den Welpen möglichst seinen Platz wählen lassen, statt ihm einen anzuweisen, um so größer ist die Chance, daß er sich da bald freiwillig entspannt. Manchmal haben die Zwerge da wirklich seltsame Anwandlungen: Meine hat von jetzt auf gleich alle Superplätze abgelehnt und darauf beharrt, unter der Garderobe zu liegen. Notfalls ganz allein - aber es MUSSTE dieser Platz sein.
    Da hab ich dann eben nachgegeben, ihr einen Korb hingestellt - und von diesem Korb aus "kontrollierte" der Winzling fortan stundenlang ganz zufrieden den Haushalt - nachlaufen fand sie dann nur noch selten nötig:

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    Da mal nachzugeben, läßt einem keinen Stein aus der Besitzer-Krone fallen, macht aber oft vieles einfacher. Was eine moderne Hundeschule allerdings zu so viel erfolgreichem "Kontrollzwang" gesagt hätte, weiß ich natürlich nicht....

    Was ist denn das für eine idiotische Hundeschule?!

    Euer Junghund hat mit Sicherheit keinen Kontrollzwang und "stalkt" auch nicht. Er sucht einfach - rassetypisch! - einen sehr engen Anschluß an seine Menschen. Alterstypisch ist das natürlich ebenfalls: mit fünfeinhalb Monaten wäre der Kleine draußen tot, sobald er seine Familie verliert, und auch das "weiß" er natürlich.

    Den jungen Hund dafür zu ignorieren oder gar abzuschieben, ist der sicherste Weg, ihn einmal sehr ängstlich zu machen (ihm wird ja ständig die einzige Sicherheit genommen, die er haben kann). Wie gut das funktioniert, erlebt ihr ja gerade. Zum anderen kannst du so Trennungsangst regelrecht züchten: Der Hund ist schon im Alltag mit euch unsicher, weil ihr ihn dauernd wegstoßt, wo er eigentlich dazugehört - wie soll er denn dann auch noch ganz alleine klarkommen?

    Daß euch dann noch erzählt wird, der Kleine habe keinen Bezug zu Menschen, weil er altersgemäß mal spielende Hunde interessanter findet, ist wirklich die Krönung aller Dummheit...

    Besser wäre es, die Kleine drinnen einfach mitkommen zu lassen, wenn sie möchte, aber ohne sich dabei groß mit ihr zu beschäftigen. Sie ist dabei, also in ihren Augen sicher, aber eben nicht der Mittelpunkt. Alleinsein lernt sie dann auch gleich selbstverständlich, indem sie eben vor geschlossenen Badezimmertüren, beim Postreinholen oder anderen Alltagsgelegenheiten ganz selbstverständlich mal beiseite geschickt wird oder warten muß. Auf diese Weise hat sie dann auch irgendwann raus, daß sie sich genausogut irgendwo in eurer Nähe (und später weiter weg) hinlegen kann - ihr kommt ja immer wieder. Meine letzte Hündin hatte drei Plätze im Haus verteilt und schlief den größten Teil des Tages friedlich in meiner Nähe, ihre Nachfolgerin gibt sich mit einem zentralen Überblicks-Platz zufrieden - aber Dabeisein ist auch für sie alles.

    Die Sicherheit und Nähe braucht die Kleine zumindestens zeitweise unbedingt, wenn ihr euch da nicht ein Nervenbündel ranziehen wollt. Ungewöhnlich große Anhänglichkeit an "seine" Menschen ist für so einen Terrier nun mal ebenso rassetypisch wie die größere Unabhängigkeit draußen.

    Genau so, drinnen anhänglich und draußen sehr selbständig, soll er für seine Jagdhunde-Aufgaben sein - und was euch die "Trainer" da erzählen, ist wirklich blanker Unsinn.

    Du mußt dir da wirklich keine Sorgen machen - ich weiß es leider aus Erfahrung: Ich hatte bei jedem meiner bisher fünf Hunde aus Gesundheits- oder Berufsgründen mal Zeiten, in denen der Hund verhältnismäßig viel mit anderen unternommen und sich entsprechend darüber gefreut hat. Meine erste Hündin hat zeitlebens die Freundin und die Hunde abgöttisch geliebt, bei denen sie aufgewachsen war, hat sich über sie gefreut wie über keinen Menschen sonst und wäre ihr Leben lang jederzeit strahlend mit ihr mitgegangen.

    Aber bei keinem dieser Hunde ist deshalb die Bindung an mich weniger eng geworden. Eigentlich eher im Gegenteil: je besser es ihnen ging, je "runder" ihr Leben insgesamt war, desto besser lief es mit uns: der Hund kam abends entspannt zu mir zum Kraulen, ich hatte kein schlechtes Gewissen, weil das arme Tier auf mich allein angewiesen war und gerade zu kurz kam, und wir waren beide zufrieden.

    Und sobald ich ihnen wieder mehr bieten konnte, sind die Hunde dann ebenso begeistert drauf eingestiegen, als wäre da nie Pause gewesen. Das ist wirklich das Tolle an Hunden: Sie sind Opportunisten, können sich jederzeit anpassen und über jeden guten Augenblick freuen. Und vor allen Dingen: als Rudeltiere haben sie reichlich Liebe und Bindung für verschiedene Bezugspersonen über. Was sie dem einen geben, knapsen sie also nicht vom anderen ab - es reicht immer für ein ganzes "Rudel".