Beiträge von terriers4me

    Ich würd sie auch nur zwei und zwei toben lassen, weil ein Hund sich auf einen Kontrahenten noch prima einstellen kann. Kommen die Kumpels von zwei oder gleich allen Seiten angetobt, wird gezieltes Ausweichen schwieriger und das Verletzungsrisiko potenziert sich.

    Die Lektion hab ich auf Kosten meines an und für sich enorm geschicken ersten Russells lernen müssen: die hat bei so einer Vierer-Toberunde einen Großhunde-Massensturz angezettelt, indem sie den voranrennenden Labbi am Vorderbein packte. Der überschlug sich dann auf sie drauf, und die anderen drei Großen konnten nicht mehr bremsen oder ausweichen. Meine Hündin ist nur knapp mit einem Schock und schweren Prellungen davongekommen, das hätte sie ebensogut das Leben kosten können. Natürlich ist es noch eine andere Situation, wenn acht Kilo unter viermal vierzig kommen - aber ist war schon erschreckend, was bei vier großen Hunden für Kräfte aufeinanderknallen.

    Ganz unterbinden würde ich den buchstäblich rüden Spaß sicher nicht, weil die Kerle das ja offenbar wirklich zum Dampfablassen brauchen - aber den Rahmen hielte ich lieber übersichtlich, damit die Hunde halbwegs auf sich selbst aufpassen und notfalls eben ausweichen können, ohne daß ihnen Nr. 3 dabei im Weg ist.

    Ich weiß schon, weshalb mir Schleppleinen nicht an den Hund kommen - aber hingefallen bin ich auch schon ohne.

    Einmal im eigenen Hausflur, als ich den Hund ausgehfertig machen wollte: Ich hab mich mit dem Halsband gebückt, der junge Airedale wollte begeistert reinspringen, und in der doppelten Bewegung hat Terrierschädel Kinnspitze erwischt. Ich saß dann plötzlich auf dem Boden und habe tatsächlich Sterne gesehen.

    Fieser war das Ding mit dem dicken jungen Labbi, der im Park mit Karacho angeschossen kam, mir, ehe ich noch reagieren konnte, gegen die Brust sprang, mir ebenfalls den Schädel gegens Kinn knallte und meine hingestreckte Halbleiche dann begeistert abschleckte, während mein angeleinter Russell kläffte, was die Kehle hergab.

    Das Herrchen vom Labbi fand es einfach nur zum Totlachen, wie freundlich der Hund doch war, ich weniger - aber bevor ich mich halbwegs wieder aufgerappelt hatte, waren die beiden dann vorsichtshalber ganz fix verschwunden. Danach haben mir die Knochen ein paar Tage richtig gut wehgetan.

    Ich würde mich da gar nicht bis zu Amokläufern versteigen. Als Feldversuch würde es doch reichen, einfach mal ganz spontan ins Chefbüro eines möglichst hierarchisch organisierten Unternehmens zu schlendern. Natürlich kämst du da wg. Rangordnung gar nicht hin, aber wir nehmen's jetzt mal versuchshalber an. Da setzt du dich als Versuchsperson ganz unbefangen auf die Schreibtischkante und verkündest fröhlich: "Ey Alter, ich hab mit dem ganzen Rudel- und Dominanzgedöns sowas von nichts am Hut - bring mir mal fix nen Kaffee."

    Wollen wir wetten, daß darauf eine sehr eindrucksvolle und auch wirksame Lektion in menschlichem Rangordnungs- Rudelchef- und Dominanzverhalten folgen würde - egal, ob die VP nun gerade dominiert werden möchte oder nicht?

    Hast du die Haferflocken aufgekocht? Roh untergemischt könnten sie für einen besonders empfindlichen Hund schon zu schwer verdaulich sein, besonders wenn's Vollkornflocken waren. Gekocht mit dem magen/darmschonenden Schleim geht's meist besser.

    Was mein superempfindlicher Hund sehr gut vertragen hat, waren außer Hirse- auch Buchweizenflocken aus dem Reformhaus, natürlich auch kurz aufgekocht. Buchweizen ist kein Getreide, sondern ein Knöterichgewächs...

    http://de.wikipedia.org/wiki/Echter_Buchweizen

    ...und eignet sich wg.der wertvollen Inhaltsstoffe auch gut zur Hundefütterung. Vielleicht wäre das ja noch was?

    Meine Welpen waren grundsätzlich drinnen nackt, für's kleine Garten-Pinkeln zwischendurch natürlich ebenso. Halsband bzw. Geschirr gab's nur für die "großen" Spaziergänge außerhalb des Reviers. Damit war das Anziehen dann auch gleich positiv besetzt, als Signal für: "jetzt wird's spannend!"

    Wartet ab, wie der Hund sich als Erwachsener entwickelt, vielleicht möchte er euch viel lieber für sich alleine haben.

    Wir hatten lange zwei Hunde, Mutter und Sohn, die sich zwar reibungslos vertrugen, einander aber ansonsten völlig gleichgültig waren. Sie waren in Charakter und Vorlieben komplett verschieden, jeder der beiden war froh, wenn er seinen Menschen für sich haben konnte, und hätten sie wählen können, hätten sie sich mit Sicherheit für ein Einzelleben entschieden. So lebten eben zwei Einzelhunde friedlich nebeneinander her.

    Insofern: Grund für einen Zweithund wäre eigentlich nur, daß IHR das unbedingt wollt und managen könnt - notfalls auch mit enorm viel höherem Aufwand, weil jeder der beiden ganz andere Stärken und Vorlieben hat und entsprechend viel Einzelzeit braucht.

    Wenn da totale Anfänger einfach ein Pony mitkriegen, mit den sie nicht nur alleine losziehen, sondern auch noch eine Vierjährige draufsetzen dürfen, wäre das für mich ALLES andere als seriös, tier- oder kinder(!!)schutzmäßig, und ich persönlich würde da einen ganz weiten Bogen schlagen.

    An deiner Stelle würde ich mir sehr überlegen, ob ich die Sicherheit meines Kindes allein einem unbekannten 200 Kilo-Fluchttier anvertrauen würde, auf das ihr im Zweifelsfall schlicht nicht den geringsten Einfluß habt, und mich lieber nach einer seriösen Reitschule zum "Reinschnuppern" umsehen - ich glaube, davon hättet ihr wesentlich mehr.

    Falls es dich tröstet: Uns ist es letztes Jahr ähnlich gegangen, als wir unseren immerhin schon fast zweijährigen Terrier in den ersten Urlaub mitgenommen haben. Der temperamentvolle Hund stürzte sich in der neuen Umgebung in eine so wilde Schnüffel- Stöber- und Erkundungsorgie, daß ich nach der ersten Nationalpark-Wanderung Blasen an den Händen hatte: ich hatte nicht damit gerechnet, daß sich acht Kilo so wild, so ausdauernd und so unansprechbar in die lange Leine schmeißen können.

    Wir haben dann ganz schnell einen Gang runtergeschaltet und den nächsten Tag bloß mit Trödeln, Erkunden und Entspannen in der nächsten Umgebung verbracht, erstmal sogar angeleint, daß sie sich nicht wieder so reinsteigern konnte:

    Externer Inhalt img5.fotos-hochladen.net
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.


    Dann war auch schon die gewisse Routine da, die Hunde so schätzen: Terrier kannte das Quartier, die Umgebung und die Urlaubsbegleitung, konnte sich in dieser Sicherheit entspannen, benahm sich wieder so vernünftig, wie sich eine junge Wilde eben benehmen kann, und am Rest der Zeit hatten wir alle gleichermaßen Spaß.

    Externer Inhalt img5.fotos-hochladen.net
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.


    Wenn aber schon ein zweijähriger, also deutlich lebenserfahrener Hund so überwältigt auf so viel Neues reagiert, daß erstmal alle Manieren zum Teufel sind, kannst du dir, glaube ich, leicht vorstellen, wie sowas auf ein Viermonatsbaby wirkt?

    Aber mit mehr Gelassenheit kriegt ihr das sicher ebenso hin, später, wenn der Hund ein erfahrener Reisender ist, lacht ihr über die wilden Anfänge - und einen schönen gemeinsamen Urlaub noch!