Beiträge von terriers4me

    Wenn homo sapiens nicht für das Zusammenleben mit Rudelstruktur & Rangordnung genetisch absolut prädisponiert ist, wüßte ich nicht, wer sonst?
    Da lassen sich doch überall die wunderbarsten Feldstudien betreiben, von der Schulhof-Clique über den Großbetrieb bis hin zum Militär, wo diese Rangordnung ja sogar noch unübersehbar optisch demonstriert wird - über Rangabzeichen nämlich.

    Und ja, ich hab auch oft den Verdacht, daß es mit uns & den Hunden weltweit deshalb so gut klappt, weil wir da, so verschieden wir sonst sind, im Kern ziemlich ähnlich ticken...

    Bei den nicht dauernd zusammenlebenden Brüdern hätte man auch nicht sagen können, wer denn da "höher" war, da wechselte es tatsächlich je nach Situation - aber daß ihre Mutter die Pfote draufhatte und das Zusammenleben nach den Vorgaben der alten Dame lief, stand wirklich lebenslang fest.

    Um so unangenehmer war es dann den hündischen Beteiligten, wenn ich mir als Mensch anmaßte, diese Vorgaben zu durchbrechen. Dieses uralte Bild spricht da wirklich für sich: Da mußten sie sich fürs Foto so dicht nebeneinander setzen. Was die alte Hündin nicht daran hindert, ihre Individualdistanz wenigstens mit einen Blick zum Sohn einzufordern - und der arme Kerl, der ja unter meinem "Sitz" steht, weiß vor Streß und "Verlegenheit" kaum noch, wen er wie beschwichtigen soll.

    Externer Inhalt img5.fotos-hochladen.net
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.


    Immerhin ist er sitzengeblieben, und sie hat aufs Knurren verzichtet - heißt das nun, daß ich ranghöher war...? LOL

    "Hunde sind nicht in der Lage eine Rangfolge zu etablieren und auf Dauer zu halten."

    Das wage ich zu bezweifeln, nachdem ich meine alte Hündin im Zusammenleben mit ihrem Sohn, zeitweise mit ihren beiden Söhnen beobachten konnte. Da war die Rangfolge sowas von klar und stand sozusagen in unsichtbaren Neonbuchstaben über diesem Rudel geschrieben: "MUTTERN ZUERST!"

    Daran ließ diese Hündin niemals rütteln, die Rüden haben es auch nie ernsthaft versucht, und die Rangfolge bestand bis zum Tod der Hündin - also über immerhin neun Jahre.

    Nachdem mir das mit zwei Russells nacheinander so gegangen ist (übrigens egal mit welcher Geschirrform), benutzen wir das gute alte Halsband und sind zufrieden. Geschirr nur noch, wenn ich weiß, daß der Hund unter Umständen zappelig wird, also zum Beispiel zum Tierarzt, oder für die lange Leine während der Brutzeit und in unbekannten Gegenden.

    Da ist eine Bulldogge wenigstens noch vergleichweise geradlinig - eine Terrier kriegst du mit ständigem Kasernenhofton zusätzlich noch zum zitternden, neurotischen Angstpinkler, der schon bei einem Blick in seine Richtung zusammenklappt und irgendwann um sein Leben schnappt. Bloß: Gehorchen wird er meist trotzdem nicht....

    Vielleicht eher wie der ideale Angestellte?
    Wir lachen immer darüber, wenn der Schäfer meiner Freunde "Generalbevollmächtigter" genannt wird, aber da ist was dran: Ist Herrchen da, sagt ihm, was Sache ist, und die Familie gibt ihm Rückhalt, ist er wirklich der imponierende König der Löwen, ein absolut souveräner "Mitboß" - sind seine Leute aber weg, ist er plötzlich ein armer kleiner Riesenhase, der ganz dringend auf den Arm muß....

    Sowohl als auch - es gibt Rassen, die darauf gezogen sind, menschlicher Führungen sehr entgegenzukommen, etwa Hütehunde.
    Und es gibt Rassen, die nicht nur auf maximale Selbständigkeit bei der Arbeit selektiert wurden, sondern auch noch darauf, jeden Fehler des Gegners blitzschnell, konsequent und hartnäckig zu nutzen - und das dann noch mehr oder weniger aggressiv.
    Da wären Dackel und Terrier das Paradebeispiel: Die haben es ja ursprünglich nicht mit einem fluffigen Kuschelhäschen zu tun, sondern mit einem gleichstarken, sprichwörtlich schlauen und sogar noch fast gleichartigen Gegner: mit einem Fuchs. Oder, schlimmer noch, mit einem Dachs. Wer mit sowas in einer engen, dunklen Röhre klarkommt, neigt einfach dazu, nicht so schnell nachzugeben wie ein kooperativer Collie.

    Aber auch innerhalb eines Hundetyps sind die Individuen noch total unterschiedlich: Wenn ich meiner ersten Russellhündin auch nur einen Bruchteil des Drucks zugemutet hätte, den meine jetzige regelrecht einfordert, wäre das total schief gegangen. Ebenso, wie es (noch) schief geht, der Jungerwachsenen so viel laisser faire zu gewähren wie ihrer Vorgängerin. In einigen Bereichen klappt es aber schon recht gut, während ich bei anderen wirklich streng sein muß - also sind die Dinge eigentlich ständig im Fluß.

    Ganz egal, ob man das nun Alpha, Rudelchef oder Rangordnung nennt oder lieber als "Team" vermenschlicht, damit's nicht so nach der Knute klingt: Hier ändert das nichts an der Tatsache, daß ich die bin, die den Rahmen setzt, in dem sich mein Hund bewegt - und daß ich es an den individuellen Hund anpasse, wie weit oder eng ich diesen Rahmen stecke.

    Bis jetzt hatte ich einen Hund, der von sich aus so anpassungswillig war, daß man da garnichts "stecken" mußte und zwei, deren Situationsintelligenz so hoch war, daß oft ein Blickwechsel reichte. Mit denen hätte ich mich sicher jederzeit als "Team" vorstellen und stolz darauf schwören können ,daß ich mit dem ganzen Alphagedöns nichts am Hut habe.

    ABER: es gibt nun mal Hunde, die ganz anders drauf sind, und so einen habe ich jetzt: Wenn ich Fräulein Terrier nicht in einem für sie spürbaren Rahmen von Regeln halte, wenn die Anweisungen nicht ganz klar von mir kommen und notfalls auch durchgesetzt werden, läuft sie nicht nur völlig aus dem Ruder, sondern wird auch deutlich unsicher, weil ihr die Führung fehlt. Ob man das nun Alpha nennt, oder wie auch immer man diese Position umschreibt - ich muß sie hier sehr viel demonstrativer ausfüllen als bei den meisten anderen Hunden, wenn das Zusammenleben nicht den Bach runtergehen soll.

    Insofern ist auch das mal wieder individuell verschieden: mal siehst du den Rahmen, mal siehst du ihn eben nicht, weil die Dinge so selbstverständlich laufen - aber daran, daß du ihn setzen und damit eine Hierarchie aufrechterhalten mußt, führt nun mal kein Weg vorbei.

    Beim Schnappen würde sie bei mir umgehend vom Schoß fliegen, mit einer deutlichen Ansage dazu - da wär es mir in dem Moment auch egal, ob das Unsicherheit oder Frechheit ist: sowas ist einfach ein no-go, und darüber würde ich mit dem Zwerg auch nicht "diskutieren".

    Allerdings würde ich nach der akuten Situation schon drauf achten, ob sie "nur" unverschämt oder eben doch sehr unsicher ist - dummerweise neigen Terrier ja dazu, gerade aus Schiß nach vorne zu gehen. Kann ich mir aber beim Auf dem Schoß-Sitzen eher nicht vorstellen, insofern würde ich da sehr strikt reagieren: Wer sich nicht benimmt, ist unten.

    Und ansonsten kann ich dir nur zustimmen: Kontakt reichlich - aber dabei lernt der Hund dann gleich meine Regeln. Finde ich so übrigens wesentlich einfacher und streßfreier als über Wegschick-Umwege: ich will ja gerade, daß der Kleine erstmal so viel Alltag wie möglich mitbekommt, um dabei zu lernen.

    Eins würde ich allerdings anders machen: Ich würde den Welpen möglichst seinen Platz wählen lassen, statt ihm einen anzuweisen, um so größer ist die Chance, daß er sich da bald freiwillig entspannt. Manchmal haben die Zwerge da wirklich seltsame Anwandlungen: Meine hat von jetzt auf gleich alle Superplätze abgelehnt und darauf beharrt, unter der Garderobe zu liegen. Notfalls ganz allein - aber es MUSSTE dieser Platz sein.
    Da hab ich dann eben nachgegeben, ihr einen Korb hingestellt - und von diesem Korb aus "kontrollierte" der Winzling fortan stundenlang ganz zufrieden den Haushalt - nachlaufen fand sie dann nur noch selten nötig:

    Externer Inhalt img5.fotos-hochladen.net
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.

    Da mal nachzugeben, läßt einem keinen Stein aus der Besitzer-Krone fallen, macht aber oft vieles einfacher. Was eine moderne Hundeschule allerdings zu so viel erfolgreichem "Kontrollzwang" gesagt hätte, weiß ich natürlich nicht....