Beiträge von terriers4me

    Ich barfe zwar nicht im sozusagen religiösen Sinn, sondern füttere einfach seit 17 Jahren frisch, aber die Vorteile wären vergleichbar: Erstmal, denke ich, spielt der Spaßfaktor für Hund & Halterin eine Riesenrolle: Ich seh einfach gerne zu, wie's dem Terrier schmeckt und freue mich daran, daß meine drei frisch gefütterten Hunde im Fell deutlich besser aussehen/aussahen als ihre beiden Fertigfutter-Vorgänger und der "Hundegeruch" sic hauf ein Minimum reduziert hat.

    Zum zweiten ist frisches Futter für mich wesentlich preiswerter als auch nur halbwegs akzeptables "fertig", weil außer dem Frischfleisch eh fast alles in Menschen-Küche & Garten abfällt.

    Und drittens ich weiß gern genau, was drin ist und stelle die Ration nach Bedarf zusammen: wird der Hund etwa zu dürr, gibt's mehr Getreide, legt er zu sehr zu, wird eben der Gemüseanteil größer. Finde ich superpraktisch, weil man die Erfolge so schnell sieht.

    Eine Religion würde ich aus einer Fütterungsweise allerdings nie machen, ich denke, bei einem gesunden Hund führen viele Wege nach Rom, dafür sind die Viecher einfach vielseitig genug - insofern liegt die Futterfrage auch viel an den Prioritäten des Besitzers.

    Auf meine stoffwechselkranke Hündin wäre das allerdings nicht zugetroffen, die vertrug nicht mal mehr irgendein Spezialfutter vom Tierarzt - wenn wir da nicht die frischen Zutaten einzeln ausprobiert hätten, hätte ich sie nicht am Leben erhalten können. Aber das war nun wirklich ein Sonderfall.

    Ich glaube auch nicht, daß er gezielt "testet". Nach deinen Schilderungen liest es sich eher, als hätte ihr euch da gegenseitig in einen Teufelskreis aus Angst Unsicherheit und Fluchtversuchen reingesteigert und fändet da jetzt beide nicht mehr raus. Du denkst vor jedem Spaziergang "bitte bloß nicht wieder", dein Hund bekommt diese Unsicherheit mit und zieht daraus die für seinen kleinen Hundeverstand logische Konsequenz, daß Spaziergänge mit einem so unsicheren Frauchen derart gefährlich sind, daß er das nicht haben muß. Er fürchtet sich, versucht aus der Situation zurück in Sicherheit zu fliehen, wiederum dich nervös macht, du verstärkst mit deiner Reaktion seine Angst - und so weiter...

    Soweit ich mich ernnere, hatte ihr ein ähnliches Problem doch auch schon in Hausnähe, oder? Hast du damals seine Augen überprüfen lassen? Schlecht sehende Hunde zeigen ja draußen oft solche extremen Angst- und Fluchtraktionen. Ansonsten würde euch wohl wirklich am besten ein guter Trainer helfen, der sich das Ganze nicht nur ansieht, sondern euch allen beiden auch die nötige Sicherheit vermitteln kann.

    So, wie du es beschreibst, hat der kleine Kerl bis jetzt im Grunde nichts kennengelernt als Frust: Herrchen läßt ihn arbeitslos durch die Gegend stratzen und seine Beschäftigung selbst suchen, Frauchen hält ihn an der Flexi.

    Insofern wirst du sein kleines, großes Terrier-Herz sicher sehr schnell damit gewinnen, daß du ihm zeigst, daß du spannende Aufgaben zu bieten hast, die ihr gemeinsam löst und bei denen er seine Talente einsetzen darf. Auf ihre etwas andere Weise sind gerade diese Hunde ja total verrückt darauf, mit ihren Menschen was zu tun. Chilli ist ein schönes Beispiel dafür, mit welchem Feuereifer so ein geborener Arbeitshund an einfach alles gehen kann, was seine Leute ihm bieten.

    Wenn der kleine Graf - leider - schon so viel Chaos gewohnt ist, wird dir aber nichts übrigbleiben, als ihn erstmal lückenlos zu sichern. Jedenfalls so lange, bis du merkst, daß er sich draußen wirklich auf dich bezieht, nicht auf das Auto am Horizont, alles andere wäre wirklich lebensgefährlich.

    Aber, wie gesagt: diese Burschen habe so einen pfiffigen, charmanten Arbeitseifer, daß ihr auch an konzentrierterten Jobs viel Vergnügen haben werdet, sobald er einmal kapiert hat, daß Spaß und Anerkennung jetzt von dir kommen und er da nicht mehr auf sich selbst gestellt ist. Sieh dir doch auch mal den Thread von Foxi hier im Forum an - da kannst du richtig verfolgen, wie so ein Hund ins Strahlen kommt.

    ...und vor allen Dingen haben die Burschen den Vorteil, zu ihrer Cleverness sehr flexiblel und entsprechend lange lernfähig zu sein.

    Mit zwei Jahren, also mitten im allerbesten Teenie-Alter, sollte er noch so ziemlich alles mitmachen, und pfiffig, wie diese Hunde sind, wird er vermutlich mit Feuereifer bei der Sache sein, sobald du ihm Anregungen bietest und er was lernen DARF.

    Ich wünsch euch einfach mal jede Menge Spaß dabei - aber ich denke, den werdet ihr haben!

    Du hast ja schon richtig gute Tips gekriegt, aber wie sieht es denn generell mit körperlicher Bewegung aus?

    Die braucht so ein Typ Hund ebenso nötig wie geistige Anregung, vor allem in diesem jugendlichen Alter. Er muß es da auch mal richtig krachen lassen können, und es klingt eher nicht, als könnte sein Frauchen ihm da viel ermöglichen?

    Insofern würde ich wohl erstmal so am Grundgehorsam arbeiten, bis du den Grafen frei laufen lassen kannst, dann mit ihm auf ein ungefährliches, offenes Feld fahren. Jetzt gibt's Stoppeln, und über Herbst/Winter findet sich eigentlich überall ein Platz dafür.

    Da würde ich dann da Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: Zusammen mit dem Hund richtig Gas geben, so daß er nach Herzenslust schnüffeln und rennen kann, und dabei immer besseren und schnelleren Abruf üben. Erst damit, daß du ihn ranpfeifst/rufst und belohnt, dann damit, daß du das aus immer größerer Entfernung tust. Dabei kannst du auch wunderbar Abliegen auf immer größere Distanz üben, immer abwechselnd mit Abrufen oder so, daß der Hudn leigen muß, bis du ihn abholst.

    Dann steigerst du das Ganze damit, daß du sofort nach dem Ruf/Pfiff wegläufst, der Hund also richtig Gas geben muß, um dich zu "erwischen". Und schließlich unser Terrier-Lieblingsspiel: Du versuchst, "abzuhauen", sobald der Hund anderweitig beschäftigt ist und belohnst ihn, wenn er blitzschnell reagiert und dich sofort einholt.

    Wir haben an unseren privaten Stoppelfeld-Rennen immer einen Riesenspaß...

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    ....und für meine große weiße Jägerin ist es immer noch DAS Lieblingsspiel, weil sie da zwei ganz große Russell- Stärken vereinen darf: Reaktionsschnelligkeit und Renntempo.

    Ich hab doch ausdrücklich geschrieben: mit den Leuten, bei denen eine Frage echtes Interesse ist, unterhalte ich mich gerne und hab gerade bei dem Blinder-Hund-Thema auch sehr viele gute Gespräche mit netten Leuten geführt.

    Aber es gab da eben auch regelmäßig diese anderen, bei denen du schon am Ton so einer mal eben hingerotzen Frage ablesen konntest, daß da alles andere im Spiel war als Interesse amThema - und sowas würge ich inzwischen generell rigoros ab, weil ich einfach keine Lust mehr habe, erst meine Zeit zu vergeuden und mich nachher auch noch über solche Gegenüber zu ärgern. Und jemand, der mich aufdringlich nach dem Preis meines Hundes fragen würde, um sich hinterher daran hochzuziehen, fiele für mich in die gleiche Kategorie.

    "Habe mir das halt bildlich vorgestellt, wie der Jäger vor seinem Hund mit dem Gewehr steht und auf ihn zielt. Dabei kann ich mir vorstellen (vielleicht zu menschlich gesehen), dass der Hund weiß, was nun auf ihn zukommt..."

    Das ist wirklich zu menschlich gedacht, der Hund kann ja nicht abstrakt denken und ein Gewehr mit dem eigenen Tod verknüpfen. Auf einen ausgebildeten Jagdhund träfe ja ohnehin eher das Gegenteil zu: dem bedeutet Herrchens angelegtes Gewehr genau dasselbe wie einem anderen Hund der gezückte Futterdummy, nämlich das Signal für: "Gleich kriegst du RICHTIG Spaß!"

    Wenn man es kann, wäre sowas - vertraute Umgebung, vertraute Menschen, blitzschneller Tod - sicher ein sehr humanes Ende und wesentlich streßfreier für den Hund als der Tierarzt mit der Spritze und vielleicht sogar noch die Praxis. Ich hab von mehreren alten Jagdhunden gehört, mit denen ihr Besitzer nochmal zur "Jagd" aufbrach, also zu dem, wofür sie immer gelebt hatten, um sie dann nach einem letzten glücklichen Moment draußen zu erschießen.

    Sowas wäre tatsächlich der härteste Dienst, den man einem alten Freund erweisen könnte. Aber irgendwie kann ich mir schwer vorstellen, daß man bei seinem eigenen Hund wirklich eine ausreichend ruhige Hand hätte?