Beiträge von terriers4me

    Bei meiner Hündin sind zwei durchgezogene Linien aufeinandergetroffen, die Mutterlinie ist sogar noch deutlich enger gezogen als die des Vaters. Hätte sich also theoretisch stärker durchsetzen sollen, aber was kam in unserem Fall raus? Ein Klon des Rüden, sowohl im Aussehen als ganz extrem im Wesen. Wenn man Vater & Tochter vergleicht, sind die so identisch, daß kann man sich überhaupt nicht vorstellen kann, daß da überhaupt noch eine Mutter im Spiel war. Irre!

    Genau das ist die Frage, die ich bei diesem ganzen Themenkomplex besonders heikel finde: Woher ziehen eigentlich all diese Vor- und Nachkontrolleure ihr Recht dazu, sich ins Privatleben anderer einzumischen? Wer ernennt sie? Wer überprüft ihre Kompetenz? Wer gibt ihnen das Recht?

    Letzeres ist natürlich einfach zu benantworten: das Recht gibt ihnen allein der Interessent. Aber warum? Was veranlaßt einen da eigentlich, Leuten, die man nicht kennt und deren Kompetenz man erstmal überhaupt nicht beurteilen kann, so weitgehende Rechte einzuräumen - darunter ja auch das, Eigentümer des Hundes zu bleiben, um den man sich kümmern will?

    Zugegeben, ich habe "meiner" Züchterin auch einige Fragen beantwortet, die ich mir von Fremden normalerweise verbitte. Aber da lag die Situation auch ein bißchen anders: da hatte ich mich vorher eingehend erkundigen können, es gab Referenzen und einen jahrzehntelangen Ruf - und damit hatte sie in meinen Augen das Recht, sich genau zu erkundigen, wem sie ihre Welpen anvertraut. Und vor allem: danach war's mein Hund. Punkt.

    Woher weiß ich aber, daß selbsternannte Tierschützer dieses moralische Recht ebenfalls haben? Daß sie so kompetent sind, daß sie kraft dieser Kompetenz nicht nur Sachleistungen (Pflegeplatz) von mir verlangen, sondern zusätzlich noch persönliche Auskünfte und Kontrollrechte? Die mir aber im Gegenzug nicht mal so viel Vertrauen entgegenbringen, gravierende Entscheidungen über den Hund treffen zu können, um den ich mich da gratis und franko kümmere, der mir aber jederzeit nach Belieben wieder weggenommen werden kann?

    Mich persönlich würde dieses System, dieser Dschungel an Unüberprüfbarkeiten und Selbsternannten, absolut davon abhalten, meinen Hund auf diesen Weg zu beziehen oder einen in Pflege zu nehmen. Daher würde es mich wirklich um so mehr interessieren, weshalb man sich auf sowas einläßt?
    Und, entsprechend dem Topic: Nach welchen Kriterien sucht die Pflegestelle eigentlich die Organisation aus?

    Normalerweise prägt der Elternteil stärker, der stärker auf einen bestimmten Typ oder bestimmte Eigenschaften gezogen ist, weil's nun mal wahrscheinlicher ist, daß über Generationen fest in der Ahnenreihe verankerte Gene dann wieder auftauchen - in deinem hypothetischen Fall wäre es also die Vaterlinie.

    Ändert aber nichts daran, daß die Hälfte des Erbguts trotzdem von der Mutter stammt, und daß der Vererbungs-Zufall immer mit im Spiel ist - insofern kann man nur möglichst passend zusammenstellen und aufs Erwünschte hoffen.

    Das mit dem Ausgleichen kann übrigens nur klappen, wenn einer der Partner die Schwäche des anderen durch Perfektion im selben Punkt wettmachen kann - NICHT etwa durch eine entgegengesetzte Schwäche!

    Was ich an Millan absolut, total und uneingeschränkt Klasse finde ist, daß er der Kundschaft jedes Mal deutlich sagt: "It's not a human, it's a DOG!" - aber die Folgerungen, die er daraus zieht, sind dann, vorsichtig ausgedrückt: eher nicht so meins.

    So geht's eigentlich durch: total zustimmenswerte Ansätze, vor allem in dem Buch, das übrigens deutlich nachvollziehbarer ist als die Shows. Aber die Umsetzung fällt meist eher unter "muß nicht sein". Schönes Beispiel: mit einem Hund rauszugehen, ist tatsächlich das Nonplusultra - das könnte man nicht richtiger sagen (Schlimm genug, daß es überhaupt einer sagen muß!)Am strammgezogenen Würger wär's das für mich aber eher nicht.

    Schon irgendwo schade, denn die "dog handling skills", um das auch anders hinzukriegen, hätte Millan sicherlich - aber das ginge natürlich auf Kosten der Show: wenn der Guru kommt, muß die Wunderheilung schließlich schnell gehen.

    Worum es wirklich geht in dieser Show, zeigt die Ankündigung für die aktuelle (und übrigens letzte) Staffel ganz wunderbar: da ist deutlich mehr von schnellen Autos, tollen Locations & noch tolleren Stars die Rede als von den Hunden:

    http://www.cesarsway.com/dogwhisperer/D…an-Final-Season

    Jetzt kommen wir zwar vom Hölzchen- aufs Stöcken-OT, aber das ist dieser Thread ja eh schon, also: Ich habe meinen Hund sehr weitgehend per Leine abgesichert, gerade WEIL ich ihm vertraue: Ich weiß & vertraue also darauf, daß sie ein sehr rassetypischer Jagdterrier ist, dem die Genetik zwingend vorschreibt, im Zweifelsfall im einer Nanosekunde von Null auf Lichtgeschwindigkeit hochzuschalten und entsprechend rasant zu reagieren.

    Berechenbar, aber im Alltag lebensgefährlich, und entsprechend sichere ich den Hund. Den ich in anderer Umgebung aber großzügig frei laufen lasse, weil das Grundvertrauen da ist, wenn auch mit diesen rassetypischen Abstrichen.

    Die Leinen-Vertrauens-Gleichung geht meines Erachtens also nicht glatt auf - da gehören noch das Hunde-Individuum und die Umstände in die Rechnung.

    Da hatten wir hier aber schon deutlich Krasseres - und seit einigen solcher Posts bin ich der Meinung, daß man da für viele "Tierschützer" nur 2 Vorausetzungen mitbringen muß, nämlich:

    a. Wohnsitz in dem Land, in das die lebende Ware exportiert werden soll

    und

    b. vor allem die Bereitschaft, an Leute, deren Hintergrund man selbst nicht überprüfen kann, gutes Geld für einen Hund zu zahlen, über den man nicht das Geringste weiß, für den man fortan zwar alle Kosten übernimmt, an dem man aber im Zweifelsfall nicht mal die geringsten Rechte hat.

    Der Vergleich wäre vor etwa 30 Jahren überholt gewesen, als hier bei Hundeseuchen tatsächlich ziemlich Ruhe herrschte, weil der Bestand so gut wie komplett durchgeimpft war, Ausnahme war Tollwut, die noch regelmäßig im Wild aufflackerte.

    Das sieht inzwischen aber wieder deutlich anders aus - Staupe zum Beispiel, die schon als so gut wie ausgestorben galt, ist hier in Großstadtnähe wieder richtig gut auf dem Vormarsch.

    Ich könnte da noch mit Erfahrungen aus der guten alten Zeit vor den modernen Impfstoffen dienen - da waren die Hunde zwangsweise komplett ungeimpft: Meinen Großeltern starb ein junger Boxer qualvoll an Staupe, der später angeschaffte junge Schäferhund erkrankte ebenfalls daran, kam zunächst durch, starb aber früh an den Folgen.

    Meinen schon bei der Züchterin erstgeimpften Welpen hab ich bis zur zweiten Spritze, also bis 12 Wochen, ziemlich aus der "Hundegesellschaft" ferngehalten. Spielkameraden waren die geimpften & gesunden Hunde meiner Nachbarin, gespielt wurde überwiegend zuhause, auf Spaziergängen haben wir die "Hunde-Brennpunkte" erstmal gemieden. Welpenspielstunde & Co haben wir eh nicht gemacht - und in die große Hunde-Gesellschaft eingeführt wurde sie dann eben nach der zweiten Impfung, also in der dreizehnten Woche. Da war dann richtig Party erlaubt.

    War vielleicht übervorsichtig, würde ich aber immer wieder so machen, zumal wir die ersten drei gemeinsamen Wochen bestens gebrauchen konnen, um uns erstmal alleine richtig miteinander zu sortieren.

    Das Dumme ist nur, daß wir weder - leider - Eulen noch Füchse noch Schlangen im City-Garten haben. Die einzigen Wildtiere, die hier nennenswert Mäuse aus dem Revier treiben und auch töten, sind Wanderratten - wenn die reichlich da sind, ist relative Ruhe, was die Mäuse angeht.
    Aber komisch - irgendwie ist das nicht so meine Traumlösung...