Beiträge von terriers4me

    Das mit dem emotionsfreien Laut ist ja eigentlich eine Supersache - ich wundere mich bloß immer, auf welche Weise er dieses "kscht!" einsetzt. Für meinen Hund bedeutet das nämlich reflexartig das absolute Gegenteil von "calm" - die geht auf ein Zischen hoch wie unter Strom und steht prompt in schönster "ich will ACTION!"-Pose da.

    Wohingegen ich Fingerschnippen eher als "ruhiges" denn als Abbruchsignal kenne: ich habe das immer leise zum diskreten Ranrufen benutzt, weil's in der Öffentlichkeit einfach weniger auffällt, und später dazu, die Blinde genau zu dirigieren.

    Also benutz ich zwar beides auch, aber lustigerweise mit sozusagen entgegengesetzter Bedeutung - vielleicht sind europäische Hunde ja irgendwie anders gestrickt.....?

    Ich glaube, ich hab das unzwischen in jeden Mäkel-Thread hier geschrieben, aber die Erfahrung, aus der ich's gelernt habe, war auch zu bitter: Lass deinen Mäkler GRÜNDLICH untersuchen, inklusive aller Leberwerte, und laß dich da nicht zu schnell vom TA abspeisen.

    Ich hatte acht Jahre lang Europas Rekordmäklerin, habe von mehreren Tierärzten ein achselzuckendes "kerngesund, aber rassetypischer Schlechtfresser" kassiert und war folglich wirklich konsequent mit dem Hund. Erfolglos übrigens.

    Und dann, im neuenten Jahr, klappte bei der Hormonumstellung nach der Kastration nicht nur der Hormon- sondern gleich noch der gesamte Fettstoffwechsel weg, und es stellte sich heraus, daß sie wohl jahrelang ein unterschwelliges Leberproblem mitgeschleppt haben mußte.

    Abgesehen davon, daß uns mit einer korrekten Diagnose vielleicht vieles erspart geblieben wäre - kannst du dir vorstellen, wie man sich fühlt, wenn man - auf TA-Rat hin - einen Hund jahrelang hat hungern lassen, dem oft schlicht nur viel zu übel zum Fressen war, und der genau die vielen winzigen Mahlzeiten gebraucht hätte, vor denen mich alle TA gewarnt hatten, weil sowas ja das Mäkeln fördert....?

    Konrad Lorenz selig hat das Dilemma aller Mäusejäger-Besitzer vor gut fünfzig Jahren mal sehr schön auf den Punkt gebracht, im Zusammenhang mit seiner mäusefressenden Chowhündin Susi: "Die Maus tut mir sehr leid, aber ich kannte sie ja nicht persönlich, indes Susi meine nahe Freundin ist, an deren Triumphen mich zu freuen ich geradezu verpflichtet bin. Immerhin beruhigt es mein Gewissen, daß sie die Maus auffrißt und damit die einzige Berechtigung zum Töten, die es geben kann, beweist."

    Ja, das geht gut, auch wenn's bei einem unsicheren Hund Geduld fordert. Außer den erwähnten Leberwurstwasser-Parties (immerhin ist jetzt Superwetter fürs lange Draußensitzen!) hilft es auch, wenn du dem Hund wirklich sagen kannst, was du möchtest. Dafür kannst du schon im Garten "trainieren": du belegst du das Haufenmachen draußen immer mit dem gleichen Wort, indem du sowas wie "mach" sagst, sobald sie sich hinsetzt. Sobald die Verbindung hergestellt ist, kannst du's ihr dann auch draußen "vorschlagen", bis sie verstanden hat - am besten erstmal immer am gleichen Platz.

    Hat mir bei meiner ersten Hündin enorm geholfen, als wir aus der ruhigen Klein- in die Großstadt zogen und sie auch erstmal sehr im Zweifel war, wo sie denn nun was durfte: man konnte es ihr, weil sie das "Codewort" kannte, auf den Punkt genau sagen.

    Danke nochmal - dann hat die perfekt hörende Dame hier wohl schlicht Glück gehabt. Oder doch genug Pigment im hellen Ohr? Innen ist es nämlich überwiegend schwarz, so wie der ganze Hund (was man hier naß gut sieht) sehr viel dunkles "ticking" unter dem weißen Fell hat.

    Externer Inhalt img5.fotos-hochladen.net
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.

    Ein absolut faszinierendes Kapitel, das Ganze - Hundefarb-Genetik scheint ja nochmal deutlich komplexer zu sein als die beim Pferd. Auf jeden Fall ist mir jetzt klar, warum die "Dachsgesichter" früher bei Arbeitsterriern lieber gesehen wurden: da geht die Maske ja über beide Ohren.

    Ganz vielen Dank für die fachkundigen Erklärungen zu einem derart faszinierenden Thema!

    Eine Frage hätt ich noch, und zwar zu den Schecken: bei Russells dürfen ja, wie geschrieben, nur beidseitig zweifelsfrei hörende Hunde in die Zucht. Aber macht so ein Test genaugenommen Sinn, das heißt: liegt das Taubheits-Risiko nur an der Farbverteilung, oder muß da noch ein vererbbarer Faktor dazukommen, den man per Test zu eliminieren versuchen kann?

    Falls nicht, wäre das Testen ja eher sinnlos, weil ja auch zwei hörende Hunde jederzeit Nachzucht mit ungünstiger Farbverteilung produzieren können, die dann diesen Ausfall zeigen kann? Genauso wie zwei taube Hunde theoretisch hörende Nachkommen bringen müßten, sobald die nur "richtig" pigmentiert sind?

    wg. der Hormone zitiere ich hier einfach mal Schnauzermädels Antwort aus einen alte Kastrations-Thread, da ist korrekt ausgedrückt, was ich meine - und hier im Umfeld tatsächlich auch schon mehrfach mitgekriegt habe:

    "Die Hündin zeigt Aggressionen gegen Hündinnen. Bei gesteigerter Aggression bei einer Hündin kann eine Kastra nur etwas bringen, wenn diese Aggressionen nur während der Hitze auftreten. Zeigt eine Hündin die auch im Anöstrus, dann kann eine Kastra nichts ändern, weil sie die Hündin in einen dauerhaften Anöstrus versetzt.

    Geschlechtshormone können für gesteigerte Aggressionen verantwortlich sein, meist sind sie es aber nicht."

    Insofern stehen hier die Chancen wohl eher mäßig, und mit zwei so verfeindeten Hündinnen weiter rumprobieren würde ich auch nicht mehr - da ist das Todesrisiko für die Schwächere wirklich hoch.