Nein, es heißt nicht, daß sich eine "enge" Linie unbedingt durchsetzt, aber man züchtet natürlich genau deshalb eng, weil die Vererbungs-Chance dann doch sehr viel größer ist: Vererbungssicherheit ist bei Linienzuchten der eigentliche Sinn der Sache.
Theoretisch ist es ja auch logisch: je öfter eine bestimmte, gewünschte Eigenschaft immer wieder auftaucht, desto größer ist die Chance, daß im Gen-Roulette bei der Zeugung genau diese gewünschte Eigenschaft getroffen wird und in der Nachzucht hochkommt. Um das zu erreichen, hat man die genetische Vielfalt ja extra per Linienzucht eingeengt.
Ein Topbeispiel für sowas besitze ich selbst: meine alte Islandstute, deren Inzuchtkoeffizient jedes Königshaus vor Neid erblassen ließe. Die ist bis zu einem Punkt ingezogen, der uns die Haare hochstehen ließe, in Island aber als total normal galt. Die haben sich vor den negativen Inzucht-Wirkungen nämlich jahrhundertelang damit geschützt, daß sie die Produkte schlicht aufgegessen haben.
Übrig blieben die besonders Fitten, Vererbungssicheren, und meine Stute ist so eine: egal, mit wem du die angepaart hast, gewisse Familieneigenschaften waren beim Fohlen immer da. Was natürlich für jemanden, der beim Züchten nicht aus den Vollen schöpfen kann, phantastisch ist.
Aber den Nachteil so enger Zucht zeigt diese alte Dame eben, wie sehr viele Isländer, ebenfalls: das Immunsytem ist nicht das Allerbeste, infolgedessen hat sie hier in Deutschland Sommerekzem (eine Allergie).
Sowas ist also immer zweischneidig und heikel, zumal du ja mißratene Hunde schlecht per Teller entsorgen kannst. Wer sich auf sowas einläßt, muß seine Linien schon sehr genau kennen, wissen, wie weit er gehen kann, und vor allem seine Hunde regelmäßig per harter Arbeit prüfen können, um Schwächen schnell zu erkennen. Verlangt also noch deutlich mehr Einsatz und Geld als Hundezucht es ohnehin schon tut.