Lernen abseits von Konditionierung, also blitzschnelles, selbstständiges Problemlösen ist vielen Terriern ja in die Wiege gelegt, weil das für einen Baujäger eins DER Hauptzuchtziele war.
Daß diese Typen dabei sogar sehr wohl bis zu einem gewissen Grad abstrakt denken können, bewies zum Beispiel meine jetzige Hündin mit neun Wochen auf dem ersten Spaziergang in unbekanntem Gelände. Wir waren unterwegs mit Schäferhund und Labrador, kamen an einen breiten, tiefen Bach mit steilem Ufer. Schäfer und Labbi sprangen rüber wie immer & schnüffelten angeregt auf der anderen Seite.
Die zwei Kilo Russell scheuten vor dem unbekannten Hindernis zurück, peilten kurz die Lage - und rannten plötzlich blitzschnell und zielstrebig zehn Meter nach links. Da war die Brücke, da raste sie rüber und auf der anderen Seite strahlend zu den anderen.
Das ging so schnell, daß uns Zuschauern wirklich der Unterkiefer runterfiel: Das Hündchen war noch nie hiergewesen, noch nie über diese Brücke gelaufen, konnte also nicht gelernt haben, wozu die gut war - und soweit ich weiß, war es sogar die erste Brücke ihres Lebens. Sie MUSSTE sich da also vorher ein abstraktes Bild gemacht haben, wozu das Ding gut war, denn in der Situation selbst hat sie keine Nanosekunde gezögert.
Absolut faszinierend, sowas beim Problemlösen zu beobachten, aber du solltest dir schon überlegen, ob du genau das willst, vor allem als Zweithund. Diese Typen erspüren nämlich das Schlupfloch in den fremden Katzen-Garten ebenso gedankenschnell wie jede momentane Unachtsamkeit von dir, die es ihnen erlaubt, ihren eigenen Zielen nachzugehen (zum Beispiel dem Jagdausflug in besagten Katzen-Garten!)
Manchmal sehnt man sich da schon sehr nach deinem Beispielhund, der vor der geschlossenen Terrassentür brav auf menschliche Hilfe wartet. Was ja auch ein sehr zielführendes, also "kluges" Problemlösungs-Verhalten sein kann. Unser Rüde wandte das regelmäßig vor dem Kühlschrank an, mit flehendem Blick zu Herrchen, und der spurte allerbestens - der Hund mußte nicht mal clickern!