Beiträge von terriers4me

    Nimm euch beiden bloß erstmal den Druck raus: Warum sollte sich jeder Hund über jeden fremden Menschen freuen?

    Meine Hündin kommt nicht aus dem Ausland, ist seit der neunten Woche hier, und ihre schlechtesten Erfahrungen mit Menschen beschränken sich auf das "ach wie süüüß"-Getatsche in der Fußgängerzone. Trotzdem möchte sie mit aufdringlichen Fremden schlicht nichts zu tun haben, sondern ist da ängstlich und nimmt blitzschnell Sicherheitsabstand. Ich möchte überhaupt nicht wissen, wie viele Leute sie für diese Sätze samt Wegziehen an der Leine schon für mißhandelt oder schwer traumatisiert oder sonstwas gehalten haben - es interessiert mich nämlich nicht.

    Ich gebe mich tatsächlich damit zufrieden, daß sie mit denen ,die nicht sofort nach ihr greifen wollen, sehr schnell und freundlich von selbst Kontakt aufnimmt, also nicht grundsätzlich menschenscheu ist. Ansonsten sage ich wirklich "so ist sie nun mal" und gestehe ihr das Recht zu, sich Aufdringlichkeiten zu entziehen. Ich möchte auch nicht von jedem angetatscht werden, warum soll mein Hund also unbedingt Fremde mögen?

    ...und wenn du Dumbledore zitierst: das Ende dieses Satzes heißt: "...and most of all pity those who live without love."

    Paßt ja in makaberer Weise - ich tu mich immer furchbar schwer damit, gerade denen ihre Tier"liebe" abzunehmen, die dem Unglück von Angehörigen ihrer eigenen Gattung gleichzeitig derart kaltschnäuzig gegenüberstehen.

    Ich benutze es heute nicht mehr, weil ich meinen Hund nicht mehr soooo umfassend erziehe, aber meiner ersten Hündin hat es wohl das Leben gerettet. Die ist mir, nach elf Jahren absoluter Zuverlässigkeit, plötzlich quer über eine befahrene Ausfallstraße geschossen, weil auf der anderen Seite ein Eichhörnchen war.

    Als sie das auf dem Baum hatte, kam sie aus dem Jagdkick wieder zu sich und wollte zurück - blieb aber auf das "Bleib"-Schreien - und das Handzeichen sofort am Platz und ließ sich dann sogar ins Down schicken, bis ich endlich über die Straße zu ihr konnte.

    Gehörte zu den längsten, qualvollsten Minuten meines Hundehalter-Lebens, und seitdem setz ich im Zweifelsfall immer auf die Leine statt aufs Kommando. Aber hätte sie das nicht gekonnt, hätte ich sie wohl nicht so schnell stoppen können, weil ich selbst so total durch den Wind war, daß es nur noch zum panischen "BLEIB!!" gereicht hat.

    Versuchen tun's wohl viele gern mal - ich hab immer die Geschichte meiner Freunde besonders geliebt, die mit ihrem jungen Schäferhund bei besonders miesem Wetter Gassi gehen wollten. Sie machten also die Haustür auf, der Hund streckte den Kopf raus, kriegte die volle Ladung Regen auf die Nase - und hob im selben Moment das Bein im Hausflur.

    (Hat er aber auch nur einmal gemacht. Dafür versuchte er gern mal, draußen Menschen zu markieren, die seine Hündin anlockten und anfaßten - da mußte man echt aufpassen.)

    DAS ist wirklich die ganz große Frage - aber ich denke, da hat sich in den letzten Jahren doch auch einiges getan?

    ...und was das Auswildern angeht, so stimmt es natürlich nicht, daß Zoos da keine entscheidende Rolle spielen können. Siehe zum Beispiel hier...

    http://www.durrell.org/

    ...die haben, soweit ich weiß, sowohl bei Papageien als auch bei Lemuren sensationelle Erfolge gehabt, und das Zucht/Auswilderungsprogramm immer bestens mit einem Zoo "zum Ansehen" verbinden können.

    Insofern gibt es doch zumindest Grund zu der Hoffnung, daß auch Zuchtgruppen sibirischer Tiger - vorübergehend? - besser im Zoo aufgehoben sind als in einem Umfeld, in dem sie ein enormes Risiko laufen, als Potenzmittel oder Jagdtrophäe zu enden.

    Vielleicht gibt's ja doch ein Umdenken, und sie können eines Tages in bessere Verhältnisse zurück. Daß die Gefangenschaft ihre Instinkte bisher nicht entscheidend beeinträchtigt zu haben scheint, hat Altai mit seinem punktperfekten Beutemachen bei der ersten Gelegenheit ja auf sehr makabere Weise vorgeführt...

    Lächerlich wird so ein ernstes Thema durch Heuchelei - und auf die hinzuweisen, dürfte dann wohl erlaubt sein.

    Ich sag's aber auch gerne nochmal ganz ernst: Bei diesem schrecklichen Unglück haben alle drei Beteiligten GLEICHERMASSEN mein volles Mitgefühl.

    Der Zoodirektor ganz besonders, dem es wohl kaum anders ergangen sein dürfte als es uns gehen würde, wenn wir plötzlich gezwungen wären, unseren eigenen Hund zu erschießen - ich denke nämlich, daß man zu "seinen" Tieren auch eine sehr enge Bindung haben kann, wenn sie nicht "schmusig" auf dem Schoß sitzen.

    Ich möchte mir lieber nicht vorstellen, wie es ihm oder der Familie der toten Frau mit diesem ganzen Alptraum jetzt geht - und ich kann uns allen einfach nur wünschen, nie in so eine Horrorsituation zu kommen.

    ...ja, vor allem dann, wenn sie auch noch in der Box sitzen, weil sie sonst aus unerklärlichen Gründen zerstören/hinpinkeln, während Frauchen zur Demo gegen die grausame Knast-Haltung von Zootieren geht (sorry, aber DAS konnte ich mir jetzt nicht verkneifen!)

    Zoo-Bashing ist wohl einfach deshalb so verlockend, weil man sich da wunderbar als Tierfreund profilieren kann, ohne daraus selbst irgendwelche Konsequenzen ziehen zu müssen.

    Ginge es um die Millionen und Abermillionen von Tieren, die in diesem unserem Lande sehr, sehr viel mieser dran sind als die in einem gutgeführten (!) Zoo, ginge es ja gleichzeitig ungemütlich dicht ans Eingemachte: ans Hunde- und Katzenfutterfutter aus Massentierhaltung, und vor allem - für Tierfreunde natürlich besonders schmerzlich - um die eigenen süßen Lieblinge, die vielleicht deutlich mieser leben als die umsorgte Tigerfamilie im Freigehege. Es ginge um all die Mäuse, Meerschweinchen, Hamster & Co, die in vielen Käfigen ihre Bewegungsstereotypien zeigen, damit die Besitzer was zum Streicheln haben, um Wohnungskatze, Großstadthund oder Boxpferd, deren Leben auch alles andere als artgerecht ist...und so weiter.

    Dann doch lieber den absoluten Maßstab an die Tierhaltung anderer anlegen....

    Irgendwelche Übrungen zum Abhaken gibt's da nicht, Respekt läßt sich nicht einüben.

    Es ist viel simpler: Er kommt aus demA lltag. Respekt bekommst du, wenn du dich in den Augen deines Hundes als Respektsperson benimmst - rund um die Uhr.

    Das ist praktisch eigentlich ebenso einfach: DU mußt diejenige sein, die Situationen überblickt und auch mal kontrolliert - also in seinen Augen zuverlässig ist.

    Du mußt ihm möglichst "zuvorkommen", also schon seine Absichten und Ansätze lesen können - daß nichts ein Tier mehr beeindruckt, werden dir nicht nur alle Hundehalter, sondern auch Reiter bestätigen können.

    Du mußt also, zum Beispiel, mögliches Fehlverhalten schon im Ansatz sehen und "ansprechen", und nicht erst,wenn er schon mitten dabei ist.

    Und du mußt, mindestens genausowichtig, auch mit Bestätigung zur Stelle sein, sobald er irgendwas "richtig" macht. Nicht die große Party, aber sowas wie ein nettes "gut!" als Feedback - einfach, damit dein Hund merkt, daß du jederzeit "bei ihm" bist und die Lage durchschaust. Sprich: eine ernstzunehmende Respektsperson.