Beiträge von terriers4me

    Das Beschwichtigen spräche nur bedingt dagegen - meine Russellhündin konnte durchaus beschwichtigen und gleichzeitig sehr energisch ihre Ziele weiter verfolgen. Die Situation war ihr zwar zuwider, aber das nahm sie dann eben in Kauf. Das kam dann wie so ein "Tut mir leid, daß du jetzt sauer bist, und ich hasse es, daß es Ärger geben könnte - aber es GEHT gerade nicht anders.."

    Ganz eindrucksvoll war das, als sie zeitweise ums Verrecken den Spaziergang nicht abbrechen wollte: dann saß dieser Halbjahres-Zwerg mitten auf dem Weg, sah mir direkt in die Augen, wedelte und beschwichtigte nonstop: Naselecken, Pfoteheben, das ganze Repertoire. Aber sie stand trotzdem ums Verrecken nicht wieder auf, solange es Richtung Heimat ging, egal, was ich dann tat. Sie blieb sogar allein sitzen, wenn ich außer Sicht ging und beschwichtigte natürlich noch heftiger, wenn ich dann doch zurückkam - aber sie saß. Sie war dann wirklich "zwiegespalten", denn sie haßte das ganze Theater eindeutig. Aber trotzdem: das einzige, was sie zum Aufstehen bewegte, war eine Richtungsänderung genau dorthin, wohin SIE wollte.

    Meinen Vater hat sie, wie gesagt, später auf diese Tour gut trainiert, für mich ließ sich das Problem damit lösen, daß ich sie dann eben unter den Arm geklemmt und weggetragen habe - das haßte sie wirklich. Nach ein paar solchen Erfahrungen gab sie diese Versuche zu meinem großen Glück auf. Wär's ein Bernhardiner gewesen, hätte ich echt nicht mehr weitergewußt...

    Ich will dir jetzt nicht noch mehr Angst machen, aber: ein Hund mit nachlassendem Augenlicht kann sich draußen ähnlich benehmen, wie du es beschreibst - der hat nämlich tatsächlich Angst vor der sich verändernden Umgebung. Das würde ich also per TA-Besuch ausschließen, ebensowie eine Gebärmutterentzündig oder sonstige körperliche Probleme.

    Scheinträchtig ist eine Hündin nach jeder, absolut jeder Läufigkeit. Das ist einfach so vorgesehen, damit sie notfalls bei den Welpen einer ausgefallenen Rudelgenossin einspringen könnte, an sich also nichts Schlimmes.

    Und ja: die Hormone spielen dann gut verrückt, und die Hündin kann da durchaus sehr seltsame Verhaltensweisen zeigen. Sie kann aber auch (sie ist ja nicht doof!!) die Rücksicht und Nachsicht, die sie während der Läufigkeit erfahren hat, einfach weiter einfordern, bestärkt von jedem Erfolgserlebnis, was schließlich hieße: Spaziergänge bitte nur noch mit Frauchen, nur noch zu Zeiten, die mir passen, nur noch an Orte, die ich mag, Umkehr nach Belieben....und so weiter.

    Meine Russellhündin hatte Herrchen da schließlich wunderbar trainiert: dem gab sie draußen die Wege vor, indem sie sich auf den Hintern setzte, sobald ihr die Richtung nicht paßte. Dann gab er prompt nach: "Sie hat sicher Angst, den anderen Weg zu gehen..."
    Gingen wir beide zusammen, ging sie problemlos mit - soweit würde ich es in eurem Fall lieber nicht kommen lassen...

    Alle Beteiligten haben da mein tiefstes Beileid, der Direktor ganz besonders.

    Und mit denen, die als Verantwortliche(!) angesichts einer schwerstverletzten, aber doch vielleicht eben doch noch lebenden Mitarbeiterin sagen würden: "Sorry, Alte, Pech gehabt - von deinesgleichen gibt's noch ein paar Milliarden mehr auf diesem Planeten, da geht der Tiger allemal vor!" hoffe ich nie zusammenarbeiten zu müssen. Bei sowas fällt mir regelmäßig Konrad Lorenz ein, der mal gesagt hat, Tierliebe plus Menschenhaß sei die furchterregendste Kombination, die er überhaupt kenne.

    Zum Beispiel, weil du ein neues Waschmittel benutzt...?

    Unser Rüde hat sich, wie gesagt, da nur einmal vergessen - die Indoor-Markierfreudige war meine frühere, intakte Russellhündin. Mit der hatte ich, als sie im besten Pubertätsalter war, durchaus Probleme: Waren wir anderswo zu Besuch, wo's nach Hund oder Katze roch, versuchte sie schon mal, blitzschnell ein paar Tropfen strategisch günstig zu placieren. Sehr schön in der Buchhandlung mit Teppichboden & eigener Hündin...Scharf im Auge behalten und ein Rüffel, sobald sie ansetzte, behoben das Problem zum Glück bald wieder.

    Bis sie dann anfing, zuhause regelmäßig auf ihre frische Körbchendecke zu pinkeln und sich von Ärger nur bedingt abhalten ließ - dann wartete sie eben auf eine bessere Chance, tat aber, was sie tun mußte. Ich war erst ziemlich ratlos, bis ich drauf kam, daß ich ja nach Jahren das Waschmittel gewechselt hatte. Offenbar wollte sie den neuen Geruch einfach nicht in ihrem Bett haben. Nach einem erneuten Wechsel war sofort wieder Ruhe.

    Die Ursache ist also bei den Normalstubenreinen in eigener Umgebung offenbar immer ein heftiger "Störgeruch" im Vertrauten - irgendwas ,das mit dem eigenen Besitzanspruch überdeckt werden soll. Wenn du dem Terrier da keinen Anlaß gibst, an seinem normalen "Besitzstatus" zu zweifeln, hat er ja auch keinen Grund, diese Zweifel auf seine Weise zu beheben...

    Du bist dir sicher, daß das "nur" Streß ist und nicht vielleicht eine starke Reaktion auf Grasmilben, die gerade reichlich unterwegs sind, oder sonstwas, was sie in die Pfoten beißt? Oder eine andere Allergie - Gräserpollen, Futter oder gottweißwas? Eine mitgebrachte Hautkrankheit, die unter Streß aktiv wird? Es gibt wirklich massenhaft Auslöser, die ich erstmal abklären lassen würde, bevor ich's unter Streß abhake - einfach, um euch beiden Umwege zu ersparen.

    Unser intakter Rüde hat in fast 15 Jahren genau einmal in der Wohnung zu markieren versucht: da hatten wir eine Katze in Pflege, und nachdem er sich beim Fressen mit der gekloppt hatte, wollte er tatsächlich hinterher den Herd über dem Futternapt markieren. Er hat allerdings auf einen empörten "SPINNST DU?!"-Brüller hin mit erhobenem Bein innegehalten und es nie wieder versucht.

    Ich kenne auch sonst keinen Rüden, der sowas regelmäßig getan hätte. Ausnamen, die diese Regel bestätigen, kamen höchstens mal nach Rüdenbesuchen im eigenen Revier vor, vor allem, wenn in diesem Revier auch noch eine "eigene" Hündin lebte - dann war der Drang, das Eigentum zu markieren, manchmal doch zu stark.

    Es gibt da ein Patentrezept: Nimm dir eine Arbeit vor, die a.) sehr wichtig, b.) sehr kniffelig, c.) sehr eilig und d.) für jemanden bestimmt ist, bei dem die Auskunft "Ich hab Ihren Kram leider nicht pünktlich fertig, weil ich meinen Hund bespaßen mußte" überhaupt nicht gut kommt. Dann mußt du den Hund nämlich zwangsweise sehr konsequent ignorieren, und ihr lernt beide fix, Spaß- und Ruhezeiten zu unterscheiden.

    OK, man kann da nicht alles haben, aber es läuft wirklich grundsätzlich auf dasselbe raus: WENN du dich entschließt, den Hund zu ignorieren ,dann steh dahinter und nimm deine Gedanken weg von ihm. Machst du sowas nach dem Motto: "Aaach, mein armes Baby! Wie grausam - hoffentlich kriegt er jetzt kein Trauma? Hoffentlich kläfft er nicht gleich wieder los...Und wie süß er gerade wieder GUCKT..." müßte dein Hund schon enorm blöde sein, um nicht zu merken ,daß er deine Aufmerksamkeit in Wirklichkeit sehr wohl noch hat und bloß energisch eine Schippe drauflegen muß, bevor du ihn wieder aktiv bespaßt. Und Hunde sind nun mal alles andere als blöde. Insofern kann ich mir auch nicht vorstellen, daß diese krampfige gewollte Ignoriererei viel bringt, und wenn du das wochenlang so machst.

    Es ist einfach eine total künstliche, für den Hund auch nicht durchschaubare Situation - welche Schlüsse soll er daraus ziehen? Ich hab viel bessere Erfahrungen damit gemacht, daß "Mensch ist zwar da, aber nicht dauerverfügbar" für den Welpen einfach ein ebenso selbstverständlicher Teil des Alltags wurde wie Fressen und Ausgehen.

    Lief von Tag 1 an so, daß es (Arbeits-)zeiten gab, in denen der Zwerg schlafen oder sich mit sich selbst beschäftigen mußte. Platz zu meinen Füßen und reichlich zu knabbern war da, ich hab den Kleinen zu nichts gezwungen, er konnte hingehen, wo immer wollte - es gab eben nur absolut keine Bespaßung von mir. Er durfte mir auch gern mal am Bein hochkommen, dann gab's eben ein paar nette Worte, und anschließend hab ich ihn mit einem freundlichen "jetzt nicht" weggeschoben und einfach weitergemacht. Freundlich ist da wichtig, du willst den Kleinen ja weder bestrafen noch hochdrehen, du bist nur gerade unerbittlich langweilig - bis zur nächsten Spaßphase, deren Beginn aber DU vorgibst, nicht der Hund.

    Ich denke, es wird sich bald normalsieren, das wäre meine geringste Sorge.

    Das Problem ist wirklich nur, daß ihr euch wegen der Extrem-Zerbrechlickeit des Zwergs zunindest über die nächsten Monate hinweg möglichst keinen Ausrutscher leisten dürft. Da würde ich nochmal in Ruhe überlegen, ob ich das gewährleisten kann, sobald der Kleine selbst älter und selbst wilder wird - das ist wirklich nicht ohne. Solange die Hündin daran "denkt", daß sie einen Mini vor sich hat, wird sie deiner Schilderung nach sicher aufpassen - das Problem werden wilde Spiele, bei denen sie ihn treten oder überrennen könnte.

    Wenn sie im Umgang mit dem Mini ruhig ist, würde ich sie auch unter Aufsicht machen lassen und davon ausgehen, daß sie sich nach ein paar Tagen von selbst an den Zuwachs gewöhnt. Aber eben enorm aufpassen, wenn der Kleine anfängt, so so heftig anzuspielen, daß sie drauf einsteigt.