Beiträge von terriers4me

    Nein, ich find's auch absolut nicht normal. Bei uns ist auch nach acht box- und anbindefreien Welpen noch der komplette Hausstand intakt, nie was Gravierendes passiert, es gab keine Nervenzusammenbrüche bei Hund & Mensch - und wir können ja nicht nur Ausnahmeexemplare gehabt haben. Aber ich habe, zumal bei meinem letzten Welpen, eben auch gesehen, wie blitzschnell man einen entsprechend temperamentvollen Kleinen mit Dauer-Action genau in den hier beschriebenen Zustand gekriegt hätte - meine wäre ratzfatz hysterisch die Wände hochgegangen und hätte die Tapete von der Decke gekaut ,wenn ich's nur drauf angelegt hätte.

    Insofern würde ich hier erstmal den Umkehrschluß ziehen: davon ausgehen ,daß dieser reaktive Kleine einfach durch alles, was binnne kurzem auf ihn eingestürmt ist, so total am Rad dreht und jetzt noch vergleichsweise schnell von diesem Trip wieder runterzuholen wäre.

    Die andere Möglichkeit, daß da nämlich ein Weimaraner mitgemixt haben könnte, der zwar Arbeitshunde-Pep, aber null Arbeitshunde-Ausglichenheit mitgegeben hat (analog dem, was bei vielen Mode-Russells inzwischen sieht), wäre natürlich die bittere Variante. Aber (Frage an die Weimaraner-Spezialisten) das kann man nach so kurzer Zeit doch wohl noch nicht sagen?

    Natürlich kriegt ihr ihn runter, wenn du jetzt dranbleibst - er hat doch für die wenigen Tage schon deutlich Fortschritte gemacht. Daß ein von Natur aus sehr lebhafter, reizempfänglicher Welpe mit so, sagen wir mal: suboptimaler Aufzucht erstmal wie ein überdrehter Irrer reagiert, wenn sich auf einen Schlag seine gesamte Umwelt ändert, ist doch nur logisch. Das gibt sich aber, je mehr ihr den Alltag zusammen strukturiert kriegt, und je mehr du dann zu Ruhe und Routine kommst, desto mehr färbt das auf den Zwerg ab. Er muß einfach erstmal wissen, woran er jetzt ist.

    Anspruchsvoll wird er aber, bei diesem Mix, wohl immer bleiben, zumal da kaum ein wirklich gut gezogener, also charakterlich balancierter Weimaraner im Spiel gewesen sein dürfte. So einen würden seine Besitzer wohl kaum "mal eben" für solche problematischen Mixe hergeben. Wenn dich das, was da auf euch zukommen könnte (könnte - nicht muß!), wirklich total überfordert, wäre es tatsächlich keine Schande, ehrlich die Konsequenz zu ziehen und den Welpen sofort zurückzugeben, bevor er später zum Wanderpokal wird.

    Aber, wie gesagt: man kriegt diesen Arbeitshunde-Wahnsinn eigentlich gut geregelt - auch wenn er selbstverständlich lebenslang wieder hochkommt. Aber das ist ja gerade der Spaß an der Sache. Mein eigentlich sehr braver Terrier ist mir gerade eben im Garten mit geschätzter dreifacher Lichtgeschwindigkeit unvermittelt von hinten zwischen die Schulterblätter (!) gehüpft, so als Auftakt zu einer Turbo-Runde, in deren Verlauf (viel schneller, als ich das aufschreiben kann)ein geklauter Gartenhandschuh im Teich landete, der Hund um die Längsachse aus der Kurve flog, ohne sich im geringsten davon beeindrucken zu lassen, und meine Klamotten sämtlich waschmaschinenreif wurden. Danach macht es dann wieder "klick" und jetzt liegt die Jungerwachsene so entspannt und gelassen vor der Haustür, als wäre sie als reglose Sphinx geboren.

    Man muß diese Spinner einfach lieben, dann findet man "normale" Hunde irgendwann nahezu langweilig - aber wenn sie einem absolut nicht liegen, sind das nicht so die besten Voraussetzungen für ein langes, glückliches Zusammenleben. Ich hoffe, dein TA, der euch ja im Gegensatz zu uns allen hier life erlebt, kann dich jetzt wenigstens ein bißchen kompetent beraten. Die "Züchterin" hat's ja eindeutig nicht getan, und die Folgen tragt jetzt du und der Welpe.

    Ich fand übrigens die nächste Phase besonders schwierig: Als die Kleine mit so etwa drei Monaten gelernt hatte, daß sich wildes Gekasper und Hosenbeinzerren nicht auszahlen - und dann stattdessen nur noch diese ganz, ganz höfliche Anfrage kam: "Musst du denn wirklich weitermachen, oder können wir jetzt nicht doch mal....?"

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    Das war von so einem Mini so unglaublich süß, daß ich manchmal froh war, wenn ich dringend was tun MUSSTE und nicht jedesmal nachgeben konnte - sonst hätte sie mich wirklich hoffnungslos um die weißen Pfötchen gewickelt...

    Das klingt doch schon alles viel besser - und so schön längelang ausgestreckt sehen sie wirklich besonders niedlich aus...LOL

    Das Schmatzen und Saugen im Schlaf hat meine jetzige Hündin häufig gemacht, bis sie ein gutes Jahr alt war, meist nach besonders aufregenden Erlebnissen - da mußte man schon manchmla an ein Baby mit Schnuller denken. Übersprungskratzen macht sie übrigens heute, mit drei Jahren noch manchmal, ebenso wie Streßfiepen - ist aber alles sehr, sehr gemäßigt geworden. Die war achteinhalb Wochen bei der Mutter.

    Und, lustigerweise, unser früherer Rüde "saugte" lebenlang, also mehr als 14 Jahre, immer mal wieder im Traum - und der ist von seiner Mutter überhaupt nie getrennt worden, weil beide bei uns lebten.

    ...und warum der Umweg über "irgendwann" und das für einen lebhaften Welpen dieses Alters ja nicht gerade ungefährliche Anbinden oder Alleine-Einsperren? Also erst dick Streß, der sich iirgendwann wieder verliert?

    Wäre mir viel zu umständlich. Warum nicht der minimale Zusatz-Aufwand an Geduld, den Kleinen zwanglos ein selbstverständliches und von Anfang an alltagstaugliches Fürsichsein lernen zu lassen? Länger als eine Woche hat hier noch kein Quirl dazu gebraucht - allerdings ist es mir auch erstmal völlig latte, wo der Welpe sich nun genau hinlegt und was er in seiner Ruhephase tun möchte. Hauptsache, er entspannt sich.

    Ich finde das schon einen guten Anfang - aber ich würde an deiner Stelle diese Ruhezeiten für den Zwerg mehr in meinen eigenen Alltag integrieren. Er soll ja lernen, sich an euch anzupassen, nicht umgekehrt. Hast du nicht zum Beispiel ein Buch, das du schon immer mal in Ruhe lesen wolltest/ eine Schreibarbeit oder irgendwas, bei dem du selbst auch runterkommen mußt?

    Wir haben's etwa so hingekriegt: Ich konnte und wollte wegen des Achtwochen-Welpen nicht aufhören zu arbeiten, also habe ich meinen Schreibtisch schön mit Hundedecken umpackt, Körbchen danebengestellt, reichlich Kaukram dazu, und dann nach dem Rausgehen einfach normal weitergearbeitet.

    Die Kleine, die in dem Alter ja noch das Bedürfnis hatte, eng in meiner Nähe zu bleiben, konnte tun und lassen, was sie wollte, wurde also nicht eingesperrt. Nur eins gab's unter keinen Umständen: Action. Sobald sie sich an meinem Knie aufgerichtet, an meinen Socken gezerrt hat oder sonstwas, habe ich sie mit einem ruhigen, freundlichen "Jetzt nicht!" weggeschoben und ihr notfalls was Kaubares ins Maul gesteckt. Ruhig & freundlich ist da wichtig- du willst den Zwerg ja weder bestrafen (er macht ja nichts falsch, wenn er dich "anspricht") noch durch Aufregung hochfahren. Allzuviel Ausdauer haben sie ja in diesem jungen Alter noch nicht, also gab sie irgendwann auf und pennte oder kaute. Etwa alle 1-2 Stunden sind wir dabei am Anfang zu einer kurzen Runde Spielen/Entsorgen in den Garten, dann zurück an den Schreibtisch - und so weiter. Einen längeren Spaziergang täglich gab's außerdem.

    Der Welpe hat enorm fix kapiert, daß da zwar Ruhe angesagt war, aber eben nicht endlose, eingesperrte Langeweile - einfach Pausen, die sich prima zu einem Schläfchen nutzen ließen. Und da sie mit neun Wochen ja noch sehr ruhebedürftig sind, war dann die Aussicht vom Schreibtisch runter dann meist so:

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    Als sie dann kräftiger und lebhafter wurde, hatte sie das Ritual - Mensch läßt sich nieder heißt null Action für den Hund - schon verstanden und konnte dann richtig gut runterkommen. Bei diesem Raketentemperament wirklich enorm wichtig.

    Hier ist ja schon sehr viel Hilfreiches gesagt worden, also nur nochmal das Eine, Entscheidende: Es geht meist eher darum, an sich selbst zu arbeiten als am Welpen - der nimmt seine grundsätzlichen Vorgaben im Moment noch von euch. Noch. Und leider gibt's da weder Abkürzungen noch Ausknopf - letztlich bist DU die, die das Zusammenleben bestimmt, und das mußt du jetzt lernen.

    Ich weiß, wie schwer das sein kann. Ich bin nämlich von Natur aus auch nicht die Ruhigste, Geduldigste, habe aber eine absolute Schwäche für hochreaktive vierbeinige Raketen ,wie du dir da eine zugelegt hast. Da sind das Erlernen von Ruhe, Geduld und Konsequenz wirklich das A und O, wenn ihr am Zusammenleben nicht beide durchdrehen wollt.

    Sieh es einfach als große Chance - deswegen hast du dir doch einen Welpen angeschafft? Noch hast du es mit einem kleinen, harmlosen Baby zu tun, dem du körperlich und geistig weit überlegen bist, und damit hast du die goldene Gelegenheit, die Regeln des Zusammenlebens vergleichsweise einfach festzulegen. Bei uns bestanden die übrigens vor allem darin, daß ICH SELBST regelmäßig völlig zur Ruhe gekommen bin, zum Beispiel am Schreibtisch, und der Welpe, nachdem er raushatte, daß sich da unter keinen Umständen irgendwas tat, einfach meinem Beispiel folgte und bis zur nächsten Aktivität runterkam. In diesem Alter sind sie ja noch schön schlafbedürftig, und wenn sie kräftiger und munterer werden, sind regelmäßige Ruhepausen schon ein eingespieltes Ritual - mein erwachsener Hund geht heute noch von selbst Mittagsschlaf halten.

    Das, womit du es jetzt zu tun hast, ist wirklich noch vergleichsweise easy. Die dicken Erziehungs-Brocken hast du noch vor dir, sobald der junge Mann körperlich kräftig und unabhängig wird und entdeckt, wozu er auf der Welt ist. Dann wirst du heiß dankbar sein, wenn wenigstens die Grundlage stimmt - also viel Glück!