Beiträge von terriers4me

    Bei mir muß das frühkindliche Prägung sein. Die Verwandten, bei denen ich als Siebenjährige Urlaub machen durfte, hatten einen Dorfköter im Terriertyp, etwa wie einen kräftiger Glatthaarfox - heute würde sowas unter Jack Russell laufen. Einfach nur ein genialer Köter, Profi-Rattenfänger clever, selbstbewußt, zu Erwachsenen mitunter etwas bissig (*hüstel*), für uns Kinder beste Kumpel und Bodyguard der Welt - und seitdem bin ich diesem Hundetyp verfallen.

    Mein Hunde-Jugenfreund war dann ein ins Zivilleben verschlagener Jagdterrier, den ein Großstadt-Tierheim einer nichtsahnenden, befreundeten Familie als "Pudelmischling für die Kinder" (*nochmal hüstel*) angedreht hatte. Ein kleines Ungeheuer, aber auf seine Art ein toller Hund, das Herz so groß wie die Zähne.

    Nachdem meine erste eigene Hündin dann auch noch - eher zufällig (??) ein Mix war, der völlig nach den Terrier-Ahnen schlug, war's endgültig passiert. Seitdem hab ich immer einem Hund dieses Typs gehört, obwohl ich insgeheim auch immer noch vom Molosser träume...

    Aber mit Terriern ist das so eine Sache: Entweder man haßt diesen Mix aus Temperament, cleverem Dickschädel-Charme und viel, viel schrägem Humor, oder man verfällt den "Gangstern im Clownskostüm" total - und dann haben diese Hunde wirklich Suchtfaktor!

    Ich hätte dem Hund - vielleicht unangemessen und sicher impulsiv - in dieser Situation eine verpaßt, schon im Reflex.

    Genau diese Reaktion kenne ich nämlich nur zu gut aus den lange vergangenen Zeiten, in denen ich mit einem Jagdterrier befreundet war (der mir nicht gehörte). Der ebenso harte wie clevere Bursche biß wirklich rückwärts wie der weiße Hai, so man ihn daran hinderte, einen anderen Rüden anzugehen - jedenfalls biß er seine gutmütige Besitzerin.

    Wir Teenies, die ihn damals ausführten, haben ihm beim ersten einschlägigen Versuch spontan ein Mordsdonnerwetter verpaßt, weil wir es schlicht nicht einsahen, uns beißen zu lassen. Erstaunlicherweise hat das sehr schnell gewirkt: unsere Hosen & Waden hat er dann verschont. Es funktionierte also sehr wohl mit der Selbstkontrolle, auch in einer solchen Streßsituation.

    Sein Frauchen dagegen, die ihn immer mit "Er ist nun mal cholerisch" entschuldigte, hat auf diese Tour noch reichlich Mäntel & Hosen eingebüßt und sich ebenso reichlich Kratzer eingefangen.

    Insofern wär ich da schon für ein für den Hund sehr unmißverständliches "Wehret den Anfängen"...

    Ich hab dieser Tage wirklich einen Schock bekommen, als mein weißer Hund plötzlich mit einem tief blutroten Überguß ins Zimmer kam, vor allem das Gesicht sah aus wie in einem Splattermovie. Während ich noch panisch nach der Quelle dieser fürchterlichen Blutung suchte (Ohren? Nase??? Ausgeschlagene Zähne?!), fiel mir der leckere Geruch auf...

    ...und da war bald alles klar: Jung-Terrier hatte in der Küche ein Pfund Erdbeeren erwischt, aber statt die etwa zu fressen, hatte sie sich ausgiebig darin GEWÄLZT!

    Fürs Erziehen war's da eh zu spät - aber ich konnte während des ganzen Hund & Haus-Putzens einfach nicht mehr aufhören zu lachen.

    Für mich der Hauptgrund, als eingeschworener Großhunde-Fan schließlich den Russells so komplett zu verfallen: Die Viecher haben einfach - man kann's nicht anders sagen - einen so wunderbar schrägen Humor.

    Und wenn sie wieder mal Mist bauen, bauen sie den meist so charmant, daß ich sofort lachen muß - unpädagogisch, ich weiß, aber es versüßt den Hunde-Alltag doch ganz ungemein.

    Ich hab jedenfalls in vielen Jahren nie so viel über Hunde lachen dürfen wie über diese cleveren (Zitat einer britischen Züchterin) "gangster in clowns costume" - und ich könnte dieses Extra absolut nicht mehr missen.

    Meine an SARDS erkrankte Hündin Hündin war heftig stoffwechsel- und leberkrank und erblindete innerhalb von vier Wochen. Sie war selbst während ihr der Fettstoffwechsel kippte, während sie Streßhormone überproduzierte und in den Verwirrungszuständen nach der plötzlichen Erblindung NIE zu "dumm" für Stubenreinheit, heißt: Es gab während ihrer gesamten Krankheit keine einzige Pfütze im Haus.

    Ich kann mir also auch absolut nicht vorstellen, daß Leberprobleme und Stubenreinheit einander ausschließen - es sei denn, da liegt noch eine andere Stoffwechselkrankheit drunter, etwa Cushing?

    Ich kann mir übrigens nicht vorstellen ,daß der Hund im Moment des Wegnehmens unterscheidet zwischen "hab ich von Frauchen bekommen - gehört für immer rechtmäßig mir" und "hab ich mir illegal geschnappt, darf sie nehmen", und daß das für den Hund letzendlich irgendeinen Unterschied macht. Das halte ich für Vermenschlichung, ich würde eher annehmen, daß für den Hund in dem Moment alles, was er einmal im Fang hat, gleichermaßen Beute ist - und die muß er eben ohne Gemecker rausrücken.

    Ich habe meiner stoffwechselkranken Hündin über fast zwei Jahre ihr geliebtes Zahnputz-Kalbsgelenk zuteilen müssen: nach spätestens zwanzig Minuten Kauen war das Ding bis zum nächsten Tag weg, weil sie mehr auf einmal einfach nicht vertrug. Für den streng Diät lebenden Hund war dieser Knochen das Highlight schlechthin und wurde so intensiv bewacht, daß sie sogar bei Passanten-Schritten auf der Straße knurrte, was sie sonst nie tat. Trotzdem gab's da beim Wegnehmen nie Probleme, einfach, weil das Hergeben für uns beide lebenslange Routine war.

    Wäre für mich übrigens ein Grund, auf Zugriffsrecht ganz besonders bei von mir gegebenen Leckerbissen zu bestehen. Man weiß nie, in welche Situation man mit dem Hund kommen kann - siehe das Narkose-Beispiel!

    Das Wegnehmen-Lassen von allem in jeder Lebenslage, notfalls per Hand im Maul, gehört hier zu den nicht verhandelbaren Grundsätzen, ganz besonders bei meiner jungen Müllsammler- und Allesschluckerin.

    Dafür wird's aber auch nicht überstrapaziert, jedes Mal sehr gelobt, immer mal wieder richtig gut belohnt - und damit können wir beide bestens leben.

    Ich geleite zwar jede Fliege, Wespe, Hornisse etc möglichst sicher wieder aus dem Fenster, aber Zecken, Stechmücken, Pferdebremsen, Hundeflöhe & Co haben hier keine Chance.

    Und ich kein schlechtes Gewissen: Daß sich die Beute wehrt, ist schließlich Blutsauger-Berufsrisiko!

    Bist du ganz sicher, daß sie noch richtig sieht? Oder bekommt sie da gerade Probleme und kann manchmal die anderen Hunde einfach nicht sofort erkennen? (Abstand, Lichtverhältnisse, Tagesform?)

    Wenn das Verhalten plötzlich aufgetreten ist, würde ich auch vor allem anderen zum TA gehen und die Sinnesorgane überprüfen lassen - vor allem die Augen!