Beiträge von Phantomaus

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    Eben nicht - warum denn mit Kanonen auf Spatzen schießen? Sundri

    Bei den Spatz-Hunden nützt der "taktile" Reiz eines Vibrierens oder eines Prickelns tatsächlich was, damit sie sich zum Halter umorientieren. Auf Distanz angebrüllt zu werden, hat man als halbwegs kooperativer, aber ungezogener Hund meist zu ignorieren gelernt. Passiert ja eh nichts. Aber ein etwas schlicht gestrickter Hund denkt schon, dass der Halter ihm in Nacken sitzt, wenn man ihn mit dem Tele "anstupst".

    Aber wie gesagt, bei weitem nicht alle. Die harten Jäger rennen auch durch Schmerz durch und die Sensibelchen rennen womöglich sogar vor dem leichten Pritzeln weg.

    In meiner Gegend sind die Dinger auch recht populär, weil ein Halter kurzfristig Erfolge damit hatte. Inzwischen jagt aber auch diese Hündin wieder - die Rückschläge sprechen sich leider nicht so schnell herum.

    Wenn ein Hund schnell ist, ist er übrigens auch ratzfatz aus dem Einwirkungsbereich des Gerätes raus - je nach Akkuladung und Bewaldung reicht das Ding das nämlich gar nicht so furchtbar weit.

    Das PS von Sundri finde ich interessant, weil ich das Gegenteil erlebt habe: Mein Hund rennt verbotenerweise auf eine Pferdekoppel, ich brülle "hier", sie hört nicht, brennt sich eine am Stromzaun und rennt erstmal eine Runde schreiend im Kreis. Und trotzdem versucht sie nach wie vor, bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf genau diese Koppel zu kommen (liegt zum Glück an den Pferdeäpfeln und nicht an den Ponies).

    Ein anderer Hund aus meinem Bekanntenkreis ist mal gegen einen Stromzaun gelaufen, war daraufhin nicht mehr ansprechbar und ist alleine! 2km weit nach Hause gerannt. Will man auch nicht unbedingt haben.

    Tolle neue Trainings-Tipps habe ich leider nicht, aber die Erfahrung, dass der Hund weiß, wann er an der (Schlepp-)Leine ist und wann nicht. An der Leine kommen wir ganz okay an frei herumhoppelnden Stadtkarnickeln vorbei. Die Landkarnickel während des Freilaufs sind eine ganz andere Liga.

    Außerdem kennt mein Hund den Unterschied "Viecher in Gefangenschaft" und "Viecher in freier Wildbahn". Wir gehen beispielsweise täglich an einem Hühnergehege vorbei - gar kein Problem. Ein ausgebüchstes Huhn direkt davor - die Hölle bricht los...

    Deswegen glaube ich nicht, dass die "Aussitzen"-Methode Erfolg verspricht.

    Ich bin bei abgelaufenen Sachen auch nicht pingelig - für mich nicht und für den Hund auch nicht. Ich hatte allerdings mal eine Packung Garnelen, die ein paar Tage drüber war, aber noch okay roch. Für mich fand ich die Dinger dann doch etwas zu kritisch, aber der Hund frisst ja noch viel totere Dinge. Dachte, ich hätte den Super-Snack fürs Training, gebe ihr eine davon mit großem Tamtam zum Probieren und sie spuckt sie mir vor die Füße. Der Hund, der alles frisst und der einem sogar Medikamente aus den Fingern reißt. Die müssen echt höllenmäßig giftig gewesen sein ;-)

    Was Du da beschreibst, klingt aber schon nicht mehr nach dem üblichen Stinkstiefeln, wie man sie immer mal wieder trifft. Die Reaktion war derart übertrieben, dass ich denke, dass die Frau wahrscheinlich psychische Probleme hat. Sieh es so, dass sie arm dran und wahrscheinlich einfach insgesamt ein bisschen verstört ist. Vielleicht hilft Dir das, Dir das nicht so zu Herzen zu nehmen...

    Ich denke, das moralische Problem entsteht immer da, wo unseriöse Menschen die Verzweiflung anderer ausnutzen. Und das sind dann die Scharlatane, die vorgeben, Krebs oder böse Flüche vertreiben zu können.

    Ich kann mir nicht denken, dass jemand moralische Probleme mit Angeboten wie "Pfotenlesen" oder "Körbchen auspendeln" hat. Wer an solchen Dienstleistungen Interesse hat, bezahlt doch gerne und ohne Not diesen Luxus. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Geringverdiener sich grämt, dass die artübergreifenden Seelenverschmelzungskurse immer so kostspielig sind.

    Weniger flapsig: Wenn jemand an Homöopathie glaubt, glaubt er auch daran, dass die Präparate und der Therapeut ihr Geld wert sind. Wer nicht für "einfach nur Handauflegen" bezahlen will, ist eben beim Reiki an der falschen Adresse. Wenn man sich einfach nur kostengünstig in alle Richtungen absichern will - nach dem Motto "schaden kann's ja nicht" - dann kann man auch in der Kirche eine Kerze anzünden.

    Bei teurem Tinnef regeln doch auch Angebot und Nachfrage den Preis. Super Idee, Patent drauf, will jeder haben, soll gerne der Erfinder reich mit werden. Man ist ja nicht gezwungen, zu kaufen. Man kann sich ja auch selbst was ausdenken.

    Diese Regeln sind ein bisschen albern, das stimmt wohl. Ich glaube auch nicht, dass man genau diese Gesetze beachten muss, damit der Hund "funktioniert". Wölfe sind wir alle nicht, nichtmal der Hund, daher sind alle Regeln ohnehin erstmal ein abstraktes Konzept.

    Aber einem ängstlichen Hund tut es gut, Strukturen und Regeln zu haben. Welche das sind, ist im Grunde schnurz. Da kann man auch beschließen, dass der Hund zwar immer aufs Sofa darf, aber niemals die Abstellkammer mit der Futtertonne drin betreten darf. Man kann erlauben, dass der Hund bellt, wenn es klingelt, aber festlegen, dass er dafür in seinem Körbchen sitzen muss. Dass er die Teller in der Spülmaschine nur ablecken darf, wenn ich die Erlaubnis gebe. Dass alle Holzscheite für den Kamin mir gehören und er keins haben darf. Solche Dinge. Man muss sich ja keine Regeln machen, bei denen man sich selbst und den Hund verbiegen muss. Aber man kann sie so machen, dass man sich das Leben leichter macht.