Beiträge von Phantomaus

    Meines Erachtens brauchst Du nicht unbedingt ein neues Wort, um den normalen Rückruf zu festigen. Das Problem hängt nicht an der Vokabel.

    Ich würde erstmal darauf achten, dass das Rückrufwort nicht mehr verpufft. Also erstmal möglichst nur rufen, wenn der Hund sowieso schon auf dem Weg zu Dir ist, später dann, wenn er sowieso nichts besseres vorhat, und so weiter. Den Ablenkungsgrad nur langsam steigern. Und immer schön hoch belohnen - mehr ist mehr!

    Einen Ernstfall-Rückruf, z.B. mit Pfeife finde ich sehr hilfreich - zum Beispiel bei einem jagenden Hund. Gerade ein Pfeifton dringt schön tief ins Hundehirn vor und ermöglicht dem Hund - bei sorgfältiger Konditionierung auf Spitzen-Belohnung - eine automatische Umorientierung auch bei sehr starken Reizen.

    Die beiden Rückrufe würde ich getrennt trainieren. Im Grunde ist es egal, welchen Du als erstes machst, ich würde jedoch empfehlen, den normalen Rückruf zuerst anzugehen. Der ist ja einen Tick gnädiger, sonst bräuchte man schließlich keinen Superrückruf. Aber sei streng mit Dir und überleg Dir immer dreimal, ob Du jetzt wirklich rufen oder pfeifen willst. Wenn es nicht gerade um Leben oder Tod geht, ist es besser, es gar nicht erst zu versuchen, wenn der Hund vermutlich ohnehin nicht hören wird!

    Ich denke nicht, dass offizielle Nasenarbeit den Hund davon abhält, in seiner Freizeit weiter schnüffeln zu gehen. Aber die Idee hinter den ganzen Jagdersatz-Spielchen ist für mich, dass der Hund mit mir zusammen arbeitet und insgesamt ansprechbarer für mich bleibt. Da sie bei meinen Suchaufgaben natürlich anständigen Erfolg hat, rechnet es sich auch für den Hund, ihr Hobby auf Anfrage mal in vernünftige Bahnen zu lenken. Ich habe an Schnupperaktionen Dummysuch- und Wurfübungen, Geruchsdifferenzierung und Mantrailing im Programm.

    So ein bisschen eigenes, zerstreutes in der Gegend rumstöbern erlaube ich ihr weiterhin - falls ich dann doch mal was von ihr will, ist sie nämlich sofort da. Und nur darum geht's mir.

    Letztlich ist es einfach Geschmackssache, ob man einem Welpen vom Züchter oder einem Second-Hand-Hund ein Zuhause geben möchte. Diese ganzen Einzelfallbespiele verdeutlichen nämlich hauptsächlich eins: Hunde haben individuelle Charaktere.

    Genauso, wie es Geschmackssache ist, ob man einen Rüden oder eine Hündin haben möchte. Keiner ist besser oder einfacher als der andere, trotzdem werden charakterliche Unterschiede gern dem Geschlecht zugeschrieben.

    Bei der Rassewahl gibt es ebenfalls keine "offiziell richtige Entscheidung": Egal, welche Rasse Du in Betracht ziehst, es werden immer Leute aufzeigen und sagen: "Ich hab so einen, und der ist ganz anders, als Du glaubst!"

    Naja, ich sehe die anderen Leute im Winter nicht und die sehen mich nicht, ne?

    Obwohl ich bei jedem Wetter mindestens eine Stunde draußen bin, treffen wir im Winter nur selten jemanden. Es ist aber auch meistens dunkel und gut möglich, dass die anderen Leute

    a) woanders langgehen (höre von vielen, dass sie sich allein auf dem Feld im Dunkeln gruseln)
    b) zu anderen Zeiten gehen (viele sind in ihrem Tagesablauf flexibler als ich)
    c) einfach nur 10 Minuten vor oder nach mir losgegangen sind.

    Neulich im Feld: Jil kramt auf ihre übliche vielbeschäftigte Art in der Gegend rum, neben mir bremst ein Fahrrad:

    Frau: "Ist das Ihr Hund?"
    Ich: "Ähm, ja? *schon mal tief Luft geholt, um Hund ranzurufen, wegen was auch immer*
    Frau weiter: "Mist. Unserer sieht auch so aus, der ist vorhin abgehauen. Sie haben den nicht zufällig gesehen?"

    (Jetzt ist es ja nicht so, dass ich blonde Labbis auf Entfernung sicher auseinanderhalten könnte. Aber wenn ich mich fragen würde, ob das da vorn mein Hund ist, würde ich doch den Hund ansprechen und nicht irgendwelche Leute auf der Straße???)

    Bei den Showlinien ist es tatsächlich wahrscheinlicher, dass der Jagdtrieb nicht so ausgeprägt ist. Arbeiten kannst Du mit denen trotzdem ganz wunderbar, ist ja nicht so, dass die nix mehr können. Aber sie sind meist nicht so reizoffen wie die Leistungszuchten - das macht im Umgang vieles einfacher und das macht sie auch zu besseren Familienhunden.

    Radfahren und Joggen sollten ebenfalls überhaupt kein Problem sein. HD-Anfälligkeit heißt nicht, dass die Hunde sich nicht bewegen dürfen - im Gegenteil. Gute Muskeln stützen das Skelett. Natürlich erst damit anfangen, wenn der Hund ausgewachsen ist, aber das ist ja klar.

    Was ich nicht unbedingt mit einem Hund in dieser Größe und Statur machen würde, wären Agility mit Turnierambitionen, Frisbeefangen und andere sprung- und kehrtwendenintensive Sachen. Mal über einen Baumstamm oder einen Graben hopsen ist natürlich kein Problem!

    Achso, eine Frage habe ich noch übersehen: Für Deine Anforderungen sind beide Rassen meines Erachtens gleich gut geeignet - da gibt's keine großen Unterschiede. Intelligenz ist zwar so eine Sache, die ohnehin nicht gleichmäßig verteilt ist, aber Du kannst beim Tricks lernen davon ausgehen, dass Labbis und Goldes zumindest versuchen, ihr Bestes zu geben, wenn ein Leckerchen in Aussicht gestellt wird.

    Philos: Ich habe die Situation ehrlich gesagt erst geschnallt, als der Wanderer plötzlich loslachte. Und dann hat er noch den Hund geknuddelt und sich anspringen lassen, so dass sie für ihre Frechheit gleich mehrfach belohnt worden ist. Ich habe dem Herrn dann noch mein Notfall-Snickers angeboten, aber so hungrig war er offenbar doch nicht.