Beiträge von Phantomaus

    Das ist für deinem Freund aber auch ganz schön unangenehm/peinlich!

    Der tut unterwegs sowieso immer so, als ob er mich nicht kennt - wenn ich mit meinem Gassigürtel (Bauchtasche mit mehreren vollgestopften Fächern), meiner dreckigen Jacke, den Hardcore-Gummistiefeln und meiner Basecap ausgerüstet bin, sehe ich offenbar ohnehin nicht wie eine wünschenswerte Begleiterin aus.

    ... wenn es Dir total peinlich ist, wenn Dein Freund nicht ganz so hundegeschädigt ist wie Du und auf der Hundewiese einen freundlichen Hund arglos anspricht mit "Na, was bist Du denn für einer? Beagle meets Bloodhound?

    Und Du beinahe rot anläufst und ihn sofort laut verbesserst: "Himmel, das ist ein BGS! Ein Bayrischer Gebirgsschweißhund! Wie kannst Du Bloodhounds kennen, aber BGS nicht?"

    Und ich streichle den Hund auch noch ohne mich vorzustellen

    Das ist so süß!


    Bei Dalmatinern finde ich es aber auch schwer, die auseinanderzuhalten - obwohl es mit den individuellen Punkten ja eigentlich einfache sein müsste als zum Beispiel lauter gelbe Labbis voneinander zu unterscheiden. Aber das kann ich ;-)

    Eine Freundin hat mir mal zu Halloween ein Foto von einem Dalmi geschickt, bei dem alle Punkte zu Spinnen umgemalt waren. Ich habe echt minutenlang auf das Bild gestarrt und überlegt, ob sie das jetzt ernsthaft mit ihrem Hund gemacht hat, ob das eine Fotomontage ist – oder ein anderer Hund. Und ich bin damals fast jeden Tag mit ihr zusammen Gassi gegangen...

    Arglose Frage von Bekannten, die wir nicht oft sehen:
    "Das ist aber nicht dieser verdrehte Hund, den ihr früher mal hattet, oder?"


    Doch, das ist noch der selbe Hund. Da fällt einem dann wieder so richtig auf, wie gut sich das kleine Psychohäschen im Laufe der Zeit gemacht hat. :herzen1:

    Aber man ist natürlich schon ein bisschen pissig, dass diese Leute es einem offenbar zutrauen, das Psychohasi gegen einen anderen Hund ausgetauscht zu haben!

    Den richtigen Hundetrainer zu finden ist allerdings auch nicht ganz einfach. Ich selber war in den ersten zwei Jahren in vier Hundeschulen (die beiden, die ich mir nur angeguckt und direkt verworfen habe, nicht mitgerechnet) und habe außerdem bei 3 Trainern einzelne Einzelstunden genommen, um die Schwierigkeiten meines Hundes und mein Verhalten begutachten und coachen zu lassen. Es ist total schwieirg, die netten, aber unfähigen Trainer von den fähigen zu unterscheiden. Erst recht, weil einige von den fähigen auch eine Art am Kopp haben, die man abkönnen muss.

    Letztlich ist es bei Trainern auch nicht viel anders als im Forum - frag 5 Leute und Du hast 7 Meinungen. Das ist nicht alles Quatsch, was die sagen, aber manchmal passt es einfach nicht für den eigenen Hund und man muss halt etwas rumprobieren, bis man den richtigen Ansatz gefunden hat. Ein guter Trainer hilft Dir im Zweifel beim Rumprobieren, aber das geht auch nicht in einer Stunde.

    Was auch hilft: Ein Trainingstagebuch zu schreiben. Klingt affig, aber zum einen vergisst man die guten Tage dann nicht, zum anderen kann man damit Muster erkennen, was läuft und was nicht. Und außerdem hat man dann mit der Zeit einen handfesten Beweis, dass es besser wird!

    Ich habe auch noch einen simplen Alltagstrick: Wenn man irgendwo warten muss oder dem Hund signalisieren will, dass jetzt nichts passiert: Fuß auf die Leine stellen. (Die Handschlaufe kann man ja zur Sicherheit in der Hand behalten.)

    Das klingt so banal, aber es hat bei meinem Hund echt Wunder gewirkt. Wenn man beim Warten (Bushaltestelle, Restaurant, Tratsch mit Nachbarn) die Leine einfach nur in der Hand hatte, hat sie immer angefangen, in irgendeiner Form Mist zu machen und hampelte die ganze Zeit um einen rum. Mit Leine am Boden und meinem Fuß drauf macht sie Pause.

    Mit dem Fuß auf der Leine braucht man auch kein Kommando: Es ist egal, ob der Hund steht, sitzt oder liegt. Man muss nicht dauernd korrigieren oder den Hund ruckartig von irgendwas wegrupfen, wenn er Unfug macht. Man steht einfach locker mit dem Fuß auf der Leine und kann den Hund ignorieren, wenn er doch mal irgendwelche Faxen versucht. Die Leine hat dadurch immer den gleichen (kleinen) Radius und der Hund merkt ganz schnell, dass sich daran vorerst nichts ändert und man sich genausogut entspannen kann.

    Zur Zerstörungswut: Kauen baut Stress ab. Wahrscheinlich macht sie deshalb gerade so viel kaputt.

    Gib ihr was Eigenes zum Draufrumkauen und zerbeißen. Hier waren diese einfachen Knotentaue immer sehr gut dafür geeignet. Die sind nicht teuer, nicht voller Protein und relativ verletzungssicher. Angeblich pflegen sie sogar noch die Zähne. Ich habe sie früher im Zehnerpack gekauft, als mein Hund sich noch viel abreagieren musste und alle paar Tage eins durchgebissen hat. Sie hat sich die Dinger sogar eigenständig geholt und eine Weile draufrumgeknautscht, wenn ihr mal wieder alles zu viel wurde.

    Damit zeigt sie doch ihren Unmut. Dabei waren wir davor wie immer lange draußen und Freßen gab es auch. Normalerweise wenn ich um die Zeit Zuhause bin, döst sie nur in ihrer Ecke.

    Sie macht die Sachen höchstwahrscheinlich nicht kaputt, weil ihr langweilig ist, sondern weil sie ganz durcheinander und gestresst ist.

    Ich habe dieses ganze Theater mit komischem neuen Hund, der draußen so gar nicht auf mich reagiert, auch mit Jil durchgemacht. Du hast immerhin einen Hund, der auf Dich wartet und sich mal nach Dir umguckt - das ist eine super Basis, dafür habe ich Monate lang gebraucht!

    Es funktioniert auch nicht jeder Tipp bei jedem Hund - Du musst es ausprobieren und gucken, womit Ihr am Besten fahrt. Aber mach nicht alles auf einmal - sie ist so schon durcheinander genug. Schieb alle Sachen, die nicht hammerwichtig sind, für später auf. Mach erstmal nur die Sachen, die gut laufen und Spaß machen. Und ärgere Dich nicht über Dinge, die unterwegs schieflaufen - sowas passiert halt und meistens sind es ja nichtmal Katastrophen.

    Ein Herdenschutzhund tickt auch anders als ein Labbi. Vielleicht will sie auch nicht ständig Action haben, sondern es würde ihr gefallen, auch mal ein paar faule Tage zu haben, an denen es nur zwischendurch mal um den Block geht. Ich weiß es nicht - aber einen Versuch ist es wert.

    Konzentrier Dich erstmal darauf, dass ihr zusammen draußen entspannt. Sie ist an der Leine und kann nicht abhauen - das ist doch gar nicht so schlecht. Das nimmt ja auch für Dich den Druck raus, akkuraten Gehorsam einfordern zu müssen. Bleib an Schnupperstellen stehen, lass es langsam angehen und freunde Dich erstmal insgesamt mit ihr an. Das wird schon!

    Mein Hund kommt übrigens bei den Worten "Hey, Jil" noch begeisterter angeflitzt als bei unserem offiziellen Rückruf. Weil ich unbewusst scheinbar immer "Hey, Jil!" sage, wenn ich was Lustiges für Sie vorhabe.

    Es lohnt sich echt, MIT der Motivation des Hundes zu arbeiten - und nicht immer nur die doofe Trulla zu sein, die alles verbietet. Wenn man einen Hund hat, der draußen was erleben will, lässt sich das doch einrichten. Dafür muss man auch nicht den ganzen Spaziergang durch den Kasper machen – aber wenn man einmal raushat, was dem Hund Spaß macht, kann man zwischendurch immer mal wieder was Nettes und Überraschendes aus dem Hut zaubern.

    Du schreibst ja, dass Dein Hund verfressen ist. Das ist meiner Erfahrung nach für das Training super!

    Bei uns hat es mit dem Rückruf erst so richtig geklappt, als ich nicht mehr einzelne Leckerchen gegeben habe, sondern das Futter mit vollen Händen ausgeteilt habe. Es könnte für Euch ein guter Ansatz sein, wenn sie ihre komplette Futterration unterwegs von Dir bekommt. Ich habe mit der Methode gute Erfahrungen gemacht. Und dann nicht 500 gute Taten kleinklein belohnen, sondern 5 wichtige Sachen groß belohnen. Ein paar Dankeschön-Brocken für die kleinen Dinge natürlich auch nicht vergessen ;-)

    Mach zwischendurch auch was, was Dein Hund lustig finden könnte - kram im Laub, dreh einen Stein um, knibble an der Borke eines Baumes – und finde ein paar Leckerchen, die Du mit ihr teilst. Der Hund soll ja auch was erleben beim Spaziergang - wenn sie schon nichts scheuchen darf, kann sie trotzdem mit Dir zusammen auf Leckerchenjagd gehen!