Beiträge von Deliara

    Ja richtig, exakt so war es hier auch lange (insbesondere auch an der Schleppleine)! Und ich muss auch heute noch jede einzelne Strecke, an der sie an der Leine halbwegs vernünftig laufen soll, gesondert auftrainieren. Weichen wir bloß eine Querstraße von den eingeübten Wegen ab, ist sie prompt auf 180 und nicht mehr aufnahmefähig.
    Glücklicherweise kann ich inzwischen aber wenigstens fast überall ableinen, auch in unbekanntem Gebiet (sofern es nicht allzu viele Hasen dort gibt). Das nimmt uns beiden viel Stress. Ich lasse sie auch dann auch so hektisch und viel rumtitschen/rennen wie sie mag, hauptsache sie kommt auf Rückruf zu mir zurück. Und das klappt inzwischen Gott sei Dank. Zu Schleppleinenzeiten war ich selbst nervlich auch immer ziemlich gereizt wegen dieser permanenten Reinprescherei und hatte auch nicht wirklich Lust, neue Wege auszuprobieren.

    Das eigentlich Schlimme daran ist, dass "Normalhundehalter" das Problem oft einfach nicht verstehen und einem ständig mangelnde Erziehungsbemühungen vorwerfen :/

    Zur Ruhe zwingen geht bei uns auch nur selten. Ich erinnere mich mit Grausen an einen Spazierang irgendwo in Nürnberg im Urlaub. Hund war aus irgendeinem Grund auf 180, hing keuchend und hustend in der Leine, war absolut rein gar nicht mehr ansprechbar, hatte einen totalen "irren" Tunnelblick drauf und es war nicht ansatzweise an normales Laufen zu denken (ich weiß bis heute nicht, was der Auslöser war; sie stieg aus dem Auto und war halt so drauf). Ich hatte Schwielen an den Händen von der sch**** Leine, hab geschwitzt wie sonstwas im Sommer bei 33 Grad mit diesem bekloppten ziehenden Stier, dann hatten wir uns auch noch verlaufen und der Spaziergang nahm gar kein Ende mehr.. ich wusste mir dann nicht mehr zu helfen und hab das 23-Kilo-Kalb streckenweise getragen, wobei sie laut schreiend auf meinem Arm hing, als täte ich ihr gerade sonstwas an. Irgendwann konnte ich dann auch nicht mehr, wir haben uns auf eine Wiese gesetzt und ich hab sie am Geschirr festgehalten (Hund anfangs quitschend und sabbernd und sich windend) und gute 40min lang "zwangsbestreichelt". Und dann, nach 40min, löste sich tatsächlich plötzlich schlagartig die Körperspannung, sie drehte ganz langsam dem Kopf zu mir um, der Blick war wieder "normal", ein Seufzer, und sie legte sich mit dem Kopf auf mein Bein und schlief einfach ein. Ich kann das gar nicht richtig beschreiben, aber das war mein absolutes Horrorerlebnis und seitdem verzichte ich auf lange (neue) Strecken, auf denen sie an der Leine gehen muss. Im Freilauf kompensiert sie ihren Stress gut durch Bewegung und Rennerei, aber an der Leine sind neue Eindrücke jedes Mal aufs Neue wieder eine Vollkatastrophe (Ausnahme sind komischerweise überfüllte Innenstädte, da ist sie top).

    Für mich wäre diese Hundeschule nichts. Ich war ganz zu Anfang auch mal in einer Gruppe, wo es um so Dinge ging.. perfektes Fußlaufen, Wendung mit Leinenwechsel hinterm Rücken, Sitzen bei Fuß mit Schulterkontakt am Bein, Stillsitzen, etc. pp. Mein Hund hatte da keine Lust zu und ich hab mich sehr schnell gefragt, was ich hier eigentlich mache... weil das alles für mich nämlich überhaupt gar nicht wichtig war und ich im Alltag so gut wie gar nichts davon brauchte bzw. der Hund draußen im Leben auch anders "funktionierte".. bin dann aus der Gruppe rausgegangen und in eine Gruppe gewechselt, die irgendwie "lebenspraktischer" gearbeitet hat. Der Hund hat dann zwar auch gelernt bei Fuß zu gehen, aber nicht auf dem Platz, sondern in "natürlichen" Situationen (Waldweg, an Spaziergängern/Joggern vorbei usw.). Ansonsten wurde dort auch viel in Richtung Beschäftigung gemacht mit Dummys usw.

    Für mich fällt das, was du beschreibst, auch nicht zwingend unter Erziehung, sondern mehr unter Dressur. Erziehung ist alles, was der Hund an Verhaltensregeln für seine "Gesellschaftstauglichkeit" braucht, und dazu gehört für mich sowas nicht. Aber das sieht sicher jeder anders :smile:

    Interessanter Thread.

    Ich bin nicht sicher, ob wir hier reinpassen, aber zumindest im Welpen- und Junghundealter habe ich mich oft gefragt, ob Leni an der Grenze zur Hyperaktivität kratzt. Sie war ständig in Bewegung, hibbelig, oft überhaupt gar nicht ansprechbar, sie hat in den ersten 1,5 Lebensjahren nie länger als 3 Stunden am Stück geschlafen (das war wirklich übel :sad2: ), wenn sie wach war, wollte sie Action (hat sie die nicht bekommen, ist sie in blinde Zerstörungswut verfallen), sie ist überhaupt nur eingeschlafen, wenn ich sie festgehalten und "bewegungsunfähig" gemacht habe, sie konnte sich oft schlecht konzentrieren, war aber gleichzeitig "heiß" auf jedes Arbeitsangebot und ist auf jeden klitzekleinsten Impuls angesprungen (es führte nur seltenst zu was mangels Konzentrationsfähigkeit). Gehen kannte sie als Gangart auch nicht, sie war nur im Renntempo unterwegs (super, auf 50qm² :D ). Dazu kam noch, dass jede Veränderung im Tagesablauf sie komplett aus der Bahn geschmissen hat. Sie brauchte wirklich einen absolut regelmäßigen Tagesablauf (und braucht das auch heute noch), um auch nur ansatzweise runterfahren zu können. Wird ein Parameter verändert, wird sie hektisch, unsicher und findet keine Ruhe.

    Das einzige, was recht schnell super funktioniert hat, war die freie Dummysuche und überhaupt alles, wo sie sprinten konnte. Da klappte es dann auch mit der Konzentration :smile: Ich denke, sie hatte einfach schon den Drang zu arbeiten, nur "konnte" sie eben nur das, was ihr von der genetischen Disposition her auch liegt.


    Komischerweise hat sich das aber plötzlich recht abrupt gelegt alles. Wir können zwar immer noch nicht wirklich viel Kopfarbeit machen, weil sie dann einfach aufdreht, in Stress verfällt und sich nicht richtig konzentrieren kann. Aber sie ist zumindest alltagstauglich und kann Ruhe halten. Wir können ins Restaurant, ohne dass sie schreiend unter dem Tisch steht, sie schläft nachts durch, und sie kann GEHEN - herrlich :D
    Nur an der Leinenführigkeit hapert es nach wie vor/Langsamgehenmüssen stresst sie so massiv, dass sie laut fiepend mit geducktem Rücken neben mir herläuft und trotz aller Anstrengungen ständig in die Leine brettert. Ich habs aufgegeben. Und der strukturierte Tagesablauf muss halt sein.

    Ich gebe ehrlich zu, dass ich meinen Hund auch nach der Optik ausgesucht habe. Meine ist ein Pointer/Münsterländer und bei mir haben auch alle die Hände überm Kopf zusammengeschlagen, als ich mit diesem Mix als Hundeanfänger um die Ecke kam. Meine Überlegungen damals gingen auch in die Richtung, dass ich gerne einen "aktiveren" Hund hätte und dachte, den Jagdtrieb schon irgendwie in den Griff zu bekommen. Charakterlich ist sie toll und ich würde sie nicht mehr missen wollen :smile: ABER: die ersten 2 Jahre waren nicht nur eine "Herausforderung", sondern ein Fulltimejob - irgendwo zwischen Auslastung und Überlastung, "Ruhe lernen", Schleppleinentraining, Impulskontrolle, Jagdersatzbeschäftigung und jeder Menge beidseitigem Frust. Und es war ganz sicher nicht das, was ich mir unter Hundehaltung vorgestellt hatte! Dieser Hund war ein hyperaktiver Torpedo, der auf jeden Minimalimpuls angesprungen ist (dazu reichte auch ein Aufstehen vom Sofa abends) und Action eingefordert hat.

    Ehrlich gesagt klingen mir eure Vorstellung etwas naiv. Es spricht nichts dagegen, sich einen solchen Hund anzuschaffen, aber man sollte sich darüber bewusst sein, was man sich ins Haus holt, welche Anlagen und Bedürfnisse der Hund mitbringt und was arbeits/trainingstechnisch auf einen zukommt. Wenn man bereit ist, konsequentes Antijagdtraining und Jagdersatzbeschäftigung zu betreiben, kann es durchaus gut gehen. Aber diese Bereitschaft muss eben gegeben sein, und selbst dann gibt es mit mit einem solchen Hund sicherlich immer wieder Phasen, die extrem anstrengend sind, insbesondere in der Junghundezeit. Bei uns ist mit ca. 2,5 Jahren endgültig der Knoten geplatzt und heute kann sie (außer wenn Hasen in der Nähe sind, dann geht einfach nichts) weitgehend frei laufen und wir haben das richtige Maß zwischen Auslastung und Ruhe gefunden. Aber das war ein langer, zwischenzeitlich auch steiniger Weg und ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir kein Welpe oder Junghund derart disponierter Rassen mehr ins Haus kommt. So toll sie charakterlich auch vom ersten Tag an war/ist :smile:

    Ich meine, dass Hunde durchaus anschlagen dürfen, solange sie insgesamt nicht länger als 30min am Tag bzw. 10min am Stück bellen. Wenn dein Hund darunter bleibt, würde mir das Gerede der Nachbarn relativ vorbeigehen, glaube ich :ua_nada: Ich wüsste zumindest nicht, wie man das abtrainieren können sollte in Abwesenheit.

    Erstmal tut es mir sehr leid für dich, dass du deinen Hund gehen lassen musstest :sad2:

    So wie sich dein Posting liest, finde ich allerdings nicht, dass du dir Vorwürfe machen solltest. Dem Hund ging es bereits schlecht, er hatte Schmerzen, Erbrechen, innere Blutungen, etc. - das hat doch keine Lebensqualität mehr! Und wie du selbst schreibst, macht jede OP Schmerzen. Ich hätte meinem Hund das auch nicht mehr zumuten wollen, insbesondere auch in Anbetracht der schlechten Prognose. Es gehört viel Stärke dazu, diese Entscheidung für seinen Hund zu treffen, und dafür hast du meinen tiefen Respekt. Es war sicherlich die richtige :hug:

    Zitat

    Warum gehst du in die Hundeschule, wenn dein Hund im Alltag hört?
    Wenn ihr keine Probleme habt, lass doch die Hundeschule weg.


    Würde ich auch so sehen. Sei doch froh, dass es so und nicht andersum ist :D

    Vielleicht ist sie in Anwesenheit anderer Hunde nicht "arbeitsfähig"?