Wenn ihr euch für diese Hündin, oder irgendeinen anderen Angsthund, entscheidet, das allerwichtigste, Mitleid ist der aller aller schlechteste Begleiter um mit solchen Hunden zu arbeiten!
Auch in wattepacken und angstauslöser umgehen hilft nicht, denn man kann nur lernen mit etwas umzugehen wenn es immer und immer wieder passiert.
"Mitleid" im ausgeprägteren Sinne ist definitiv nicht meine Intention. Das hört sich vielleicht hart an, aber ich denke, es gibt genug Fälle, in denen TS-Hunde von Menschen adoptiert wurden, die einfach vor Mitleid zerflossen.
Ich glaube nicht, dass das eine gute Arbeitsgrundlage wäre - geschweige denn ein Adoptionsgrund. Es stellt sich die Frage, wie lange Mitleid im Alltag bestehen kann, wird man vor die Probleme eines solchen Hundes gestellt.
Viel Romantik und Idealismus (ok, den hab ich definitiv, aber aus anderen Gründen) gehen mit Mitleid einher und ich denke, damit kann man dem Hund nur schlecht gerecht werden.
Klar, sie tut mir auch leid, die Bambi...aber das nimmt nicht überhand.
Vermutet wird übrigens, dass das Mädchen aus Tschechien oder Polen kommt. Da sie einen Umweg über eine weitere PS ging, ist das nicht so ganz klar.
Definitiv war sie Zuchthündin, trotz allem kam sie in einem (körperlich) wohl wenig desolaten Zustand nach Deutschland.
Der Ansatz der Pflegestelle, die Arbeit dort mit Bambi, gefällt mir eigentlich sehr gut.
Ich würde auch nicht sagen, dass der beschrittene Weg dort kontraproduktiv für die Hündin ist - wobei man natürlich nie sagen kann, wie sie sich unter komplett anderen Grundbedingungen entwickelt hätte.
Das Prinzip, welchem die Pflegestelle sich verschrieben hat, wäre in den Grundzügen auch meins.
Ich glaube nicht (ich bin auf dem Gebiet "Deprivation" Laie, korrigiert mich also ruhig, wenn ihr grobe Schnitzer entdeckt), dass man bei einem solchen Hund wie Bambi Lernleistung über Flooding erreichen kann.
Wenn Gehirnstrukturen bzw. Verknüpfungen in reizarmer Aufzucht/Haltung keine Chance hatten sich zu entwickeln, fehlen meines Verständisses nach auch die Grundvorraussetzungen, um überhaupt generalisieren zu können.
Heißt für mich: Auch die wiederholte Konfrontation mit dem Angstauslöser bringt wenig bis keine Lernerfahrung. Angst ist ja bereits ein bedrohlicher, schlimmer Zustand - der Hund wird also nicht lernen können, dass ihm nichts passiert, denn es PASSIERT schon etwas: Angst.
Nachdem ich nun schon eine Weile darüber nachgedacht und auch mit der PS gesprochen habe, wäre meine Vorstellung von "Hilfe für Bambi" zunächst, vor allem anderen: Beziehung.
Vor irgendwelchen Techniken der Desensibilisierung oder Gegenkonditionierung (falls diese überhaupt greifen würden), müsste Beziehung her. Das klingt total profan, merke ich gerade, meine Patentlösung....aber ich glaube, dass die Chance, zu diesem Hund durchzudringen sofern es möglich ist, eben Arbeit an Vertrauen bedeutet.
Diese "Philosophie" nun, Vertrauensarbeit, beißt sich meiner Ansicht nach zunächst mit den Techniken der Reizüberflutung.
Bambi ist nicht nur leicht zu erschüttern, sie gerät, wie @Sjerri schon sagt in einen namenlosen Zustand des Entsetzens.
Sobald Druck vom Menschen kommt, reagiert Bambi mit bedingungslosem Rückzug in sich selbst.
Wird der Druck zu stark, beispielsweise beim Training mit der Leine, kotet sie sich ein und lässt sich nicht zurückholen aus ihrer Welt des Grauens.
Allerdings ist es nicht so, dass sie keine Fortschritte macht! (Wer das Tagebuch gelesen hat, wird es ja schon mitbekommen haben)
Die Fortschritte allerdings, die sie gemacht hat, würde ich eher als Resultat von Beziehungsarbeit sehen als als das Ergebnis von gezieltem Training.
@PfotenKumpel : Vielleicht reden wir aneinander vorbei, ich weiß es grad nicht...das war nur meine persönliche Ausführung zum Thema "Explorationstraining bei Angst".
Falls du noch ausführen möchtest, wie dein Weg bei so einem Fall aussehen würde, würde mich das wirklich sehr interessieren!
Ich denke, man muss Dich nicht persönlich kennen, um allein durch diesen Thread den Eindruck zu haben, dass Du sehr verantwortungsvoll bist und keine vorschnellen Entscheidungen triffst.
Es ist schön, diese Rückmeldung zu bekommen! Danke dir!
Ich habe es inzwischen aufgegeben, hier in einigen Themen mit den immer gleichen Leuten über die ewig gleichen Fragen zu diskutieren. Bin ja auch schon ein Weilchen dabei...und es wiederholt sich einfach alles.
Manchmal juckt es mich in den Finger, im Endeffekt ärgere ich mich dann aber nur.
Ich mag das DF und konnte/kann eine MENGE für mich herausziehen (alleine dieser Thread ist und war Gold wert für mich)...manche User gehen mir aber schlicht auf den Keks. Und dafür ist mir dann meine Antwort zu schade.
Können die sie überhaupt hergeben?
Nein, wenn es nach der PS geht, wäre Bambi schon längst zu Hause angekommen.
Das Problem ist, dass sich diese PS mitten in Berlin befindet und die verschiedenen Risiken dort in der Innenstadt einfach zu hoch sind.
Es gibt ja nicht nur wilde Welpen/Junghunde auf der einen Seite und solche Fälle wie Bambi auf der anderen... Das ist schon ein bisschen schwarz-weiß, oder?
Natürlich ist das schwarz-weiß!
Momentan kommen aber auch nur diese beiden akuten Möglichkeiten in Betracht: Entweder ein Kleinpudel Welpe vom Züchter...oder Bumblebee.
Das Attribut "ängstlich" trifft es bei solchen Hunden auch einfach nicht wirklich. Wie gesagt, meine eigene Hündin ist ängstlich, daran kann man arbeiten. Ein Angsthund ist einfach... dem zieht es in manchen Situationen den Boden unter den Pfoten weg. Das ist nicht einfach nur ein bisschen Angst, die da hoch kommt, sondern die tief verwurzelte Erwartung eines namenlosen Schreckens. Ich kann es nicht anders beschreiben, aber so habe ich es erlebt.
Ja, ich finde diese Beschreibung sehr gut!
"Ängstlich" ist wohl ein weeeenig tief gestapelt, da gebe ich dir Recht!
Ich hatte im Rahmen meines zweijährigen Praktikums mit Angsthunden zu tun - allerdings nicht annähernd mit einem Fall in Bambi-Dimensionen.
Im Endeffekt weiß ich nicht, worauf ich mich einlasse, da alle möglichen Optionen, wie es weitergehen könnte, zur Auswahl stehen:
Verbesserung, Verschlechterung, Stagnation, Schwankungen usw.
Hast du sie schonmal live gesehen? Sorry, falls ich es überlesen habe.
Nein! Noch nicht. Ich habe einige Videos geschickt bekommen und habe die besagten langen Telefonate geführt.
SOLLTE es ernst werden, würde ich sie aber selbstverständlich in Berlin besuchen.
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Langer Rede Zusammenfassung:
Die Grundvoraussetzungen zu Bambi sind weiterhin
-eine Cala, die einigermaßen stabil guter Dinge ist
-eine neue Wohnung mit entsprechendem Garten
-eine eindeutige Entscheidung meinerseits
-ein sich-grün-sein der beiden Hauptprotagonisten Bambi und Cala
-Rückhalt aus dem gesamten Familienkreis