Ich habe gestern in einem Rutsch "Ein Tag zu lang" von Marie NDiaye durchgelesen und fühlte mich anschließend mies.
Tatsächlich ziemlich mies.
Das Buch ist einfach komplett verstörend und unkomfortabel. Das las ich nicht aus Freude dran weiter, sondern weil ich mich nicht lösen konnte. Es entwickelt schon einen Sog.
Vater, Mutter und Sohn überziehen ihren Sommerurlaub irgendwo im französischen Niemandsland um einen fatalen Tag. Sie verweilen einen Tag zu lang.
In der Folge verstrickt sich der Vater (seine Frau und sein Sohn sind auf unerklärliche Weise einfach verschwunden) immer tiefer in der grotesken und beängstigenden Parallelwelt des Urlaubsdorfes.
Die Anklänge an Kafka sind allgegenwärtig. Auf der Suche nach seiner Familie wird er von allen dörflichen Institutionen abgewiesen.
Man legt ihm nahe, sich in das Dorfleben einzufügen. Dann könne er vielleicht damit rechnen, Frau und Sohn noch einmal wiederzusehen.
Ihm wird prophezeit, in gewisser Weise würden sie noch am Leben sein.
In der Folge wird es immer bizarrer und verstörender.
Das Buch beinhaltet keine Elemente von Horror oder Thriller, es ist wirklich ziemlich genau das Stimmungsbild, was Kafka erschuf: Das Fremde und die Selbstentfremdung, eine bedrohliche Schemenhaftigkeit, bizzares muss als neue Wirklichkeit angenommen werden.
Ganz arg.
Das wird mir nachhängen.