Beiträge von lilactime

    Teetrinkerin

    Habe "Das Gleichgewicht der Welt" nun beendet und schließe mich deinem Eindruck an.

    Ein deprimierendes (wenn auch irgendwie konsequentes) Ende.

    Alles in allem aber ein lesenswertes Buch. Die Dialoge irritierten mich zum Teil, wirkten hölzern - da frage ich mich dann oft, ob es ein Übersetzungsproblem ist, wenn das Buch innerhalb eines speziellen, mir ganz fremden Kulturkreises spielt.

    Bei "Damals in Nagasaki" von Kazou Ishiguro zB fand ich die Dialoge nahezu unlesbar. Da vermutete ich stark, dass es lediglich authentisch war...

    " Die Krankenschwestern haben alle den gleichen Haarschnitt und benutzen, um das Trostlose in ihrem Gesicht zu betonen, lieber keine Schminke."


    Ganz ehrlich, will man als Frau sowas lesen? Ist ein weibliches Gesicht nur dann nicht trostlos, wenn es geschminkt ist?

    Ich verstehe den Satz nicht so ganz.

    Trostlosigkeit, lesbar in einem Gesicht, muss ja nun gar nichts mit der Physiognomie der jeweiligen Frauen zu tun haben.

    Wär doch ungewöhnlich, wenn ein ganzer Haufen an Krankenschwestern durch einen irren Zufall kollektiv die Trostlosigkeit im ungeschminkten Gesicht eingeprägt hätte, quasi gottgegeben.

    Hieße für mich, es geht hier eher um einen Gesichtsausdruck, vielleicht eine Spiegelung der Umstände im Gesicht der Schwestern? Ich kenn ja den Kontext nicht...

    Die fehlende Schminke wäre somit nur eine sarkastische Anmerkung der Erzählerin.

    Oder ist der Dampfer komplett falsch?

    Meine Top/Flop-5 aus 54 gelesenen Büchern in 2020:

    Top:

    1. Franz Werfel - Der veruntreute Himmel

    2. Dörte Hansen - Altes Land

    3. Dörte Hansen - Mittagsstunde

    4. Philippe Claudel - Brodecks Bericht

    5. Marie NDiaye - Ein Tag zu lang

    Flop:

    1. Delia Owens - Der Gesang der Flusskrebse

    2. Anna Katharina Hahn - Das Kleid meiner Mutter

    3. Kazuo Ishiguro -Der begrabene Riese

    4. E. M. Forster - Wiedersehenin Howards End

    5. John Irving - Garp und wie er die Welt sah

    Rohinton Mistry - Das Gleichgewicht der Welt

    Es ist Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe, aber ich weiß noch, dass ich bedrückend und hoffnungslos fand. Das Buch hat mich sehr bewegt und ziemlich traurig zurück gelassen.

    Ich kann es noch nicht abschließend sagen, bin erst bei der Hälfte.

    Vom indischen Kastenwesen habe ich nicht viel Ahnung, daher finde ich die Einblicke sehr interessant...wenn auch bitter.

    Viele sagen, der erste Teil ist der schwächere und erst in Teil zwei und drei nimmt das Buch richtig an Fahrt auf und wird interessant. Das empfinde ich nicht so. Im ersten Teil werden Ereignisse von mehreren Perspektiven beleuchtet. Die Erzählweise ist manchmal schon fast qäulend langsam - und das meine ich nicht nur negativ, sondern empfinde es als stilistisch unglaublich gut. Vor allem, wenn es auf das unausweichliche Ereignis zuläuft, die Geschichte an Dramatik gewinnt, das Tempo aber immer noch langsam voranschreitet, ist es für den Leser fast unerträglich, in dieser Geschwindigkeit weiterzulesen

    Habe den Roman neulich auch abgeschlossen.

    Aufgrund des ersten Teils hätte ich das Buch fast abgebrochen.

    Die minutiöse und sehr psychologisch orientierte Erzählweise war dabei allerdings nicht mein Problem.

    Ich mag das.

    Was gar nicht ging:

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    Der komplette erste Teil ist dermaßen schamlos und unrealistisch durchkonstruiert, dass ich irgendwann richtig sauer wurde.

    Lässt man sich mal auf der Zunge zergehen, was alles an schicksalsschwangerem Ereignis in einen einzigen Tag, von dem der erste Teil berichtet, gestopft wird, wirds einfach seltsam.

    Vor allem die absurde Häufung an Missdeutungen durch die ständig überall anwesende und nervtötende Briony verdarb mir das Buch fast.

    Alle drei Zeilen dachte ich "na was für ein glücklicher Zufall für den Plot..."

    Von Lovenberg hat geschrieben, Briony ist "moralisch fragwürdig und doch höchst smpathisch". Mir wurde Briony nie richtig sympathisch,

    Mir auch nicht.

    Nie.

    Ich fand sie moralisch fragwürdig plus mal mehr und mal weniger nervig - aber nie auch nur ansatzweise sympathisch.

    Zudem scheint mir der Bruch in der Person Briony im Verlauf der drei Teile wenig authentisch.

    Trotzdem fand ich Teil 2 und Teil 3 sehr lesenswert, dicht und spannend geschrieben.

    Unsere schon ältere Nachbarin winkt mich zu sich und zeigt auf ein undefinierbares Gewächs:

    "Ist das Sauerampfer? Mir sieht das nicht aus wie Sauerampfer..."

    Ich: "Keine Ahnung, sieht entfernt so aus. Ich guck mal in meine Pflanzen-App, dann wissen wir es."

    (hole Handy raus und tippe drauf rum)

    Als ich kurz hochschaue, sehe ich meine Nachbarin nachdenklich kauen.

    "Hat sich erledigt, ist kein Sauerampfer."

    Ok.

    Wie wird man mit dieser sehr mutigen Einstellung zur teilweise doch auch mal giftigen Vegetation eigentlich älter als 8?

    Beendet:

    "Die Gabe" von Naomi Alderman

    Dystopie bzw alternative Realität, die etwas ans unsägliche "Yin" von Pirincci erinnerte - allerdings nur thematisch.

    Vorherrschaft der Frauen auf dem Planeten.

    Ich fand es nett zu lesen, aber irgendwie war es nicht mein Genre.

    "Die Klavierspielerin" von Elfriede Jelinek

    Hat man sich erstmal an Jelineks Wortspielereien und die enorme Metaphernflut gewöhnt, finde ich sie sehr spannend. Unverwechselbar.

    Die Geschichte einer Frau, die unter den Händen ihrer boshaften Mutter zu einem komplett verformten, verbogenen Menschen heranwächst.

    Als Klavierlehrerin wird sie von einem ihrer Schüler umgarnt, was letztendlich in einer pervertierten Katastrophe endet.

    Fand das Buch sehr eindrucksvoll.