Beiträge von anymouse

    Aus meiner Bekanntschaft gab es auch so einen Fall, im Einzelhandel tätig und daher musste der Hund auch 8h, eher 9h (blöde Bus-Strecke) alleine bleiben, an 5 Tagen in der Woche. Kurze Mittagsbetreuung war stressiger als längere Abwesenheit. Das ganze ging prinzipiell gut, aber auf die Dauer nicht so toll. Dann bekam der Hund zwei Wohnungskatzen als Haustier und Gefährten, was die Situation dann deutlich in Guten veränderte.

    Das hier

    Bezüglich Gesellschaft habe ich 6 Katzen mit denen versteht er sich sehr gut und alle putzen sich gegenseitig oder albern auch mal rum.

    kann also einen sehr großen Unterschied machen!

    (Für die 10h-Schichten im Weihnachtsgeschäft kam der Hund dann anderweitig unter.)

    NRW hat, meine ich, eine Liste, in der Vorfälle ins Verhältnis gesetzt werden zur Gesamtzahl, da ist das nach meiner Erinnerung genau so.

    Nein, eben nicht.
    Beispiele aus https://www.mlv.nrw.de/wp-content/upl…t_2020_2021.pdf
    (inkl. Zusammenfassung 2012-2021 -- 10 Jahre):

    "Beißvorfälle Mensch in v.H. bezogen auf die gemeldete Population der jeweiligen Jahre"
    Am. Staffordshire Terrier 0,26

    Rottweiler 0,31

    Dobermann 0,26

    Schäferhund 0,22

    Dogo Canario 0,23

    Hier gibt es einen deutlicheren Unterschied:

    "Beißvorfälle mit Verletzungen bei anderem Tier i.v.h. bezogen auf die gemeldete Population der jeweiligen Jahre"

    Am. Staffordshire Terrier 0,50

    Rottweiler 0,41

    Dobermann 0,25

    Schäferhund 0,29

    Dogo Canario 1,55


    Ja, der Am. Staffordshire Terrier ist sehr auffällig. Aber eben kaum weniger auffällig als "Deutscher Schäferhund" oder "Rottweiler".


    Übrigens wird immer die "Anzahl Beißvorfälle" gezählt, nicht "Anzahl beteiligter Hunde". Ein einziges Exemplar, was für viele Vorfälle verantwortlich wäre, könnte bei der geringen Anzahl an Fällen daher die Rasseeinschätzung deutlich beeinflussen.

    Und um den Kreis zu allgemeinen Hundeverordnungen etc. zu schließen:

    Mir fehlt hier eine begriffliche Skala von "Gefährlich".

    Jeder Hund ist gefährlich -- das sagt das BGB in Form der "Allgemeinen Tiergefahr", und das gilt für alle Tiere.

    Es sind bestimmte Hundindividuen gefährlich -- sagt §3 Abs. 3 Ziffer 1-4 LHundG NRW (die Ziffern 5 und 6 lasse ich hier einmal weg).

    Die BGB-Gefährlichkeit auf der einen Seite und die LHundG-NRW-Gefährlichkeit auf der anderen Seite - dazwischen gibt es ein Spektrum, aber alles wird mit "gefährlich" bezeichnet.

    Ich glaube, dass einzelne Hunde unterschiedlich gefährlich sind, und dass dies auch deutlich durch die Rasse beeinflusst wird.

    Dies schließt nicht aus, dass durch entsprechende Erziehung (oder wie auch immer man es nennen möchte) Exemplare einer "stärker gefährlicheren Rasse" ein vergleichbares Risiko bedeuten wie Exemplare einer "weniger gefährlicheren Rasse". Aber es bedeutet auch, dass die Erziehung (auch) auf die Rasse ausgerichtet und entsprechend angepasst sein muss.

    Aus den Statistiken kann ich ein unterschiedliche Risiko von Hunderassen herauslesen. Und ja, ich finde einen Amerikan Staffordshire Terrier gefährlicher als einen Deutschen Schäferhund.

    Was ich aber nicht ableiten kann und wo ich auch eine andere Meinung habe ist, dass einen signifikanten drastischen Gefährlichkeitsunterschied zwischen einen Deutschen Schäferhund einerseits und einem Amerikan Staffordshire Terrier andererseits gibt, der berechtigt, wenig bis keine Auflagen für den ersten, aber Zuchtverbot und strenge Auflagen für den anderen zu fordern. Und das ist das, was mich anden Gesetze so stört. Da fehlt mir einfach der Graubereich zwischen Schwarz (AmStaff) und weiß (Großpudel?).

    Für mich gibt es hier drei Aspekte bei einer derartigen Tat:

    • Wie hoch war die überschrittene Reizschwelle, damit es überhaupt zu einem Vorfall kommt?
    • Wie stark agiert der Hund, bevor der Hundeführer eingreifen kann?
    • Wie weit lässt sich der Hund durch den Hundeführer nach der Anfangsreaktion und während der Handlung beeinflussen?

    Ich glaube, die Ausgangssituation war eher ungewöhnlich; nein, das meint nicht einfach eine Begegnung mit einem Jogger, sondern die Begegnung mit Sturz der Hundehalterin. Allerdings finde ich sie auch nicht extrem ungewöhnlich, wie etwa ein brechender Karabiner oder eine reißende Leine. Ich vermute, wenn die Halterin nicht gestürzt und dadurch verwirrt gewesen wäre, wäre die Situation anders gelaufen; allerdings halte ich einen Sturz oder ein vergleichbares Ereignis vorübergehender eingeschränkter Handlungsfähigkeit des Hundeführers für anzunehmen.

    Zu Punkt zwei und drei:

    Hier waren drei Hunde einer Gruppe (Rudel?) beteiligt. Dies überstieg zum einen die physikalische Handhabbarkeit der Halterin, zum zweiten ergibt sich durch die Gruppen-/Rudeldynamik eine geänderte Situation.

    Außerdem waren es drei Hunde aus einer ursprünglich jagdlich orientierten Rasse mit dem Ziel "Eliminierung eines wehrhaften Ziels". Ich weiß nicht, wie diese Ambitionen mittlerweile herausgezüchtet wurde.

    Zum dritten waren es große Hunde, die einfach physikalisch größeren Schaden anrichten.

    Ich glaube, dass bei dem "Zerfleischen" gar keine extrem außergewöhnliche Aggressivität der drei Hunde zu Tage trat. Das waren drei große Hunde, die eine gewisse Dauer Zeit hatten. Wenn man bedenkt, wie stabil Hundespielzeug sein sollte, und ich es mit einem menschlichen Körper vergleiche, wundern mich schwere Zerfleischungen gar nicht. Auch nicht, dass dabei Fleisch-/Körperteile nicht ausgespuckt, sondern heruntergeschluckt werden.

    In dem Moment, als die drei Terrier auf die Frau losgingen, nur ein bis zwei dabei einen Maulkorb trugen und die Halterin alleine war, war das Ergebnis kaum zu ändern.

    Ja, ich glaube, die Rasse spielt hier eine gewisse Bedeutung.

    Ob sich das ganze Herdenschutzhunden, Deutschen Schäferhunden, Labrador-Retreivern, Mastiffs oder Berner Sennenhunden ebenso zugetragen hätte, weiß ich nicht, ausschließen möchte ich es nicht.

    Ob es bei drei Jack-Russell-Terriern zu einem gleichartigen Verhalten der Hunde (aber physikalisch anderem Ergebnis) gekommen wäre, kann ich auch nicht sagen.

    Genau das ist der Punkt, der mich so erschreckt: Was an der Situation mit der Joggerin in Naarn war so außergewöhnlich, außerordentlich, dass die Hunde ein dermaßen erschreckendes Verhalten gezeigt haben?

    "Erschreckend" aus Sicht der menschlichen Moral, oder "erschreckend = außerordentlich aus hündischer Sicht"?

    Rein spekulativ könnte ich mir eine Mischung aus einigen, für sich einzeln unkritischen Faktoren herbeiphantasieren, deren gemeinsames Eintreten zum tatsächlichen Ergebnis führte - ob und wie weit jeder Punkt auch wirklichkeitsnah ist, habe ich keine Ahnung:

    • Leichte Grundanspannung der Hunde bereits vorher - Wurf im Haus, also Nachkommen um die sich die Hunde sorgen, aber auch damit verbunden erhöhter Personenverkehr mit genau diesen zu schützenden Nachkommen (Zuchtwart, Tierarzt, Interessenten, ...)
    • Kein neutrales oder gar freundliches Verhältnis gegenüber der Nachbarin; nicht im Sinne des Steineschmeißens, sondern eher "Das ist diejenige, die zu nahe ist, sich nicht vertreiben lässt und auch nicht zur Gruppe gehört".
    • Das Chaos im Moment der Begegung, einschließlich des Sturzes der Halterin. Hier wäre der tatsächliche Ablauf sehr interessant, leider (aus Sicht der Recherche) dürfte dies nicht zu rekonstruieren sein.
    • Die Rudel- bzw. Gruppen-Dynamik; mehrere miteinander vertraute Tiere, die gemeinsam handeln.
    • Der Rassenhintergrund (Jagdhund, Terrier, ...), der einen gewissen Jagdinstinkt mit sich bringt, auch wenn sich das Ziel wehrt.
    • Ein Mensch ist viel "zarter" als das vor 100+ Jahren vorgesehene Ziel des Rassenursprungs: Wilschwein, Bär, Bullen, ...

    Ich frage mich, ob das Handeln des Hunderudels hinsichtlich Anzahl und Schwere der Bisse deutlich anders gewesen wäre, wenn es sich nicht um einen Menschen, sondern ein Wildschwein gehandelt hätte (nur wäre das Wildschwein wahrscheinlich eher 'nur' schwer verletzt davon gekommen).

    Hat jemand von euch ein Igelhaus im Garten? Wird das genutzt?

    Einige explizite aus Holz. Nutzung ist mäßig, sag ich mal (außer zu Futterzwecken). Das größte Problem scheint mir die Unterlage: Holz sollte aus Haltbarkeitsgründen nicht direkt auf dem Erdreich stehen; eine Betonplatte o.ä. darunter scheinen Igel nicht zu wollen -- wohl zu hart, zu kalt (Wärmeleitung), zu nass/feucht (Regen und Tau läuft hinein), ...

    Nicht explizite, aber zum Übertagen angenommene Igelbehausungen:

    • Unter dem (eigentlich recht offenem) Boden eines Holz-Gartenschranks (https://www.thomas-philipps.de/holz-gartenschrank-179cm-natur) hatte ein Igel sich etliches Laub, Gras und andere Pflanzenrese gesammelt (und auf von dem danebenstehenden Laubkomponst profitiert);
    • aneinandergestellte teilweise kaputte große (D>30cm) Tonpflanztöpfe.
    • Einmal hatten wir das Innenteil eines normalen Holzigelkastens vollgestopft mit Laub, Zweigen, ... vorgefunden.

    Ansonsten wohnt derzeit ein Igel in der Garage. Erinnert mich eher an einen Teenager-Nerd: Kommt derzeit nur (mit Wildkamera mehrere Tage beobachtet) zum Fressen des bereitgestellten Futters heraus und geht dann wieder zurück. Wir hoffen, dass er irgendwann auch mal den Weg in den Garten nimmt.