Beiträge von Bonadea

    Ich will nicht wissen, was die oft gleiche Kassiererin im Supermarkt denkt, wenn ich mal wieder die Frustkiste für meine Mitarbeitenden fülle (gerne mal Süßkram für 30-40€), die zum Einsatz kommt, wenn wir personell mal wieder knackig eng besetzt sind.

    Ist nicht so, dass auf meinem Band immer nur Gemüse und Bioprodukte liegen.

    Manchmal kaufe ich auch einfach nur Schokolade, Toilettenpapier und ein 6er Pack Cola Zero (meine große Konsumsünde ...) xD

    Ach ich schau ja auch immer mal auf die Einkäufe von anderen Personen, rein aus Neugierde^^. Aber gerade bei so Teigwaren, es gibt keinen Grund, warum man jetzt aus Gesundheitsperspektive unbedingt Vollkorn bevorzugen sollte (https://www.dietdoctor.com/low-carb/whole-grains .) Von daher...wenn es den Leuten nicht schmeckt, warum sollten sie dann Vollkornbrot etc. kaufen?

    Jeder soll und kann essen was er mag.

    Gesundheitlich kann sowohl Vollkorn, als auch Weißmehl begründete Vor- und Nachteile haben.

    Es ist doch völlig absurd, jemanden oder dessen Einkauf zu beurteilen oder zu denken, man wird beurteilt. Ihr begleitet doch keinen über mehrere Wochen und wisst nicht, ob er den Tag vorher schon einkaufen war und jetzt nur noch ein paar fehlende Sachen holt, ob irgendwas fürs Wochenende geplant ist oder whatever.

    Ich kaufe mitunter Fleisch auch aus dem Supermarkt, meist die runtergesetzten Packungen. Ich bestell aber auch bei KaufneKuh, hab jetzt wieder eine Rettergemüsebox und esse häufig vegetarisch oder vegan. Was will man denn von einem einzelnen Einkauf schließen?

    Klar ist das absurd, bzw. in vielen Fällen sowieso nicht repräsentativ.

    Hat ja auch keiner hier behauptet.

    Aber Kopfkino kann man auch nicht unbedingt abstellen und ich denke davon kann sich niemand freimachen. Ist einfach menschlich.

    Mein persönlicher Eindruck als jemand der täglich die Einkäufe seiner Mitmenschen in der Hand hält: Die Leute haben keinen Bezug zum Essen. Was auf dem Band landet wird nach 3 Kriterien ausgesucht: 1. Ist es ein Markenprodukt ? Markenartikel werden dann ggf gerne in Massen gehortet. 2. Ist es reduziert? 3. Schmeckt es einfach. Gleichzeitig gibt es aber keine Gedanken über die Herkunft der Ware. Da muss der Joghurtbecher beim auspacken nur ein Loch haben oder eine Heidelbeere im Paket schlecht sein dann wird es da gelassen. Wir Kassierer müssen es dann halt wegwerfen, denn die Kunden zwingen es zu kaufen können wir nicht.

    Eins muss ich allerdings sagen: Fleisch und Milchprodukte sind nicht mehr billig. Wenn Kunden reguläres, nicht reduziertes Fleisch auf dem Band haben haut das den Bon richtig nach oben. Genau wie Milchprodukte. Ein Müllermilchreis kostet inzwischen 89Cent, das ist so gesehen teurer als es ein großer Becher Kokosjoghurt der Eigenmarke wäre. Und Milramkäse z.b. kostet fast so viel wie das Ersatzprodukt.

    Also bezogen auf Ersatzprodukte (gut Fleisch weiß ich nicht, weil ich das ja schon sehr, sehr lange nicht mehr esse) - aber die Soja-Alternativen für Joghurt hauen schon richtig rein. Ich zahle für einen 400g Becher Alpro 1,99 (!!!!) und für 500g Joghurt unter 1 Euro.

    Generell sind sehr viele veganen Ersatzprodukte hier bei uns im Vergleich teurer. Aber durch das immer breitere Angebot und immer mehr Supermarkteigenmarken gibt es da immerhin mittlerweile auch immer mehr preiswertere Alternativen.

    Aber grundsätzlich braucht man für eine ausgewogene, gesunde Ernährung viele dieser Ersatzprodukte nicht.

    Verstehe ich sehr gut und ging mir lange auch so. Ich bin aber anfällig für Depressionen - schwere depressive Episoden nach ICD - und muss gut darauf achten, nicht zu viel Gefühl/Engagement in Dinge zu kippen, die ich nicht ändern oder beeinflussen kann. Ein paar Scheuklappen habe ich mir daher bewusst erarbeitet und erarbeiten müssen. Und kultiviere sie.

    Ist nicht schön, aber die Alternative ist schlimmer.

    Absolut verständlich.

    Es bringt selbstverständlich nichts, sich in solchen Dingen "zu verlieren" und besonders, wenn man zu der empathischen Sorte gehört, ist da Abstand definitiv nicht verkehrt. Denn im Endeffekt kann ein Einzelner das System nicht ändern, aber viele Einzelne können das dann eben immerhin ein bisschen zum Wanken bringen!

    Deswegen lese ich hier auch so gerne mit!

    Bonadea

    Das Grübeln über ungehemmten Konsum von Billigfleisch habe ich mir komplett abgewöhnt bzw. versuche zumindest, es sein zu lassen. Ich kanns nicht ändern, will und kann nicht missionieren und letztlich glaube ich auch nicht, dass die Menschheit dieses Ruder vorm Knall noch rumgerissen bekommt. Wer so konsumiert, tut das, ob ich nun unglücklich drüber bin oder nicht. Einen Unterschied machts nur für mich. Und mir tutda eine gewisse gepflegte Ignoranz besser.

    Keine Sorge. Ich bin mittlerweile seit 25 Jahren vegetarisch unterwegs. Ich missioniere mit Sicherheit niemanden (hab es tatsächlich auch nie getan und musste mich als Jugendliche trotzdem auch in der Familie wirklich tausendfach für meinen Nicht-Konsum rechtfertigen, also ich bin da defintiv durch alles "durch"). Trotzdem werde ich tief in mir drin immer ein unangenehmes/trauriges Gefühl empfinden, wenn ich Leute sehe, die Fleisch absolut maßlos konsumieren.

    Ich hab aber auch schon mal 3 Wochen lang am Band gestanden und hab zuckende Schweinehälften untersucht, die 5 Minuten vorher noch gelebt haben, während 5 Meter neben mir irgendwelche Osteuropäer Organe in Kisten geworfen haben.

    Ich habe schreiende Ferkel kastriert. Ich habe 3 Hühner gleichzeitig im kompletten Schutzanzug kopfüber an den Beinen haltend zur Impfstation transportiert, ich habe irgendwelche bescheuerten Exterieuer- und Euterbeurteilungen bei Milchvieh gemacht ...

    Ich hoffe sehr, dass ich Konsum von tierischen Lebensmittel niemals völlig kritiklos hinnehme und mir da ein Restfunken Empathie und Unwohlsein erhalten bleibt ♥

    Ich finds total spannend eure Gedanken dazu zu lesen! Ehrlich.

    Finde meine Gefühle dazu auch so widersprüchlich, deswegen hab ich das mal hier zum Thema gemacht. Finde es echt schön, eure Gedanken zu hören. Und bin ein bisschen froh, dass ich nicht die einzige bin, die sich auch die Einkäufe der anderen anschaut - haha.

    Auf der einen Seite, ein Einkauf ist ja IMMER nur eine Momentaufnahme. Also sollte/kann man ja ohnehin nicht wirklich ein Urteil über die Lebensweise anderer machen. Davon mal ab, dass mich das ja auch eigentlich nichts angeht - ich würde auch niemanden da belehren oder ne Diskussion drüber anfangen - aber ich kann halt gar nicht anders, als mir immer die Einkäufe der anderen anzugucken und mir dann vor meinem Auge auszumalen, wie die wohl so ticken.

    Und davon mal abgesehen, finde ich es natürlich - aus ethischen Gründen - manchmal wirklich echt beklemmend und traurig, wie die Leute sich kiloweise Speck, Hack, Filets, Wurst, Salami aufs Band knallen, als gäbe es kein Morgen mehr. Macht mich einfach traurig.

    Frage mich dann halt immer ... ist denen das egal? Wissen sie es nur nicht?

    Und wenn dann dazu noch sehr viel anderer Mist kommt (Weißbrot, Käse, Süßigkeiten, Softdrinks, Alkohol ...) ... Letztens gehe ich an so einem Pärchen an der Brottheke vorbei und höre ihn genervt sagen: "Mist, nur noch Vollkornprodukte!" und ich dachte nur so "hä? Schlag zu!".

    Klar, die Lebensrealitäten von Menschen sind einfach sehr, sehr unterschiedlich und ich weiß auch, dass mir nicht zusteht darüber zu "urteilen" und das möchte ich auch gar nicht - aber es beschäftigt mich trotzdem.

    Und bzgl. "Ökotussi" - nein, ich stehe komplett hinter meinem Konsumverhalten.

    Ich weiß auch, dass mir da nichts peinlich sein muss. Aber aus irgendeinem Grund komme ich mir dann trotzdem wie so eine "privilegierte, ich weiß alles besser Tussi" vor, oder denke einfach, dass man so auf andere wirken könnte, genauso wie die eben anders rum oft auf mich wirken, als ob ihnen ihre Gesundheit total egal ist.