Beiträge von Testbild

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    Meine Hunde laufen im Alter von einem halben Jahr äußerst selten länger als zehn Minuten an der Leine. Das Hirn gibt meist nicht mehr her ...

    Das liest sich in der Theorie immer so leicht und logisch. Aber was mache ich mit einem Hund, der mit 14 Wochen schon einen Heidenspaß daran hat, Vögel hoch zu scheuchen und mit gefühlt drei Galoppsprüngen an der nächsten Landstraße ist? Und das auch, wenn ich weiter raus fahre.

    Jetzt sehe ich ein bisschen klarer. Hab schon komplett an mir gezweifelt, als ich las "eine einmalige Ansage genügt". Aber es ist dann wohl Definitionssache. Leinenführigkeit heißt für mich "der Karabiner hängt durch". Auch egal, welche Leine und egal ob Geschirr oder Halsband. Bei leichteren Hunden mag das alles noch relativ sein. Aber bei jetzt 36kg zarter Schwungmasse ist das anders nicht machbar, wenn man an seinen eigenen Knochen hängt.

    Nur, es kommt im Schäferhirn wirklich nur in homöopathischen Dosen an. Und je mehr ich mit Verboten gearbeitet habe, umso grelliger wurde ich und umso fiddeliger wurde Frau Hund. Jetzt nehme ich - für mich - den Clicker mit auf Tour, bin dadurch emotionslos und stumm und nun, nach 2 Wochen, merke ich langsam, daß ich zu ihr durchdringe und sie weiß, was ich meine. Und das, obwohl wir eigentlich vom ersten Tag an dran arbeiten. Sie wird morgen 1 Jahr alt. :headbash: Ich hab echt schon gedacht, nach einem Neufundländer und zwei Bouviers bin ich nu echt zu blöd, nen einfachen Schäferhund zu erziehen.

    Die Frage ist ja auch, was das Ziel ist der Leinenführigkeit.

    Mein Ziel ist nicht Entspannung mit hinein zu konditionieren. Die Hunde sollen nicht ziehen. Das beizubringen ist keine langwierige Sache, wenn der Hund bestimmte Dinge vorher gelernt hat und mental soweit ist. Das ist der Grund warum meine Hunde ziehen dürfen, bis sie so ca. ein halbes Jahr alt sind. Und dann nicht mehr. Ohne großes Training. Sie dürfen es dann halt einfach nicht mehr.

    Magst Du kurz erläutern, was "bestimmte Dinge" sind? Wir verzweifeln nämlich gerade fast mit zwei Mann an dem Thema.

    Fiepsen ist bei den meisten Hunde eine schwer steuerbare Reaktion bei Aufregung. Der Hund macht es also nicht bewusst um Euch zu beschleunigen, sondern es kommt einfach so aus ihm raus...

    So ist das bei unseren auch. Speziell die Bouvier-Dame hat seit je her ein sehr dünnes, quasi nicht vorhandenes Nervenkostüm. Und das mündet oft sogar in kreischen, für fiepsen wäre ich dankbar. Jeder Versuch, das zu unterbinden / verbieten, macht das Ganze noch schlimmer und man sieht in ihren Augen, daß sie ÜBERHAUPT nicht versteht, was man gerade von ihr will, denn die Geräusche... "oh, kommt das aus MIR raus?"

    Deshalb bin auch ich geneigt, ohropax zu empfehlen, oder die fehlenden 5 Schlafminuten als Geschenk zu sehen, den Tag entspannter starten zu können und eine Tasse Kaffee mehr zu trinken, bevor es zur Arbeit geht. ;-)

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    Macht es Sinn, dem Hund zu Hause Kauhölzer aus Kaffeeholz anzubieten, damit er seinen "Kautrieb" daran befriedigen kann?

    Kann denselben Effekt haben. Ich habe hier ein Kaffeeholz angeboten, damit das knabbernde Ungetüm noch eine Alternative zum Kong hat. Zweimal hat sie das Holz morgens vor der Fütterung bekommen, zweimal hat sie davon erbrochen. Beim Kong passiert das nicht.

    Wir haben bei all unseren Second-Hand Hunden vom ersten Tag an "die Hausregeln" durchgesetzt, aber quasi im Vorbeifliegen, sprich es wird nichts vom Tisch geklaut, nicht im Haus getobt und sowas. Aber nicht schon explizit trainiert.

    Mit größeren Baustellen, die extra Training bedurften, haben wir gewartet, bis wir das Gefühl hatten, Hund hat sich soweit eingelebt.

    Ja, Briards sagt man ja nach, dass sie dem Wesen des Bouviers ähnlich sind.

    Zum Glück hab ich zumindest für die Unterordnung eine Trainerin aus dem IGP-Bereich, die selber Malinois hält und führt.

    Aber da geht es dann um den Sport und nicht um den Alltag.

    Auf alle Fälle ist der Hund einfach nur klasse, wenn auch manchmal nervenraubend und ich freu mich auf die weitere Reise mit ihr.

    Das sind alles Sachen, die ich eigentlich in der Theorie auch weiß. Aber live und in Farbe ein Gefühl dafür kriegen, ist echt noch mal was anderes.

    Bisher hatte ich Hunde (eine davon auch im Obe geführt) bei denen ich sagen konnte "langsam werden die noch schnell genug". Die musste ich zum arbeiten animieren. Das wollte ich nicht mehr und deshalb wurde es der Schäferhund.

    Jetzt die Balance hinkriegen, keine Scheu vorm ausbremsen zu haben, wird dann meine ganz persönliche Challenge. ;)

    Vielen Dank für Eure Einschätzungen Hummel und QueenyQ .

    Das hilft mir wirklich, denn es fällt mir noch recht schwer, einzuschätzen, ob es jetzt zu viel oder zu wenig war, oder ob es einfach nur der ganz normale Schäfer-Junghund-Wahn ist, der sie wie eine Boden-Lenkrakete durchs Leben führt. xD

    Fürs Köpfchen mache ich mir tatsächlich wenig Sorgen, das ist auf jeden Fall genug Programm, das merke ich auch.

    Ich kenn es halt nur von mir selber, daß wenn ich viel Konzentrationsarbeit hatte, ich zwar platt bin, aber das ist so ein unzufriedenes platt sein.

    Und da war ich unsicher, ob es evtl noch irgendwo Dampf ablassen muß.

    Die Bouviers, obwohl ja eigentlich auch Gebrauchshunde, hatten nicht ansatzweise so viel Power. Ich weiß nicht, wie oft wir sagen, "wir müssen mal den Espresso weglassen bei ihr". :D Aber im Grunde war das auch genau das, was wir haben wollten. Es muß jetzt nur noch in vernünftige Bahnen gelenkt werden und die sollen auf Dauer nicht über Tische und Bänke oder Runde um Runde an der Hecke lang sein.

    Mit all Euren Antworten fühle ich mich jetzt schon auf dem richtigen Weg. :bindafür:

    Und jetzt, nach 3km Text noch mal zurück zu meiner Frage

    🤣

    Ideen, wie ich sie gefahrlos auch körperlich auspowern kann?

    Du könntest sie mit 11 Monaten langsam an das Fahrrad gewöhnen. Ich fang Radfahren mit meinen Hunden ab 12 Monaten an, gewöhne sie aber vorher schon langsam daran.

    Wie sieht denn aus mit Fährten? Da hat sie auch was für den Kopf und die Jahreszeit ist günstig, weil die meisten Landwirte mit der Bewirtschaftung durch sind. Da bekommt man leichter die Erlaubnis. Fährten Deine Vereinskollegen? Da könntest Du dich vllt anschließen.

    Ein, zwei Runden a so etwa 10 Minuten haben wir schon gedreht, tatsächlich, um ihr zu erklären, wie das später funktionieren soll. Trau ich mich ehrlich gesagt aber auch nur im hellen. :ugly:

    Fährten würde ich liiebend gern. Sie ist super mit der Nase unterwegs und wenn sie was sucht, hat sie von selber schon die Nase fein unten. Habs aber selber noch nie gemacht und in meinem Verein fährtet niemand. Und auch das... im dunklen?

    Aber da bringst Du mich auf was. Ich habe mit unserer Bouvierhündin eine Zeit lang Mantrailing gemacht. Und so spaßmässig könnte sich ja auch mein Mann verstecken. Das soll ja nicht unsere Wettkampfsportart werden.