Ich hol dann auch etwas weiter aus 
Ich habe Janosch (Terriermix aus Ungarn) seit er zwei Jahre alt ist. Die ersten zwei Jahre habe ich an seinem Leinenpöbeln, das teilweise echt heftig ausfiel, auch mit rückgerichteter Aggression oder Übersprungshandlung, mit Hilfe von Trainern bearbeitet. Der Erfolg ging so ziemlich gegen 0. Es waren schon hilfreiche Sachen dabei, aber egal ob mit Schreckreiz oder mit schönclickern, da hat nichts wirklich geholfen. Ich habe also die nächsten 6 Jahre mit dem Thema abgeschlossen. Er ist ein kleiner Hund wie deiner und mei dann kläfft er halt. Mit Ausweichen oder bei Engstellen ihn hochnehmen kam ich klar.
Zwischendrin bin ich mit ihm umgezogen und habe gemerkt, dass er im ländlichen Umfeld sehr viel ruhiger und weniger gestresst ist als in der Stadt. Dieser Stress in der Stadt hatte sich auch schon körperlich ausgewirkt. So richtig aufgefallen ist mir das erst, als wir eben woanders wohnten. Leo zog dann bald ein und wenn Janosch pöbelte, musste der brav sein. Ein großer pöbelnder Hund an der Leine zusätzlich zum Kleinen ist meine Horrorvorstellung, da hätte ich alles gemacht um das zu verhindern.
So ging das eigentlich alles ganz gut. Ich hatte viel Verständnis für Janosch, hab ihn gelobt wenn er mal nicht so heftig war und ansonsten sein Verhalten eher ignoriert.
Tja und dann besuchte ich ein Seminar von einem ziemlichen Hardliner (der aber sehr viel drauf hat was die Lerntheorie angeht). Es ging nicht mal um die allgemeine Hundeerziehung, aber ich habe mich anstecken lassen und als wir in einer Pause die Hunde aus den Autos lassen konnten und zum Lösen gingen, reagierte ich einmal ziemlich heftig. Janosch war aufgeregt, eh klar, viele andere Hunde und er wollte sich in seiner üblichen Manier hochpushen, er hatte noch nicht gekläfft und da kam von mir schon die Maßregelung. Den Rest des Spaziergangs tat er mir Leid, was ich mir nicht anmerken ließ, aber er war mega brav, egal ob bei Hundebegegnungen oder was das Leine ziehen an ging. Er bekam dafür von mir dann auch sein Lob.
Zuhause angekommen habe ich das Ganze nochmal reflektiert und überlegt wie ich weiter vorgehen möchte. Für mich war klar, dass ich Janosch nicht ewig so heftig maßregeln will, aber das ich meinen Anspruch verändert habe.
Ab da habe ich von ihm erwartet, dass er jetzt ruhig ist bei Begegnungen und das auch durchgesetzt. Da gabs kein "der andere hat dich zuerst angebellt, da ist das ja verständlich" mehr oder "das war jetzt auch viel zu nah". Ich wollte einfach nicht mehr, dass er pöbelt. Das Leine ziehen lasse ich auch nicht mehr zu, egal in welcher Situation.
Ich habe eh die Feststellung gemacht, dass ein nicht ziehender Hund eher nicht pöbelt, also kann man das als erstes angehen.
Am schnellsten und nachhaltigsten haben meine Hunde das begriffen, als ich sie nicht mehr überholen ließ. Jedes Mal wenn sie das versucht haben, habe ich mich vor ihnen rumgedreht und sie körpersprachlich und ganz ruhig wieder etwas hinter gedrängt oder ihnen einfach nur den Weg abgeschnitten. Das hat anfangs etwas gedauert, aber irgendwann gings. Echt erstaunlich war dann zu sehen, dass die lockere Leine auch ein hochpushen bei Hundesichtung verhindert hat. Ich musste gar nichts mehr sagen, Janosch blieb einfach bei mir, überholen ging ja nicht und er bekam seinen Keks. (Die Leine war beim Korrigieren immer locker)
Inzwischen muss ich sagen, dass ich bei Leinenpöblern nicht mehr so viel davon halte ewig auszuweichen, umzukehren oder schön zu clickern. Es gibt einfach Situation die ein Hund auch mal aushalten lernen muss und bei denen man klar machen muss, das ein bestimmtes Verhalten nicht akzeptiert wird. Strafe ist hier kein Allheilmittel, aber abhängig vom Hund und von seinen Beweggründen kann es auch helfen Sicherheit zu geben, weil der Hund einfach einen klaren Rahmen bekommt. Und Strafe, wenn sie stark genug ist, wirkt eben auch sofort. Wenn man das richtig weiter führt, kann es zielführend sein und richtig angewandt finde ich das besser als jahrelang rumzudoktorn und den Hund im Stress zu lassen.
Mit Janosch kann ich jetzt entspannter als die letzten 6 Jahre durch den Alltag gehen und ich würde mir wünschen ihm schon früher diese Klarheit gegeben zu haben. Er ist dadurch auch nicht verunsicherter geworden o.Ä., eher im Gegenteil. Entspannter und leichtführiger im Alltag.